ESCAPETOUR 2026 – TEIL 2: TAPAS, TERPECA UND DIE FALSCHE LOCATION
Die meisten Menschen besuchen Barcelona wegen der Sagrada Família, wegen Gaudí oder vielleicht noch wegen eines Fußballspiels. Wir nicht! Bei uns stehen natürlich Escaperooms auf dem Programm – was sonst?
Nachdem wir in diesem Jahr bereits Belgien und die Niederlande und in den Vorjahren Athen unsicher gemacht hatten, war diesmal Barcelona an der Reihe. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Hotspot für Escaperoom-Enthusiasten entwickelt und ist auch in der TERPECA-Liste regelmäßig prominent vertreten. Für uns also Grund genug, nicht nur durch die Straßen Barcelonas zu schlendern, sondern vor allem möglichst viele Escaperooms zu erleben.
Acht Räume hatten wir uns vorgenommen. Dabei stießen wir auf eine Besonderheit, die uns in dieser Häufigkeit bisher noch nicht begegnet war: Barcelona scheint ein echtes Faible für Adventure-Räume zu haben. Horror gibt es natürlich auch, aber deutlich weniger als auf vielen unserer bisherigen Touren. Für uns durchaus erfreulich – schließlich darf ein Escaperoom gerne spannend, spektakulär und überraschend sein, ohne dass uns dabei ständig jemand ans Leben will.
1) 11S – Open Mind Room Escape (90 Min.)
Wir sind Feuerwehrmänner in New York am 11. September 2001: ein mutiges Thema! An vielen Stellen erkennt man, dass intensiv recherchiert wurde und die Rätsel auf den Geschichten der Opfer basieren. Was mich allerdings störte, war der Zustand des Raumes – und mir ist bewusst, dass ein Teil davon zum Thema gehört: Es war dreckig und laut. Zudem gibt es sehr viele Zahlenschlösser zu knacken, wodurch der Raum insgesamt recht alt wirkt. Im letzten Raum wäre meiner Meinung nach eine Triggerwarnung angebracht, da dort echte Videos der Anschläge gezeigt werden. Damit bin ich nicht glücklich. Ich habe den Eindruck, dass hier bewusst auf Schockeffekte gesetzt wird. Und wenn ich schon am Vermuten bin, hänge ich noch eine Behauptung dran: Hätte der Raum dieses Thema nicht, würde kaum jemand darüber sprechen. Losgelöst vom Thema bleibt einfach nur klassische Escaperoom-Kost.
Meine Bewertung: 6 von 10
2) The Tavern – The City Escape Room (120 Min.)
Etwas abseits – und schon deswegen lohnt es sich, ein Mietauto zu haben – liegt dieses Must-Play. Seit drei Jahren hält sich dieser Raum in der TERPECA-Top-10. Das Thema: Einer von uns stammt aus einer berühmt-berüchtigten Piratenlinie und wir gehen auf Recherchetour. Es beginnt mit viel Interaktion mit einer Schauspielerin, sehr stimmig und sympathisch. Und dann setzt der Raum in puncto Kulissen Maßstäbe. Mit offenem Mund standen wir da, und den Betreibern gelingt es tatsächlich, immer noch eins draufzusetzen – bis zum letzten Raum. Unfassbar, was hier geschaffen wurde! Die Rätsel sind passend und leiten gut weiter. Leider fällt die Geschichte zum Ende etwas ab. Mein größter Kritikpunkt: Das Finale ist so laut, dass man kaum etwas versteht, was zu einem Punktabzug führt. Dies hätte man deutlich besser machen müssen.
Meine Bewertung: 8,5 von 10
3) Nightshift – CruPont Legacy (120 Min.)
Der einzige echte Horror auf unserer Reise ließ uns vor einem verlassenen Krankenhaus stehen. Gekonnt werden klassische Elemente eingesetzt, um uns zu erschrecken. Oft erhält eine Person eine „besondere Behandlung“. Ein besonderer Twist bleibt in Erinnerung. Und der hebt das Erlebnis für mich noch einmal deutlich hervor, was meine Bewertung um einen halben Punkt steigen lässt.
Meine Bewertung: 8,5 von 10
4) Londium – Londium Escape (90 Min.)
Das Highlight unserer Reise. Es fällt schwer, sich von der unfassbaren Schönheit dieses Raumes nicht vollends überwältigen zu lassen. Ich hatte das Gefühl, ich wäre in einem Disney-Freizeitpark eingesperrt. Alles ist extrem hochwertig. Zunächst wollte ich gar keine Rätsel lösen, sondern einfach den Ort auf mich wirken lassen. Und es geht in den 90 Minuten immer so weiter. Ein Wermutstropfen: Die Story, die auf einem halben Bierdeckel Platz hat.
Meine Bewertung: 9,5 von 10
5) Exodus – Elements Escape Room (90 Min.)
Wir sind Überlebende einer Apokalypse und müssen erst einmal einen Überlebenden überzeugen, uns in seinen Unterschlupf zu lassen. Bald sind wir auf uns allein gestellt und lösen klassische Rätsel. Ein paar Überraschungen hält der Raum bereit, wechselt seine Stimmung und ist irgendwann auch nicht mehr so dreckig. Eine gelungene Erfahrung, die im direkten Vergleich mit den starken Alternativen aber etwas abfällt.
Meine Bewertung: 8 von 10
6) K.O.N.G. Protocol – Escape Barcelona (150 Min.)
Klares Kinofeeling. In einem Dschungel werden Genexperimente durchgeführt, bei denen Tiere miteinander gekreuzt werden. Unser Alphateam ist verschwunden und wir sind auf der Suche nach ihnen. Nach und nach schalten wir weitere Räume frei, die bereits zu Beginn zu sehen sind und so schon früh die Größe des Raumes erahnen lassen. Die Rätsel, die oft aus diversen Tastendrücken bestehen, haben mich nicht ganz überzeugt. Was mich beeindruckte: Ich konnte fühlen, wie dieser Raum am Reißbrett entstanden ist. Viele Ideen, die andere Anbieter vermutlich streichen würden, weil sie zu aufwendig erscheinen, werden hier einfach umgesetzt. Bis hin zu einem fulminanten Finale.
Meine Bewertung: 8,5 von 10
7) Katrina – Elements Escape Room (120 Min.)
Statt in Spanien sind wir urplötzlich in Mexiko und suchen nach einem verfluchten Goldschatz. Sehr schöne Kulissen begleiten unsere Reise, und vor allem im letzten Raum wird noch einmal tief in die Effekttasche gegriffen. Ein, zwei Rätsel sind für Personen, die kein Spanisch sprechen, anspruchsvoll, wenngleich der Gamemaster dies gut gelöst hat. Es bleibt für mich nur ein einziges Manko: die Story. Sie wechselt mir zu stark von komödiantisch zu tragisch und zu abenteuerlich und wird mir dabei zu wirr miteinander verknüpft.
Meine Bewertung: 9 von 10
Fazit
Barcelona lohnt sich vor allem für Adventure-Liebhaber. Horror kann in Athen bleiben.
Was uns sehr überraschte, betrifft die Betreuung der Räume. Immer wieder stellte sich heraus, dass hinter einem aufwendig gestalteten Erlebnis im Grunde nur eine einzige Person stand. Was wir angesichts der Größe, Technik und Inszenierung zunächst kaum glauben konnten, erwies sich als erstaunlich häufiges Modell. Dass man einen Raum praktisch im Alleingang betreiben kann, ohne dass man es dem Erlebnis anmerkt, hat uns nachhaltig beeindruckt.
Ganz ohne Panne verlief unsere Tour allerdings nicht. Im Gegenteil: Wir haben diesmal etwas geschafft, das uns auf unseren bisherigen Escape-Reisen tatsächlich noch nie passiert ist. Wir standen vor dem falschen Gebäude. Und zwar nicht vor dem falschen Eingang, nicht auf der falschen Etage und auch nicht in der falschen Straße – sondern schlicht an der falschen Location. Der entsprechende Raum blieb deshalb ungespielt. Man könnte sagen: Auch Orientierung ist eine Form von Rätsellösung. Wir waren nur leider nicht besonders gut darin.
Barcelona hat uns nicht nur einige tolle Escape-Room-Erlebnisse beschert, sondern auch einmal mehr gezeigt, wie unterschiedlich Räume sein können. Und vielleicht gehört genau das zu den schönsten Seiten unseres Hobbys: Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Tür erwartet – manchmal nicht einmal, ob man überhaupt an der richtigen Tür steht.


























