❌

Lese-Ansicht

El Grande

Wolfgang Kramer, Richard Ulrich
Hans im Glück
2-5
10+ Jahre
60-120 Min.
Unsere Wertung:
El Grande zeigt eindrucksvoll, wie viel Spannung aus wenigen Regeln entstehen kann. Kaum ein anderes Spiel lässt Mehrheiten auf einem gemeinsamen Spielplan so lebendig und umkämpft wirken.

Darum geht’s beim Brettspiel El Grande

Mit El Grande veröffentlichten Wolfgang Kramer und Richard Ulrich 1995 einen Titel, der bis heute als einer der einflussreichsten Vertreter seines Genres gilt. Die Neuauflage (2023) bringt den Klassiker mit überarbeitetem Material zurück auf den Tisch, ohne an den Regeln etwas Grundlegendes zu verändern.

Wir übernehmen die Rolle spanischer Adelsfamilien und entsenden unsere Caballeros in die verschiedenen Regionen des Landes. Dort versuchen wir, bei den Wertungen möglichst weit vorne zu liegen. Wer nach neun Runden die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt den Titel El Grande. Das klingt zunächst schlicht, entwickelt aber erstaunlich schnell eine Spannung, die viele moderne Spiele trotz deutlich umfangreicherer Regeln nicht erreichen.

Aufbau und Spielablauf

Ein Spielzug in El Grande beginnt bereits mit der Wahl einer Machtkarte. Wer eine hohe Zahl spielt, darf früher handeln, erhält aber weniger neue Caballeros. Danach wählen die Spielerinnen und Spieler reihum eine der ausliegenden Aktionskarten. Mit ihr bringen sie neue Caballeros aus ihrem Hof in die Regionen rund um den König, werfen sie verdeckt ins Castillo oder verändern die Lage auf dem Spielplan durch eine Sonderaktion. Ständig stellt sich dabei die Frage, ob man eine bestehende Mehrheit absichert, einen Gegner verdrängt oder bereits die nächste Wertung vorbereitet. Jede Entscheidung wirkt sich unmittelbar auf die Verteilung der Macht in Spanien aus und wichtig: Jede Karte darf nur einmal pro Partie genutzt werden.

Anschließend wandern neue Caballeros auf den Spielplan. Dabei richtet sich fast jeder Blick auf die aktuelle Position des Königs. Er bestimmt, welche Regionen überhaupt verstärkt werden dürfen und welche Gebiete vor Veränderungen geschützt sind. Kaum wurde eine vermeintlich sichere Mehrheit aufgebaut, verändert eine Aktionskarte die Lage wieder komplett.

Genau daraus zieht El Grande seine Stärke. Niemand spielt für sich allein. Jede Figur auf dem Spielplan ist sichtbar, jede Verschiebung verändert die Mehrheitsverhältnisse. Während einige Regionen hart umkämpft sind, entstehen anderswo plötzlich Chancen, die zuvor niemand auf dem Schirm hatte. Ständig wird gezählt, verglichen und neu bewertet.

Überraschungen aus dem Castillo

Besonders gelungen ist das Castillo, der große Turm in der Tischmitte. Dort verschwinden Caballeros verdeckt und bleiben bis zur nächsten Wertung geheim. Immer wieder richten sich die Blicke auf den Turm, weil niemand genau weiß, welche Überraschung dort wartet. Wenn die Figuren schließlich ausgeschüttet werden, können ganze Wertungen kippen.

Trotz dieser ständigen Konkurrenz bleibt der Ablauf erstaunlich zugänglich. Die Grundregeln sind schnell erklärt, doch die Entscheidungen bleiben bis zur letzten Wertung interessant. El Grande verlangt Aufmerksamkeit für das Geschehen am Tisch, belohnt gute Einschätzungen und sorgt regelmäßig für Momente, in denen sorgfältig geplante Mehrheiten plötzlich ins Wanken geraten.

Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Partie El Grande?

Eine Partie dauert bei uns (zu fünft) meist bis zu 120 Minuten. Das ist aber abhängig von Spielerzahl und Erfahrung der Gruppe.

Für wen eignet sich El Grande?

Vor allem für Spielerinnen und Spieler, die direkte Konkurrenz auf einem gemeinsamen Spielplan mögen und Freude daran haben, Mehrheiten auszukämpfen.

Was macht El Grande besonders?

Die Kombination aus offenen Mehrheiten, begrenzten Machtkarten und dem geheimen Castillo sorgt für ständige Spannung bis zur Schlusswertung.

Mein Fazit nach vielen Testrunden

Die Regeln sind klar, der Ablauf bleibt auch nach mehreren Partien nachvollziehbar und dennoch entstehen immer wieder neue Situationen auf dem Spielplan.

Besonders überzeugt das direkte Ringen um die Regionen. Punkte werden nicht über persönliche Auslagen oder kleine Einzelaufgaben gesammelt, sondern dort, wo alle hinschauen. Dadurch bleibt die Partie von Anfang bis Ende lebendig. Tolle Interaktion!

Weniger geeignet ist El Grande daher für Gruppen, die lieber ungestört vor sich hin planen. Wer direkte Eingriffe und wechselnde Mehrheiten nicht mag, wird mit dem ständigen Gerangel um die Regionen möglicherweise nicht warm. Mit drei bis fünf Personen entfaltet der Klassiker jedoch auch heute noch eine bemerkenswerte Präsenz am Spieltisch.

Pro & Contra

Was mir gut gefällt:

  • Spannung durch ständig wechselnde Mehrheiten
  • Einfacher Regelkern mit vielen interessanten Entscheidungen
  • Hohe Interaktion zwischen allen Beteiligten

Was ich weniger mag:

  • Zu zweit deutlich weniger reizvoll
  • Wenig geeignet für Fans von konfliktarmen Spielen

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

Der Beitrag El Grande erschien zuerst auf .

  •  

Memo Mission

Pegasus Spiele, 2023
Autoren: Christopher Garbe und Patrick Russell
2-4 Spieler:innen, ab 6 Jahre, 15-30 Minuten

Ihr sitzt am Tisch, vor euch liegt ein Raster aus verdeckten Plättchen. Irgendwo darunter verstecken sich ein Drache, eine Hexe, ein Zauberstab oder ein geheimnisvoller Ort. Gleichzeitig warten mehrere kleine Aufträge darauf, erfüllt zu werden. Vielleicht sollt ihr zuerst eine kleine Hexe finden, danach einen Burger im Schloss und schließlich einen bestimmten Gegenstand. Die Herausforderung besteht darin, all diese Motive in genau der richtigen Reihenfolge aufzudecken. Genau darum dreht sich alles in „Memo Mission“. Das Kinderspiel entführt euch in das märchenhafte Land Fabulantica und verbindet das bekannte Gedächtnisspiel mit kleinen Abenteuergeschichten. Auf den Missionskarten sind mehrere Motive abgebildet, die zusammen eine kleine Szene ergeben. Diese Bilder müsst ihr im großen Plättchenraster finden und zwar in der vorgegebenen Reihenfolge. Schafft ihr das, erhaltet ihr Kristalle als Belohnung. Wer zuerst genug davon sammelt, gewinnt. Der Clou ist die Mischung aus klassischem Merken und kleinen Aufträgen. Statt einfach nur zwei gleiche Bilder zu suchen, verfolgt ihr konkrete Ziele. Dadurch entsteht eine Art Schatzsuche im Gedächtnisformat, die besonders für jüngere Spieler:innen sofort verständlich wirkt.

Zu Beginn liegen 25 verdeckte Plättchen in einem Raster in der Tischmitte. Daneben liegen mehrere Missionskarten offen aus. Jede Mission zeigt zwei bis vier Motive, die ihr nacheinander entdecken müsst. Gleichzeitig merkt ihr euch natürlich, welche Bilder bei den Zügen der anderen aufgedeckt werden. Wenn ihr an der Reihe seid, deckt ihr ein Plättchen auf. Zeigt es das erste Motiv einer der ausliegenden Missionen, dürft ihr weitersuchen. Nun gilt es, das nächste passende Motiv aufzudecken. Gelingt euch die komplette Reihenfolge, habt ihr die Mission erfüllt und kassiert Kristalle. Taucht jedoch ein falsches Bild auf, endet euer Zug sofort und alle Plättchen werden wieder umgedreht. Eine kleine taktische Ebene bringen die Zaubertränke ins Spiel. Jede Person besitzt einige davon und darf sie einmalig einsetzen. Damit könnt ihr zum Beispiel heimlich Plättchen ansehen oder euch aus einer schwierigen Situation retten. Gerade in Momenten, in denen ihr euch nicht ganz sicher seid, können diese Tränke das Blatt wenden. Im Laufe einer Partie entsteht so ein stetiges Wechselspiel aus Erinnern, Risiko und Beobachten. Ihr verfolgt eure eigenen Missionen, merkt euch gleichzeitig die Entdeckungen der anderen und überlegt ständig, ob ihr euch noch einen weiteren Versuch zutraut.

Das Besondere an „Memo Mission“ ist die kleine Erweiterung des klassischen Memory-Prinzips. Da jedes Motiv nur einmal vorkommt und ihr Reihenfolgen erfüllen müsst, fühlt sich das Ganze deutlich dynamischer an als ein traditionelles Gedächtnisspiel. Besonders schön ist, dass ihr die entdeckten Informationen langfristig nutzen könnt. Ein einmal gemerktes Plättchen kann später erneut wichtig werden. Am Tisch sorgt das häufig für lebhafte Situationen. Kinder erinnern sich plötzlich an ein Motiv aus mehreren Runden zuvor, während Erwachsene versuchen, ihre Gedächtnislücken mit Zaubertränken zu kaschieren. Dadurch entsteht eine Mischung aus konzentriertem Grübeln und fröhlichem Wettstreit. Das Material macht einen guten Eindruck. Die Plättchen sind stabil, die Illustrationen farbenfroh und klar erkennbar. Die märchenhafte Gestaltung lädt gerade jüngere Spieler:innen dazu ein, sich kleine Geschichten zu den Missionen auszudenken. Zusätzlich enthaltene Blanko-Missionen mit Stickern erlauben sogar eigene Aufgaben, was für Abwechslung sorgen kann. Allerdings bleibt das Spielprinzip klar im Bereich der Gedächtnisspiele. Wer Memory grundsätzlich langweilig findet, wird auch hier kaum überzeugt werden. Zudem haben Kinder durch ihr oft stärkeres Erinnerungsvermögen nicht selten einen Vorteil gegenüber Erwachsenen. Als Familien- und Kinderspiel funktioniert das Ganze jedoch sehr gut. Die Regeln sind schnell erklärt, eine Partie dauert selten länger als eine halbe Stunde und die Mischung aus Glück, Erinnerung und kleinen Sonderfähigkeiten sorgt für überraschende Momente. Wenn ihr einfache, zugängliche Spiele mögt, bei denen Kinder und Erwachsene gemeinsam tüfteln und lachen können, werdet ihr mit „Memo Mission“ viel Freude haben.

  •  
❌