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March of the Ants: Krieg im Unterholz

Von: Björn
01. August 2026 um 09:00

Kleine Kreaturen haben große Pläne.

Ameisen haben es nicht leicht. Sie sind klein und ihre Umwelt ist meist gegen sie. Und nicht nur die, sondern auch andere Ameisen sind keine netten Nachbarn. Also heißt es nun, eine Überlebenstaktik zu entwickeln und kräftig zurückzuschlagen. 4X-Spiele sind ja in den meisten Fällen immer ein echtes Brett und benötigen oftmals gerne einen ganzen Tag an Spielzeit. Oder sie sind so simplifiziert, dass einfach die Tiefe fehlt und dem 4X-Genre gar nicht mehr gerecht wird. March of the Ants will hier so ein wenig die Brücke schlagen, ob das gelingt, schaue ich mir hier doch direkt mal an.


Spielprinzip

March of the Ants: Evolved Edition ist die Neuauflage des 2015 erschienenen March of the Ants, das noch recht zweckmäßig daherkam, aber doch viele Fans hatte. Daher wohl nun auch die aufgemotzte Neuauflage, die nicht nur mit einer deutlich schickeren Optik daherkommt, sondern auch mechanisch optimiert wurde. Da ich das Original nie gespielt habe, kann ich dir leider keine Unterschiede vorführen, doch dafür aber eine unbeeinflusste Sicht auf die Neuauflage bieten.

Twilight Imperium im heimischen Vorgarten

Worum geht es hier eigentlich genau? Wir starten alle mit einem kleinen, noch etwas ärmlichen Ameisenbau, einer Handvoll fleißiger Arbeiter und großen Träumen von der absoluten Wiesenherrschaft. Wie es sich für ein sauberes 4X-Spiel gehört, wird das Spielfeld aus hexagonalen Plättchen Runde für Runde von uns erkundet (das erste X: eXplore).

Sobald du deine kleinen Sechsbeiner losschickst und ein neues Feld aufdeckst, fühlst du dich ein bisschen wie Christopher Kolumbus, nur dass du statt auf Gold und Gewürze auf fette Würmer, saftige Pilze oder auch mal auf einen extrem übellaunigen Hundertfüßer triffst. Und natürlich willst du dich ausbreiten (eXpand) und die Ressourcen der Wiese gnadenlos ausbeuten (eXploit), denn deine wachsende Kolonie hat großen Hunger.

Das Aktionssystem und der Kampf gegen die Downtime

Wer schon mal eine Runde Eclipse oder andere Welteroberungs-Monster mit Grüblern am Tisch gespielt hat, kennt das Problem: Du machst deinen Zug und kannst danach gefühlt erst mal in Ruhe die Wand verspachteln, bis du wieder an der Reihe bist. March of the Ants löst dieses Problem mit einem schönen Reaktions-System.

Jede Runde steht dir eine Auswahl an Hauptaktionen zur Verfügung: Du kannst erkunden, deine Truppen marschieren lassen, Karten ziehen oder ausspielen. Sobald du eine dieser Aktionen ausführst und dafür deine Ameisen bezahlst, schauen die anderen Spieler aber nicht nur däumchendrehend zu! Jeder Nachbarspieler hat sofort die Möglichkeit, eine dazu passende Nebenaktion (das sogenannte „Reagieren“) auszuführen. Wenn du also kräftig marschierst, können dein linker und rechter Tischnachbar ebenfalls einen Schritt mit einer Ameise gehen oder eine Larve schlüpfen lassen. Wenn du Karten ziehst, dürfen die Mitspieler eine neue Larve auf dem Spielertableau platzieren.

Das führt dazu, dass alle mehr ins Spielgeschehen eingebunden sind und hoffen und bangen können, ob die Mitspieler eine für dich gerade praktische Aktion machen. Der gefühlte Leerlauf sinkt dadurch auf ein angenehmes Maß. Das ist ein sehr cleveres Feature, das ich mir auch für andere Spiele wünsche.

Pimp my Ameise

Das wildeste Herzstück des Spiels sind aber ohne Frage die Evolutionskarten. Vergiss langweiliges Holzsammeln oder staubige Technologiebäume aus dem Mittelalter! Hier wird mutiert, evolutionär getrickst und die Biologie komplett auf den Kopf gestellt.

Das ist das nackte Board ohne Aufwertungen. Auf der linken Seite sind praktischerweise alle Aktionen und deren Effekt aufgeführt.

Du kannst deine Ameisen in genau drei anatomischen Kategorien aufmotzen: Kopf, Thorax und Abdomen (auf gut Deutsch: der Arsch). Du fängst deine Partie als brave, völlig unauffällige kleine Waldameise an und nach zwei oder drei Runden hast du plötzlich fliegende, säurespuckende Killer-Insekten mit gigantischen Mandibeln und angsteinflößenden Augen auf dem Tisch stehen. Das sieht durch die extrem charmanten Illustrationen nicht nur super aus, sondern gibt dir auch starke asymmetrische Fähigkeiten, die deine ganze Strategie beeinflussen.

Hast du keine Lust mehr, dass dir feindliche Truppen den Weg streitig machen? Kein Problem, schnall deinen Arbeitern einfach ein paar parasitäre Flügel an den Thorax und flieg locker über die Feinde hinweg! Deine Armee verliert ständig im Kampf? Bastel dir einen Kampfameisenkopf dran und verteile im Kampf richtig fiesen Schaden! Oder willst du lieber die ultimative Geburten-Engine aufbauen? Dann verpasse deinem Abdomen eine fette Eierkammer und pumpe neue Larven schneller auf das Spielfeld als die Konkurrenz gucken kann. Auf der Rückseite der Tableaus ist auch bereits ein asymmetrischer Start, bei dem jeder eine andere Startarmeise bekommt.

Die Karten sind dabei herrlich vielseitig: Du kannst sie nicht nur für Evolutionen nutzen, sondern sie auch als sofortige Ereignisse ausspielen oder im Kampf als taktische Boni abwerfen.

So sieht das Board mit einer Evolution aus. Trotzdem können weitere Evolutionskarten auf bereits bestehende gespielt werden.

Krieg, Frieden und hungrige Hundertfüßer

Ein richtiges 4X braucht natürlich auch zwingend das vierte X: eXterminate (also ordentlich auf die Mütze geben). Und ja, hier wird gekämpft! Wenn zwei fremde Kolonien auf demselben Wiesen-Feld landen, wird der Platz schnell eng, und wenn alle Ressourcenfelder belegt sind und weitere Ameisen etwas vom süßen Ertrag haben wollen, kommt es zur Keilerei.

Das Kampfsystem ist flott gelöst. Statt stundenlange Würfelorgien abzufeiern, während der Rest des Tisches auf Instagram, Facebook oder wo man aktuell so ist scrollt, wird hier einfach die Grundstärke der beteiligten Ameisen gezählt und verdeckt mit Taktikkarten aus der Hand aufgewertet. Wer verliert, verliert Truppen, aber selbst der Sieger geht selten ohne Verluste nach Hause.

Noch waren alle auf ihren eigenen Erkundungstrip, doch bald starten die ersten Rangeleien.

Du musst aber gar nicht unbedingt kämpfen. Das Spiel bietet eine Symbiose-Mechanik. Wenn du es schaffst, friedlich mit deinen Nachbarn auf einem Feld zu koexistieren und die Ressourcen der Natur zu teilen, generiert das für beide Seiten in jeder Runde wertvolle Ressourcen. Das klingt nach harmonischem Hippie-Leben in der Kräuterwiese, funktioniert in der Praxis aber natürlich genau so lange, bis jemand den Hals nicht voll bekommt, dringend das Wiesen-Feld für seine geheime Mission braucht und dir von hinten kräftig in den dicken Abdomen beißt. Also solange sich nicht mehr Ameisen auf dem Hexfeld befinden, als es Sammelplätze gibt, ist alles im Lot.

Und als wäre das Gezanke unter Nachbarn nicht schon stressig genug, musst du am Ende jeder Runde auch noch die Schlummerphase abhandeln. Hier bekommst du nicht nur die Ressourcen von deinen Sammelfeldern, sondern du musst deine ganzen hart arbeitenden Ameisen auch noch ernähren. Falls du das nicht kannst, heißt es, sie sind futsch. Wer hier schlecht geplant hat und seine Truppen nicht durchfüttern kann, muss zusehen, wie die eigenen Arbeiter jämmerlich verhungern. Zu allem Überfluss werden jetzt auch noch die neutralen Hundertfüßer aktiv! Diese fiesen KI-Monster streifen über das Spielfeld, nisten sich auf wertvollen Wiesenfeldern ein und fressen alles, was nicht schnell genug auf den Bäumen ist. Ein neutraler Ärgerfaktor, der die Wiese lebendig und gefährlich hält.

„Hey Björn, das klingt ja richtig toll, doch gibt es auch negative Sachen oder schreibst du hier nur Lobeshymnen?“, höre ich dich raunen.

Und oh ja, leider fällt auch einiges an Schatten auf die Wiese. Ich finde die Kartenanzahl etwas zu gering. Ich würde es bevorzugen, wenn das Deck während eines Spiels nicht gemischt werden müsste. Und vor allem nicht zweimal. Natürlich wäre das eine hohe Zahl weiterer Karten, aber ich glaube, das täte dem Spiel wirklich gut. Allein, um auf Dauer mehr Abwechslung reinzubringen.

Ok, das war eher ein verschmerzbarer Punkt, der nächste ist aber ein echter Downer. Es gibt zwar nicht direkt eine Player Elimination, also dass ein Spieler komplett vom Tisch gefegt wird, doch wer einmal fast ausgerottet wurde, schafft es in der kurzen Spielzeit nicht mehr, sich zu rehabilitieren. Also kein Handshake, gutes Spiel und ich geh schon mal, oder lese die neuesten Forums-Thread-Einträge auf Unknowns, oder doomscrolle durch TikTok. Ne, du schaust deinem toten Ameisenhaufen bei den Versuchen, sich erneut auszubreiten, dabei zu, wie er ganz einfach von den Übermächten auf dem Feld erneut zerschlagen wird. Die Mechanik, dass auch der Gewinner mit Verlusten nach Hause geht, kompensiert das einfach nicht genug. Die schwächste Kolonie ist einfach immer ein interessantes Angriffsziel. Eine komplette Eliminierung eines Spielers wäre hier einfach ehrlicher gewesen.

Spielerin Blau war hier schon so zurückgeschlagen und dezimiert, dass es nicht mehr möglich war sich erneut auszubreiten. Zumindest nicht wenn die anderen das nicht wollten.

Der Spagat zwischen einer umfangreichen 4X-Erfahrung und einer schnellen Spielzeit gelingt auch nicht so recht. Durch die verschiedenen Ameisenkörper, Siegpunkt- und Aktionskarten lassen sich zwar unterschiedliche Strategien verfolgen, aber im Kern machst du hier nicht viel. Ein wenig mehr Tiefgang in den Aktionen hätte sicher nicht geschadet, auch wenn die Spielzeit auf 3 Stunden ansteigen würde. Ich gehe davon aus, dass einfach eine ganz andere Zielgruppe im Visier war, und da funktioniert das Spiel sicherlich auch wunderbar.


Unboxing

Der ganze Inhalt kommt in einem tollen Pappinsert, gefüllt mit hochwertigem Spielmaterial: Holztoken, dicke, schön designte Hex-Plättchen und griffige Karten mit tollen Artworks. Ein wirklich gelungenes Insert mit vielen Pappboxen für das ganze Material. Da lässt sich alles super verstauen, ohne ein eigenes Insert dafür drucken zu müssen.

Die Regeln lesen sich gut und das Ganze ist neuen Mitspielern in entspannten rund 15 Minuten erklärt. Die Spielzeit ist angenehm und ich würde sagen, pro Spieler sind es hier rund 30 Minuten Spielzeit. Mit neuen Spielern sicher noch mal 30 Minuten mehr.


Bewertung

Schafft March of the Ants also den schwierigen Spagat im 4X-Genre? Wer nicht zu komplex werden will und ein echtes Aufbauspiel mit Erkunden, Expandieren, Ausbeuten und Kämpfen auf dem Tisch haben will, ohne dafür direkt ein ganzes Wochenende frei zu nehmen, wird hier sicher glücklich. Auch beim Begeistern von Wenigspielern ist March of the Ants ein toller Einstieg.

Doch am Ende steht sich das Spiel selbst etwas im Weg und endet als ein Spiel, das voll ok ist, aber eigentlich hätte richtig gut sein können. Das Mutationsthema holt mich thematisch und mechanisch total ab. Zusammen mit der modularen Wiese spielen sich die Partien unberechenbar und immer etwas anders. Die Evolved Edition macht auch auf dem Tisch wirklich was her. Für den großen Wurf fehlt aber einfach etwas.

Die Erweiterung „Räuber und Beute“ konnte ich noch nicht testen, sie bietet aber eine Zusammenfassung zweier Erweiterungen des Originalspiels.


(c) Copyright Giant Roc

Grafik(en) und Bild(er) von analog rockt

Bausteine: Das Spiel ist ein Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


EVE: War for New Eden

Von: Björn
27. Dezember 2025 um 23:49

EVE Online ist ein MMO-Urgestein. Kaum zu glauben, aber das Ding ist tatsächlich älter als World of Warcraft – und läuft immer noch, geschmiert geupdated und größer als je zuvor. Vier Imperien streiten um die Vorherrschaft im All, und wenn man sich auf YouTube mal die legendären Massenschlachten anschaut, bekommt man schnell eine Ahnung, warum dieses Universum bis heute fasziniert.

EVE: War for New Eden von TitanforgeGames ist nicht das erste Brettspiel, das versucht, diese Weltraum-Oper auf den Tisch zu bringen, aber zumindest das erste, das ich tatsächlich gespielt habe. Es will ein 4X-Spiel sein – wobei zwei der X groß und laut geschrieben werden: Expand (Ausbreiten) und Exterminate (Vernichten). Die anderen beiden – Explore und Exploit – stehen eher am Rand und winken schüchtern.

Eindruck von der Bühne

Jeder übernimmt eine der vier Fraktionen aus dem MMO und bekommt passendes Material: Schiffe, Marker und jede Menge galaktische Würfel. Die Modelle sind wunderschön gestaltet und fraktionsspezifisch – also genau das, was Miniaturenfreunde lieben. Leider führt das auch zu kleinen Problemen, aber dazu später mehr.

Galaktischer Aufbau und erste Erkundungen

Wie es sich für ein 4X-Spiel gehört, ist das Spielfeld modular aufgebaut – hexagonale Sektoren, verdeckt ausgelegt, damit man sie „erkunden“ kann.
In der Mitte liegt ein 3er-System, drum herum die 2er- und 1er-Zonen. So höher die Zahl, desto besser die Ressourcen dort. Wer das Zentrum kontrolliert, bekommt Extrapunkte. Und ja, natürlich führt das früher oder später zu einem epischen „Wer-hat-den-größten….Kreuzer“-Showdown.

Apropos Punkte: Wer zuerst 10 Siegpunkte erreicht, beendet das Spiel. Mit der Titanen-Erweiterung steigt das Ziel auf 12 Punkte, dafür gibt’s aber auch noch mehr Wege, diese zu bekommen und ein riesiges Titaneschiff.

Der Spielplan hat einen schönen Rahmen um all die Hexfelder im Zaum zu halten, der passt allerdings nur, wenn man zu viert spielt. Zu dritt bleiben Lücken, was etwas aussieht, als wäre die Ausbreitungs-Simulation des Alls fehlgeschlagen.

Ressourcen, Aktionen und das Leben als Admiral

Auf dem eigenen Tableau hast du verschiedene Aktionsfelder, die durch Cubes aktiviert werden. In jeder Runde darf man standardmäßig drei Aktionen durchführen. Gegen etwas intergalaktisches Kleingeld kann man sich bis zu zwei weitere Aktionen dazukaufen – denn mit Geld kommt man auch im ewigen nichts weiter.
Man kann sich bewegen, produzieren, forschen, kämpfen, bauen oder Rohstoffe sammeln. Die Übersicht auf dem Tableau ist erstaunlich klar, und die Aktionsfelder sind gut erklärt – keine rätselhaften Symbole à la „Was bedeutet nochmal der Strich mit den 3 Zacken?“, sondern einfach klarer Text.

Ein Playerboard wie es mir gefällt. Übersichtlich und mit genug Infos.

Über dem Tableau liegen außerdem Forschungskarten. Jede Fraktion hat ein eigenes Set (wobei alle Sets gleich sind) und darf zu Beginn vier beliebige davon verdeckt auslegen. Jede Forschung kostet Punkte, die man in jeder Runde verteilt. Ist eine Forschung abgeschlossen, wird sie aufgedeckt und gewährt Vorteile – zum Beispiel bessere Schiffe, effizientere Wirtschaft oder passive Wege Einkommen zu genießen. Also komm in die Gruppe!
Die freie Forschungswahl ist cool, aber beim ersten Mal überfordernd – ich hab einfach vier Karten blind gezogen. Hat funktioniert. Vielleicht bin ich der wahre Pionier des Chaosforschungszweigs.

Der zähe Start und der große Knall

Der Beginn ist.. sagen wir – gemächlich. Jeder startet in seiner Ecke, erkundet Sektoren, baut Schiffe und Anlagen… und das war’s dann erstmal. Man schleicht durchs All wie eine gelangweilte Raumsonde ohne Ziel. Erst zur Mitte hin kommt Leben ins Spiel, wenn sich alle um das zentrale System prügeln, oder das bangen darum doch bitte nicht angegriffen zu werden.
Beim Erkunden passiert übrigens nichts Schlimmes – keine Piraten, keine schwarzen Löcher, keine bösen Überraschungen. Man deckt das Hexfeld auf, kassiert den Bonus und zieht weiter. Es ist, als würde man ein ganzes Universum erforschen und dabei feststellen, dass wirklich alles leer ist.

Die Schlachten

Wenn es dann endlich kracht, wird’s spannend – und aufwendig. Jeder Kampf bekommt ein eigenes Schlachtfeld mit drei Orbits: klein, mittel, groß. Die Schiffe werden vom Spielfeld auf das Schlachtfeld platziert, und dann geht’s los. Der kleine Orbit schießt zuerst mit weißen Würfeln (präzise, aber wenig Wumms), der große Orbit zuletzt mit schwarzen Würfeln (Wumms pur, aber trifft nix). Der mittlere Orbit bietet einen guten Kompromiss, da hier beide Würfel geworfen werden. Also kannst du vielleicht wirklich was treffen UND Schaden machen.

Dazu kommt eine Strategiekarte zu Beginn des Kampfes, die für zusätzliche taktische Würze sorgt. Klingt super – und ist es auch… wenn man kämpft.
Alle anderen Spieler können in der Zwischenzeit entspannt Kaffee trinken, das Raumlogbuch schreiben oder drigend irgendwo was liken. Kämpfe dauern. Und zwar so, dass man irgendwann vergisst, dass das Spiel vorher eigentlich flüssig war.

Das Zentrum der Galaxie ist wie das Licht und die Spieler sind die Mücken.

Mein größtes Problem: Die Schiffsmodelle sind wunderschön, aber verwirrend. Jedes Fraktionsdesign ist anders, aber die Werte identisch. Also beginnt jeder Kampf mit der rituellen Frage:
„Welches deiner Schiffe ist der Zerstörer?“ – „Das da?“ – „Nein, das ist meie Fregatte.“
Nach ein paar Partien kennt man sie vielleicht, aber bis dahin fühlt man sich, als würde man bei einem interstellaren Klassentreffen versuchen, Namen zuzuordnen.

Erweiterungen und galaktische Nebenwirkungen

Die Titanen-Erweiterung bringt gewaltige Großkampfschiffe ins Spiel. Der Bau dieser Giganten fühlt sich episch an – jedes Teil ein Triumph der Raumfahrt, jedes Segment ein Schritt Richtung Siegpunkt. Dumm nur, dass die Biester erst kurz vor Schluss fertig werden. Du fliegst gerade los und dann hat irgendwer gewonnen und das Spiel beendet. Enttäuschend.

Kaum waren die Titanen da, war das Spiel zuende. Aber immerhin siehts toll aus.

Die Succession-Erweiterung macht die Fraktionen asymmetrisch und gibt ihnen individuelle Fähigkeiten und Forschungen. Damit bekommt der Anfang deutlich mehr Pep – und man fühlt sich nicht mehr wie vier identische Zivilisationen mit unterschiedlicher Lackierung.

Die Havoc-Erweiterung bringt Piraten für einen fünften Spieler ins Spiel, die Korruption verbreiten. Wenn sie genug Systeme korumpieren, gewinnen sie. Leider gibt’s keinen AI-Modus für die Piraten – schade, denn ein neutraler Ärgerfaktor hätte dem Spiel gutgetan.

Material, Design und Weltraumglanz

Die Box ist super. Alles passt, kein extra Insert nötig. Die Miniaturen sind ordentlich verstaut, das Material hochwertig, das Design top. Wenn man den Deckel öffnet, fühlt es sich an wie ein Neuwagen.
Optisch ist EVE: War for New Eden wohl einer der schönsten Vertreter seines Genres – ein echter Hingucker auf dem Tisch.

Groupie auf Tour

Tja, das war im Groben EVE: War for New Eden. Mich hat es leider nicht abgeholt. Ein Mitspieler hatte immerhin Spaß an den Kämpfen, aber für mich blieb das Universum ein bisschen leer.
Für ein 4X-Spiel ist es angenehm kurz mit rund zweieinhalb Stunden Spielzeit, aber irgendwie bleibt der Nachgeschmack: Wenn ich schon im Weltraum bin, will ich auch was erleben.

Die Ansätze sind gut, aber das gewisse Etwas fehlt. Würde mir jemand mehrere 4X-Spiele zur Auswahl geben, würde ich vermutlich jedes andere vorziehen. Schade, denn produktionstechnisch ist das Teil über jeden Zweifel erhaben. Es sieht toll aus, fühlt sich hochwertig an und hat echte Tischpräsenz. Leider ist es auch nur in englischer Sprache erschienen, was es einigen hierzulande wohl noch etwas unattraktiver machen.

Aber gute Grafik allein hat noch kein MMO gerettet – und kein Brettspiel.
Wer jedoch ein kompakteres Space-4X-Spiel mit taktischen Raumkämpfen sucht, könnte hier trotzdem glücklich werden. Es ist sicher nicht einfach, Komplexität und Spielzeit auszubalancieren – aber EVE schafft es zumindest, ein stabiles Sprungtor in die Galaxis der „netten, aber nicht unvergesslichen“ Spiele zu öffnen. Aktuell würde ich wohl nur einen Rocker vergeben. Die aktuellen 8,4 Punkte auf BGG kann ich mir nur durch Verdrängung der Tatsache erklären, viel Geld für wenig Spiel bezahlt zu haben.

Ich für meinen Teil docke jetzt ab und freue mich auf Master of Orion. Vielleicht gibt’s da endlich wieder ein bisschen mehr Weltraumwumms.

Fazit: Schöne Hülle, lahmer Hyperantrieb

Konzertmitschnitte

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