SPIEL’26: Tag 3 und mein persönliches Fazit
Mit etwas Verspätung gibt es das Update zum dritten Tag auf der SPIEL. Selten schaffe ich das am letzten Tag, da die Heimfahrt nochmal knapp drei Stunden Zeit frisst und ich nach den drei Tagen auch ziemlich platt bin.
Die letzten Jahre bin ich drum herum gekommen, dieses Jahr allerdings habe ich nicht nur ein paar Spiele mit nach Hause genommen sondern auch ein paar Bakterien. Ich liege also flach… Husten, Kopfschmerzen, Halsschmerzen. Dinge, die niemand braucht. Aber so ist es leider. Daher nun ein Update auf Etappen per Smartphone.
Kommen wir aber erstmal zum Samstag, bevor meine Erinnerung vollends schwindet. Primäres Ziel war an dem Tag eine Partie von The Mix und Timespan. Die Hälfte davon habe ich geschafft. Ich bin also vom Eingang Ost Richtung 3 gewandert, was kurz vor offizieller Öffnung sogar noch einigermaßen schnell ging. Allerdings hat dieser Bonus trotzdem nicht geholfen, denn die ersten Partien waren bereits mitten in der Regelerklärung. Also habe ich kehrt gemacht und bin zurück zu Halle 8. Etwas Sport am Morgen. Weiter auseinander liegen hätten die beiden Zielorte natürlich auch nicht. Um kurz nach 10 konnte ich mir dann noch einen freien Slot an einem Tisch bei HABA für den frühen Nachmittag ergattern.
Etwas planlos bin ich dann durch die Hallen und habe dann am dritten teils belegten Tisch zu Gaudí bei HUCH noch einen freien Slot bekommen.
Gaudí
Mein zu dem Zeitpunkt anwesender Mitspieler war ein sehr sympathischer Brasilianer mit richtig guten Deutschkenntnissen. Einige Minuten später sind dann auch die verbleibenden zwei Spieler eingetroffen und zeitgleich ein Spielerklärer von Huch, der uns die Neuheit souverän und sicher erklärt hat. Um was geht es bei Gaudí? Der Strich auf dem „I“ lässt vermuten, dass es sich hier nicht um ein Partyspiel handelt, sondern es sich tatsächlich um den berühmten spanischen Architekten handelt. Im Laufe des Spiels, das aktionsgesteuert über drei Runden läuft, konstruieren wir uns Fenstermosaik aus viele kleinen Bruchstücken zusammen. Zusätzlich sammeln wir aus drei verschiedenen Kategorien Karten, die uns entweder einen Sofortbonus bieten, am Ende jeder Runde gewertet werden oder am Spielende zählen. Reihum wählen wir auf dem Aktionsrad eine Aktion. Die Aktion sind gesplittet. Stehen wir an erster Stelle dürfen wir beide Aktionen durchführen, ansonsten müssen wir uns entscheiden. Damit sammeln wir Splitter, ziehen Karten, spielen Karten aus oder werten unseren Kamin auf, das uns unterschiedliche Boni liefert. Die Sprungweite auf dem Aktionsrad ist jedem selbst überlassen. Sobald der erste jedoch das Ende des Rades erreicht hat wird auch das Rundenende ausgelöst. Solange die Mitspieler im linken gelben Teil des Rades stehen dürfen sie weiterhin frei Aktionen wählen, jedoch nur noch eine weitere Aktion im rechten roten Bereich. Das Ganze machen wir drei Runden lang, dann kommt es zur Auswertung. Während unserer Züge bewegen wir uns auf drei unterschiedlichen Siegpunktleisten nach oben. Und ja, richtig vermutet. Der höchste Wert wird gestrichen, die anderen beiden addiert. Dazu kommt dann noch die Fensterwertung nach einem ähnlichen Prinzip.
In Summe haben wir bei diesem Kennerspiel knapp eineinhalb Stunden gespielt, was jedoch in dieser Partie auch an den zwei Spielern lag, die später dazu kommen. Die Runde war… Ich sag mal „schwierig“. Davon abgesehen hat mich das Spiel direkt abgeholt. Die Aktionsauswahl ist spannend, speziell auch die Entscheidung zwischen der Haupt- und Nebenaktion. Das kann man dann war umgehen, wenn man sich immer vorne dran setzt, aber dann ist die Runde halt auch schnell vorbei. Der Spielplan ist bunt, aber nicht unübersichtlich. Ein Highlight wäre es gewesen, wenn die Splitterplättchen aus transparentem Plastik gewesen wären (wie z.b. bei Mille Fiori). Das Spiel ist erschienen bei Devir, Huch lokalisiert das Spiel. Die eigenen Exemplare waren anscheinend noch nicht angekommen, daher haben sie die Devir Version verkauft, mit deutscher Anleitung als Zugabe. Da das Spiel aber sprachneutral ist kein störender Faktor. Spoiler: Huch war am frühen Nachmittag ausverkauft, bei Devir ist das letzte Exemplar am Samstag frühen Abend über den Tisch. Ich habe es mir direkt nach der Partie eingepackt.
Da meine Mitspieler Gaudí unbedingt bis zum Ende spielen wollten, ist die Zeit jedoch auch schon fortgeschritten. Es war viertel nach 12, als ich den Huch Stand wieder verlassen habe. Im Anschluss habe ich mit ein paar Bekannten auf einen kurzen Talk getroffen. Auch Dirk, der bis dahin alleine unterwegs war, hat sich wieder zu mir gesellt. Da ich um halb 3 den Tisch bei HABA hatten sind wir von der Galeria gemütlich durch die Hallen gewandert, haben den einen oder anderen Blick geworfen und waren dann pünktlich vor Ort.
The Mix
Das Spiel, bei dem wir ein Barkeeper der Foxtrot Bar sind und um die Gunst der Gäste buhlen, ist ursprünglich von Roose.Games und wurde Ende letzten Jahres über Kickstarter in einer opulenten Version finanziert. Eine vom Material her etwas abgespecktere Variante ist jetzt bei HABA erschienen, die seit dem letzten Jahr ihr Sortiment konsequent ausbauen und vom reinen Kinderspiel Verlag weggehen. Und ich denke, The Mix ist ein guter Einstieg in die Kennerspiel Branche. Da sind wir… Eher im unteren Bereich, aber das ist nicht falsch. Wie eingangs erwähnt mixen wir für unsere Gäste in klassischer Euro Game Worker Placement Manier die unterschiedlichsten Cocktails. Dazu nutzen wir unsere drei Figuren zur Wahl der Aktion und kaufen damit Zutaten (teuer) aus dem Shop, ohne Zusatzkosten aus unserem Lager, holen uns neue Gäste mit neuen Wünschen an die Bar und, wenn alle Zutaten im Mixer sind, servieren diesen (natürlich nach einem echten physischen Schütteln, das muss sein!) unserem Kunden. In der anfangs geführten Partie und zwei weiteren Runden haben wir einen guten Einblick in die Partie erhalten, auch dank der hervorragenden und sympathischen Erklärung von Matthias, der 2026 das erste Mal diesen Job übernommen hat. Well done, Matthias! Zum Spiel: es sieht toll aus, hat ein aus meiner Sicht unverbrauchtes Thema, erfindet aber nichts neu. Es ist ein solides Spiel, das das Arbeiten in der Bar gut rüberbringt. Die Spielzeit liegt bei knapp 25-30 Minuten pro Person. Über die Langzeit Motivation kann ich natürlich nicht sagen aber ich freue mich auf meine richtige Erstpartie zu Hause. Der vierte Spieler, der als Ersatz für einen Ausfall auf unserer Seite eingesprungen ist als auch ich haben uns am Verkaufstand von HABA wieder getroffen. Für sehr gute 56 € haben wir das Spiel und zwei Booster Packs erhalten. Die englische Deluxe Variante liegt bei 90 € und enthält Triple Layer Boards und einen schicken Sortiereinsatz. Das war mir der Aufpreis allerdings nicht wert.
Da wir beschlossen hat uns gegen halb sechs auf den Heimweg zu machen hat die verbleibende Zeit nicht mehr für eine größere Partie gereicht, mal ganz davon abgesehen, dass das Finden zweier freier Plätze sowieso nicht so einfach geworden ist. Also sind wir erneut ziellos durch die Hallen und haben spontan gestoppt bei Big Moustache Games, die mit Vroom einen außergewöhnlichen Titel auf dem Tisch liegen haben.
Vroom
Ein Tisch, auf dem neben dem Spiel alles mögliche liegt. Ein Topf, eine Flasche, eine Plastikzwiebel, ein kleiner Plastikstuhl, ein Kochlöffel. Ich dachte erst an Dekoration, aber das war ein Trugschluss. Auch wenn wir anfangs nur zu zweit am Tisch saßen hat sich die Truppe schnell auf sechs Spieler erweitert, der Maximalbesetzung für das kooperative Rennspiel, in der jeder Spieler sein eigenes kleines Fahrzeug steuert. Als Rennstrecke fungiert dabei der Tisch selbst. Wir müssen nun nur noch in der richtigen Reihenfolge durchs Ziel kommen. Blöd, dass wir die nicht kennen. Jeder erhält über fünf Runde eine für die anderen geheime Zahlenkarte mit einem Wert zwischen 1 und 7. Und muss, entsprechend seiner eigenen Einschätzung seinen Wagen nach vorne bewegen. Ziel: mit der fünften Karte muss zumindest ein Wagen durchs Ziel kommen. Danach muss die Summe den Platzierungen entspricht. Man addiert die Zielkarten der Spieler und vergleicht sie mit der Position. Der Fahrer ganz vorne muss die höchste Summe vorweisen, der letzte die niedrigste. Das klingt ziemlich chaotisch, war es im ersten Rennen auch. Da hat wenig gestimmt und wir haben zwei unserer drei Fehlerkarten bereits verbraucht. Insgesamt spielen wir drei Rennen, ab Rennen 2 kommen neue Regeln dazu und hier kommen nun die eingangs erwähnten Materialien zu Trage. Die werden platziert und wir müssen diese umfahren. Das Spiel selbst hält noch eine Vielzahl an weiteren Regeln in der Kiste bereit, die man im Legacy Style nach und nach freischaltet. Das Spiel selbst war wirklich lustig, auch wenn es nicht meine Art Spiel ist. Faszinierend war jedoch, dass wir Runde zwei nahezu perfekt (mit nur einem Fehler) überstanden haben. Da gibt es eine echt große Lernkurve. Es war jedenfalls ein ungewöhnlicher Abschluss des Tages.
Richtig, Abschluss. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits kurz nach fünf. Dirk wollte nochmal kurz für ein Schwätzchen zum Noctis Verlag in Halle 3. Danach sind wir zum Parkplatz und hatten dank trockenem Wetter eine sehr entspannte Heimfahrt.
Mein persönliches Fazit
Drei Tage in Essen. Knapp 35.000 Schritte. Alle acht Hallen. Ein neuer Besucherrekord mit 230.000 Besuchern, vier ausverkaufte Tage. Über 2.000 Neuheiten bei knapp 1.000 Ausstellern. Die Messe in Essen ist am Limit. Weitere Hallen gibt es nicht. Aber die Gerüchte über einen Umzug wurden in der Pressemitteilung von heute morgen direkt entkräftet. Die SPIEL bleibt in Essen.
Aber nun wirklich zu meinem persönlichen Eindruck. Die Messe war voll, definitiv. Durch die Erweiterung um Halle 8 sind zwar einige Besucher mehr dazu gekommen, aber die haben sich doch überwiegend verteilt. Es gab wie immer einige Flaschenhälse. Rund um den Stand von Kosmos stockte es regelmäßig, auch Asmodee hat immer mal wieder Stau produziert. In Halle 3 dann der Stand von Pegasus. Aber das kennt man und gehört auch ein bißchen dazu. Gefühlt war jedoch die Messe ziemlich dahinter her, diese Engstellen frühzeitig aufzulösen. So hat Pegasus eine zusätzliche Stellwand angebracht, an anderen Orten haben Verlagsmitarbeiter die Schlangen kontrolliert verschoben und geordnet. Zusammengefasst konnte man sich recht gut (die langjährigen Besucher verstehen, was genau das bedeutet) bewegen.
Was ein Punkt im Fazit wert ist: die Entwicklung der Preise. Die Eintrittskarten haben angezogen, die Spiele ebenfalls.
Für eine „große“ Neuheit hat man mindestens 60 € auf den Tisch gelegt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Das liegt aber neben dem gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten auch an den immer opulenteren Ausstattung. Double Layer ist schon fast der Standard, individuell geformte Figuren, Miniaturen. Und das sieht man inzwischen nicht nur mehr bei Kenner- und Expertenspielen. Auch bei klassischen Familienspielen kommen die Titel mit immer mehr Material daher, so dass sich das auch auf den Preis schlagen muss. Aber die Zielgruppe ist anscheinend bereit, es auch zu zahlen. Rucksäcke bis oben voll bepackt, die Trollies beladen bis an deren Limit (und es immer noch die Hölle, wenn so ein Ding auf einmal vor deinen Füßen auftaucht). Ich selbst bin ja auch ein Fan von „hübschen“ Spielen, setze da aber auch Grenzen. Wie oben erwähnt bei The Mix.
In noch absurderen Gefilden begibt man inzwischen bei der Verpflegung. 8,40 € haben wir für zwei kleine Becher Cappuccino bezahlt, der noch nicht mal danach geschmeckt hat und mehr heiße Milch als sonst etwas war. Die Essenstände haben zwar ein attraktives Sortiment aufgefahren, aber die Preise sind auch happig. 14 € für einen kleinen Wrap, selten gibt es Essen im einstelligen Bereich. Selbst an der Tankstelle und an Flughäfen, die wirklich für hohe Preise bekannt sind, liegen auf einem niedrigeren Niveau. Mich betrifft das nicht mehr, da ich seit vielen Jahren ein paar Snacks für den Tage einpacke, gut frühstücke und den Abend dann lieber in einem guten Restaurant ausklingen lasse. Da zahle ich genauso viel, aber habe mehr davon. Außerdem spare ich mir viel Wartezeit. 20 min in so einer Schlange sind keine Seltenheit.
Ein weitere Punkt, dieses Mal jedoch ein sehr positiver: mit inzwischen etwa 15 Jahren Messeerfahrung (ich weiß leider nicht mehr genau, wann ich das erste Mal dort war) habe ich viel erlebt. Besonders beim Erklären von Spielen. Von abgrundtief schlecht und auch teils komplett falsch bis hin zu einer nahezu perfekten Regelerklärung war alles dabei. Und das wird von Jahr zu Jahr besser. In 2026 hatte ich durchweg richtig gute Erklärungen an den Tischen. Klar strukturiert, freundlich, vorbereitet. Jederzeit für Fragen erreichbar und selbst wenn man eine Frage nicht beantwortet worden konnte wurde das nach wenigen Minuten klargestellt. Das freut mich wirklich sehr. Ebenso gut finde ich, dass viele Verlage die Spielzeit limitierten. Ich muss ein Spiel nicht bis in die letzte Minute ausreizen, muss jeden Siegpunkt mitnehmen. Das kann ich im Anschluss in Ruhe zu Hause machen, eine erste Einschätzung zur Qualität eines Spiels ist auch nach ein paar. Runden möglich. Ebenso toll finde ich geführte, geskriptete Partien („ich denke, du willst jetzt diese Karte ziehen und die Figur dorthin setzen“). Damit hat man zwar erst keine eigene Entscheidungskraft, kommt aber viel schneller in die Partie. Wie oft sitze ich nach der Regelkunde vor dem Spiel und denke: Ja, gut. Jetzt… Ähm. Joa.
Einen weiteren Trend, der mir aufgefallen ist: es gab viele Spiele auf den Tischen, die noch nicht verfügbar sind. Seit Jahren gibt es ganz traditionell natürlich verspätete Schiffe. Das meine ich nicht. Spiele, die erst 2027 erscheinen, aber schon vorgeführt werden. Vielleicht habe ich auch nur zufällig genau diese erwischt. Aber so extrem wie in diesem Jahr ist mir das vorher nicht aufgefallen.
Alles in Allem war es eine schöne und spannende Messe. Im letzten Jahr war ich unsicher, ob ich auch 2026 wieder fahre, das Hotel war mit der Option auf eine kostenlose Stornierung gebucht. Aber ich bin froh, dass ich dort war, viele neue Spiele kennengelernt habe, alte Bekannte getroffen habe. Ich habe die gespielten Partien überwiegend geschätzt.
Eine große Loot Liste werde ich hier nicht veröffentlichen. Die aktiven Leser werden zwischen den Zeilen mitbekommen haben, was in der Tasche gelandet ist. Der Trend geht hier auch immer mehr zu „mehr, mehr und noch mehr“. Ich selektiere sehr stark und kaufe selten aus dem Bauch heraus. In Summe sind 7 Titel aus Essen mit nach Hause gefahren, zwei habe ich bestellt. Eins ist schon vor der Messe eingetroffen.
Ich bedanke mich hier nochmal bei allen Erklärbären, die uns den Einstieg in die Spiele ermöglicht haben. Danke an die netten Gespräche. Ein Dank geht auch an die ganzen Trolli Besitzer, die mir die Teile regelmäßig vor die Füße gehauen haben. Auch immer gerne gesehen und daher verdienen sie Danke: Menschen, die in einer Gruppe vollkommen unerwartet mitten im Gang stehen bleiben, um sich zu unterhalten. Vielleicht stoppe ich jetzt besser den Sarkasmus an dieser Stelle.
Anschließend noch ein Dank an euch, die diese Zielen lesen, kommentieren und diese Seite zu dem gemacht haben, was sie jetzt ist.
Und… Jetzt kommt wirklich der letzte Absatz: Danke auch an Dirk, dass du mich erträgst (auch wenn das natürlich auf Gegenseitigkeit beruht). Wir kennen uns seit fast 10 Jahren und haben uns eigentlich nur durch Zufall, aber eben durch den Blog hier, kennen und schätzen gelernt. Aus dem anfänglichen „Wir spielen ab und an eine Partie“ ist eine enge Freundschaft entstanden.
Rechtschreibfehler dürft ihr gerne behalten und ins Sammelalbum kleben. Der Artikel ist komplett mit SI (Sascha Intelligence) entstanden :)
Begonnen habe ich den Tag mit einer Demopartie von Green Gold. Das Spiel hatte ich nicht auf meiner Liste, ich gebe zu, dass ich den Titel nicht mal vorab irgendwo gelesen oder wahrgenommen habe. Zur Partie bin ich auch eher zufällig gekommen, da Dani, eine Bekannte und Spieleerklärerin bei Ludonova mich abgefangen hat und mir Green Gold vorgeschlagen hat. Es gehört inzwischen eigentlich schon zur Tradition, dass ich mir einmal pro Jahr eine Neuheit von Ludonova erklären lasse. Und so ist es dann auch dieses Jahr gekommen. Toni López, seines Zeichen auch Autor von Ada’s Dream, bringt in diesem Jahr eine Art (ich zitiere Dani) „18xx light“. Ganz ohne Eisenbahn. Dafür aber mit viel Tee. Das Spielfeld ist erstmal sehr bunt. Nicht direkt das Brett, aber mit 6 verschiedenen Farben für Teeunternehmen plus 4 Spielerfarben ist ordentlich Farbe im Spiel. Mit lediglich einer Handvoll Aktionen verbringen wir Runde um Runde. Dabei kaufen wir natürlich neuen Tee ein, handeln mit Aktien, errichten neue Produktionsstätten der vor Ort ansässigen Unternehmen und unsere eigenen Kontore, wir verhandeln zurück in London für neue Aufträge und versuchen, Königin Victoria, ihres Zeichen Königin von Großbritannien, mit unseren erlesenen und frisch importierten Teesorten zu beeindrucken. Das Ganze funktioniert über einen recht geschickten Auswahlmechanismus in einem Rondell. Wir platzieren unseren Arbeiter und wählen dann aus den verfügbaren Gesandten der Unternehmen, die rechts und links von unserer Position stehen. Die gewählte Farbe bestimmt dann unseren Einsatzort bzw. die Aktion selbst. Etwas schwierig hier zu erklären, aber die Auswahl ist auch im Spiel nicht ganz banal. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen funktioniert das aber alles in Allem recht gut. Man findet recht schnell in die Aktionen rein. Was nicht heißt, dass man das Spiel versteht. Zumindest geht es mir so, der sich anfangs ziemlich verzettelt hat. Vielleicht war der Aktienkauf direkt in der ersten Runde nicht die beste Idee, denn damit war mein Startvermögen nahezu aufgebraucht. Blöd nur, dass ich Tee einkaufen muss, um Aufträge zu erfüllen, die dann wiederum neues Geld in die Kasse spülen. Würde ich bei Partie 2 vermutlich doch anders machen. Ich weiß nicht, ob es mein Typ Spiel ist… ich kenne keine wirklichen 18xx Spiele. Da fehlt mir auch das Interesse, weil es doch sehr krasse Wirtschaftssimulationen sind, die mehr Arbeit als Vergnügen sind. Aber auch ohne dieses Wissen kann ich hier sagen: Green Gold fühlt sich erstmal eher wie ein komplexeres, aber nicht unnötig überladenes Spiel an. Wir haben auch nur einige wenige Runden zum Kennenlernen gespielt, der Eindruck zählt am Ende. Alleine die Erklärung, die erneut – man muss es immer wieder erwähnen – wirklich unglaublich detailliert aber auch strukturiert war, hat knapp 40 min gebraucht. In Summe haben wir also etwas mehr als eine Stunde am Tisch verbraucht. Würde ich es als Titel für einen Abend auswählen? Vermutlich nein. Würde ich es nochmal spielen, wenn es jemand anderes wählt? Vermutlich ja. Es ist eingängig. Die Symbolik gut. Das Thema kommt recht gut rüber und wirkt nicht aufgesetzt. Ich empfehle euch, einfach mal vorbeizuschauen. Und im optimalen Fall erwischt ihr auch Dani als Erklärbärin. Danke an dich, immer wieder gerne!
Für was ich in diesem Jahr ein gutes Händchen habe: Anspielen von Spielen, die es (noch) nicht zu kaufen gibt. Mehr oder weniger durch Zufall waren wir in der Nähe des Stands von Days of Wonder, an dem just in diesem Moment ein Tisch frei wurde. Und nach vielen Jahren Erfahrung lernt man: einfach hinsetzen. Was auch immer da für ein Spiel liegt. Ebenfalls mir vollends unbekannt stand dort Rocket Rollout. Allerdings hat das Spiel direkt Sympathiepunkte bei mir erhalten. Ihr ahnt es schon, ja! Es sind Würfel dabei. Und zwar richtig tolle Würfel, transparent, farbig und graviert. So toll! Und auch das Spiel selbst hat (unsere Runde) überzeugt. Wir haben hier einen Dice-Builder, in dem wir jede Runde Würfel mit unterschiedlichen Symbolen auf unserem Raumschiff einsetzen. Je nach Symbol führe ich eine andere Aktion aus und erspiele mir bessere Aktionen, baue meine Schilde auf, entferne Würfel wieder vom Feld, entferne die „schlechten“ Würfel zu Beginn komplett aus der Auswahl und… klar – hole mir auch bessere Würfel, die mir in Zukunft das Leben erleichtern. Das alles ist verpackt in ein stimmiges Set an einfachen Regeln. Und das macht wirklich Spaß. Sind alle unsere Würfel verbraucht kommen die zurück in den Beutel, wir ziehen uns einen neuen Satz und das Spiel geht von vorne los. Sind nach immer abwechselt gespielten Aktionen alle Würfel der Spieler verbraucht müssen wir uns gegen eine Alieninvasion verteidigen. Am Ende wird „nur“ deren Schaden gegen unsere Schilde miteinander verglichen, einen wirklichen Kampf gibt es nicht. Blöd ist dabei nur, dass die uns gerne, wenn sie die Verteidigung durchbrechen einige der Slots zerschießen, in der wir jede Runde unsere Würfel einsetzen. Rocket Rollout spielt sich locker und schnell, es gibt wenig Downtime, man ist immer wieder dran. Es macht Spaß, seine Würfelauswahl zu verbessern. Auch hier haben wir nach einigen Runden das Spiel beendet, der bis dahin gewonnene Eindruck ist sehr positiv. Wehrmutstropfen: das Spiel kommt erst im nächsten Jahr. Somit wieder kein Titel, der in meine Tasche wandern kann.
Bereits gestern habe ich die Demo zu Pest für den heutigen Tag ausgemacht. Ja, wieder Archona Games. Nein, ich bekomme keine Provision für die viele Werbung. Nachdem wir gestern Unknown Sea angespielt habe, das ja eher enttäuschend war, ging es heute an den ursprünglich 2024 erschienenen Titel, der nun neu in einer überarbeiteten Version aufgelegt wurde. Es handelt sich hier um einen eher klassischen Euro-Worker-Placement Titel. Die Pest zieht durchs Land, wir versuchen als Ärzte der Krankheit Einhalt zu bieten. Dazu wählen wir über mehrere Jahre und Ären hinweg mit unseren Arbeitern verschiedene Aktionen (wie das Errichten von Gebäuden, das Heilen der Kranken, das Forschen, das Sammeln von Ressourcen, etc.). Am Besten gefiel mir auch die Aktionsauswahl. In einem Raster von 3×3 Feldern platzieren wir die Figur und können damit die Aktion nutzen, die oberhalb steht und links davon (z.B. Bewegen und Heilen). Die Reihenfolge ist beliebig. Im nächsten Zug ist diese Kombination geblockt, bewegen kann ich mich aber weiterhin, dann (durch Wahl der gleichen Spalte, aber einer anderen Reihe). Der Rest ist eher sehr basic. Gespielt wird auf einem düsternen Spielplan, den wir mit unserer Figur bereisen. Immerhin thematisch passt das. Es ist aber alles doch sehr kleinteilig, gerade auch die Meeples, die Menschen mit großen Händen (und dazu zähle ich mich definitiv) durchaus manchmal vor eine Herausforderung stellen. Auch Dirk, der das Spiel seit der Erstausgabe 2024 spielen wollte, war eher enttäuscht.
Danach habe ich die Halle 3 noch einmal umrundet und habe einen kurzen Halt bei Sascha vom Shop Spieletastisch gemacht. Dieser war jedoch dieses Jahr jedoch als Vertreter vom neu gegründeten Verlag Never Enough Board Games vor Ort und hat dort deren erstes kleine Kartenspiel No Risk, No Tower! vorgestellt. Es handelt sich hier um ein wirklich kleines Kartenspiel mit einer Spielzeit von 15-20 Minuten. Die Karten sind unterteilt in zwei Sets, orange/rote und grün/blaue Karten. Zumindest die Rückseiten. Auf der Vorderseite findet ihr dann jeweils ein Turmelement einer dieser Farben und einem Zahlenwert von 1 bis 10. Wir erhalten ein Set aus 10 Karten, 5 aus jeder Kategorie. Immer abwechselnd bieten wir dem Gegenüber eine Kombination aus einer orange/roten und einer blau/grünen Karte an. Eins davon verdeckt (also mit der Rückeite), eins offen (mit einem Turmelement und Zahl). Der Gegenüber wählt eine davon und baut diese Karte vor sich ein, wir errichten dabei Türme. Ziel ist es, den Wert 21 zu erreichen. Exakt 21. Nicht 22. Nicht 20. Denn Gewinner ist derjenige, der das schafft. Oder aber, wenn der andere sich verzettelt und sein Turm dann eben einen Wert größer als die 21 zeigt. Schnell erklärt, schnell gespielt. Trotzdem muss und sollte man nicht blind irgendwelche Karten auslegen und etwas Taktieren. Ein schönes kleines Spiel für 2 Personen. Schaut es euch mal an, ihr findet den Tisch am Eingang zum Shop von Skellig Games.







Um die Zeit zu überbrücken haben wir die Halle gewechselt und konnte einen freien Platz am Tisch von Hans im Glück ergattern. Aufgebaut war Carcassonne Labyrinth… Oder andersherum? Ich weiß es gerade gar nicht mehr. Ich war etwas skeptisch. Natürlich kenne ich beide Spiele, konnte mir aber unter diesem Crossover wenig vorstellen. Ich würde positiv überrascht. Es ist eine geschickte und gut umgesetzte Mischung beider Spiele. Als Zielgruppe gilt hier natürlich ganz klar die Familie. Nichtsdestotrotz hatte ich viel Spaß bei der Partie und werde mir das im Nachgang sicher nochmal anschauen. Ich halte es auch nicht für unwahrscheinlich, dass der Titel in meine Sammlung wandert. Damit dürfte ich sicher meine Tochter begeistern können.
Zurück bei den Pinken. Am Tisch, mit einem weiteren Mitspieler. Wir wurden die ersten drei Runden mehr oder weniger durch die Partie geführt, aber das hat einen sehr guten Eindruck über die Aktionen im Spiel vermittelt. Als Forscher erkunden wir Fauna und Flora, sammeln und erweitern unser Wissen, schreibe darüber sogar Bücher und lehren an Universitäten. Nebenbei pflanzen wir noch in unserem eigenen Garten. Das klingt zu Beginn nach einer komplexen Geschichte, auch mit Blick auf den großen Spielplan, auf dem doch einiges los ist. In Summe sind es allerdings einige wenige Aktionen, die man Runde pro Runde auswählt. Spannend finde ich den Auswahlmechanismus. Je nach Positionierung kann man eine Aktion einfach, zweifach oder sogar dreifach nutzen. Das bringt einen gut voran. Allerdings ist eben die dreifach genutzte Aktion in der kommenden Runde gesperrt. Mir hat dieser Ersteindruck wirklich gut gefallen. Spoiler: Dirk hat es später gekauft, ich werde also die nächsten Wochen sicher die Möglichkeit bekommen, es komplett eigenständig zu spielen. Ich freue mich drauf.
Das war mein eigentliches Ziel. Hatte ich auf meiner Liste. Leider gab es nur eine kleine Präsentation des Spiels. Aber die immerhin vom Autor Thomas Franken persönlich. Das Spiel sieht einfach toll aus. Wunderschöne hölzerne Baum-Figuren, die man im Laufe des Spiels wachsen lässt. Inwieweit das am Ende Spaß macht ist schwierig zu beurteilen. Das würde eine Testpartie zeigen, war hier aber aufgrund der Standgröße gar nicht möglich. Für einen Blindkauf war (zumindest mir) das Spiel zu teuer. Die tollen hölzerne Spielsteine haben ihren Preis, 60 € hat man alleine für das Grundspiel zu investieren. Sicherlich kein schlechter Preis für das Gebotene, aber der Spielspaß muss ja stimmen.
Auf dem Weg zur nächsten Partie sind wir bei Aspens stehen geblieben. Ein großer Spielplan aus Hexfeldern, den wir in einer Partie zu zweit mit Bäumen bepflanzen (scheint beliebt zu sein derzeit). Mit schlichterer Optik aber trotzdem sehr ansehnlich. Die Sonne und der Wind, symbolisiert durch Würfel, bestimmen in einem Zug, wie viele neue Bäume ich in welcher Richtung pflanzen kann. Die Erklärung klang sehr interessant. Das Grundspiel ist eher der Kategorie „Cozy Builder“ zuzuordnen, finde ich aber durchaus spannend für eine Partie mit der Partnerin (oder auch schon mit dem Kind, halte ich auch für möglich). Es gibt zwei kleine Erweiterungen, wovon ich jedoch lediglich die „Wild Weather“ Variante für spannend genug finde, da sie das Spiel etwas konfrontativer macht. Es gibt auch eine Variante für vier Spieler, dort kommen zwei weitere Baumsorten ins Spiel. Ich habe es nicht eingepackt, aber mal online in den Warenkorb gelegt. Ich unterstütze bei sowas gerne die Verlage vor Ort, aber die Differenz zwischen Messe und Online Preis ist dann doch zu groß. Da lasse ich mir das lieber liefern.
Das Spiel ist mir in der BGG Liste aufgefallen. Eigenwillige aber in meinen Augen tolle Optik. Auch hier ein Prototyp, mit einem spannenden Wahlmechanismus über drei Aktionsräder. Wir sind… ähm. Ja. Was sind wir? Sagen wir, jemand, der Monster einfängt, sie danach mit Sternen belegt und am Schluss bindet. Dabei nutzen wir die Fähigkeiten einiger Artefakte und wählen Runde für Runde mit dem Drehrad unsere Aktion. Auch hier, wie bei Carl von Linné, gibt es die Variante, den Multiplikator der Aktionen zu verändern, so dass man diese gleich mehrfach nutzen kann. Warum wir jetzt die Monster fangen, was das binden ist und wieso jedes Monster einem Artefakt zugeordnet werden muss ist offen geblieben. Ich fand die paar Runden verglichen mit dem Spiel zuvor deutlich spannender aber auch das hat mich letztendlich nicht abgeholt.
Den wohl größten Spaß hatten wir mit unserer letzten Partie die diesen Tag: Whacktown. Thematisch (und auch optisch) etwas angelehnt an das bald erscheinende GTA VI prügeln wir uns als ein Kopf rivalisierender Gangs durch die Stadt und versuchen das Spiel zu gewinnen, in dem wir entweder unsere Konkurrenz in Form der anderen Spieler umbringen oder wir vor allen anderen 10 Ruhmespunkte erreichen. Oder sagen wir besser Swag. So hat es auch der sehr sympathische Erklärbar formuliert hat, das passt einfach besser zum Spiel. Runde für Runde bewegen wir unsere Figur durch die Stadt, die aus 20 Plättchen besteht. Jedes dieser Plättchen löst eine oder mehrere Aktionen aus, einige davon lassen sich jedoch nur betreten, wenn man eine Bedingung erfüllt („habe kein Geld“, „habe 4 Wissen“). In den meisten Fällen werfen wir zwei der vier farbigen Würfel. Der schwarze liefert uns Wissen und Geld, der blaue heilt und versorgt uns mit Schutzwesten, der gelbe Würfel lässt unseren Swag Level steigern und vergrößert unsere Gang und die wohl spannendsten Aktionen löst der rote Würfel auf: die Gangkriege, Drive Bys und andere Schadensbringer. Nach jedem Zug ziehen wir noch Hassle Karten nach, die uns einige Sonderfähigkeiten eben. Normalerweise in einer knappen halben Stunde gespielt prügeln und schießen wir uns durch die Stadt. Immer auf dem schmalen Grat zwischen „möglichst viel den anderen in die Suppe spucken“ und „Ich muss mich dringend heilen, da ich sonst die nächste Attacke nicht überlebe“. Und das ist aus meiner Sicht der einzige echte Kritikpunkt: es gibt Spieler Eliminierung. Ist man tot, bleibt man tot. Und die anderen spielen weiter, bis nur noch einer übrig bleibt und als Sieger vom Platz geht. Das dauert normalerweise nicht ewig, aber es kann schon deprimierend sein, wenn man in einer Partie zwei Züge aktiv am Geschehen teilnimmt und dann weitere sechs Runden passiver Zuschauer ist. Als Absacker oder Warmup aus meiner Sicht super geeignet, mit der richtigen Truppe. In der gemütlichen Familienspielerunde am Sonntag Nachmittag eher deplatziert, am Abend mit den guten Freunden sicher ein großer Spaß. Für 35 € erhaltet Uhr hier viel Spiel, mit über 70 verschiedenen Orten und einiges an hölzernen bedruckten Spielteilen. Ich hin mir ziemlich sicher, dass das morgen in meine Tasche wandern wird.











Update #1 (17.08.): Schon sind wieder fast ein Monat seit dem ersten Beitrag vergangen. Ich bin seit einigen Tagen zurück aus dem Urlaub und habe nun einige Updates für euch: