Oink-Games-Spiele in unserem Regal: Klein, aber oho
Nur wenige Spieleverlage haben eine so unverwechselbare Handschrift wie Oink Games. Die kleinen Schachteln des japanischen Verlags fallen sofort ins Auge – nicht nur wegen ihrer Größe, sondern wegen ihres außergewöhnlichen Designs und der Spielideen, die darin stecken.

Seit der Gründung vor mehr als 15 Jahren verfolgt Oink Games einen konsequent anderen Ansatz als viele andere Verlage. Statt großer Spielschachteln mit umfangreichem Material setzt das Unternehmen auf kompakte Formate und innovative Mechaniken.
Ob Geschicklichkeitsspiel, Kartenspiel, Deduktion oder taktisches Familienspiel: Auf dieser Seite stellen wir 9 Spiele der Japaner vor, die bei uns zu Hause im Regal stehen, werfen einen Blick auf ihre Besonderheiten und zeigen, warum Oink Games für viele Brettspielfans längst zu den spannendsten Ständen auf Messen wie der SPIEL in Essen zählt.

Loop 40
Neu zur SPIEL 2026: Loop 40 in der typischen Oink-Games-Minischachtel. Kartenspiele rund um Zahlenleitern und Stichhierarchien leben üblicherweise von klaren Rangordnungen – Loop 40 dreht dieses Prinzip um und biegt die Reihe schlicht zum Kreis. Hier laufen die Werte von 1 bis 40 in einer Endlosschleife, sodass es keine absolut höchste Karte gibt; stattdessen definiert jeweils die erste ausgespielte Karte eines Durchgangs, wie sich die relative Stärke für diesen Stich verschiebt.
Das Kernziel, als Erste die eigene Hand leerzuspielen, entpuppt sich als taktische Gratwanderung. Wer den Stich für sich entscheidet, muss sämtliche gelegten Karten der Konkurrenz aufnehmen. Was zunächst wie eine Strafe wirkt, ist der zentrale Hebel: Nur wer bewusst Risiken eingeht und gezielt Karten einsammelt, kann lückenlose Zahlenfolgen bilden, um in den Folgerunden mit mächtigen Kombinationen das Feld von hinten aufzurollen. Ein schnelles, ungewöhnliches Kartenspiel mit starkem Timing-Fokus.

Compress
Ebenfalls eine 2026-er Neuheit ist Compress: ein kartengesteuertes Deduktions- und Notationsspiel für eine bis sieben Personen, das klassische Memory-Mechanismen durch eine eigene Informationscodierung ersetzt. Im Mittelpunkt steht ein verdeckter Sequenzstapel aus Nullen und Einsen, dessen exakte Reihenfolge fehlerfrei rekonstruiert werden muss. Anstatt die Kette im Kopf zu behalten, nutzt man das eigene Kontingent von acht Handkarten als Speicherwerkzeug auf dem Tisch.
Eine Spielrunde gliedert sich in drei feste Phasen. Zunächst wählt die Person mit dem Nullmarker eine eigene Karte, nennt deren Wert laut, legt sie verdeckt auf den Sequenzstapel und zieht eine Karte nach. Danach wird der Nullmarker weitergegeben. In der zweiten Phase sagen alle reihum den Wert der jeweils obersten Karte an, bevor diese zur Kontrolle aufgedeckt wird. Wer falsch liegt, erhält eine Strafkarte; bei zwei Strafkarten scheidet man aus. Jede überprüfte Karte wandert verdeckt auf einen separaten Kontrollstapel.
Sind alle Karten abgearbeitet, folgt die dritte Phase: Der Kontrollstapel wird zum neuen Sequenzstapel. Durch dieses Prinzip kehrt sich die Reihenfolge der gesamten Kette in jedem Durchgang um. Wer seine acht Handkarten geschickt strukturiert – etwa über Farbkombinationen für Ziffernpaare –, behält den Überblick über die stetig wachsende Bitfolge.

Ohne Floß nix los
Ohne Floß nix los ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem ein schwankendes Floß immer größer wird – und die Spielerinnen möglichst ihre gesamte Fracht darauf unterbringen wollen. Das Besondere: Die Spielschachtel selbst dient als Fundament, auf dem nach und nach neue Floßteile und Schatzkisten platziert werden.
In jedem Zug wird ein Floßbalken angehoben, eine neue Karte eingefügt und anschließend eine eigene Schatzkiste auf der Konstruktion abgesetzt. Je weiter das Spiel fortschreitet, desto instabiler wird das Floß. Wer beim Platzieren fremde Schatzkisten ins Wasser befördert, muss diese als Strafmarker nehmen. Sammeln sich zu viele fremde Kisten an, scheidet man aus dem Spiel aus.
Dadurch entsteht ein Mix aus Fingerspitzengefühl, Risiko und gezielter Sabotage. Die Frage ist, wie waghalsig man seine eigenen Schatzkisten platzieren möchte: Sicher ablegen oder bewusst an einer kritischen Stelle, damit die Mitspieler später Probleme bekommen?
Das Geschicklichkeitsspiel funktioniert mit Familien ebenso gut wie mit erfahrenen Spielrunden. Ein unterhaltsamer Balanceakt für Jung und Alt.

Scout
Mit Scout ist Oink Games ein außergewöhnliches Kartenspiel gelungen, das 2022 sogar für das Spiel des Jahres nominiert wurde. Die Grundidee klingt simpel, sorgt aber für überraschend viele taktische Entscheidungen: Die Handkarten dürfen nach dem Austeilen nicht neu sortiert werden, ähnlich wie bei Krass kariert.
Die doppelseitigen Karten zeigen auf jeder Seite unterschiedliche Zahlenwerte. Vor Spielbeginn darf die gesamte Kartenhand zwar gedreht werden, anschließend bleibt ihre Reihenfolge jedoch unverändert. Um starke Kombinationen aus aufeinanderfolgenden Zahlen oder gleichen Werten auszuspielen, müssen die Spieler ihre Hand geschickt weiterentwickeln. Dazu können sie Karten aus aktuellen Auslagen der Mitspieler „scouten“ und an beliebiger Stelle in die eigene Hand einfügen.
Jede neu gespielte Kartenkombination muss die aktuelle Auslage übertreffen. Wer die stärksten Shows präsentiert, sammelt Punkte und versucht, seine Karten möglichst vollständig loszuwerden. Gerade das geschickte Vorbereiten einer perfekten Auslage sorgt immer wieder für kleine Erfolgsmomente und überraschende Wendungen.
Scout verbindet einfache Regeln mit hoher Spieltiefe und viel Interaktion. Trotz eines Glücksfaktors bleiben die Partien kurz, dynamisch und motivieren schnell zur nächsten Runde. Ein cleveres Kartenspiel mit origineller Idee, das gern auf den Tisch kommt.
Deep Sea Adventure

Mit Deep Sea Adventure hat Oink Games einen modernen Klassiker an Bord, der mit wenigen Regeln für große Spannung sorgt. Als Gruppe von Schatzsuchern tauchen die Spielenden gemeinsam zu versunkenen Ruinen hinab, um wertvolle Schätze zu bergen. Das Problem: Alle nutzen dasselbe gemietete U-Boot – und teilen sich auch einen einzigen Sauerstofftank.
Runde für Runde entscheiden die Spieler, ob sie tiefer tauchen und nach wertvolleren Schätzen suchen oder lieber rechtzeitig den Rückweg antreten. Jeder aufgesammelte Schatz verlangsamt die Bewegung und verbraucht zusätzlich Sauerstoff für die gesamte Gruppe. Wer zu gierig wird, riskiert alles: Geht die Luft aus, bevor man das U-Boot erreicht, verliert man sämtliche geborgenen Schätze.
Gerade dieses Zusammenspiel aus Risiko, Gier und Gruppendynamik macht den besonderen Reiz von Deep Sea Adventure aus. Obwohl alle gemeinsam von der knappen Luft abhängig sind, verfolgt jeder seine eigenen Ziele. So entstehen ständig spannende Entscheidungen, dramatische Wettläufe zurück zum U-Boot und jede Menge Schadenfreude.
Dank der einfachen Regeln, kurzen Partien und des hohen Interaktionsfaktors funktioniert Deep Sea Adventure mit nahezu jeder Spielerzahl hervorragend. Ein kleines Spiel mit großer Wirkung, das auch Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seinem Charme verloren hat.

Town 66
Mit Town 66 haben wir ein kompakte Legespiel, das einfache Regeln mit überraschend viel Taktik verbindet. Gemeinsam bauen die Spieler eine Stadt in einem 6×6-Raster auf, wobei jedes Hausplättchen eine Farbe und eine Form besitzt. Die zentrale Regel: In derselben Reihe oder Spalte darf keine Farbe und keine Form doppelt vorkommen.
Runde für Runde legen die Spieler Häuser an und ziehen neue Plättchen nach. Dabei wird der Platz auf dem Spielplan immer knapper, sodass passende Felder zunehmend rar werden. Wer kein Haus mehr platzieren kann, scheidet aus. Besonders interessant ist ein zusätzlicher Mechanismus: Nach jedem Zug darf freiwillig ein Hausplättchen abgeworfen werden. Da am Spielende möglichst wenige verbliebene Plättchen von Vorteil sind, entsteht ein spannendes Abwägen zwischen Flexibilität und Risiko.
Town 66 kombiniert Puzzle-Elemente, taktische Entscheidungen und eine Prise Push-your-Luck zu einem angenehm entspannten Spielerlebnis. Die hochwertige Ausstattung, die kurze Spieldauer und die kompakte Schachtel machen das Spiel zu einem idealen Begleiter für Reisen und spontane Spielrunden. Ein cleveres Familienspiel, das trotz seines minimalistischen Ansatzes immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Nine Tiles Panic
Nine Tiles Panic verbindet Städtebau, Puzzle und Zeitdruck zu einem ungewöhnlichen Spielerlebnis. Alle Teilnehmenden erhalten dieselben neun doppelseitigen Plättchen und versuchen gleichzeitig, daraus eine Stadt im 3×3-Raster zu bauen. Dabei müssen mehrere wechselnde Aufgaben erfüllt werden, etwa möglichst viele Hunde, Agenten oder Straßenkurven in der eigenen Stadt unterzubringen.
Die Herausforderung besteht darin, dass sich die Aufgaben oft widersprechen und gleichzeitig alle Straßen korrekt verbunden sein müssen. Wer seine Stadt zuerst fertigstellt, startet die Sanduhr und verschafft sich einen wichtigen Vorteil bei der Wertung. Geschwindigkeit spielt daher ebenso eine Rolle wie gutes räumliches Denken.
Dank der zahlreichen Aufgabenkarten verläuft jede Partie anders und fordert immer wieder neue Lösungswege. Besonders reizvoll ist die Mischung aus konzentriertem Tüfteln und hektischen Schlusssekunden, wenn die Zeit knapp wird und noch ein Plättchen nicht passen will.
Nine Tiles Panic bietet enige Spieltiefe in einer winzigen Schachtel und eignet sich besonders für ältere Kinder, Familien und alle, die knifflige Echtzeit-Puzzles mögen. Wer Spaß an Zeitdruck und kreativen Herausforderungen hat, findet hier ein ebenso originelles wie kurzweiliges Spiel.

Tiger & Dragon
Das Ziel bei Tiger & Dragon ist simpel: Wer als Erstes alle eigenen Spielsteine ausspielt, gewinnt die Runde. Doch hinter den wenigen Regeln verbirgt sich überraschend viel taktisches Potenzial.
Im Spiel greifen die Teilnehmenden reihum mit einem Zahlenstein an. Der nächste Spieler muss exakt denselben Wert zur Verteidigung ausspielen oder passen. Kann niemand den Angriff abwehren, profitiert der Angreifer von einem Bonus. Besonders spannend: Die Zahl auf einem Stein entspricht gleichzeitig der Anzahl dieser Steine im Spiel. Dadurch lassen sich mit zunehmender Spieldauer immer bessere Rückschlüsse auf die verbliebenen Handsteine ziehen.
Tiger & Dragon lebt von Beobachtungsgabe, Timing und geschicktem Handmanagement. Wer aufmerksam verfolgt, welche Zahlen bereits gespielt wurden, kann seine eigenen Angriffe gezielt vorbereiten und starke Endspielzüge planen. Die beiden Joker-Steine – Tiger und Drache – sorgen dabei für zusätzliche taktische Möglichkeiten.
Das Thema rund um Kung-Fu-Meister bleibt zwar eher abstrakt, doch das stört kaum. Statt großer Effekte setzt Tiger & Dragon auf elegante Spielmechaniken und spannende Entscheidungen. Besonders in Runden mit drei bis fünf Personen entfaltet das Spiel seine Stärken. Ein schnelles, cleveres und angenehm reduziertes Taktikspiel für alle, die klassische Spielprinzipien schätzen.

Make the Difference
Mit Make the Difference bringt Oink Games das klassische Fehlersuchbild in Spielform auf den Tisch. Zwei bis fünf Personen bearbeiten kleine Schwarzweiß-Illustrationen mit einem Filzstift und fügen genau fünf Fehler hinzu. Anschließend versuchen die Mitspielenden, beim Vergleich von Original und Fälschung alle Veränderungen zu entdecken.
Der Reiz liegt in der Wertung: Die Fehler dürfen weder zu offensichtlich noch zu gut versteckt sein. Werden alle Änderungen sofort gefunden, geht der Zeichner leer aus. Bleiben Fehler selbst nach Ablauf der Zeit unentdeckt, gibt es ebenfalls keine Punkte. Erfolgreich ist, wer seine Veränderungen so platziert, dass sie erst nach genauerem Hinsehen auffallen.
Damit die eingezeichneten Linien nicht sofort erkennbar sind, wird beim Raten eine transparente Kunststofffolie über die Zeichnung gelegt. Dadurch verschmelzen die Filzstiftstriche optisch mit dem Motiv und das Fehlersuchen funktioniert gut.
Mit 100 Illustrationen, mehreren Stiften und einfachen Regeln richtet sich Make the Difference vor allem an Familien und Spielrunden mit Kindern. Die Spielidee sorgt für Aha-Momente und zeigt, dass ein bekanntes Rätselprinzip auch als Gesellschaftsspiel funktionieren kann.
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