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Byzantion: The Justinian Era

Von: Björn
27. Juni 2026 um 08:00

Ich schaue mir die Bilder an und denke – wow, was für eine Tischpräsenz! Überall Miniaturen, ein gewaltiges Spielfeld und jede Menge Aktionskarten. Da lag die Vermutung nahe, dass wir uns hier gegenseitig Armeen auf den Hals hetzen und Schlachten bestreiten, doch falsch gedacht. Byzantion ist ein ganz anderes Spiel.


Ich habe bei Spielen mit realem Bezug immer den Hang, in den Deep Dive zu gehen, und wühle mich gerne durch die Geschichte. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig ich eigentlich über die Details weiß, und gebe hier auch wieder einen kleinen historischen Exkurs. Wenn du keine Lust darauf hat, lies einfach bei den Eindrücken von der Bühne weiter.

Historischer Kontext

Wer im Jahr 527 nach Christus auf die Landkarte schaut, reibt sich erst mal verwundert die Augen. Das mächtige Römische Reich, das gefühlt jahrhundertelang die europäische Sandbox dominiert hat, sieht plötzlich verdammt asymmetrisch aus. Während der Osten mit Byzanz fett im Geschäft ist, hat der Westen den ultimativen Rage-Quit hingelegt.

Aber wie konnte die absolute Über-Fraktion der Antike so grandios gegen die Wand fahren? Da gab es sicher viele Faktoren, doch einer davon waren die leeren Staatskassen. Da kein Geld mehr für die eigenen Truppen da war, dachte sich Rom, dass sie einfach die Barbaren anheuern, die vor der Grenze campen, und sie mit Land bezahlen.

Das lief natürlich richtig gut. Die sogenannten „Verbündeten“ merkten ziemlich schnell, dass sie die Regeln im eigenen Vorgarten ab jetzt selbst schreiben können.

Das Römische Westreich war dem Ende nahe und im Jahr 476 n. Chr. hatte der germanische Heerführer Odoaker endgültig keinen Bock mehr auf das kaiserliche Mikro-Management. Er setzte den letzten weströmischen Kaiser ab. Der war ironischerweise noch ein Teenager und hörte auf den dramatischen Namen Romulus Augustulus. Frei übersetzt das kleine Römerlein.

Odoaker machte dann wahrscheinlich das einzig Logische. Er packte die kaiserliche Krone und den Purpurmantel in ein DHL-Paket, schickte den ganzen Ramsch nach Konstantinopel zum oströmischen Kaiser und legte einen Zettel bei „„Du, behalt den Kram. Wir brauchen hier drüben keinen eigenen Chef mehr. Ich schmeiß jetzt hier den Laden.“

Viel ist geschehen seitdem und inzwischen haben sich andere Spieler auf dem Brett breitgemacht. Die Ostgoten haben sich Italien geschnappt und chillen in Rom und Ravenna, während die Vandalen Nordafrika besetzt haben, was als ehemaliger Kornspeicher Roms natürlich der absolute Ressourcen-Jackpot ist. Den Rest von Westeuropa teilen sich unterdessen die Franken und Westgoten untereinander auf.

Nun schreiben wir das Jahr 527 nach Christus. Das Weströmische Reich ist längst Geschichte, aber im Osten brennt noch Licht! In Konstantinopel, auf den Ruinen des alten Byzanz, schlägt das Herz eines Imperiums, das kurz vor dem ganz großen Punkte-Sieg steht.

In genau diesem Jahr hievt sich ein neuer Babbo auf den Thron, nämlich Kaiser Justinian I.

Sein ambitionierter Masterplan ist die Restauratio Imperii, was auf gut Deutsch bedeutet, dass er die alte römische Map wieder komplett freischalten und zur alten Größe zurückkehren will. Unter seiner Herrschaft schaltet das Reich in den absoluten Turbo-Modus aus radikalem Umbruch und unermesslichem Reichtum. Der Kaiser hat verdammt Großes vor, doch wer wird im Schatten seines Throns wirklich die Fäden ziehen?

Schreiben wir die Geschichte des Oströmischen Reiches neu!

Eindruck von der Bühne

Was ist Byzantion?

Byzantion ist ein Deckbuilder mit Bietmechanismus und spielt sich gänzlich anders, als es die opulente Optik erwarten lassen würde. Wer hier Plastik-Schubsen vermutet, wird enttäuscht. Du musst in jeder Runde zusammen mit den anderen Spielern, hier staatstragend „Demoi“ genannt (gesprochen Di-mi), auf die aktuelle politische Situation reagieren und auf eine von zwei Entscheidungen bieten. Die eine Option ist der reale historische Pfad und Option zwei ist die fiktive „Was-wäre-wenn“-Variante der Geschichte.

Jede Runde beginnt erst mal mit dem klassischen Gerangel um die Initiative. Der Startspieler darf sich zuerst eine der vier Positionen schnappen. Die Position bestimmt nicht nur, wann du dran bist, sondern liefert auch noch einen zufälligen Ressourcenbonus frei Haus. Damit nicht genug, denn jede Position hat noch ein festes Gadget im Gepäck. Wählst du Position 1, darfst du nicht nur anfangen, sondern bekommst zusätzlich das Banner, mit dem du eine Aktion mehr hast als der Rest der gierigen Bande. Auf Position 2 gibt es einen Kelch, der dir imaginäre Ressourcen zum Bieten spendiert – quasi Falschgeld mit kaiserlichem Segen. Position 3 reicht dir das Szepter, das dir die Macht über alle Gleichstände verleiht, und auf Position 4 wartet die kuschelige Robe. Die verdoppelt bei einem Sieg deine Event-Belohnung und sorgt bei einer Niederlage dafür, dass du komplett ungeschoren davonkommst. Die Wahl ist echt kein No-Brainer, vor allem, weil der Startspieler-Posten hier nicht unbedingt ein Vorteil ist.

In der Bieterphase geht’s dann los. Position 1 auf der Initiativeleiste setzt seine Auctoritas auf den gewünschten Event-Ausgang. Wenn die Sache am Ende erfolgreich war, darf der Sieger meistens Miniaturen aufs Feld klatschen. Zum Beispiel könnte ein Event zum Ende des Dauerkrieges zwischen Persien und Byzanz bestimmen, dass der Handel wieder boomt, was dir zwei Händler einbringt. Steht die Ampel eher auf Plündern und Aushungern, stellst du stattdessen einen Belagerungsturm und eine Legion auf das Parkett. Doch wofür der ganze Stress? Du ziehst am Anfang geheime Aufgaben, die dir am Ende fette Punkte bringen kann. Die sind komplett unterschiedlich gestrickt. Wettet deine Quest darauf, dass jeder Händler einen Siegpunkt bringt, kann der Ausgang des Events entscheidend für deinen Punkteregen am Ende sein.

Das Blöde ist nur, wenn du zuerst bieten musst, stehst du im Dunkeln. Du hast keinen blassen Schimmer, was die Konkurrenz noch im Ärmel hat, und du hast genau diesen einen Schuss frei. Nebenbei legt die Mehrheit mit dem Gebot auch das Rundenziel fest. Gewinnt der Wiederaufbau des Handels, müssen alle Spieler am Tisch brav ein Frumentum (Nahrung) und sechs Nomisma (Geld) in den gemeinsamen Topf werfen. Ist das letzte Gebot platziert, können noch fiese Intrigenkarten gefeuert werden, die das Ergebnis beeinflussen. Danach ist das Ziel fix und es geht mit der nächsten Phase ans fröhliche Sammeln der für das festgelegte Ziel benötigten Ressourcen.

In der Aktionsphase gibst du deine Dynamis aus, also deine wohlverdienten Aktionsmarker, um eine von sechs Aktionen rauszuhauen. Die Anzahl deiner Marker richtet sich nach der Spielerzahl. Die Faustregel lautet: Je weniger Leute am Tisch, desto mehr Action pro Nase. Die Aktionen selbst erfinden das Rad nicht neu, sondern sind angenehm simpel, nämlich Karten kaufen, Karten spielen, Karten aktivieren, auf dem Ressourcenmarkt kaufen oder verkaufen oder ebendiesen resetten.

Bei den Karten unterscheidet das Spiel zwischen Helden, Intrigen und Ressourcen. Damit es auf dem Tisch schön bunt wird, sind alle einer Gattung zugeordnet. Siehst du das gelbe Waagensymbol, ist das eine Emporium-Karte, also die Abteilung Marktplatz. Spielst du einen Helden mit diesem Symbol, hat der eine Stufe von 1 bis 3, was du an den Lorbeeren um das Symbol erkennst. Der Clou an der Sache ist, dass ab sofort alle anderen Emporium-Karten um die Stufe des Helden günstiger werden. Das geht auf Dauer richtig steil, denn Karten ausspielen saugt dir ansonsten die Schatzkammer leer und wir wollen am Ende ja schließlich nicht so enden wie das alte Rom, oder? Ressourcenkarten triggern beim Ausspielen einen Einmaleffekt und produzieren später beim Aktivieren wertvolle Ressourcen. Da die Aktionen pro Runde knapp sind, musst du deine Karten zu sogenannten „Bandons“ zusammenschieben. Unter einen Level-2-Helden passen zum Beispiel bis zu zwei Karten derselben Gattung. Aktivierst du nun diesen Bandon, zünden alle Karten gleichzeitig und du scheffelst Ressourcen wie ein Großgrundbesitzer. Das Schöne ist, dass du diese Reihenhäuser jederzeit neu anordnen darfst, solange sie in der Runde noch nicht aktiviert wurden. Also lautet die Devise: Tolle Karten shoppen, clever ausspielen, fette Bandons bauen und abkassieren. Weil jeder durch seine Quests andere Ziele verfolgt, jagt zwar nicht jeder dieselbe Karte, aber das Gerangel am Markt ist trotzdem eine Herausforderung. Da ist es dann doch ganz geil, als Startspieler zuerst die Auslage plündern zu dürfen.

Wenn alle am Tisch entkräftet passen, geht es in Phase 3 und das Event wird ausgewertet. Alle schieben verdeckt Ressourcen in die Mitte. Für jedes beigesteuerte Ressource gibt es einen Siegpunkt. Du willst also eigentlich immer mitmischen, selbst wenn das Ergebnis so gar nicht in deine Strategie passt. Erreicht die Gruppe das gemeinsame Ziel, ist die Party erfolgreich und der fleißigste Spender darf die Belohnungs-Minis platzieren. Reißen alle zusammen die Latte, zahlt der Geizhals mit dem kleinsten Beitrag die Strafe. Hier im Prototypen war das Event-Versagen allerdings theoretischer Natur, meistens haben sogar mehrere Spieler den kompletten Beitrag im Alleingang gestemmt. Da darf die Redaktion gerne noch mal an den Stellschrauben drehen, wir wollen ja schließlich ein bisschen bibbern!

Nach knackigen sechs Runden ist Schicht im Schacht und es wird abgerechnet. Auch in diesem Spiel gewinnst du, falls du die meisten Siegpunkte hast.

Die Miniaturen sind wie die Karten einer bestimmten Kategorie zugeorndet. Erkennbar an der Farbe.

Byzantion liefert ein wirklich interessantes Spielgefühl und es macht tierisch Bock, sich diese Bandon-Engines zusammenzuschustern. Die ganze Aufmachung ist Premium und wenn wir ganz ehrlich sind, komplett überproduziert. Die halbe Box besteht aus Plastik-Miniaturen, die im Grunde nichts weiter tun, als dumm auf der Playmat herumzustehen und am Ende für Punkte gezählt zu werden. Aber ich will es gar nicht anders! Das Auge spielt schließlich mit und der Flair ist absolut grandios. Selbst im Prototypen-Status ist das Material ein Traum: Holztoken, Pokerchips als Aktionsmarker und das Brett ist eine gewaltige Neoprenmatte. Der ganze Spaß lag im All-In inklusive Steuern und Versand bei rund 189 €. Für diesen Berg an Material ist das definitiv ein absolut fairer Kurs. Wer kein Plastik braucht, greift zur Sparversion für einen Hunderter.

In allen Versionen ist die „Taktika“-Erweiterung direkt mit an Bord. Die verpasst jedem einen asymmetrischen Start und eine Spezialfähigkeit, also genau mein Ding. Dazu kommt ein kleines Area-Control-Element, womit man die Einheiten tatsächlich über das Feld scheuchen kann, um Boni abzugreifen. Mit dem Prototypen konnte ich das leider noch nicht testen, bin aber hoch interessiert.

Trotz des hohen Spaßfaktors merkt man dem Spiel an, dass hier und da noch geschliffen werden muss. Dass man die Events quasi nicht verlieren kann, nimmt etwas die Würze. Und obwohl die historischen Ereignisse super recherchiert sind, mutiert das Ganze im Spieldrang oft zum reinen Zahlenschubsen. Hauptsache, der Ertrag stimmt. Schade eigentlich. Ein QR-Code auf den Karten, der nach dem Bieten eine kurze Audio-Story abspielt, wäre der absolute Knaller, um die Geschichte an den Tisch zu bringen. Das Kartenbalancing ist sicher auch noch nicht ganz optimal.

Aktuell stört mich auch noch die Kartenauslage. Die liegt ziemlich starr wie Blei auf dem Tisch. Wenn kein Spieler Bock auf die ausliegenden Karten hat, verfilzt der Markt rundenlang und es wird nur noch blind vom Stapel gezogen. Ein automatischer Wipe am Rundenende oder die Kopplung an die Markt-Reset-Aktion würde hier Wunder wirken und die teure Reset-Aktion direkt viel attraktiver machen. Auf Nachfrage wurde mir aber geflüstert, dass die Autoren da tatsächlich noch am Grübeln sind.

Dass eine große Playmat als Spielfeld genutzt wird, ist ebenfalls eine gute Lösung, doch selbst die bereits große Matte mit ihren Maßen von 120 mal 80 Zentimetern ist immer noch etwas zu klein. Auf dem Neopren ist zwar für jeden Spieler ein eigener Bereich eingezeichnet, doch darin passen beim besten Willen keine zwei Karten untereinander. Durch die zahlreich ausgespielten Karten wird es auf dem Tisch verdammt voll und dass die Karten irgendwann untereinandergelegt werden müssen, ist nicht zu verhindern. Ein paar Zentimeter mehr Fleisch auf den Rippen hätten der Spielmatte hier definitiv gutgetan, um den Platzkollaps deiner ganzen Bandons und Einzelkarten zu verhindern.

So voll kann die eigene Kartenauslage anwachsen.

Man darf nicht vergessen: Das ist ein Prototyp und der hat schon wieder einige Monate auf dem Buckel. Ich bin jedenfalls ziemlich guter Dinge, dass Byzantion ein schönes Teil wird.

Noch ein kurzes Wort zu den Machern von Meeple Pug. Die Truppe aus Griechenland ist verdammt ambitioniert. Bisher haben sie zwar erst ein Spiel namens Dark Blood auf dem Markt, haben aber mit Byzantion und Mesopotamia schon die nächsten dicken Dinger gefundet, während mit Alexandria schon die nächste Kampagne in den Startlöchern steht. Klingt erst mal nach klassischem Kickstarter-Overload, aber die Jungs und Mädels liefern einfach ab. Die Kommunikation ist transparent, sie nehmen Kritik an und die Qualität stimmt. Keine ihrer Kampagnen wirkte bisher wie abgehobener Wucher. Ich mache mir da wenig Sorgen, dass die Boxen nicht auf unseren Tischen landen.


Groupie auf Tour (Björn)

Byzantion: The Justinian Era hat aktuell noch ein paar Stolpersteine, aber der Lapis Lazuli darunter schimmert schon verdammt vielversprechend durch. Das Basteln an der eigenen Produktion macht Laune und optisch ist das Ding eine absolute Wucht. Ob das fertige Produkt auch auf Langstrecke zündet, wird sich zeigen, aber allzu lange müssen wir darauf ja nicht mehr warten. Mi der Preview bin ich zwar etwas spät zur Party und der Late Pledge ist dicht, aber wer Blut geleckt hat, erwischt die Autoren vielleicht auf der Spiel in Essen für einen kleinen Schnack und kann die Box direkt einsacken! Dies allerdings ohne Gewähr. Wenn das fertige Spiel hier eintrudelt, werd ich über die Neuerungen und das Gesamtbild definitiv berichten.

Groupie auf Tour (Horst)

Ich hatte mega Lust auf das Spiel und dann hat Björn die Mechanik mit Mischung aus Biet-Mechanik und Deck-Builder beschrieben. So gern ich beim Skat zocke, so öde finde ich Bieten bei Brettspielen. Es geht sogar soweit, dass solche Spiele nicht mal einen weiteren Blick verschwende. Wäre schade gewesen. Mich hat Byzantion so richtig abgeholt. Das Bieten ist eher unwichtig. Die dritte Phase lädt zum Siegpunkt abgreifen ein, aber die zweite Phase – die Aktionsphase – ist das Herzstück. Mit den ausgespielten Decks baut man sich wie Björn schon geschrieben hat, Ressourcen-Engines zusammen, die den Sammler in mir erweckten. Ich wand es auch sehr erfrischend, dass die geilen Engines wieder neu zusammengesetzt werden konnten. Hat man erst einmal viele Karten auf dem Tisch, lässt sich jede neue Runde mit einem Lächeln im Gesicht starten. Quasi ein komplexes Rommé. Mich hat es vollends überzeugt. Das ging uns nicht allen so am Tisch – leider – sonst wäre es wahrscheinlich ebenfalls in meinen Einkaufskorb gelandet. Lieber haben, als brauchen.


Konzertmitschnitte

Men Nefer

Von: Horst
29. November 2025 um 08:00

Angestaubte Mumien oder Pharao-tastisch?

Björn nutzt ab und zu aus, dass ich Regeln gerne lese und bringt mir mittlerweile Spiel und Regeln vorbei, um ein Stück Pile of Shame loszuwerden. Als er mir Men Nefer von Pegasus Spiele mitbrachte, war ich erst enttäuscht. Ein Arnak Abklatsch mit Ägypten-Setting? Beim Aufschlagen des Regelheftes wurde ich überrascht. Moment, ist das ein echtes Setting? Heute wird die Ruinenstadt Memphis genannt – altägyptisch tatsächlich Men Nefer. Es gibt zwar keine gesicherten Quellen, aber es wird erwähnt, dass – der ebenso umstrittene Pharao – Menes die Stadt gegründet hat. Wie auch immer es gibt auf jeden Fall die Ruinen und den Stadtnamen. Beim Recherchieren bin ich dann auch auf andere – für mich – interessante Neuigkeiten gestossen: die Menschen am Nil haben die Jahreszeiten in drei Ereignisse unterteilt: Die Überschwemmungszeit (Achet), die Aussaat (Peret) und die Erntezeit (Schemu). Genau in diese drei Phasen ist auch das Spiel eingeteilt.

Der besondere Reiz liegt für mich also in der thematischen Umsetzung und den historischen Hintergründe. Dann soll es ein Expertenspiel für ca. 90 Minuten sein. Naja…die Zeiteingabe kennen wir ja schon.


Eindruck von der Bühne

Auf der Brettern der Welt präsentiert, muss sich das Spiel nun beweisen. Ich muss sagen es gibt einige Dinge, die mich richtig angefixt haben. Zum einen finde ich es thematisch schon mal richtig gut, dass die Jahreszeiten die Rundenstruktur darstellen. Auch die Aktionen sind so richtig gut. Mit der einen Aktion kann ich von meinem Tableau einen der Arbeiter auf dem zentralen Board platzieren. An der Stelle, wo der Arbeiter war gibt es noch ein Aktionsplättchen, dass ich ausspielen darf und dann ablege. Mit einer weiteren Aktion verschiebe ich den auf dem zentralen Board platzierten Arbeiter, dadurch bekomme ich im Laufe des Spieles immer besser und/oder vielseitigere Aktionen. Mit der letzten Aktion hole ich mir wieder ein Aktionsplättchen für die nächste Runde zurück. Ich liebe dieses Vorausplanen, sich untereinander hochschaukelnde Aktionen.

Auch die Einstiegshürde in Bezug auf Regelerklärung ist schnell gemacht. Einzig der Aufbau dauert etwas länger wegen der vielen kleinen Elemente.

Und wie auf der Schachtel versprochen, erlebt man – zumindest im Spiel zu zweit – in 90 Minuten ein ziemlich gut verzahntes Expertenspiel. Das ist grandios. Das Ende ist übrigens hart auf Basis der Rundenzahl beschnitten. Also keine weitere Dynamik.

Wo gute Riffs sind, fallen auch schräge Noten. Was meine Euphorie etwas gebremst hat, war ein Spiel-Element: der Pyramidenbau. Irgendwie auch logisch, dass der wichtig ist, aber die geben je weiter man vorrückt explorative Punkte. Erstaunlicherweise, ist dies relativ leicht und ohne viel Tara durchzuführen. Bei allen anderen Aktionen wie Mumien, Priester, Sphinx platzieren oder Göttergefälligkeiten erfüllen, ist meist immer viel mehr an Vorbereitung notwendig. In der Partie mit Björn, der sich primär auf die Pyramiden gestürzt hat, hat er auch Pyramidenhoch gewonnen. Hat mich etwas enttäuscht. Das einzige Element, dass den Pyramidenbau eindämmt, sind übrigens die richtigen Aktionsplättchen zu bekommen. Damit wird es dann noch mehr zur Lotterie, wenn ihr eine Person sich die Plättchen vor den anderen schnappt.


Groupie auf Tour

Was bleibt für mich hängen? Ich will es unbedingt noch einmal spielen. Hätte Björn es nicht im Besitz, wäre ich wahrscheinlich schon längst in den Kaufrausch abgedriftet, um weitere Grabbeigaben in Form von Brettspielen zu sammeln.

Bei der nächsten Partie würde ich noch einmal darauf achten, um man wirklich mit der Konzentration des Pyramidenbaus am Ehesten durchrauscht. Persönlich fände ich das dann sehr schade. Zum einen, weil es dann trotz der vielen Angebote Punkte zu erlangen, doch nur einen Fokus gibt und zum anderen, weil es eigentlich die langweiligste Aktion ist.

Also braucht es auch noch eine dritte (oder vierte …) Runde, um dann noch herauszufinden, wie man sonst noch gut Punkte scheffeln kann. Mal sehen, wann ich es wieder spielen werde. Björn?

Ach ja … wäre natürlich auch hinsichtlich Zeitaspekt, aber auch Variabilität in der Siegpunkt-Steuerung interessant, mit mehreren Spielenden nach Memphis auf Tour zu gehen.

Kurzfazit: Könnte ich mir gut vorstellen in der eigenen Sammlung zu haben.

Björns Meinung

Zu meiner Verteidigung möchte ich vorweg sagen, dass Horst einfach ein Phänomen ist, wenn es um das Erklären von Regeln geht. Man hört ihm einfach gerne zu, und das will bei Regelwerken schon was heißen. Also an dieser Stelle vielen Dank dafür.

Aber zurück zum Spiel: Unsere erste Runde war richtig stark, und man hat sofort gemerkt, wie viel Potenzial in dem Titel steckt. Das Planen und Ausführen der Aktionen macht einfach Spaß und fühlt sich wunderbar thematisch an, als würde man tatsächlich mit Hammer und Meißel an den Monumenten der Geschichte werkeln.

In meiner zweiten Partie lief’s dann fast schon zu gut. Wieder habe ich mit dem Bau der Pyramiden einen wahren Punkteturm errichtet und das so überzeugend, dass man fast meinen könnte, die Götter selbst hätten mir den Bauplan zugeflüstert. Das Ganze wirkt momentan schon ziemlich mächtig, denn die Pyramiden scheinen nicht nur Steine, sondern auch ordentlich Siegpunkte zu stapeln. Trotzdem war es ein knappes Rennen, denn die Mitspielerin, die sich dem Beten und Opfern im Tempel verschrieben hatte, hatte sogar nochmal 2 Punkte Vorsprung.

Auch wenn ich dachte das Pyramidenbauen ist extrem mächtig, fühlte es sich doch wunderbar ausbalanciert an. Niemand hatte das Gefühl, chancenlos zu sein, und alle am Tisch hatten sichtlich Spaß.

Ich denke, Spezialisierung ist hier der Schlüssel. Mit den wenigen Aktionen pro Runde sollte man sich lieber auf einen Bereich konzentrieren, statt überall ein bisschen mitzuspielen. Ich bleibe jedenfalls beim Bauen – das scheint mein Ding zu sein.

Unterm Strich bin ich mir sicher: Der Titel bleibt in meiner Sammlung. Ich errichte hier nicht nur Pyramiden, sondern auch ein Denkmal für gute Spielmechanik.


Konzertmitschnitte

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