SPIEL’26: Tag 3 und mein persönliches Fazit
Mit etwas Verspätung gibt es das Update zum dritten Tag auf der SPIEL. Selten schaffe ich das am letzten Tag, da die Heimfahrt nochmal knapp drei Stunden Zeit frisst und ich nach den drei Tagen auch ziemlich platt bin.
Die letzten Jahre bin ich drum herum gekommen, dieses Jahr allerdings habe ich nicht nur ein paar Spiele mit nach Hause genommen sondern auch ein paar Bakterien. Ich liege also flach… Husten, Kopfschmerzen, Halsschmerzen. Dinge, die niemand braucht. Aber so ist es leider. Daher nun ein Update auf Etappen per Smartphone.
Kommen wir aber erstmal zum Samstag, bevor meine Erinnerung vollends schwindet. Primäres Ziel war an dem Tag eine Partie von The Mix und Timespan. Die Hälfte davon habe ich geschafft. Ich bin also vom Eingang Ost Richtung 3 gewandert, was kurz vor offizieller Öffnung sogar noch einigermaßen schnell ging. Allerdings hat dieser Bonus trotzdem nicht geholfen, denn die ersten Partien waren bereits mitten in der Regelerklärung. Also habe ich kehrt gemacht und bin zurück zu Halle 8. Etwas Sport am Morgen. Weiter auseinander liegen hätten die beiden Zielorte natürlich auch nicht. Um kurz nach 10 konnte ich mir dann noch einen freien Slot an einem Tisch bei HABA für den frühen Nachmittag ergattern.
Etwas planlos bin ich dann durch die Hallen und habe dann am dritten teils belegten Tisch zu Gaudí bei HUCH noch einen freien Slot bekommen.
Gaudí
Mein zu dem Zeitpunkt anwesender Mitspieler war ein sehr sympathischer Brasilianer mit richtig guten Deutschkenntnissen. Einige Minuten später sind dann auch die verbleibenden zwei Spieler eingetroffen und zeitgleich ein Spielerklärer von Huch, der uns die Neuheit souverän und sicher erklärt hat. Um was geht es bei Gaudí? Der Strich auf dem „I“ lässt vermuten, dass es sich hier nicht um ein Partyspiel handelt, sondern es sich tatsächlich um den berühmten spanischen Architekten handelt. Im Laufe des Spiels, das aktionsgesteuert über drei Runden läuft, konstruieren wir uns Fenstermosaik aus viele kleinen Bruchstücken zusammen. Zusätzlich sammeln wir aus drei verschiedenen Kategorien Karten, die uns entweder einen Sofortbonus bieten, am Ende jeder Runde gewertet werden oder am Spielende zählen. Reihum wählen wir auf dem Aktionsrad eine Aktion. Die Aktion sind gesplittet. Stehen wir an erster Stelle dürfen wir beide Aktionen durchführen, ansonsten müssen wir uns entscheiden. Damit sammeln wir Splitter, ziehen Karten, spielen Karten aus oder werten unseren Kamin auf, das uns unterschiedliche Boni liefert. Die Sprungweite auf dem Aktionsrad ist jedem selbst überlassen. Sobald der erste jedoch das Ende des Rades erreicht hat wird auch das Rundenende ausgelöst. Solange die Mitspieler im linken gelben Teil des Rades stehen dürfen sie weiterhin frei Aktionen wählen, jedoch nur noch eine weitere Aktion im rechten roten Bereich. Das Ganze machen wir drei Runden lang, dann kommt es zur Auswertung. Während unserer Züge bewegen wir uns auf drei unterschiedlichen Siegpunktleisten nach oben. Und ja, richtig vermutet. Der höchste Wert wird gestrichen, die anderen beiden addiert. Dazu kommt dann noch die Fensterwertung nach einem ähnlichen Prinzip.![]()
In Summe haben wir bei diesem Kennerspiel knapp eineinhalb Stunden gespielt, was jedoch in dieser Partie auch an den zwei Spielern lag, die später dazu kommen. Die Runde war… Ich sag mal „schwierig“. Davon abgesehen hat mich das Spiel direkt abgeholt. Die Aktionsauswahl ist spannend, speziell auch die Entscheidung zwischen der Haupt- und Nebenaktion. Das kann man dann war umgehen, wenn man sich immer vorne dran setzt, aber dann ist die Runde halt auch schnell vorbei. Der Spielplan ist bunt, aber nicht unübersichtlich. Ein Highlight wäre es gewesen, wenn die Splitterplättchen aus transparentem Plastik gewesen wären (wie z.b. bei Mille Fiori). Das Spiel ist erschienen bei Devir, Huch lokalisiert das Spiel. Die eigenen Exemplare waren anscheinend noch nicht angekommen, daher haben sie die Devir Version verkauft, mit deutscher Anleitung als Zugabe. Da das Spiel aber sprachneutral ist kein störender Faktor. Spoiler: Huch war am frühen Nachmittag ausverkauft, bei Devir ist das letzte Exemplar am Samstag frühen Abend über den Tisch. Ich habe es mir direkt nach der Partie eingepackt.
Da meine Mitspieler Gaudí unbedingt bis zum Ende spielen wollten, ist die Zeit jedoch auch schon fortgeschritten. Es war viertel nach 12, als ich den Huch Stand wieder verlassen habe. Im Anschluss habe ich mit ein paar Bekannten auf einen kurzen Talk getroffen. Auch Dirk, der bis dahin alleine unterwegs war, hat sich wieder zu mir gesellt. Da ich um halb 3 den Tisch bei HABA hatten sind wir von der Galeria gemütlich durch die Hallen gewandert, haben den einen oder anderen Blick geworfen und waren dann pünktlich vor Ort.
The Mix
Das Spiel, bei dem wir ein Barkeeper der Foxtrot Bar sind und um die Gunst der Gäste buhlen, ist ursprünglich von Roose.Games und wurde Ende letzten Jahres über Kickstarter in einer opulenten Version finanziert. Eine vom Material her etwas abgespecktere Variante ist jetzt bei HABA erschienen, die seit dem letzten Jahr ihr Sortiment konsequent ausbauen und vom reinen Kinderspiel Verlag weggehen. Und ich denke, The Mix ist ein guter Einstieg in die Kennerspiel Branche. Da sind wir… Eher im unteren Bereich, aber das ist nicht falsch. Wie eingangs erwähnt mixen wir für unsere Gäste in klassischer Euro Game Worker Placement Manier die unterschiedlichsten Cocktails. Dazu nutzen wir unsere drei Figuren zur Wahl der Aktion und kaufen damit Zutaten (teuer) aus dem Shop, ohne Zusatzkosten aus unserem Lager, holen uns neue Gäste mit neuen Wünschen an die Bar und, wenn alle Zutaten im Mixer sind, servieren diesen (natürlich nach einem echten physischen Schütteln, das muss sein!) unserem Kunden. In der anfangs geführten Partie und zwei weiteren Runden haben wir einen guten Einblick in die Partie erhalten, auch dank der hervorragenden und sympathischen Erklärung von Matthias, der 2026 das erste Mal diesen Job übernommen hat. Well done, Matthias! Zum Spiel: es sieht toll aus, hat ein aus meiner Sicht unverbrauchtes Thema, erfindet aber nichts neu. Es ist ein solides Spiel, das das Arbeiten in der Bar gut rüberbringt. Die Spielzeit liegt bei knapp 25-30 Minuten pro Person. Über die Langzeit Motivation kann ich natürlich nicht sagen aber ich freue mich auf meine richtige Erstpartie zu Hause. Der vierte Spieler, der als Ersatz für einen Ausfall auf unserer Seite eingesprungen ist als auch ich haben uns am Verkaufstand von HABA wieder getroffen. Für sehr gute 56 € haben wir das Spiel und zwei Booster Packs erhalten. Die englische Deluxe Variante liegt bei 90 € und enthält Triple Layer Boards und einen schicken Sortiereinsatz. Das war mir der Aufpreis allerdings nicht wert.
Da wir beschlossen hat uns gegen halb sechs auf den Heimweg zu machen hat die verbleibende Zeit nicht mehr für eine größere Partie gereicht, mal ganz davon abgesehen, dass das Finden zweier freier Plätze sowieso nicht so einfach geworden ist. Also sind wir erneut ziellos durch die Hallen und haben spontan gestoppt bei Big Moustache Games, die mit Vroom einen außergewöhnlichen Titel auf dem Tisch liegen haben.
Vroom
Ein Tisch, auf dem neben dem Spiel alles mögliche liegt. Ein Topf, eine Flasche, eine Plastikzwiebel, ein kleiner Plastikstuhl, ein Kochlöffel. Ich dachte erst an Dekoration, aber das war ein Trugschluss. Auch wenn wir anfangs nur zu zweit am Tisch saßen hat sich die Truppe schnell auf sechs Spieler erweitert, der Maximalbesetzung für das kooperative Rennspiel, in der jeder Spieler sein eigenes kleines Fahrzeug steuert. Als Rennstrecke fungiert dabei der Tisch selbst. Wir müssen nun nur noch in der richtigen Reihenfolge durchs Ziel kommen. Blöd, dass wir die nicht kennen. Jeder erhält über fünf Runde eine für die anderen geheime Zahlenkarte mit einem Wert zwischen 1 und 7. Und muss, entsprechend seiner eigenen Einschätzung seinen Wagen nach vorne bewegen. Ziel: mit der fünften Karte muss zumindest ein Wagen durchs Ziel kommen. Danach muss die Summe den Platzierungen entspricht. Man addiert die Zielkarten der Spieler und vergleicht sie mit der Position. Der Fahrer ganz vorne muss die höchste Summe vorweisen, der letzte die niedrigste. Das klingt ziemlich chaotisch, war es im ersten Rennen auch. Da hat wenig gestimmt und wir haben zwei unserer drei Fehlerkarten bereits verbraucht. Insgesamt spielen wir drei Rennen, ab Rennen 2 kommen neue Regeln dazu und hier kommen nun die eingangs erwähnten Materialien zu Trage. Die werden platziert und wir müssen diese umfahren. Das Spiel selbst hält noch eine Vielzahl an weiteren Regeln in der Kiste bereit, die man im Legacy Style nach und nach freischaltet. Das Spiel selbst war wirklich lustig, auch wenn es nicht meine Art Spiel ist. Faszinierend war jedoch, dass wir Runde zwei nahezu perfekt (mit nur einem Fehler) überstanden haben. Da gibt es eine echt große Lernkurve. Es war jedenfalls ein ungewöhnlicher Abschluss des Tages.
Richtig, Abschluss. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits kurz nach fünf. Dirk wollte nochmal kurz für ein Schwätzchen zum Noctis Verlag in Halle 3. Danach sind wir zum Parkplatz und hatten dank trockenem Wetter eine sehr entspannte Heimfahrt.
Mein persönliches Fazit
Drei Tage in Essen. Knapp 35.000 Schritte. Alle acht Hallen. Ein neuer Besucherrekord mit 230.000 Besuchern, vier ausverkaufte Tage. Über 2.000 Neuheiten bei knapp 1.000 Ausstellern. Die Messe in Essen ist am Limit. Weitere Hallen gibt es nicht. Aber die Gerüchte über einen Umzug wurden in der Pressemitteilung von heute morgen direkt entkräftet. Die SPIEL bleibt in Essen.
Aber nun wirklich zu meinem persönlichen Eindruck. Die Messe war voll, definitiv. Durch die Erweiterung um Halle 8 sind zwar einige Besucher mehr dazu gekommen, aber die haben sich doch überwiegend verteilt. Es gab wie immer einige Flaschenhälse. Rund um den Stand von Kosmos stockte es regelmäßig, auch Asmodee hat immer mal wieder Stau produziert. In Halle 3 dann der Stand von Pegasus. Aber das kennt man und gehört auch ein bißchen dazu. Gefühlt war jedoch die Messe ziemlich dahinter her, diese Engstellen frühzeitig aufzulösen. So hat Pegasus eine zusätzliche Stellwand angebracht, an anderen Orten haben Verlagsmitarbeiter die Schlangen kontrolliert verschoben und geordnet. Zusammengefasst konnte man sich recht gut (die langjährigen Besucher verstehen, was genau das bedeutet) bewegen.
Was ein Punkt im Fazit wert ist: die Entwicklung der Preise. Die Eintrittskarten haben angezogen, die Spiele ebenfalls.
Für eine „große“ Neuheit hat man mindestens 60 € auf den Tisch gelegt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Das liegt aber neben dem gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten auch an den immer opulenteren Ausstattung. Double Layer ist schon fast der Standard, individuell geformte Figuren, Miniaturen. Und das sieht man inzwischen nicht nur mehr bei Kenner- und Expertenspielen. Auch bei klassischen Familienspielen kommen die Titel mit immer mehr Material daher, so dass sich das auch auf den Preis schlagen muss. Aber die Zielgruppe ist anscheinend bereit, es auch zu zahlen. Rucksäcke bis oben voll bepackt, die Trollies beladen bis an deren Limit (und es immer noch die Hölle, wenn so ein Ding auf einmal vor deinen Füßen auftaucht). Ich selbst bin ja auch ein Fan von „hübschen“ Spielen, setze da aber auch Grenzen. Wie oben erwähnt bei The Mix.
In noch absurderen Gefilden begibt man inzwischen bei der Verpflegung. 8,40 € haben wir für zwei kleine Becher Cappuccino bezahlt, der noch nicht mal danach geschmeckt hat und mehr heiße Milch als sonst etwas war. Die Essenstände haben zwar ein attraktives Sortiment aufgefahren, aber die Preise sind auch happig. 14 € für einen kleinen Wrap, selten gibt es Essen im einstelligen Bereich. Selbst an der Tankstelle und an Flughäfen, die wirklich für hohe Preise bekannt sind, liegen auf einem niedrigeren Niveau. Mich betrifft das nicht mehr, da ich seit vielen Jahren ein paar Snacks für den Tage einpacke, gut frühstücke und den Abend dann lieber in einem guten Restaurant ausklingen lasse. Da zahle ich genauso viel, aber habe mehr davon. Außerdem spare ich mir viel Wartezeit. 20 min in so einer Schlange sind keine Seltenheit.
Ein weitere Punkt, dieses Mal jedoch ein sehr positiver: mit inzwischen etwa 15 Jahren Messeerfahrung (ich weiß leider nicht mehr genau, wann ich das erste Mal dort war) habe ich viel erlebt. Besonders beim Erklären von Spielen. Von abgrundtief schlecht und auch teils komplett falsch bis hin zu einer nahezu perfekten Regelerklärung war alles dabei. Und das wird von Jahr zu Jahr besser. In 2026 hatte ich durchweg richtig gute Erklärungen an den Tischen. Klar strukturiert, freundlich, vorbereitet. Jederzeit für Fragen erreichbar und selbst wenn man eine Frage nicht beantwortet worden konnte wurde das nach wenigen Minuten klargestellt. Das freut mich wirklich sehr. Ebenso gut finde ich, dass viele Verlage die Spielzeit limitierten. Ich muss ein Spiel nicht bis in die letzte Minute ausreizen, muss jeden Siegpunkt mitnehmen. Das kann ich im Anschluss in Ruhe zu Hause machen, eine erste Einschätzung zur Qualität eines Spiels ist auch nach ein paar. Runden möglich. Ebenso toll finde ich geführte, geskriptete Partien („ich denke, du willst jetzt diese Karte ziehen und die Figur dorthin setzen“). Damit hat man zwar erst keine eigene Entscheidungskraft, kommt aber viel schneller in die Partie. Wie oft sitze ich nach der Regelkunde vor dem Spiel und denke: Ja, gut. Jetzt… Ähm. Joa.
Einen weiteren Trend, der mir aufgefallen ist: es gab viele Spiele auf den Tischen, die noch nicht verfügbar sind. Seit Jahren gibt es ganz traditionell natürlich verspätete Schiffe. Das meine ich nicht. Spiele, die erst 2027 erscheinen, aber schon vorgeführt werden. Vielleicht habe ich auch nur zufällig genau diese erwischt. Aber so extrem wie in diesem Jahr ist mir das vorher nicht aufgefallen.
Alles in Allem war es eine schöne und spannende Messe. Im letzten Jahr war ich unsicher, ob ich auch 2026 wieder fahre, das Hotel war mit der Option auf eine kostenlose Stornierung gebucht. Aber ich bin froh, dass ich dort war, viele neue Spiele kennengelernt habe, alte Bekannte getroffen habe. Ich habe die gespielten Partien überwiegend geschätzt.
Eine große Loot Liste werde ich hier nicht veröffentlichen. Die aktiven Leser werden zwischen den Zeilen mitbekommen haben, was in der Tasche gelandet ist. Der Trend geht hier auch immer mehr zu „mehr, mehr und noch mehr“. Ich selektiere sehr stark und kaufe selten aus dem Bauch heraus. In Summe sind 7 Titel aus Essen mit nach Hause gefahren, zwei habe ich bestellt. Eins ist schon vor der Messe eingetroffen.
Ich bedanke mich hier nochmal bei allen Erklärbären, die uns den Einstieg in die Spiele ermöglicht haben. Danke an die netten Gespräche. Ein Dank geht auch an die ganzen Trolli Besitzer, die mir die Teile regelmäßig vor die Füße gehauen haben. Auch immer gerne gesehen und daher verdienen sie Danke: Menschen, die in einer Gruppe vollkommen unerwartet mitten im Gang stehen bleiben, um sich zu unterhalten. Vielleicht stoppe ich jetzt besser den Sarkasmus an dieser Stelle.
Anschließend noch ein Dank an euch, die diese Zielen lesen, kommentieren und diese Seite zu dem gemacht haben, was sie jetzt ist.
Und… Jetzt kommt wirklich der letzte Absatz: Danke auch an Dirk, dass du mich erträgst (auch wenn das natürlich auf Gegenseitigkeit beruht). Wir kennen uns seit fast 10 Jahren und haben uns eigentlich nur durch Zufall, aber eben durch den Blog hier, kennen und schätzen gelernt. Aus dem anfänglichen „Wir spielen ab und an eine Partie“ ist eine enge Freundschaft entstanden.
Rechtschreibfehler dürft ihr gerne behalten und ins Sammelalbum kleben. Der Artikel ist komplett mit SI (Sascha Intelligence) entstanden :)



