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Published — 17. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Am goldenen Fluss



Zwischen Handel und Einfluss

Mit River of Gold entführt uns Designer Keith Piggott in die Welt von Rokugan, bekannt aus Legend of the Five Rings. Statt kriegerischer Konflikte stehen diesmal jedoch Handel, Einfluss und wirtschaftlicher Aufstieg im Mittelpunkt. Spieler verschiffen Waren entlang des Goldenen Flusses, errichten Gebäude an seinen Ufern und versuchen, durch geschicktes Timing mehr Ruhm und Reichtum als ihre Mitspieler anzuhäufen.Dabei benötigt man keinerlei Vorkenntnisse zum zugrunde liegenden Universum. Das Thema dient in erster Linie als atmosphärischer Rahmen für ein zugängliches Kennerspiel.

Einfache Regeln, interessante Entscheidungen

Der Kern von River of Gold ist erstaunlich unkompliziert. Im Wesentlichen wählen die Spieler zwischen dem Bau neuer Gebäude, dem Bewegen ihrer Schiffe entlang des Flusses oder dem Erfüllen von Aufträgen. Ergänzt wird das Ganze durch verschiedene Wertungsleisten und Zwischenziele, die zusätzliche Siegpunkte versprechen.

Besonders gelungen ist dabei die Verzahnung der einzelnen Systeme. Gebäude liefern Ressourcen oder Geld, Schiffe profitieren von bereits errichteten Gebäuden und Aufträge wandeln die gesammelten Waren in wertvolle Siegpunkte um. Keine dieser Mechaniken wäre für sich genommen außergewöhnlich, gemeinsam ergeben sie jedoch ein rundes Gesamtpaket. 

 
Kaum Downtime, hoher Spielfluss

Die größte Stärke von River of Gold liegt für mich allerdings im Spielfluss (hö hö hö). Selbst in voller Besetzung vergehen die Züge der Mitspieler meist innerhalb weniger Sekunden. Lange Grübelphasen entstehen selten, wodurch die Partie konstant in Bewegung bleibt. Nach rund zehn Partien ist genau das der Aspekt, der mich immer wieder an den Tisch zurückholt. Man ist permanent involviert, beobachtet die Entwicklungen auf dem Fluss und passt seine Planung laufend an die Entscheidungen der Mitspieler an. Gerade in einer Zeit, in der viele Eurogames immer umfangreicher und komplexer werden, wirkt diese Leichtigkeit angenehm erfrischend. Interessanterweise war ein möglichst flüssiges Spielerlebnis laut Designer auch eines der zentralen Entwicklungsziele des Spiels.

Mehr Interaktion als erwartet

Obwohl River of Gold auf den ersten Blick recht friedlich wirkt, steckt erstaunlich viel Konkurrenz im Spiel. Die Spieler kämpfen um attraktive Bauplätze, profitable Lieferungen und die besten Positionen entlang des Flusses. Wer einen Abschnitt zuerst besetzt oder eine wichtige Aktion vor den Mitspielern nutzt, kann deren Planung spürbar beeinflussen. Dadurch entsteht eine Form von Interaktion, die nie destruktiv wirkt, aber dennoch ausreichend Spannung erzeugt. Das Spiel bleibt auch nach mehreren Partien frisch, weil sich die Dynamik am Tisch je nach Mitspielern spürbar verändert.

 
Material und Präsentation

Auch optisch macht River of Gold einiges her. Die Illustrationen transportieren das asiatisch inspirierte Setting stimmungsvoll und das Spielmaterial hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Besonders der zentrale Fluss zieht die Blicke auf sich und verleiht dem Spiel einen hohen Wiedererkennungswert. 
 
Langzeitmotivation

Nach etwa zehn Partien sehe ich allerdings auch einen kleinen Kritikpunkt. Zwar sorgt die Konkurrenzsituation auf dem Spielplan für ausreichend Abwechslung, dennoch wünsche ich mir inzwischen eine Erweiterung. Die Basis des Spiels ist stark genug, um zusätzliche Gebäude, neue Aufträge oder alternative Wertungsmöglichkeiten problemlos zu tragen. Das Grundspiel funktioniert hervorragend, doch gerade Vielspieler dürften sich früher oder später etwas mehr Varianz wünschen.

Fazit

River of Gold ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein modernes Kennerspiel nicht zwangsläufig komplex sein muss. Die Regeln sind schnell erklärt, die Züge laufen angenehm flott ab und dennoch bietet jede Partie genügend interessante Entscheidungen. Wer ein interaktives Eurogame mit hohem Spielfluss, überschaubarer Spielzeit und einer gelungenen Mischung aus Handel, Engine Building und Timing sucht, sollte River of Gold unbedingt ausprobieren. Für mich zählt es zu den positivsten Überraschungen der letzten Jahre – auch wenn ich mittlerweile sehr auf eine erste Erweiterung hoffe.
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Am goldenen Fluss von Keith Piggott
Erschienen bei Kosmos
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Kosmos)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision

Published — 15. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Turm der Tiere

Von: Roy
15. Juli 2026 um 07:31

Stellt euch mal eine Tier-WG vor, in der insgesamt acht Tierpaare zusammenleben. Katzen, Füchse, Fledermäuse und und und – da ist doch klar, dass jeder auch mal ein wenig Zeit und Raum für sich genießen möchte, oder? Gut, dass der Turm, in dem man lebt, ausreichend Räume hat. Doch diese werden plötzlich von einem Zauberer weggezaubert, da er an den Edelsteinschatz möchte, den die Tiere bei sich horten. Nun liegt es an uns, die Tiere und Räume wiederzufinden und die Paare zusammenzuführen – als Belohnung bekommen wir nämlich Edelsteine.

In diesem Spiel von Sophia Wagner dürfen 2 bis 4 Kinder ab 5 Jahren auf die Suche gehen und sollten in ca. 20 Minuten damit fertig sein. Als großes Gimmick dient hier ein Plastikaufbau, der den Turm darstellt, mit insgesamt drei Ebenen und einer kleinen Turmspitze. In jeder Ebene liegen verdeckte Raumplättchen, die wir nun erkunden müssen.


Im eigenen Zug würfelt man dafür einen Würfel und bewegt die Spielfigur entsprechend viele Felder in der untersten Etage. Dann darf man sich mit einem kleinen Spiegel den „Griff“ des Plättchens anschauen, welcher uns zeigt, welches Tier sich dort befindet. Diese Information behalten wir vorerst für uns und dürfen nun im kompletten Turm ein zweites Plättchen kontrollieren. Finde ich so das passende Pärchen, darf ich beide Plättchen umdrehen und entsprechend ihrer Höhe im Turm Edelsteine darauf platzieren. Spieler auf diesen Plättchen erhalten die Edelsteine sofort; ist der Raum unbesetzt, bleibt der Stein dort liegen, bis sich jemand auf dieses Plättchen stellt.

Stelle ich meine Figur auf ein bereits entdecktes Plättchen, darf ich zumindest noch ein weiteres Plättchen prüfen. So finde ich zwar kein Pärchen, habe aber eine zusätzliche Information. Um auf die anderen Etagen zu kommen, muss ich das Treppen-Plättchen-Paar finden.


Sobald alle Räume aufgedeckt wurden, endet das Spiel und jeder Spieler zählt seine Punkte anhand der Edelsteine. Edelsteine von ganz unten sind 1 Punkt wert, die mittleren 2 Punkte und die von ganz oben 3 Punkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Was soll man nun zu einem Spiel wie „Turm der Tiere“ sagen? Es hat dank des Turms natürlich einen gewissen Aufforderungscharakter, aber ich denke, die Altersspanne, die das Spiel spannend und unterhaltsam findet, ist schon sehr begrenzt – auf wirklich diese genannten 5 Jahre, maximal 6. Um Memory-Effekte zu lernen bzw. auszubilden, gibt es deutlich bessere Titel, die auch länger zu unterhalten wissen. Der Reiz von „Turm der Tiere“ ist da schnell verflogen.


Das Spiel ist gut für Spielesammlungen in Kitas, Vorschulen und vielleicht noch in Bücherhallen. Für die heimische Ludothek nimmt es auf Dauer einfach zu viel Platz weg.


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Turm der Tiere von Sophia Wagner
Erschienen bei Schmidt Spiele
Für 2-4 Spieler in ca. 20 Minuten ab 5 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Schmidt Spiele)

Published — 10. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Greif zu!



Greif zu! ist ein wahrer Kindespielklassiker des Spieleautors Wolfgang Kramer, welcher sich an Kinder ab dem Kindergartenalter richtet. Erstmals 1998 erschienen, ist das Spiel schon in mehreren Versionen und vormals auch bei den Verlagen HABA und Selecta erschienen. Die nun besprochene Version kommt nun im zeitgemäßen Gewand und mit neuen Illustrationen daher.

 


Gespielt wird mit Greif zu! ein flottes Reaktionsspiel, welches auch schon sehr junge Kinder verstehen. Zu Spielbeginn wird mit 24 Bildplättchen eine Auslage gebildet. Auf diesen Plättchen sind 23 unterschiedliche Dinge abgebildet. Einzig das Herz ist auf zwei Plättchen abgebildet. Jede Runde werden bei Greif zu! vier Würfel geworfen. Der Wurf gilt dann für alle Mitspielenden, welche dann schnell versuchen die zum Wurf passenden Plättchen aus der Auslage an sich sich zu nehmen. Die 24 Würfelseiten der Würfel entsprechen nämlich abstrahiert den Abbildungen der Plättchen. Einzig eine Würfelseite weicht ab und zeigt Flammen.  Fällt diese bei einem Wurf, so darf man nicht zugreifen. Tur man es doch, so muss man zur Strafe wieder ein vorher gesammeltes Plättchen zurückgeben. Das Ganze wird so lange gespielt bis nur noch fünf oder weniger Plättchen in der Tischmitte ausliegen. Dann geht es ans Zählen der gesammelten Plättchen und es gewinnt, wer die meisten Plättchen sammeln konnte

 


Greif zu! ist ein wirklich sehr einfacher Titel, ohne sonderlich interessante Mechanik oder einen besonderen Kniff. Im Grunde geht es ums Würfeln und schnell Zugreifen. Als erstes Gesellschaftsspiel für die ganz Kleinen ist dies aber total okay. Die Abbildungen sind meiner Ansicht nach ansprechend und das Material für den Einsatz ausreichend robust. Im Gegensatz zur Holzausgabe von Selecta ist das Spielmaterial nun aus Pappe. Die Plättchen kommen aber durchaus in einer Stärke, welche sie lange genug durchhalten lassen werden. Ganz realistisch ist Greif zu! nämlich ein Titel, welcher nur eine sehr begrenzte Zeit gespielt werden wird. Schnell wird, der Kindersentwicklung entsprechend, anderes möglich sein und dieses einfache Spiel nicht mehr so reizvoll sein. Auf dem Weg dahin tut der Titel aber seinen Zweck und ist ein gutes Vehikel um einfache Spielabläufe und Regeln zu lernen. Weiterhin ist das Zusammenbringen von Abstraktion auf dem Würfel mit der Zeichnung auf den Plättchen für die Jüngsten auch schon eine Herausforderung, welche erst einmal gemeistert werden will. Im Handel ist Greif zu! für etwa 12-13€ erhältlich. Als eines er ersten Regelspiele meines Ermessens durchaus sinnvoll investiertes Geld. Mit seiner knackigen Spielzeit von 5-10 Minuten und den sehr einfachen Regeln ist das Spiel wirklich zugänglich und kann auch gut einmal zwischendurch gespielt werden. Große Freude herrscht bei der Hatz ums schnelle Zugreifen sowieso!

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Greif zu!

Autor: Wolfgang Kramer

Erschienen bei Schmidt Spiele

Für 2-4 Spieler*innen ab 4 Jahren.

Spieldauer: 5-10 Minuten



Sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (Schmidt Spiele)

Published — 08. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Dirt & Dust

Von: Roy
08. Juli 2026 um 08:17


Dirt & Dust ist ein Rennspiel ohne Rennen. Macht das Sinn? Findet es selbst heraus. In diesem Kennerspiel aus der Feder von Petr Čáslava können sich 1–4 Spieler ab 14 Jahren am Feintuning des Rallyesports versuchen und sollten dafür gut 90 Minuten einplanen. Das Cover verspricht in gewisser Weise Action und auch das Material auf der Rückseite zeigt uns Straßen, Cockpits, aber auch Karten und Würfel. Warum ist es also ein Rennspiel ohne Rennen?

Nun ja, der Rallyesport ist größtenteils ein Zeitrennen. Das heißt, es geht nicht im direkten Kampf auf der Straße um Platz 1 oder 2, sondern darum, den Kurs in der bestmöglichen Zeit zu absolvieren – ohne dass andere Fahrer dabei stören können. Hier stehen das fahrerische Können des Fahrers und seines Beifahrers im Mittelpunkt. Und genau DAS wird in Dirt & Dust simuliert.


Fast alle Aktionen, die wir nun beschreiben werden, können von allen Spielern simultan durchgeführt werden. Lediglich beim Kauf neuer Karten kann es vorkommen, dass eine Reihenfolge eingehalten werden muss. Das ist in meinen Partien allerdings bisher noch nicht vorgekommen. Nun habt ihr bereits gelesen, dass man Karten kaufen kann – Dirt & Dust ist also in gewisser Weise auch ein Deckbuilding-Spiel, noch mehr aber ein Tableau-Building-Spiel, dessen Karten mithilfe von Würfeln aktiviert werden.

In der Tischmitte liegt ein Kurs aus, der meist aus zehn Karten besteht, von denen sechs offen in einer vorgegebenen Reihenfolge ausliegen. Jede Karte stellt dabei einen Streckenabschnitt dar, den man möglichst gut planen sollte, um Punkte zu erhalten, sobald dieser Abschnitt gewertet wird.


Wann ist ein Abschnitt an der Reihe? Am Ende jeder Runde verlässt die unterste Karte den Kurs. Liegt darauf einer meiner Stoppuhrmarker, erhalte ich – abhängig von der Position meines Auto-Meeples auf meinem Tableau – Punkte. Liegt dort kein Marker, gibt es in diesem Moment natürlich auch keine Punkte.

Es gilt also, die einzelnen Abschnitte möglichst gut vorzubereiten. Dafür besitzt jeder Spieler zwei Tableaus. Das erste wurde bereits angesprochen: Hier befindet sich unser Auto und es wird dargestellt, wie nah wir uns an der Ideallinie befinden. Dabei können wir nach links oder rechts ausscheren. Gleichzeitig zeigt das Tableau an, ob wir gerade Vollgas geben (obere Reihe) oder eher vorsichtig und bremsend unterwegs sind (untere Reihe). Je nach Position erhalten wir bei einer Wertung Punkte. Sind wir jedoch zu weit außen, gibt es keine Punkte – dafür freuen sich die Zuschauer über die riskante Fahrweise und wir erhalten stattdessen Beliebtheitspunkte. Zu Beginn jeder Runde bekommt nämlich der Spieler mit der höchsten Beliebtheit einen zusätzlichen Würfel. Und Würfel bedeuten bei Dirt & Dust nun einmal Aktionen.

Schauen wir nun auf das zweite Tableau. Dort finden wir sechs Slots, in die Karten gelegt werden können. Jeder Slot ist einem bestimmten Würfelwert zugeordnet. In einer Runde kann ich nun in beliebiger Reihenfolge Karten ausspielen, Würfel einsetzen, Karten in den entsprechenden Slots aktivieren oder neue Karten aus der Auslage kaufen.


Die Aktionen auf den Karten sind dabei äußerst vielseitig und teilweise ebenfalls von der Position des Wagens abhängig. Zur Bewältigung der Streckenabschnitte sammelt man beispielsweise Grip, den man anschließend ausgibt, um einen Abschnitt zu markieren. Mit Schraubenschlüsseln lassen sich neue Karten kaufen. Da diese Ressourcen ständig benötigt werden, besitzt das Cockpit-Tableau praktische Drehräder zur Verwaltung.

Außerdem können Karten einmalig nutzbare Booster-Würfel liefern. Das Problem dabei: Irgendwann sind alle Slots belegt. Am Ende jeder Runde rutschen sämtliche Karten einen Slot nach rechts, sodass nur die äußerste Karte aus dem Tableau verschwindet. Dadurch entstehen eventuell Karten-Würfel-Kombinationen, die gar nicht mehr zu meiner Planung oder meinen Würfeln passen. Glücklicherweise gibt es Karten, mit denen sich Kartenpositionen tauschen oder Slots wieder freiräumen lassen.

Wichtig ist außerdem, dass ich bei jedem erfolgreich absolvierten Streckenabschnitt SOFORT nach links oder rechts abdrifte – unabhängig davon, an welcher Position sich dieser Abschnitt befindet. Für kommende Wertungen sollte das unbedingt mit eingeplant werden. Darüber hinaus bieten manche Streckenabschnitte zusätzliche Sonderaktionen.


Einen letzten Punkt möchte ich ebenfalls nicht unerwähnt lassen: Es kann passieren, dass wir Schaden nehmen – freiwillig oder unfreiwillig. Dies wird durch Schadenswürfel dargestellt, die dauerhaft unserem Würfelpool hinzugefügt werden (bis zu drei Stück). Auf diesen befinden sich überwiegend Schadenssymbole und lediglich etwas Beliebtheit. Für jeden Schaden steigen wir auf einem kleinen Schadens-Track auf. Sobald dessen Ende erreicht ist, erhält unser Wagen einen dauerhaften Schaden. Der erste Schaden beeinträchtigt beispielsweise die Lenkung: Immer wenn ich nach links oder rechts drifte, muss ich mich ein weiteres Feld in diese Richtung bewegen. Nach acht dauerhaften Schäden ist mein Auto schließlich ein Totalschaden und ich scheide aus dem Spiel aus.

Das Spiel endet, sobald alle Streckenabschnitte das Board verlassen haben. Durch gemeisterte Streckenabschnitte und gekaufte Karten konnten bis dahin Punkte gesammelt werden. Wer am Ende die meisten Punkte besitzt, gewinnt das Spiel und hat damit wohl die beste Linie gefunden.

Dirt & Dust ist ein sehr spezielles Spiel, denn es verzichtet bewusst fast vollständig auf Interaktion. Die einzige Situation, in der sich die Spieler tatsächlich in die Quere kommen können, ist der Kauf einer Karte, von der nur noch ein Exemplar vorhanden ist. In diesem Fall hat der Spieler mit der höheren Beliebtheit Vorrang. Alles andere spielt sich solitär ab und verlangt auch ein gewisses Vertrauen in die Mitspieler, denn jeder tüftelt gleichzeitig mit seinen Karten und Würfeln an seinem eigenen Tableau. Für Einsteiger kann man die ersten Runden natürlich gemeinsam durchgehen, spätestens ab der zweiten oder dritten Runde arbeitet aber jeder simultan vor sich hin.

Für ein Gesellschaftsspiel fühlt sich das zunächst wirklich ungewöhnlich an. Thematisch ergibt das durchaus Sinn – beim Rallyesport fährt schließlich ebenfalls jeder allein gegen die Zeit. Trotzdem sitzt man zu viert am Tisch und jeder beschäftigt sich ausschließlich mit seinem eigenen Puzzle. Das wirkt zunächst etwas befremdlich. Jeder tüftelt vor sich hin und irgendwann heißt es nur noch: „So, ich bin fertig – ihr auch?“ Anschließend wird der aktuelle Streckenabschnitt gewertet und geschaut, wer Punkte erzielt hat.


Gleichzeitig macht das Ganze aber auch wirklich großen Spaß. Dirt & Dust fühlt sich wie ein Puzzle- oder Räftselspiel an, bei dem man sich jedes Mal freut, wenn der eigene Plan aufgeht. Wenn Karten, Würfel und Fahrzeugpositionen perfekt ineinandergreifen, laufen die Gehirnwindungen auf Hochtouren, um aus den vorhandenen Möglichkeiten das Maximum herauszuholen und gleichzeitig Karten für zukünftige Runden zu erwerben.

Jeder Spieler verfügt zudem über ein eigenes Kartendeck mit individuellem Fahrernamen und unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese Fähigkeiten gilt es natürlich bestmöglich auszunutzen. So gibt es beispielsweise Fahrer, die bewusst Schaden in Kauf nehmen, diesen aber auch besonders gut wieder reparieren können.

Mit vier unterschiedlichen Strecken sowie einem Qualifying als Einstieg ist zudem für genügend Abwechslung gesorgt. Die Anleitung ist gut geschrieben, die Optik gefällt mir ebenfalls und auch die Materialqualität weiß zu überzeugen. Eigentlich also lauter Argumente für ein richtig gutes Spiel – und das ist Dirt & Dust tatsächlich auch. Der einzige Wermutstropfen ist die sehr solitäre Spielweise. Das muss man mögen und sollte man vor dem Kauf unbedingt berücksichtigen. Wer sich daran jedoch nicht stört, wird mit einem außergewöhnlichen Spielerlebnis belohnt – insbesondere dann, wenn man einmal ein Rennspiel der etwas anderen Art sucht.

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Dirt & Dust von Petr Ceslava
Erschienen bei Albi
Für 1-4 Spieler in ca. 60-90 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Albi)

Published — 03. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Kuldhara

Von: Daniel
03. Juli 2026 um 08:10

Vor über 200 Jahren verschwand das Dorf Kuldhara über Nacht. Zurück blieben nur Ruinen, Legenden und Geschichten über versteckte Schätze tief unter dem Sand. In Kuldhara begeben wir uns genau dorthin: als Schatzsuchende durchstreifen wir mit unseren Dromedaren die Geisterstadt, graben Edelsteine aus und fertigen daraus wertvolle Schmuckstücke, bevor die Nacht hereinbricht.

Spielablauf: Wasser managen, Edelsteine puzzeln, Schmuck herstellen

Eine Partie Kuldhara verläuft über vier Tagesphasen vom Morgen bis zum Abend. In jeder Phase starten alle Spielenden mit einer festen Menge Wasser, das als Ressource für sämtliche Aktionen dient. Wer kein Wasser mehr hat, muss passen und ist fertig für die Runde. In meinem Zug führe ich eine oder zwei Aktionen aus. Ich kann mein Dromedar über das Spielfeld bewegen, Edelsteine ausgraben, diese ins Lager bringen oder mir Schmuckkarten sichern, die ich später erfüllen möchte. Alle Aktionen kosten unterschiedlich viel Wasser, je nach Größe der Edelsteine und der Ausrichtung des drehbaren Spielplans.


Die gesammelten Edelsteine lege ich auf meiner Werkbank in ein Raster. Dort entsteht das eigentliche Puzzle: die ausliegenden Schmuckkarten verlangen bestimmte Muster aus Edelsteinen. Sobald ich ein passendes Muster gelegt habe, kann ich das Schmuckstück herstellen und erhalte dafür Punkte. Besonders spannend ist dabei, dass ich in den niedrigeren Karten-Levels Schutzplättchen erhalte, die einzelne Edelsteine dauerhaft sichern und so für mehrere Schmuckstücke genutzt werden können.

Zusätzlich kann ich Werkzeuge einsetzen, um mein Raster zu verändern, Edelsteine umzulegen oder kurzfristig mehr Wasser zu erhalten. Diese Flexibilität ist hilfreich, lässt sich aber nur sehr begrenzt einsetzen. Am Ende gewinnt, wer die wertvollsten Schmuckstücke gefertigt und seine Ressourcen am besten genutzt hat.

Schönes Material trifft auf interessantes Puzzle

Kuldhara macht direkt Eindruck auf dem Tisch. Das Material aus Re-Wood fühlt sich hochwertig an und sorgt für eine tolle Präsenz, wobei die Papp-Dromedare etwas stabiler sein dürften. Gerade das zentrale Spielbrett mit den Ruinen und die eigenen Werkbänke ziehen Blicke auf sich und brauchen für ein Puzzle-Spiel dieser Größenordnung erstaunlich viel Platz.


Spielerisch überzeugt vor allem das Puzzle auf der eigenen Auslage. Die Frage, wie ich meine begrenzten Wasserpunkte nutze und in welcher Reihenfolge ich Schmuckstücke fertige, ist spannend. Besonders gelungen finde ich die Schutzplättchen: Sie sorgen für eine Art Engine-Building, weil ich einmal gesicherte Edelsteine mehrfach nutzen kann. Dabei kann ich mir aber auch meine eigene Auslage für weitere Schmuckstücke blockieren, die eine andere Farb-Kombination benötigen. Hier ist es wichtig, schon mehrere Schmuckstücke im Blick zu haben, die ich hintereinander basteln möchte.


Interessante Entscheidungen, aber wohlbekannt

So schön das Puzzle ist, wirklich neu fühlt sich Kuldhara nicht an. Viele Mechaniken kennt man aus anderen Spielen, und auch der Ablauf wiederholt sich von Partie zu Partie recht stark. Die Mechanik der Schutzplättchen und die damit verbundene Vorausplanung erinnern sehr an Splendor, wobei es hier deutlich haptischer zugeht und ich mir die Ressourcen zum Verbauen mühsamer erarbeiten muss. Das Beschaffen der Edelsteine durch die Aktionen macht hier aber durchaus einen besonderen Reiz aus.


Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Glücksfaktor beim Nachziehen der Schmuckkarten. Wenn genau die passenden Kombinationen ausliegen oder eben nicht, kann das den eigenen Plan deutlich beeinflussen. Die Werkzeuge können hier wohl dagegen wirken, aber sind sie einmal aufgebraucht, war es das dann auch.

Fazit: Schönes Schmuck-Puzzle mit begrenztem Wiederspielreiz

Kuldhara ist ein optisch sehr ansprechendes Puzzle-Legespiel, bei dem ich mir meine Ressourcen und Möglichkeiten durch die stark begrenzten Wasser-Aktionspunkte erarbeiten muss. Das Zusammenspiel aus Wasser-Management, Edelstein-Puzzle und Schutzplättchen-Engine funktioniert gut und bietet interessante Entscheidungen. Gleichzeitig fehlt mir aber etwas die Innovation und vor allem die Abwechslung zwischen den Partien. Kuldhara bleibt ein solides, reizvolles Puzzle, aber keines, das mich dauerhaft immer wieder an den Tisch zieht. Wer sich von der Optik angesprochen fühlt und gerne mehrstufige Puzzles mag, kann aber durchaus mal eine Reise nach Kuldhara wagen.

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Kuldhara von Glenn Dejaeger
Erschienen bei Jolly Dutch Productions
Für 1-4 Spielende in ca. 30-90 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Jolly Dutch Productions)

Published — 01. Juli 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Gardlings

Von: Oli
01. Juli 2026 um 08:16

Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Winter grade vorbei zu sein. Die Sonne ist wieder öfter zu sehen, die Temperaturen steigen und die Welt erwacht wieder zu neuem Leben. Man geht wieder mehr raus und freut sich auf den grünen Garten und den Pflanzen wieder beim Wachsen zuzusehen. Ein wenig also wie in Revive nur mit nicht ganz so drastischer Vorgeschichte. Das war nun natürlich ein recht plumper Hinweis darauf, dass es bei Gardlings um einen Garten (wenn auch mit Gnomen) geht und wir hier ein Spiel haben, bei dem Kristian A. Ostby – also einer der Designer von Revive – mit am Werke war.

Sowohl mechanisch als auch vom spielerischen Anspruch her, sind wir hier aber so weit von Revive entfernt, wie es nur geht. Denn Gardlings ist durch und durch ein waschechtes Familienspiel. Dabei darf man sich nicht von der Optik verwirren lassen. Denn auch wenn es kindlich aussieht, ist es keinesfalls ein Kinderspiel. Mechanisch handelt es sich um einen Mix aus Bagbuilding und Plättchenlegen. Ersteres wird meiner Meinung nach innerhalb unseres Hobbies viel zu wenig eingesetzt und ich freue mich eigentlich immer, wenn es das dann mal in einem Spiel gibt. Das zweite Genre im Mix gibt es ja immer wieder in durchaus gemischten Qualitäten. Also schauen wir mal, wie die Mischung hier wirkt.


Wer mitspielt bekommt zunächst mal ein paar Plättchen in den Beutel, nämlich einige (einfache und doppelte) Gnome und zwei Glücksschweinchen. Und schon geht es los und alle ziehen gleichzeitig Plättchen aus ihrem Beutel und puzzeln diese vor sich ausliegend zusammen. Dabei müssen Plättchen immer orthogonal aneinander und die halben Edelsteine am jeweiligen Plättchenrand müssen an ihre passenden Gegenstücke angelegt werden. Habe ich auf meinen Plättchen einen Gardling (eine Figur, die kein Gnom ist), schaue ich, ob durch das Legen des Plättchens ein Effekt ausgelöst wird. Nun darf man sich entscheiden, ob man weiterziehen möchte oder nicht. Denn natürlich gibt es auch einen Push-Your-Luck-Mechanismus, wie es sich für gutes Bagbuilding gehört: Ziehe ich ein Plättchen, durch dessen Anlegen ich in meinem Garten mehr als 5 Gnome hätte, gibt es einen Gnomalarm: Das Plättchen lege ich verdeckt vor mir ab und ich darf keine weiteren Plättchen ziehen.

Sind alle am Tisch ausgestiegen oder haben sie einen Gnomalarm ausgelöst, startet Phase 2: Beginnend bei der Startspielenden darf jede Person genau einen Gardling anheuern – also ein neues Plättchen kaufen. Die Plättchen liegen sortiert in den Werten 4, 7, 10, 14 sowie 17 (oder für längeres Spiel 20) in der Tischmitte aus. Wir zählen nun die vollständigen Edelsteine in unserem Garten zusammen und diese Summe bestimmt den Wert des Plättchens, das wir kaufen dürfen. Wer ein umgedrehtes Plättchen vor sich liegen hat (also den Gnomalarm ausgelöst hat), muss von der Summe vorher aber 3 Edelsteine abziehen, die die Gnome gestohlen haben. Nicht ausgegebene Edelsteine verfallen und manchmal erhält man Münzen, die man statt Edelsteinen ausgeben kann. Diese Münzen verfallen auch nicht. Wer zu wenige Edelsteine hat oder nichts kaufen möchte, darf sich ein Glücksschweichen nehmen und erhält ebenfalls eine Münze. Am Ende einer Runde werfen wir wieder alle unsere Plättchen in den Beutel und es startet eine neue Runde. Sobald jemand das Plättchen mit der 17 (bzw. 20) kauft, gewinnt diese Person das Spiel. Wir haben also noch dazu ein waschechtes Wettrennen.


Soweit die Basisversion. Dazu gesellt sich eine „Profiversion“, bei der die Gnome bei einem Gnomalarm nicht nur drei sondern gleich die Hälfte der Edelsteine rauben. Außerdem bekommt man für Lücken im Garten („Teiche“) während der Wertung Münzen und die Glücksschweinchen können gegen andere Plättchen getauscht werden. Da die Glücksschweinchen eigentlich nur Füllmaterial sind, macht es aus meinen Augen eigentlich immer Sinn, mit dieser Variante zu spielen – auch wenn (oder vielleicht grade weil) das Glück hier noch mehr auf die Probe gestellt wird. Außerdem gibt es noch eine Mini-Erweiterung mit Aufträgen. Diese Aufträge sind ebenfalls Plättchen, die aber nicht in den Beutel kommen, sondern nach jeder Runde zwischen den Mitspielenden rotieren. Zu den Aufträgen gehören das Bauen von Mustern, das Fertigstellen von Edelsteinen, das Umschließen des Auftrages (alles für zusätzliche Edelsteine) oder schlicht das Ziehen eines zweiten Plättchens, wenn einem das erste Plättchen nicht gefallen hat (1x pro Runde).

Das klingt natürlich alles schon sehr nach Quacksalber und ja, es spielt sich auch trotz des Plättchen-Puzzelns und des Wettrennens schon sehr ähnlich und trotzdem unterschiedlich genug, um seine Daseinsberechtigung zu haben. Und obwohl es von der Mechanik her nach „mehr“ klingt ,ist Gardlings deutlich reduzierter und dadurch eben kein „Kennerspiel“, sondern waschechtes Familienspiel. Denn wir haben hier eben nicht in jeder Partie unterschiedliche Effekte für die unterschiedlichen Gardlings, sondern immer die gleichen und dadurch deutlich weniger Varianz. Natürlich kommt es dadurch vor, dass sich das Spiel nach ein paar Partien dann doch wiederholt, man nichts Neues mehr entdeckt, keine anderen Taktiken entwickelt. Die einzige Varianz kommt dann durch die Aufträge und die Anordnung der Edelsteine auf den Plättchen zustande. Das finde ich für ein Familienspiel aber nicht schlimm. Gardlings ist kein Spiel, dass in alle Ewigkeit mindestens einmal wöchentlich gespielt werden wird. Aber dennoch macht es – grade in der Familienrunde – wirklich Spaß. Es ist super-schnell erklärt und auf den Tisch gebracht und genauso schnell gespielt und macht in dieser Zeit auch wirklich Spaß. Ein schönes Spiel, dessen Schönheit aber eben auch irgendwann verblüht sein dürfte.

 

 

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Gardlings von Kristian Amundsen Ostby und Maria Ostby
Erschienen bei Schmidt Spiele
Für 1 - 4  Spielende in 20 - 45 Minuten ab 8 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Schmidt Spiele)
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Published — 29. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Qwirkle Flex

Von: Daniel
29. Juni 2026 um 07:07

Bei Qwirkle Flex trifft das Spiel des Jahres 2011 auf einen der produktivsten Autoren der Branche. So verbindet es das preisgekrönte Original von Susan McKinley Ross mit einer neuen Idee von Dr. Reiner Knizia, selbst mehrfacher Preisträger. In seiner neuen Variante zählen nicht mehr nur Farben und Formen in Reihen, sondern auch die Hintergründe der Spielsteine in der Diagonale. Aus dem vertrauten Legepuzzle wird so ein noch kniffligeres Rasterspiel.

Spielablauf: Reihen bilden – jetzt auch diagonal

Grundsätzlich bleibt alles beim Alten. Wie im Original legen wir Steine in einer gemeinsamen Auslage so an, dass horizontale oder vertikale Reihen gleicher Farbe oder gleicher Form entstehen, jeweils ohne Duplikate. Für jeden Stein in einer neu gebildeten oder erweiterten Reihe gibt es einen Punkt. Ein vollständiger Sechser, der klassische Qwirkle, bringt wie gehabt 12 Punkte .


Neu ist die Flex-Regel: Zusätzlich zählen nun auch diagonale Reihen mit identischem Hintergrund (weiß, schwarz oder geteilt). Jeder Stein in einer solchen Diagonale bringt ebenfalls einen Punkt, unabhängig von Form oder Farbe. Gelingt eine diagonale Reihe aus sechs Steinen mit gleichem Hintergrund, entsteht ein „Qwirkle Flex“ mit 6 Bonuspunkten . Wichtig dabei: Für das Anlegen selbst spielt der Hintergrund keine Rolle, dabei müssen wir weiterhin auf die Reihe und Spalte achten.

Das führt dazu, dass wir in jedem Zug in Qwirkle Flex nicht nur zwei, sondern potenziell vier Richtungen im Blick behalten müssen: horizontal, vertikal und eben auch beide Diagonalen.

Mehr Ebenen, mehr Grübeln

Qwirkle Flex ist vor allem eines: ein kniffligeres Puzzle. Die zusätzliche Diagonalwertung zwingt dazu, das Raster nochmal genauer zu betrachten. Wer das Original mochte, bekommt hier eine spürbar anspruchsvollere Variante. Natürlich fühlt es sich auch noch stärker belohnend an, wenn zusätzliche diagonale Punkte durch meine Aktionen eingehen.


Leider ist die Materialqualität eher mittelmäßig. Die Farbbeschichtung der Steine ist sehr dünn und blättert nach wenigen Partien bereits ab, die Aufsteller bestehen aus Pappe. Auch die generelle Aufmachung und das permanente Mitschreiben der Punkte nach jedem Zug fühlen sich ziemlich altbacken an. Gerade bei einem eigentlich flotten Legepuzzle hätte ich mir hier eine elegantere Lösung gewünscht.

Fazit: Konsequente Weiterentwicklung mit Reiz für Fans

Qwirkle Flex ist ein abstraktes Knobel-Puzzle, das dem bekannten System eine weitere Ebene hinzufügt. Die Diagonalwertung sorgt für mehr Tiefe und fordert erfahrene Qwirkle-Spielende neu heraus. Für Fans des Originals ist es daher eine konsequente Weiterentwicklung. Wer Qwirkle liebt und sich nach mehr Denkarbeit sehnt, bekommt hier genau das. Für mich persönlich ist das Spiel nichts, zu abstrakt und altbacken in der Präsentation.
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Qwirkle Flex von Susan McKinley Ross und Reiner Knizia
Erschienen bei Schmidt Spiele
Für 2-4 Spielende in ca. 30 Minuten ab 7 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Schmidt Spiele)

Published — 26. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Clear 4

Von: Daniel
26. Juni 2026 um 08:34

Wer bei klassischen Karten-Ablegespielen gerne mitfiebert und eine Abwechslung zu UNO, Skyjo oder Skip-Bo sucht, dürfte sich bei Clear 4 schnell zuhause fühlen. Das Spiel von Joe & Christine Ward bringt frischen Wind ins Genre, mit etwas mehr Taktik, einem besonderen Kartenaufbau und einem guten Schuss Glück. Herausgekommen ist ein kurzweiliges Spiel, das sich super als Absacker oder Familienspaß für zwischendurch eignet.


Spielablauf: Karten loswerden, Stapel räumen

Ziel von Clear 4 ist es, als Erster alle 20 erhaltenen Karten loszuwerden. Diese teilen sich auf in eine Hand von 8 Karten sowie vier persönlichen Stapeln mit jeweils drei Karten, von denen zwei verdeckt sind. In jeder Runde darf ich entweder Zahlenkarten ablegen, eine Sonderkarte spielen oder passen.


Zahlenkarten müssen gleich oder niedriger als die oberste Karte des Ablagestapels sein und ich kann mehrere Karten einer Zahl ausspielen, aus der Hand oder meiner offenen Auslage. Wird der vierte Wert einer Zahl gelegt (z. B. viermal die 5), wird der Stapel abgeräumt: Clear 4! Dazu kommen Joker, die jede beliebige Zahl annehmen, PUSH-Karten, mit denen man den gesamten Ablagestapel einem Mitspielenden zuschieben darf, und CLEAR-Karten, mit denen man den Stapel sofort abräumt und einen weiteren Zug bekommt.

Besonders spannend machen es die letzten Karten aus dem persönlichen Vorrat: Die unterste in jedem Dreier-Stapel bleibt verdeckt und muss blind gelegt werden. Passt sie nicht zum Ablagestapel, muss man den ganzen Stapel auf die Hand nehmen.

Glück mit Timing und etwas Nervenkitzel

Clear 4 ist schnell erklärt, in wenigen Minuten gespielt und ideal für spontane Spielrunden. Die Mischung aus taktischen Entscheidungen und Glücksmomenten sorgt für eine gelungene Balance. Die Sonderkarten PUSH und CLEAR erzeugen zusätzliche Spannung und Interaktion.


Wer auf Kontrolle und strategischen Tiefgang hofft, wird bei Clear 4 natürlich nicht glücklich. Der Glücksfaktor ist hoch, vor allem bei den verdeckten Karten. Doch da die Runden angenehm kurz sind, stört das wenig. Im Gegenteil: Oft genug sorgt genau diese Unberechenbarkeit für die besten Lacher.

Fazit: Klassisches Ablegespiel mit cleverem Kniff

Clear 4 ist eine gelungene Variante des klassischen Kartenablegens, mit bekannten Mechanismen, einem frischem Aufbau und genug Reibungspunkten für ein paar spannende Minuten am Spieltisch. Kein strategisches Schwergewicht, aber genau richtig für Familienrunden, Absacker-Sessions oder als leichtes Duell zwischendurch. Wer Glück, und ein bisschen Karten-Nervenkitzel mag, wird hier seinen Spaß haben.

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Clear 4 von Joe & Christine Ward
Erschienen bei Schmidt Spiele
Für 2-6 Spielende in ca. 15 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (Schmidt Spiele)

Published — 24. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Kingsburg

Von: Oli
24. Juni 2026 um 06:42


Kingsburg ist wahrlich kein neues Spiel, sondern feiert in diesem Jahr schon seinen 19. Geburtstag und gilt als Begründer des Dice Placements. Da nun auch die zweite Auflage schon lange vergriffen, das Spiel aber vielen in durchaus positiver Erinnerung ist, wurde es natürlich Zeit für eine Neuauflage, in einer Dritten Edition. Und um diese soll es hier auch gehen. Vergleiche zu vorherigen Editionen kann ich leider nicht ziehen, die Packung sagt mir aber, dass Optik und Regelwerk angepasst wurden und auch einige der früheren Erweiterungen nun direkt mitgeliefert werden.


Die Regeln des Spiels sind dabei relativ schlicht: Wir spielen fünf Runden (Jahre) über 8 Phasen (4 Jahreszeiten und 4 Zwischenphasen). Wer mitspielt bekommt drei Würfel und ein großes Playerboard, auf dem einige Gebäude in Zeilen und Spalten aufgedruckt sind. Jedes Gebäude kostet Rohstoffe und bringt Vorteile im Spiel (z.B. Reroll-Möglichkeiten oder Kampfstärke oder auch Rabatte beim Gebäudebau). Dazu gesellt sich ein Spielbrett auf dem 18 Berater abgebildet sind. Über jedem Berater steht eine Zahl von 1 bis 18 und unter ihr ein Bonus, den dieser Berater bringt. In den Zwischenphasen werden kleine Boni für diejenigen vergeben, die in diesem Moment die meisten oder wenigsten Gebäude gebaut haben (= nett gemachter Catch-Up-Mechanismus: zusätzliche Würfel!) oder man darf Soldaten (= Kampfstärke) anheuern. Im Winter (= Rundenende) wird gekämpft. Dort wird eine Karte umgedreht, auf der ein Angreifer mit seiner Angriffsstärke aufgeführt ist. Das Ziel jeder Runde ist es, diese Angriffsstärke zu übertrumpfen, um einen Bonus zu bekommen. Wer das nicht schafft, erleidet teils heftige Strafen. Und natürlich werden die Angreifer von Runde zu Runde stärker. Und natürlich verlieren wir am Ende einer Runde sämtliche Kampfstärke, die nicht durch unsere Gebäude resultiert. Dafür bekommen wir aber jede Runde auch Verstärkungen durch das Spiel, die durch einen Würfelwurf ermittelt werden. Es gilt also in jeder Runde Soldaten zu rekrutieren. Das wiederum machen wir in den übrigen drei Jahreszeiten über das erwähnte Dice Placement: Wir würfeln unsere drei Würfel und dürfen die Würfel dann „ausgeben“, um die Berater auf dem Spielbrett zu aktivieren. Jeder Berater kann pro Jahreszeit nur einmal aktiviert werden und ich darf meine Würfel alle auf einen Berater legen (für die Werte 13 - 18) oder auch auf drei Berater (1 – 6) aufteilen. Da wir aber reihum immer nur einen Berater aktivieren dürfen, weiß ich nie, ob mein Plan auch aufgeht – da alle am Tisch meine Würfel kennen. Es gewinnt, wer bis zum Ende des Spiels die meisten Siegpunkte gesammelt hat.


Das war’s im Kern auch schon. Die mitgelieferten Erweiterungen sind zum einen die Rückseite der Playerboards mit nochmal 8 zusätzlichen Gebäuden, die Stadthalterkarten mit asymmetrischen Fähigkeiten sowie Soldatenmarker, die den Würfelwurf im Winter ersetzen. Die Stadthalter kann man dabei getrost immer einsetzen, die zusätzlichen Gebäude nur, wenn man das Spiel mit den Standardgebäuden bereits gut beherrscht. Denn Kingsburg ist von den Regeln her zwar simpel. Die Entscheidungen sind aber alles andere als trivial. Man ist immer am Abwägen, welches Gebäude man als nächstes bauen möchte, welche Ressourcen dafür benötigt werden und welche Berater man dafür nutzen muss – und dann mit den eigenen Würfeln auch nutzen kann. 

Das Spiel bringt zudem einen simplen Mechanismus mit, über den es sich auch zu zweit sehr gut spielen lässt – dafür würfelt man einfach mit den Würfeln einer anderen Farbe und diese blocken dann entsprechende Felder – funktioniert super. Mit mehreren Mitspielenden am Tisch gibt es aber ein deutlich stärkeres Gerangel um die Berater – dafür steigt die Spielzeit aber auch deutlich an. Und diese ist auch unterhalb der Vollbesetzung nicht ohne. Unterm Strich ist Kingsburg aber ein wirklich gutes Würfeleinsetzspiel auf unterem Kennerniveau, dass man auch gut zum Einstieg in die Mechanik nutzen kann (das BGG-Weight von 3.00 halte ich für komplett überzogen, basiert aber auch auf nur einer einzigen Meinung ;) und immer Spaß macht – auch wenn es an mein geliebtes Rajas nicht im Ansatz herankommt. Das liegt aber auch daran, dass Kingsburg um einiges reduzierter ist. Im Kern geht es um Kampfstärke, die man man über Gebäude erhält, die man über Ressourcen erhalten muss, fertig. Und in dieser Reduktion liegt die Stärke des Spiels (und ja, sie zeigt sich auch optisch, das muss man mögen).  Einziger Wermutstropfen ist aber leider, dass sich das Spielbrett nach einiger Zeit ungesund wölbt und ich im Netz gelesen habe, dass ich damit nicht allein bin. Da sollte der Verlag also noch dringend nachbessern.

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Kingsburg (Third Edition) von Andrea Chiarvesio und Luca Iennaco
Erschienen bei Elznir
Für 2-5 Spielende in 90-120 Minuten ab 10 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Elznir)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Published — 22. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Green Team Wins

Von: Daniel
22. Juni 2026 um 06:50

Manchmal hört man etwas über ein Spiel, sieht ein Video oder liest etwas und muss sich dann noch jahrelang gedulden, bis es auf Deutsch erscheint, obwohl längst klar ist, dass genau hier ebenso gut ankommen müsste. Green Team Wins ist so ein Fall. Endlich hat es den Weg auf deutsche Spieltische gefunden und mir bestätigt, warum das Warten sich gelohnt hat. Ein Partyspiel für große Gruppen, das nicht auf Lautstärke, Reaktionsschnelligkeit oder Albernheiten setzt, sondern auf ein überraschend simples Prinzip: Denk wie die Mehrheit.

Spielablauf: Mehrheit schlägt Originalität

Green Team Wins wird über 15 Runden gespielt. In jeder Runde liest eine Person eine Frage vor. Dabei gibt es drei Kategorien: „Entweder oder“ (mit zwei Auswahlmöglichkeiten), „1, 2 oder 3“ (mit drei Auswahlmöglichkeiten, wer hätte es gedacht) und „Mut zur Lücke“ (einen Begriff vervollständigen). Alle schreiben nun verdeckt ihre Antwort auf. Anschließend werden die Antworten aufgedeckt und gezählt: Wer mit seiner Antwort in der Mehrheit liegt, wechselt ins „grüne Team“ oder bleibt darin und bekommt Punkte. Wer abweicht, muss in Team Orange und geht leer aus.


Am Ende von 15 Runden gewinnt, wer die meisten Punkte gesammelt, und damit nicht besonders kreativ geantwortet hat, sondern besonders gut darin war, die Gruppe einzuschätzen.

Einfach, offen, erstaunlich wirkungsvoll

Die Regeln von Green Team Wins sind in zwei Minuten erklärt, niemand scheidet aus, niemand wird bloßgestellt. Stattdessen entsteht Raum für Lacher und Gespräche: Warum haben so viele „Pizza“ gesagt? Wieso dachten alle, dass das „zu alt“ ist? Gerade nach den Aufdeckungen entwickeln sich oft spontane Diskussionen, die weit über das eigentliche Spiel hinausgehen, ohne auszuufern und die Lacher sind groß, wenn genau eine Person gewählt hat, Nutella OHNE Butter essen zu wollen (warum sollte man?!?).


Besonders gut funktioniert das Spiel in großen Gruppen. Je mehr Menschen am Tisch sitzen, desto spannender wird das Raten auf die Mehrheit. Theoretisch lässt sich Green Team Wins sogar noch erweitern, Stifte und Zettel reichen aus. Die angesetzten 15 Runden fühlen sich dabei genau richtig an: lang genug, um Muster zu erkennen, kurz genug, um nicht repetitiv zu werden.

Die Fragen sind stark lokalisiert und die Karten lassen sich ggf. für die ein oder andere Runden speziell zuschneiden. Mir persönlich machen die gelben Begriffs-Karten etwas weniger Spaß als die Wahl-Entscheidungen, aber sogar das könnte man anpassen, indem man die 15 Karten bewusst ungleichmäßig auf die Kategorien verteilt.


Fazit: Mehrheit kann so viel Spaß machen

Green Team Wins ist ein hervorragendes Partyspiel, das ohne große Effekte auskommt und gerade deshalb so gut funktioniert. Es ist zugänglich, kommunikativ, gruppentauglich und überraschend clever. Wer ein Spiel sucht, das Diskussionen anstößt, niemanden ausschließt und auch mit acht oder mehr Personen problemlos funktioniert, liegt hier goldrichtig. Ich habe es vor den Ferien / Zeugnissen immer mit in die Schule genommen und mit Schülergruppen von bis zu 24 Kindern gespielt. Allen hat es einen riesigen Spaß gemacht! Für mich ein absolutes Highlight im Partyspiel-Segment!
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Green Team Wins von Nathan Thornton
Erschienen bei PD-Verlag
Für 3-12 Spielende in ca. 20 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier PD-Verlag)

Published — 19. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

The Druids of Edora

Von: Daniel
19. Juni 2026 um 08:17

Nebel steigt auf in den Wäldern von Edora und lässt die Wege vor unseren Augen verschwimmen. Ein paar Meter noch bis zum nächsten Kultplatz, auf dem wir uns mit Proviant stärken und dann einmal schauen wollen, was der Platz so hergibt. Vielleicht lässt sich ein Menhir errichten, ein Zaubertrank brauen oder vielleicht doch einfach Proviant sammeln für die weitere Reise. In The Druids of Edora, einem neuen Strategiespiel von Stefan Feld, verbindet sich dieses atmosphärische Setting mit einem klassischen „Punktesalat“-Eurogame: Viele Wege führen zu Punkten, und fast jede Aktion bringt uns ein Stück weiter auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung.

Spielablauf: Durch den Wald von Kultstätte zu Kultstätte

In The Druids of Edora bewegen wir unsere Druidenfigur über ein Netzwerk aus Wegen und Kultstätten durch den Wald. Jeder Zug folgt dabei einer klaren Struktur: Zuerst wandern wir von einem Ort zum nächsten und bezahlen dafür Vorräte. Anschließend setzen wir einen unserer Würfel auf ein freies Aktionsfeld an diesem Ort und führen die entsprechende Aktion aus. Je höher der Würfelwert, desto mehr Vorräte kostet es, ihn einzusetzen. Gleichzeitig bringen hohe Werte aber teilweise besonders starke Effekte und lassen uns Punkte sammeln, wenn mehrere Würfel an einem Kultplatz liegen. Dieses kleine Dilemma begleitet uns das ganze Spiel über.

Die acht verfügbaren Aktionen bieten viele unterschiedliche Möglichkeiten: Wir können Steintafeln nehmen (Aufträge, die zum Spielende abgerechnet werden), Edelsteine in ein Amulett einsetzen, Wissen sammeln, Mistelzweige ernten, Tränke brauen oder Menhire und Stelen errichten. Zusätzlich erhalten wir immer wieder Boni für das Umschließen von Feuerstellen oder das Verbinden von gleichfarbigen Dolmen über das modular aufgebaute Spielbrett.


Wichtig ist auch das Würfel- und Proviant-Management. Durch fast alle Aktionen lassen sich nicht nur Punkte generieren, sondern auch weitere Würfel freischalten und Proviant sammeln, den wir für die weiteren Runden gut gebrauchen können. Sollte uns eins von beiden doch einmal ausgehen, können wir einen Notfall-Zug einschieben und so ein wenig Proviant und einen neuen Würfel aus dem Vorrat erhalten. Das Spiel endet, sobald ein Druide seinen letzten Würfel eingesetzt hat und jeder gleich oft am Zug war. Danach folgt die Schlussabrechnung mit einer Mehrheiten-Wertung, die noch einmal die höchsten Würfelwerte an jedem Kultplatz belohnt.

Viele Wege zu Punkten

Besonders reizvoll ist bei The Druids of Edora die Bewegung über das Spielfeld. Der Druide wandert von Feld zu Feld (Vorsicht, Autoren-Wortspiel…) durch den Wald und wir müssen uns gut überlegen, welchen Weg wir einschlagen und welche Kultstätten wir nach und nach besuchen. Immer wieder entsteht das Gefühl, nach der optimalen Route durch dieses Aktionsnetz zu suchen.


Typisch für Stefan Feld ist dabei die Vielzahl an Möglichkeiten, Punkte zu sammeln. Menhire, Dolmen-Verbindungen, Amulette, Steintafeln oder das Fortschreiten auf verschiedenen Leisten. Fast jede Entscheidung bringt neue Punkte oder Boni und dadurch fühlt sich praktisch jeder Zug belohnend an. Besonders interessant sind die Würfel: Sie bestimmen einerseits die Stärke von Aktionen, kosten aber gleichzeitig Ressourcen. Man muss also abwägen, ob sich ein teurer Würfel lohnt oder ob man lieber mehrere kleinere Aktionen nutzt. Dieses Spannungsfeld funktioniert sehr gut und gibt dem Spiel eine angenehme taktische Tiefe. Gelungen ist dabei auch die Tatsache, dass ich alle meine Würfel von Beginn an sehe, auch wenn sie mir nur zum Teil zu Beginn zur Verfügung stehen. Ich sehe also schon im Vorfeld, dass da vielleicht noch drei 6er liegen, die ich freischalten und später noch bezahlen muss. Da sollte ich mir lieber eine kleine Proviant-Engine aufbauen.

Regelwerk und Gestaltung im Weg

Ganz viel wurde zu The Druids of Edora schon geschrieben und geschimpft über die grafische Gestaltung und auch ich muss mich der Kritik leider anschließen. Das Spiel nimmt die Spielenden so überhaupt nicht an die Hand und Alea hat es als Publisher irgendwie geschafft, das Spiel durch seine grafische Gestaltung und das Regelwerk unzugänglicher zu machen, als es eigentlich sein sollte.

Zunächst zur Regel, meinem größeren Kritikpunkt. Mehrere der Aktionen (Heilkräuter, Steintafeln und Zaubertränke) bieten eine Vielzahl von Optionen. Hier muss immer wieder nachgeschlagen werden, welche Symbole was bedeuten. Es erschließt sich mir dabei aber überhaupt nicht, warum zwei Übersichten davon im eigenen Glossar zu finden sind und eine im Regelheft. Letzteres ist generell nicht so übersichtlich, wie ich es mir wünschen würde und kommt mit zu wenigen Beispielen daher, etwa zur Verdeutlichung, wie die nicht ganz intuitive Mehrheitenwertung am Ende funktioniert.


Auch die grafische Gestaltung wirkt nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Für viele meiner Mitspielenden war sie aber nicht nur wenig ansprechend, sondern wirklich ein aktives Hindernis für das Spielerlebnis. Ist der Weg nun hell oder dunkel, wie sieht eine Lichtung aus, was ist dieses winzige Symbol? Irgendwann findet man sich zurecht, aber es ist mir ein absolutes Rätsel, warum das Spiel so einstiegsUNfreundlich gestaltet wurde. Positiv hervorheben möchte ich hier aber noch das Spielmaterial selbst. Die Figuren und Marker aus Rewood und die Holzwürfel fühlen sich toll und zeitlos an und sind ein Glanzpunkt dieser Produktion.

Fazit: Großartiges Spiel mit unnötigen Hürden

The Druids of Edora gehört für mich zu den besten Spielen des letzten Jahres. Der Spielablauf ist klar, die Entscheidungen sind spannend und fast jeder Zug fühlt sich produktiv an. Besonders das Suchen nach der besten Route durch den Wald und die Vielzahl an Möglichkeiten zur Punktegenerierung machen mir riesigen Spaß.

Leider steht sich das Spiel mit seiner eigenen Produktion etwas im Weg. Der Fakt, dass ich drei Absätze deren Nachlässigkeiten aufzählen konnte und immer noch nicht alles benannt habe, was an Edora stört, spricht Bände. Das hat das Spiel aber wirklich nicht verdient und ich habe die Befürchtung, dass es so weniger gespielt wird. Wer diese Hürde jedoch überwindet, entdeckt mit The Druids of Edora ein wirklich hervorragendes Strategiespiel mit typisch feldschem Punktesalat und vielen cleveren Ideen.
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The Druids of Edora von Stefan Feld
Erschienen bei alea / Ravensburger
Für 2-4 Spielende in ca. 60 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier alea / Ravensburger)

Published — 17. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Der geheimnisvolle Brunnen

Von: Roy
17. Juni 2026 um 06:19

Die Hexen und Magier Mila, Vicky, Linus und Conrad sind aufgeregt – die große Prüfung steht bevor. Ein Teil dieser Prüfung ist die Wasserwichtel-Prüfung am magischen Brunnen. Nur wer früher als die anderen erkennt, welche Wichtel sich im Brunnen befinden, wird mit Goldtalern belohnt und besteht die Prüfung.

Im Spiel von Guido Hoffmann dürfen sich 2 bis 4 Kinder ab 5 Jahren versuchen und sollten damit etwa 25 Minuten beschäftigt sein. Gespielt wird über drei Runden, in denen jeweils eine neue Wasserwichtel-Scheibe eingesetzt und überprüft wird. Zu Beginn einer Runde setzen alle nacheinander jeweils einen Frosch auf ein Seerosenblatt, das zu einem Wasserwichtel gehört. Sobald jeder zwei Frösche gesetzt hat, endet diese Phase. Man darf auch bereits besetzte Felder wählen und seinen Frosch auf einen bereits ausliegenden setzen.


Der Startspieler dreht nun eine komplette Runde am magischen Strudel, blickt in den Brunnen hinein und versucht, Farben und Formen zu erkennen, die den Wichtel verraten. Daraufhin darf der Spieler einen seiner Frösche neu platzieren. Befindet sich bereits ein eigener Frosch auf dem Zielfeld, nimmt er diesen einfach wieder mit.

War jeder einmal an der Reihe, wird erneut am Strudel gedreht und die Scheibe im Brunnen kommt ein Stück höher, wodurch sie besser erkennbar wird. Man darf nun wieder einen Frosch versetzen, muss dies aber nicht tun. Diese Phase läuft so lange, bis niemand mehr seinen Frosch versetzen möchte und die Scheibe ganz nach oben gedreht wurde.


Je nach Position des Frosches beim richtigen Wasserwichtel erhält man eine Karte mit Sternpunkten. Diese legt man am Ende des Spiels aneinander, sodass sich ablesen lässt, wer die meisten Punkte gesammelt hat und somit das Spiel gewinnt.

Der geheimnisvolle Brunnen“ ist ein Spiel aus dem Hause 3 Magier Spiele und entspricht in gewisser Weise deren typischem Stil: Schon an der wiederkehrenden Illustration erkennbar, aber auch an der grundlegenden Idee, ein Spiel rund um ein zentrales Gimmick zu konzipieren. In diesem Fall ist es der Strudel-Brunnen mit der Milchglasscheibe, die erst nach und nach erkennen lässt, was sich im Inneren befindet. Für Kinder zwischen 5 und 7 Jahren ist das unterhaltsam und besitzt einen hohen Aufforderungscharakter.


Allerdings benötigen Kinder in diesem Alter zunächst etwas Unterstützung, da der Aufbau nicht ganz so einfach ist, wie er sein sollte. Spielerisch wird danach keine weitere Hilfe benötigt, dennoch können Erwachsene problemlos mitspielen – denn so einfach ist das Spiel dann doch nicht.

Nach zwei bis drei Drehungen am Strudel erkennt man noch nicht besonders viel, sodass es durchaus Spaß macht zu raten, welcher Wichtel sich im Brunnen befindet. Auf Dauer ist das vielleicht nicht immer gleich unterhaltsam, aber dank mehrerer Scheiben gibt es zunächst genügend Abwechslung. Ich hätte mir zusätzlich noch „falsche“ Wichtel gewünscht, die gar nicht auf dem Spielplan vorkommen und so für zusätzliche Verwirrung sorgen.


Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier leider nicht ganz stimmig: Für knapp 40 € bekommt man zwar ein schönes Gimmick, spielerisch jedoch etwas wenig. Vermutlich wird sich das aber durch den Markt noch einpendeln. Für Fans der 3 Magier Spiele ist es auf jeden Fall einen Blick wert, alle anderen sollten – wenn möglich – zunächst ein Testspiel wagen.


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Der geheimnisvolle Brunnen von Guido Hoffmann
Erschienen bei Drei Magier Spiele
Für 2-4 Spieler in ca. 25 Minuten ab 5 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Drei Magier Spiele)


Published — 15. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Point Galaxy

Von: Daniel
15. Juni 2026 um 09:19

Punktesalat war schnell, simpel, clever, ein Set Collection-Spiel mit minimalem Setup und maximalem Familien-Appeal. Der Nachfolger Punktestadt versuchte, das Prinzip auf ein komplexeres Drafting-Systeme zu übertragen und stieß dabei auf gemischte Kritik. Mit Point Galaxy geht es nun ins All. Planeten, Sonnen, Wurmlöcher und Asteroiden wollen statt Paprika, Zwiebel und Karotte zusammengestellt werden, aber wieder stellt sich die Frage: Welche Karte bringt mir wie viele Punkte?

Spielablauf: Planeten, Sonnen, Punkte

In Point Galaxy ziehen die Spielenden Karten aus einer offenen Auslage. Es gibt zwei Kartentypen: Planetenkarten mit Zahlen und Symbolen sowie Weltraumkarten, die Sonnen, Monde, Wurmlöcher etc. sein können. Sonnenkarten dienen als Auftragskarten und bilden meist den Start einer Sammlung von Planeten unterhalb dieser Sonne.

Wer am Zug ist, nimmt entweder eine der Weltraumkarten oder zwei Planetenkarten, danach wird sofort nachgezogen. Die Planetenkarten müssen an ein Sonnensystem angelegt werden und geben Punkte für Zahlenfolgen oder beispielsweise Raketen, mit denen man zusätzliche Wertungsplättchen erhalten kann. Mit den Weltraumkarten lassen sich neue Sonnensysteme starten oder ergänzen, zum Beispiel durch Asteroidenschwärme, die am Spielende zusätzliche Punkte einbringen.


Alle Karten, die man zieht, landen offen im eigenen Bereich und müssen sofort angelegt werden und wie in Punktesalat gilt natürlich auch in Point Galaxy: Man draftet nicht nur für sich selbst, sondern blockiert auch die Mitspielenden mit klugem Timing.

Einfacher Zugang, mehr Spieltiefe

Beim dritten Titel der Reihe besinnt sich das Autorenkollektiv endlich wieder auf die Stärke des Drafting-Mechanismus: Der ist schnell erklärt und flüssig gespielt, während man bei Punktestadt eine gemischte Auslage mit Auftragskarten und Gebäuden hatte, die man ständig organisieren und auf die eine oder andere Seite drehen musste. In Point Galaxy können wir uns wieder den wirklich wichtigen Fragen widmen: Konzentriere ich mich auf bestimmte Farben? Versuche ich, möglichst viele Raketen zu sammeln? Oder ziele ich auf Sonnenkarten und Zahlenfolgen?


Die Möglichkeiten sind vielfältig, egal in welcher Spielerzahl. Der Wiederspielreiz bleibt durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten hoch, auch wenn man das Grundprinzip schnell verinnerlicht hat. Für mich besteht im Vergleich zu Punktesalat der größte Reiz darin, dass ich mehrere kleine Sets vor mir sammele und versuche, geschickt zusammenzustellen.

Farben, Zufall und Auslage

Ein kleiner Schwachpunkt ist die Farbgestaltung der Planeten. Einige Farben sind schwer unterscheidbar, vor allem weil es auch Planeten gibt, die gleich zwei Farbkriterien erfüllen. Hier sind die Symbole zu klein und die Farben zu ähnlich geraten.


Außerdem kann es vorkommen, dass in der offenen Auslage mehrere Runden lang bestimmte Kartentypen nicht auftauchen. Vom Gefühl her betrifft das vor allem Sonnen, die ich aber zwingend brauche, um eine neue Reihe zu beginnen. Was will ich da mit noch einem Asteroidenschwarm? Das ist Teil des Spiels, aber eben auch frustrierend, wenn man auf etwas spekuliert, das dann partout nicht kommt. Die Spielbalance hängt dadurch ein Stück weit vom Kartenglück ab.

Fazit: Kosmischer Nachfolger mit Tiefgang

Point Galaxy ist ein würdiger Nachfolger in der Punktesalat-Reihe, der das Grundprinzip sinnvoll weiterentwickelt. Wer den einfachen Drafting-Mechanismus schätzt, bekommt hier mehr taktische Optionen und interessante Kombinationsmöglichkeiten. Nachdem bei mir die Punktestadt schnell wieder ausgezogen ist, darf Point Galaxy es sich neben Punktesalat gerne im Regal gemütlich machen. Die deutsche Lokalisierung wird auch sicher nicht lange auf sich warten lassen.

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Point Galaxy von Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich
Erschienen bei Flatout Games und AEG
Für 1-5 Spielende in ca. 20 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Flatout Games)

Published — 12. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Similo: Wassertiere

Von: Roy
12. Juni 2026 um 07:55


Kaum zu glauben, aber wahr: Wir haben bisher keine Rezension zum Deduktionsspiel „Similo“ auf unserer Homepage. Da es mittlerweile jedoch zahlreiche Versionen davon gibt, haben wir uns gedacht, dass wir das nun endlich nachholen sollten. Ursprünglich stammt das Spiel von Horrible Guild, in Deutschland wird es von HeidelBÄR Games vertrieben. In dieser Rezension konzentrieren wir uns auf eine der neueren Versionen: „Wassertiere“. Ich kann euch aber schon sagen: Es gibt auch Varianten zu Tieren, Wildtieren, Märchenfiguren, historischen Figuren, mythischen Wesen und und und …

Als Autoren werden Martino Chiacchiera, Hjalmar Hach und Pierluca Zizzi genannt. Bis zu 8 Spieler können mitmachen, eine Partie dauert ca. 10–15 Minuten.


Bei Similo gibt es stets einen Tippgeber, der sich eine Karte zieht, die es von den Ratenden zu erraten gilt. Dafür zieht der Tippgeber elf weitere Karten und mischt diese zusammen mit der gesuchten Karte, bevor er sie in einem 3×4-Raster auslegt. Innerhalb von fünf Runden müssen die anderen Spieler nun die gesuchte Karte herausfinden.

In jeder Runde wählt der Tippgeber eine Karte aus seiner Hand (aus den nicht verwendeten Karten) und legt sie zur Auslage. Wird sie hochkant gelegt, bedeutet das, dass diese Karte eine Gemeinsamkeit mit der gesuchten Karte hat. Wird sie quer gelegt, bedeutet das das Gegenteil.

In der ersten Runde müssen die Ratenden eine Karte ausschließen, nach der zweiten Runde zwei Karten, dann drei und in der vierten Runde sogar vier – bis am Ende nur noch zwei Karten übrig bleiben. Mit dem fünften und letzten Tipp soll dann idealerweise die richtige Karte gefunden werden, womit das Spiel gewonnen ist. Sollte allerdings irgendwann die gesuchte Karte selbst aus dem Spiel entfernt werden, verlieren alle sofort.


Auf den Bildern seht ihr die „Wassertiere“-Version, aber der spielerische Ablauf ist bei allen Versionen identisch. Die verschiedenen Ausgaben lassen sich sogar kombinieren, was sich gerade bei „Wassertiere“ mit den normalen Tieren oder Wildtieren anbietet.

Similo ist inzwischen fast schon ein Klassiker unter den Deduktionsspielen und hat sich einen festen Platz in den Herzen vieler Brettspieler erobert – insbesondere auch durch die zahlreichen Versionen, die zuletzt zur SPIEL in Essen erschienen sind. Die Regeln sind schnell erklärt, bieten aber dennoch eine schöne Knobelaufgabe, bei der man schnell in Diskussionen darüber gerät, was sich der Tippgeber bei seinen Hinweisen gedacht hat. Schön ist außerdem, dass auf den Karten kleine Hinweise abgedruckt sind, die zusätzliche Anregungen für Eigenschaften liefern.

Die Schachtel ist angenehm klein und lässt sich daher problemlos auf Reisen mitnehmen. Dadurch kommt das Spiel auch unterwegs gut auf den Tisch und sorgt für unterhaltsame Runden zwischendurch. Ich finde: Similo passt definitiv in jede Spielesammlung.

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Similo: Wassertiere von Martino Chiacchiera, Hjalmar Hach und Pierluca Zizzi
Erschienen bei Heidelbär Games
Für 2 bis 8 Spieler in ca. 10-15 Minuten ab 7 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Heidelbär Games)

Published — 10. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

All-Star Draft

Von: Daniel
10. Juni 2026 um 08:55

Die Eishockey-Teams von Eisbären über Adler bis Elche sind zurück! All-Star Draft wurde schon vor einiger Zeit von Angelika besprochen, die das Spiel damals empfahl für „Spieler, die thematische Kartenspiele mögen. Als Einstiegsspiel in den Draft Mechanismus. Für Eishockeyfans.“ Auch ich habe All-Star Draft schon vor einiger Zeit kennen- und mögen gelernt und mich daher gefreut, als ich von einer Second Edition gehört habe. Das abstrakte Drafting-Spiel rund um Hockey-Teams bleibt seinem Kern treu: wir wählen Karten aus, formen daraus Mannschaften und versuchen am Ende in den Playoffs die Nerven zu behalten.

Spielablauf: Draften, Teams bilden, Popularität sammeln

In der regulären Saison werden im klassischen Drafting-Modus Karten ausgewählt und zu Teams zusammen gestellt. Deren Stärke ergibt sich aus der Anzahl gleicher Attribute. Symbol, Nummer oder Tierart. Eine Rangliste gibt Aufschluss darüber, welche Kombination wie viel Wert ist. Die Teams treten in drei Runden in einer Arena für unterschiedlich hohe Punktzahlen gegeneinander an, und je nach Platzierung gibt es Supporter-Punkte, die am Ende über den Sieg in All-Star Draft entscheiden.


Nach drei Saisonrunden folgt das eigentliche Highlight: die Playoffs. Hier werden aus allen gesammelten Karten neue Teams gebildet, schwächere Teams scheiden Runde für Runde aus und am Ende bleibt nur eine Mannschaft übrig.

Für zwei Personen bietet die neue Edition drei Spiel-Modi. Ein klassisches Drafting, nur eben zu zweit bietet der Traditions-Modus. Im Duell-Modus hingegen wählen wir auch Karten für unser Gegenüber aus. Beim Freien Markt-Modus schließlich gibt es eine offene Auslage, aus der gewählt wird. Dieser letzte Modus ist auch mein Favorit zu zweit.

Kompakter und moderner

Die neue Edition überzeugt zunächst durch ihre deutlich kleinere Schachtel. Sie passt besser zum Spielumfang und ins Regal, auch wenn ich den überdimensionierten Playoff-Pokal der alten Version ein wenig vermisse. Das Spiel wirkt insgesamt aufgeräumter. Das beiliegende Promo-Pack mit den Eulen, die ein Joker-Symbol mit sich bringen, ist eine charmante Ergänzung und fügt sich gut ins System ein, ohne es unnötig aufzublähen.


Das Drafting funktioniert weiterhin sehr gut und auch die Zwei-Personen-Variante kann überzeugen, insbesondere der Markt-Modus. Der Playoff-Teil bleibt aber das Herzstück von All-Star Draft: Das direkte Ausscheiden, das gezielte Austauschen von zwei bis vier Karten zwischen den Runden , das nervöse Hoffen beim „Shootout“, all das sorgt für Spannung.

Verpasste Chancen beim Material

So gelungen die spielerische Seite ist und so überzeugend die grafische Darstellung umgesetzt ist, so ernüchternd fällt ein Blick auf das Material aus. Die Karten wirken eher von einfacher Qualität, die winzigen Pappmarker als Punktezähler wirken in einem Spiel, das sich so sehr über Wertungen definiert, etwas lieblos. Hier hätten kleine Holzklötzchen oder zumindest stabilere Marker dem Ganzen mehr Wertigkeit verliehen. Insgesamt fühlt sich die Produktion hübsch, aber ganz und gar nicht hochwertig an. Gerade weil das Spiel mit seinem Turniercharakter und der klaren Struktur durchaus episch wirken kann, hätte ich mir hier etwas mehr Liebe zum Detail in dieser zweiten Edition gewünscht.

Fazit: Bewährtes Drafting mit frischem Schliff

Mir gefällt die neue Edition von All-Star Draft sehr gut. Sie ist kompakter, zugänglicher und behält den spannenden Kern aus Saison und Playoffs bei. Das Drafting-System trägt weiterhin, der Markt-Modus im Zwei-Personen-Spiel ist eine schöne Ergänzung, und die Gestaltung wirkt ansprechend. Ein paar verpasste Chancen beim Material bleiben, doch spielerisch lohnt es sich absolut, dieses Drafting-Spiel noch einmal in die Hand zu nehmen. Die Playoffs sind eröffnet und die Neuauflage ist ein schöner Grund, wieder aufs Eis zu gehen.
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All-Star Draft von Marco Schaub
Erschienen bei Palladis Games / Suncore Games
Für 2-6 Spielende in ca. 45 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Palladis Games/Suncore Games)

Published — 08. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Valencia

Von: Daniel
08. Juni 2026 um 08:59

Frisch gepresster Orangensaft in der Hand, enge Gassen voller Geschichte und irgendwo zwischen Marktplätzen und Stadtmauern konkurrieren die einflussreichsten Familien um Macht und Prestige. Valencia, der neunte Titel der Stefan Feld City Collection, versetzt uns ins mittelalterliche Spanien (zumindest laut der Spielanleitung, dazu später mehr). Wie bei den meisten Titel der City Collection handelt es sich um eine Überarbeitung eines Stefan Feld-Klassikers, nämlich Strasbourg, eines der interaktivsten Spiele aus Stefan Felds Kollektion. Und genau das macht auch den Reiz dieser Neuauflage aus.

Spielablauf: Bieten, Mehrheiten sichern, Aufträge erfüllen

Valencia verläuft über fünf Runden, die jeweils aus mehreren klar strukturierten Phasen bestehen. Herzstück des Spiels ist ein verdeckter Auktionsmechanismus: Für unterschiedliche Aktionsbereiche bieten alle Spielenden gleichzeitig mit Einflusskarten, die wir uns über die fünf Runden nach und nach aufteilen müssen. Wer die höchste Summe einsetzt, darf zuerst die entsprechende Aktion ausführen und je nach Aktion geht der ein oder andere am Tisch auch komplett leer aus. Eingesetzte Karten sind anschließend verbraucht.


Über diese Aktionen platzieren wir Figuren in den verschiedenen Stadtbezirken, sichern uns Plätze im Rat, die uns jede Runde Siegpunkte und Privilegien einbringen, erhalten und verkaufen Waren. Gerade die Platzierung auf dem Stadtplan sorgen dabei für direkte Konkurrenz, denn die Plätze um lukrative Brunnen oder auf bestimmten Stadtfeldern sind begrenzt und häufig kommt man sich gegenseitig in die Quere.


Spannend sind auch die zu Beginn gewählten Auftragskarten. Diese bringen nicht nur Punkte, sondern geben jeder Partie eine leicht andere Richtung. Gleichzeitig bleibt bis zum Schluss offen, worauf die Mitspielenden eigentlich spielen und genau dadurch entsteht viel Spannung bis in die letzte Wertung. Zehn neue Auftragskarten bietet hier die Neuauflage, ein modulares Spielbrett und weitere kleine Änderungen zum zu Grunde liegenden Strasbourg wie Brunnen mit Spezialfähigkeiten. Platziere ich mich an ihnen, bekomme ich nicht nur die Punkte, sondern löse auch die Spezialfähigkeit aus. Weiterhin wurde eine 2-Personen-Variante erdacht, die für diese Review allerdings nicht getestet wurde.


Interaktiv, fies und angenehm klar

Was Valencia besonders gut macht, ist die Kombination aus klaren Abläufen und hoher Interaktion. Trotz der vielen Möglichkeiten bleibt jederzeit verständlich, was gerade passiert. Das Spiel lebt dabei vom gegenseitigen Belauern: Wie viel wird mein Gegenüber bieten? Reicht mein Einsatz noch? Soll ich diese ein Feld jetzt meinem Gegenspieler blockieren oder lieber meine eigenen Ziele verfolgen?


Die Auswahl der Auftragskarten erfolgt ähnlich wie bei Zug um Zug. Wir erhalten je 5 zur Auswahl, aus denen wir mindestens eine Karte behalten müssen, aber auch mehr behalten können, wenn wir das wollen. Schaffen wir Aufträge jedoch nicht zu erfüllen, bekommen wir die Punkte dafür abgezogen statt dazugezählt. Ich liebe diese Mechanik, denn so hat man es zu Spielbeginn in der Hand, welche Ziele man verfolgt und wie viel Risiko man gewillt ist, einzugehen. High risk, high reward!

Große Schachtel, schwaches Thema

Weniger gelungen ist hingegen die Produktion drum herum. Die bedruckten Meeple und die Acryl-Waren in der Deluxe-Edition sind eine nette Ergänzung, aber auch nicht unbedingt notwendig. Die Schachtel ist leider deutlich größer als nötig und die Sortierlösung darin eher unpraktisch als hilfreich. Um die vier Sortierschachteln aus der Box zu bekommen, muss man seitlich tief reingreifen oder sie rauskippen und Gefahr laufen, das Material einfach auszukippen.


Noch problematischer wirkt allerdings die thematische Verortung. Weder das historische Setting noch die grafische Darstellung fühlen sich passend oder glaubwürdig an. Für die Überarbeitung wurde Mihajlo Dimitrievski („The Mico“) engagiert, bis auf das Cover wirkt die Darstellung allerdings etwas lieblos. Absurd wird es dann aber bei der Darstellung der Spieler-Charaktere auf den Sichtschirmen, Karten und Meeplen. Der blaue Spieler bspw. wird durch einen Automechaniker dargestellt, der schwarze durch einen eleganten Herrn im Anzug. Ich dachte ja, wir sind im mittelalterlichen Valencia und beeinflussen Gilden, Krone und Kirche. Moderne Automechaniker gab es da wohl kaum…

Außerdem: Valencia ist eine Küstenstadt mit Strand und schöner Altstadt. Der Stadtplan hier bietet einfach nur einzelne Häuser auf grünem Gras-Hintergrund. Das sieht so gar nicht aus, wie es das wunderbar gestaltete Cover vermuten lässt. Mediterranes Flair kommt hier beim Spielen jedenfalls keines auf.


Fazit: Gutes Feld-Spiel mit viel direkter Interaktion und schwacher Gestaltung 

Wer über die Schwächen der Produktion und die völlig beliebige thematische Einbettung hinwegsehen kann, bekommt mit Valencia ein gutes, hochinteraktives Kennerspiel mit einem spannenden Auktionsmechanismus besonders für 4-5 Spielende. Das Spiel ist direkt, manchmal fies und lebt stark vom gegenseitigen Ausspielen. Es funktioniert mechanisch hervorragend, aber Thema und Mechanik laufen spürbar nebeneinander her. Warum dieses Spiel nun unbedingt in Valencia spielt, erschließt sich nur bedingt. Ich hab bei der Recherche zu Valencia jedenfalls mehr Fernweh beim Betrachten der Bilder aus der Stadt bekommen als beim Spielen des Spiels aufgekommen wäre.

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Valencia von Stefan Feld
Erschienen bei Queen Games
Für 2-5 Spielende in ca. 60-90 Minuten ab 12 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Queen Games)

Published — 03. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Morty Sorty Magic Shop

Von: Oli
03. Juni 2026 um 00:30

Disclaimer im Nachgang vorab: 
Nach Veröffentlichung dieser Rezi wurden wir darauf hingewiesen, dass ich offensichtlich einen Fehler beim Lesen der Anleitung gemacht habe, der sich auf die Bewertung ausgewirkt hat. In der Anleitung steht nämlich "Die Zahlen der Plättchen müssen in jeder Regalreihe von links nach rechts aufsteigend liegen.". Das interpretierte ich als "man muss die Plättchen von links nach rechts anlegen". So ist es aber nicht. Man darf die Plättchen irgendwohin legen. Ich habe daher mal meinen ursprünglichen Text nachgearbeitet. Nicht mehr passende Passagen habe ich gestrichen, neue Passagen kursiv geschrieben. Unterm Strich wurde das Spiel jetzt nochmal einen Ticken besser! Jetzt aber erstmal weiter mit dem ursprünglichen Text
:

Brettspiele haben ja mittlerweile so allerlei Themen. Manche tauchen immer wieder auf, andere stellen durchaus skurrile Themen dar. Das sortierte Einräumen von Regalen fällt meines Wissens nach in letztere Kategorie. Und mal ehrlich, das klingt eigentlich nicht nach einem unbedingt spannenden Thema. Und da kommt es dann wohl nun auf das Setting an, dass Morty Sorty Magic Shop doch irgendwie ansprechend wirkt. Denn hätten wir hier ein abstraktes Spiel ohne familiengerechte Aufmachung, dann würden es viele vermutlich links liegen lassen. Und das würde dem Spiel absolut nicht gerecht werden. Denn für das, was es sein möchte (nämlich offensichtlich ein Familienspiel), steckt hier eine Menge Spaß (aber manchmal auch ein wenig Frust) in der Schachtel.


Die Aufgabe ist dabei recht simpel gehalten: Wir alle haben ein Regal vor uns liegen und müssen dort Pilze, Augen, Alraunen und Wolken platzieren. Diese Zutaten kommen in kleinen Gläser-Plättchen mit unterschiedlichen Deckeln daher. Die Deckel sagen aus, in welche unserer drei Regalreihen wir das entsprechende Glas stellen dürfen: Gläser mit goldenen oder blauen Deckeln dürfen in alle drei Reihen, solche mit silbernen Deckeln nur in die unteren beiden Reihen und die mit schwarzem Deckel nur in die unterste Reihe. Abhängig von der Deckelfarbe haben die Zutaten noch Zahlen von 1-16. In jede Regalreihe darf ich jede Zahl nur ein einziges Mal legen. Außerdem muss ich neue Gläser immer möglichst weit links in eine Reihe legen Ich darf meine Plättchen überall hin legen, aber die Zahlen in einer Regalreihe müssen am Ende von links nach rechts aufsteigend sein fortgeführt werden. Ich brauche also zu Beginn des Spiels möglichst kleine Zahlen und am Ende möglichst große Zahlen. Soweit die grundlegenden Regeln. Nun geht es los: wir werfen alle Zutaten in den Beutel, mischen einmal durch und bestimmen ein Startspielmenschchen. Dieses zieht 5 Plättchen aus dem Beutel und lässt sie auf den Tisch fallen. Das Fallenlassen ist wichtig, denn die Plättchen dürfen nicht auf ihre Rückseite gedreht werden. Zwar sind Deckelfarbe und Zahl auf beiden Seiten identisch, jedoch sind die Wolken auf der Rückseite der Pilze und die Augen auf der Rückseite der Alraunen (und natürlich andersrum). Nun schauen wir, ob wir Zutaten mit blauem Deckel haben. Diese separieren wir in eine gesonderte, sortiere Auslage. Nun ziehen wir gegebenenfalls weitere Plättchen nach, bis fünf Stück ohne blauen Deckel auf dem Tisch liegen. Nun darf sich die Person am Zug ein Plättchen nehmen und in eine Regalreihe stellen – oder passen und sich ein Kätzchen nehmen. Die Kätzchen kann man ausgeben, um ausnahmsweise eine Zutat mit einer Zahl neben eine andere Zutat mit der gleichen Zahl stellen zu dürfen oder um ein Plättchen, das man sich genommen hat, doch zu drehen.


Schaffe ich es, drei unterschiedliche Zutaten in eine Spalte zu setzen, darf ich mir aus der Auslage mit den blauen Deckeln eine beliebige Zutat heraussuchen und in mein Regal stellen. Dadurch kann ich auch Kettenreaktionen auslösen. Reihum nimmt sich nun jede/r am Tisch eine Zutat oder passt, dann werden alle nicht gewählten Plättchen abgeworfen und der Beutel zur nächsten Person weitergereicht. Das machen wir solange, bis wir nicht mehr fünf Plättchen auf den Tisch werfen können und dann folgt die Punktevergabe. Diese teilt sich in feste Bestandteile, die in jeder Partie gleich sind und variable Bestandteile auf. Grundsätzlich gibt es Punkte für vollständig gefüllte Regalreihen, für übrige Kätzchen und für getroffene Regalschilder. Letztere sind im Regal mit einer Zahl abgedruckt. Treffe ich mit der Zutat über einem Schild die Zahl des Schildes, bekomme ich Extrapunkte am Spielende. In jeder Partie anders sind die beiden Abzeichen (Sonderwertungen wie „3 gleiche Zahlen in einer Spalte“ oder „alle vier Zutaten in der untersten Reihe“) bei denen es während des Spiels bereits auf die Rangfolge ankommt, in der diese erreicht werden (die erste Person bekommt mehr Punkte als die zweite und die mehr als die dritte) sowie die eigentliche Wertung der Zutaten in den Regalen.


Im Standardspiel gibt es eine feste Tabelle. Wir zählen die Menge jeder Zutat und bekommen Punkte zwischen 1 für 1 bis hin zu 60 für 10. In der fortgeschrittenen Variante bekommt jede Zutat eine eigene Wertungslogik sowie jeweils nochmal eine alternative. Diese Wertungen kommen zwar in zwei empfohlenen Sets, lassen sich aber auch beliebig kombinieren (auch wenn darunter das Balancing leiden könnte – was in der Anleitung sogar erwähnt wird). Und das war es im Kern auch schon. Ein wirklich kurzweiliges, überraschend lustiges Spiel für die ganze Familie, aber eben auch als Absacker oder Warm-Up bestens geeignet. Interaktion sucht man hier natürlich (bis auf das Wegschnappen von Zutaten) vergeblich, aber es ist durchaus erstaunlich, dass hier doch mehr taktische Überlegungen drin stecken (vor allem mit den Wertungsalternativen), als man auf den ersten Blick glaubt. Denn ich habe in der Regel nicht nur eine sinnvolle Möglichkeit, meinen Zug zu gestalten. So kann ich immer wieder neu überlegen: konzentriere ich mich zu beginn erstmal auf die kleinen Zahlen und versuche, möglichst keine Lücken zu haben oder fordere ich mein Glück heraus und lege direkt in Runde eins eine 7 mitten rein und in Runde 2 eine 12 mit Abstand daneben, in der Hoffnung, dass ich später noch passende Zahlen bekomme, um die Lücken zu schließen. Leider habe ich manchmal aber auch gar keine - und da kommt dann schnell mal Frust auf. Wenn die ersten 4-5 gezogenen Hände nur 1-2 kleine Zahlen und sonst nur große haben, dann müssen manche eben auf Risiko gehen während andere die „perfekten“ Zahlen bekommen. Nach spätestens ein bis zwei Partien ist das aber kein Aufreger mehr, da man dann weiß, dass bei vielen hohen Zahlen zu Spielbeginn, niemand mehr die eigenen Reihen voll bekommt. Es kann sich also durchaus lohnen, schon frühzeitig höhere Zahlen (aber natürlich keine 16) zu nehmen. Unterm Strich ein wirklich gelungenes Familienspiel, dass durch die mitgelieferten Varianten durchaus am Kennerspiel kratzt.

 

 

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Morty Sorty Magic Shop von Markus Slawitschek
Erschienen bei Schmidt Spiele
Für 2 - 4  Spielende in 30 Minuten ab 8 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Schmidt Spiele)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Published — 01. Juni 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Moon Colony Bloodbath

Von: Oli
01. Juni 2026 um 00:30

Je älter ich werde, desto mehr erschrecke ich mich darüber, wie schnell die Zeit doch rennt. Als Dominion nämlich 2009 zum Spiel des Jahres gekrönt wurde, war es bei uns ein echter Dauerbrenner. Auch in der Zeit danach kamen viele der nachfolgenden Erweiterungen auf den Tisch. Irgendwann war ich dann doch etwas satt vom ständigen Punkterennen und fand Thunderstone dann deutlich besser. Lustigerweise kommt Dominion aber heute wieder gerne auf den Tisch und auch die neueren Erweiterungen ziehen ab und an mal ein. Denn Dominion ist und bleibt natürlich die Mutter aller Deckbuilder und konsequenterweise ist und bleibt es – zu Recht - ein All-Time-Dauerbrenner.


Und nun kommt da Moon Colony Bloodbath vom gleichen Autor daher. Ein Spiel, das man aufgrund seines Themas und seiner Optik (die ich wirklich feier!) gefühlt in die gleiche Kategorie wie B-Movies beim Film stecken möchte: Nerdzeug außerhalb des Mainstreams, nicht für die Masse gemacht. Und ja, die Mechaniken sind hier auch wirklich alles andere als mainstreamig. Im Kern hat der gute Herr Vaccarino nämlich erneut einen neuen Kniff erfunden (oder wenn nicht erfunden, so zumindest genial in Szene gesetzt). Und dabei ist Moon Colony Bloodbath im Herzen gar kein Deckbuilder, sondern eigentlich ein Enginebuilder, der aber auch nicht so funktioniert wie man denkt.


Wer mitspielt bekommt ein kleines Playerboard für die Ressourcenverwaltung, einen Satz Vorteilskarten (bei allen identisch) und ein paar Startressourcen. Dazu gesellen sich vier Aktionsmarker. Jetzt gilt es erstmal, die diversen Decks vorzubereiten: Wir mischen den Stapel mit den Gebäudekarten und alle bekommen je 4 Stück davon. Dann ziehen wir zwei Twistkarten aus dem Twistkartendeck und mischen diese in den Ablauflaufstapel. Letzterer besteht in jeder Partie aus den gleichen sechs Karten: 2 Probleme und 4 Mal Arbeit. Daneben legen wir die nach ihren Nummern sortierten 13 Ereigniskarten sowie die sortierten Entwicklungskarten bereit. Wir haben also fünf verschiedene Kartenstapel in der Tischmitte und keinen einzigen, den wir selbst aktiv im Spiel mischen dürfen. Nun geht es los: Wir decken gemeinsam die oberste Karte vom Ablaufstapel auf und müssen sie alle befolgen. Ist der Stapel leer, wird er gemischt und es geht von vorne los. Ist die aufgedeckte Karte ein Twist, passieren verschiedene kleinere Dinge. Ist es ein Problem, dann müssen wir eine Ereigniskarte verdeckt auf den Ablaufstapel legen (die dann natürlich als nächstes aufgedeckt wird) und nur wenn es eine der vier Arbeit-Karten ist, werden wir tatsächlich selbst aktiv. In diesem Fall wählt jede/r gleichzeitig je eine der fünf verfügbaren Aktionen aus, führt diese aus und legt dann den Aktionsmarker auf die nächste freie Zahl auf dem eigenen Brett, damit alle sehen, dass man fertig ist und man selbst auch den Überblick behält, wie viele Arbeit-Karten in diesem Durchgang überhaupt noch da sind. Die Aktionen sind entweder ein Gebäude bauen (eine Karte von der Hand ausspielen und vor sich liegen lassen) oder Ressourcen (Geld, Nahrung, Kisten oder neue Gebäudekarten) erhalten. Klingt mehr als simpel und ist es im Prinzip auch. Das besondere kommt nun aber dadurch zustande, dass die eigenen Gebäude in der Regel eine Fähigkeit haben, die beim Nutzen einer der fünf Aktionen triggert. Damit man hier den Überblick behält, sind die jeweiligen Karten auch immer in der gleichen Farbe gestaltet, die auch die Aktion selbst hat. Außerdem bringt jedes Gebäude eine bestimmte Anzahl an Bewohnern mit, die darin leben.


Manche Gebäude bringen aber auch eine Sonderfähigkeit mit sich, die beim Bauen dieses Gebäudes ausgelöst wird. Hierdurch können wir dann z.B. unsere Vorteilskarten oder auch die vorhin genannten Entwicklungen in den Ablaufstapel einmischen. Eine Vorteilskarte gilt grundsätzlich nur für die Person, die sie in den Stapel gespielt hat und bringen zusätzliche Rohstoffe. Entwicklungskarten sind oft kleine Boni oder Mini-Aktionen, die man nutzen kann aber nicht muss. Und so besiedeln wir den Mond, bauen immer mehr Gebäude, vergrößern unsere Population. Bis hierhin ein durchaus spaßiges Spiel mit schönem Engine-Building, das aber letztlich niemanden begeistert hätte. Wie bereits erwähnt, kommen aber durch die beiden Probleme auch Ereigniskarten in den Stapel. Und die haben es in sich. Anfangs verlieren wir durch Hunger vielleicht nur Nahrung oder aber eben doch ein paar Bewohner unserer Kolonie oder müssen Gebäudekarten abgeben. Schnell kommen aber auch Roboter ins Spiel, die es auf unsere Bewohner abgesehen haben. Verliere ich Bewohner, dann muss ich immer zuerst entsprechende Token abgeben, sofern ich welche habe. Habe ich keine (mehr), muss ich Gebäude abreißen, um auf die entsprechende Bewohnerzahl zu kommen. Habe ich dann noch Bewohner übrig, erhalte ich diese als Token. Klingt makaber und ist es im Kern auch, passt aber eben auch total zum 50er-Jahre-Sci-Fi-Setting oder andersrum wurde die optische Gestaltung perfekt passend zu der Mechanik entworfen. Und letztlich muss das Spiel ja auch seinem Titel gerecht werden. Das Spiel endet, sobald entweder Ereigniskarte 13 aufgedeckt wird oder (und das ist eigentlich der Normalfall) sobald eine mitspielende Person keine Bewohner mehr hat. In beiden Fällen gewinnt, wer noch die meisten Bewohner übrig hat.


Fertig. Und ich muss sagen Moon Colony Bloodbath hat mich bereits in der ersten Partie so richtig gepackt. Es kombiniert einfache Regeln mit einem einfachen Spielablauf, der eigentlich immer gleich und doch jedes Mal anders ist. Denn der reine Ablauf ist eine sich wiederholende Endlosschleife und die ganzen Ereignisse schocken einen dann irgendwann auch nicht mehr. Aber wie ich meine Kolonie gestalte und wie ich es schaffe, am Ende möglichst viele Bewohner zu haben, das variiert dann doch massiv von Partie zu Partie. Hier werden altbekannte Zutaten dermaßen neu und innovativ auf den Kopf gestellt, dass man sich selbst immer wieder beim Umdenken erwischt. Ein wenig wie bei Faraway, nur eben nicht so kontraintuitiv. Es fühlt sich hier ganz normal an zu wissen, dass man nur eine gewisse Zeit lang aufbauen darf und man gut genug bauen muss, um am Ende gegen die Roboter bestehen zu können. Für mich ein echtes Highlight, das seine Nominierung zum Kennerspiel des Jahres mehr als verdient hat – auch wenn es vielleicht am Ende gegen den erwarteten Platzhirschen nicht reichen mag. Ich finde es toll, dass es ein derart „ausgefallenes“ Spiel auf die Liste geschafft hat und drücke fest die Daumen. Und freue mich schon auf viele schöne Erweiterungen, so wie wir das von Herrn Vaccarino gewohnt sind :).

 

 

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Moon Colony Bloodbath von Donald X. Vaccarino
Erschienen bei Alea
Für 1 - 5 Spielende in 45 - 90 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Alea)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Published — 28. Mai 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Formidabel!



Ein Marktbummel kann harmlos beginnen: ein Schaf hier, eine Tomate da, vielleicht noch eine Gurke und etwas Weizen. Und ehe man sich versieht, steckt man mitten in einer Kette aus Tauschgeschäften, Aufträgen und Sonderaktionen, aus der man so schnell nicht mehr herauskommt. Formidabel! bringt dieses Spielgefühl auf den Tisch. Immer ein Deal mehr, und noch einen, und noch einen.

Spielablauf: Tauschen, erfüllen, loswerden

In Formidabel! versuchen wir, über Tauschgeschäfte unsere 20 Auftragskarten möglichst schnell loszuwerden. Die Karten zeigen Aufträge, die bestimmte Kombinationen von Waren oder Aktionen verlangen. Erfüllen wir einen Auftrag, kommen wir unserem Ziel einen Schritt näher. Sollten unsere Handkarten keinen Tausch hergeben, liegen öffentliche Aufträge aus, mit denen wir uns vielleicht in eine bessere Position tauschen können. Egal welche Aufträge wir aber schließlich erfüllen, nach 3 Karten ist Schluss für eine Runde und der nächste Spielende ist am Zug.


Zusätzlich erhalten wir über ein zentrales Aktionsfeld in jeder Runde eine Warensorte oder dürfen eine unserer Handelskarten auf die Hand nehmen, um sie in einer der nächsten Runden zu erfüllen. Dazu können wir bereits erfüllte Handelskarten abwerfen, um Extra-Aktionen auszulösen.

Süß, clever und manchmal chaotisch

Formidabel! punktet zunächst mit seinem süßen Manga-Artwork, das dem Spiel eine leichte, freundliche Note verleiht. Das passt gut zum Thema und macht Lust, sich auf den Markt zu stürzen. Spielerisch entfaltet sich schnell ein gewisser Suchtfaktor: Ein gelungener Tausch führt zum nächsten, dann noch ein Auftrag, noch eine Extra-Aktion, bis ich wirklich das Maximum aus den Tauschgeschäften herausgeholt habe für eine Runde. Wenn alles aufgeht, fühlt sich das richtig gut an.


Zu simpel, zu komplex: beides zugleich?

Gleichzeitig ist Formidabel! ein Spiel der Gegensätze. Einige Kartenfähigkeiten sind extrem banal (tausche ein Schaf gegen eine Tomate und eine Gurke), andere wiederum so speziell, dass sie sich selbst nach mehreren Partien nicht intuitiv erschließen und einen Blick in die Anleitung erfordern. Insgesamt kann es aber eine ziemlich zufällige Angelegenheit werden, wer welche Karten im Stapel hat. Mit diesem hohen Glücksanteil muss man leben können, ob das nach 20 Karten wirklich spielentscheidend ist oder doch die beste Tausch-Taktik gewinnt, sei einmal dahingestellt.


Fazit: Cleveres Tauschen mit Geschmackssache-Garantie

Formidabel! polarisiert. Meiner Frau waren es zu viele Symbole, sie war bei der Erklärung schon raus. Anderen Mitspielenden war es zu zufällig oder zu wenig interaktiv. Mir persönlich hat es gut gefallen: Wenn eine Tauschkette aufgeht, fühlt man sich clever und belohnt. Ich kann aber jede Kritik daran gut nachvollziehen. Formidabel! ist kein Spiel für alle, sondern eines, das man unbedingt ausprobieren sollte, bevor man es sich in den Warenkorb legt oder auf dem Markt gegen ein Schaf und drei Gurken eintauscht.
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Formidabel! von Friedemann Friese
Erschienen bei 2F-Spiele
Für 1-4 Spielende in ca. 30-45 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier 2F-Spiele)

Published — 26. Mai 2026 BoardgameMonkeys_Brettspielrezensionen

Tianxia

Von: Roy
26. Mai 2026 um 00:30

Wir befinden uns im Jahr 260 v. Chr. im heutigen China, in dem sieben Reiche um die Macht ringen und sich gleichzeitig gegen eine Gefahr aus dem Norden wappnen müssen. Wir übernehmen als Spieler nun die Führung einer Adelsfamilie, die um die Gunst der Herrscher dieser sieben Reiche konkurriert und dabei verschiedene Mittel einsetzt. Herzlich willkommen bei „Tianxia“, einem neuen T-Spiel aus der Feder von Daniele Tascini, der sich hierfür Unterstützung von Antonio Petrelli geholt hat. Das Expertenspiel, erschienen bei Giant Roc (im Original bei Board & Dice), für 1–4 Spieler wurde von Fernando Abravanel recht hübsch illustriert, und wir schauen nun, ob es dem Titel „T-Spiel“ auch wirklich gerecht wird.

Im Zentrum des Spiels liegt ein wirklich sehr großes Spielbrett mit einer Landkarte im oberen Bereich, welche die sieben Reiche repräsentiert. Darüber befinden sich vier Angriffsspuren der Nomaden, die die gemeinsame Gefahr für alle Spieler darstellen. Darunter wiederum gibt es vier Palastleisten, auf denen wir natürlich aufsteigen wollen. Und natürlich dürfen wir die hübschen 3D-Boote nicht unterschlagen, die dazwischen platziert sind und optisch wirklich einiges hermachen.


Zusätzlich zum großen Spielbrett erhält nun jeder Spieler noch ein eigenes Playerboard. Falls man nur zu zweit spielt, kommt außerdem ein weiteres Board für einen „KI-Spieler“ hinzu, das im Automa-Stil funktioniert und durch Karten gesteuert wird. Die KI nimmt dabei hauptsächlich Plätze weg und mischt bei Mehrheitenwertungen mit.

In einer Runde stehen jedem Spieler drei Aktionsscheiben zur Verfügung, die in eines der sieben Reiche eingesetzt werden können. Diese bieten wiederum unterschiedliche Aktionen an. In manchen Regionen kann man Waren und Rohstoffe tauschen, in anderen Waren an Schiffe liefern oder zum Schutz des Reiches Türme und Mauern bauen beziehungsweise Soldaten entsenden.

Dazu kommen Gebäude, die in jeder Region ausliegen und zu Beginn jeder Partie zufällig aus einer großen Auswahl gezogen werden. Dabei gibt es Einkommensgebäude und passive Gebäude, welche die Aktionen beeinflussen können. In meinem Zug mit einer Aktionsscheibe werde ich daher immer mindestens zwei bis drei Dinge ausführen. Jede Region ist zudem mit einer Palastleiste verknüpft – ebenfalls zufällig verteilt –, weshalb man dort sofort ein Feld aufsteigen darf. Danach folgen Handels-, Tausch- oder Bauaktionen, und zusätzlich kann ich einen Statthalter zu einem Gebäude entsenden, um mir dessen Vorteil oder Einkommen zu sichern.


Leider benötigt man für viele dieser Aktionen und Möglichkeiten Rohstoffe. Davon gibt es drei Arten: Holz, Reis und Stein – und diese sind recht knapp bemessen. Deshalb kann ich statt einer Aktionsscheibe auch einen Arbeiter aus meinem recht großen Vorrat auf ein Boot entsenden. Für jeden Rohstoff gibt es ein entsprechendes Boot. Das kostet mich zwar Geld, welches ebenfalls knapp ist, bringt mir aber sofort den jeweiligen Rohstoff ein. In der kommenden Einkommensphase erhalte ich für jeden dort platzierten Arbeiter erneut Rohstoffe. Auf jedem Boot ist allerdings nur Platz für drei Arbeiter. Kommt ein vierter hinzu, wird der Arbeiter ganz rechts aus dem Boot verdrängt und dadurch zu einem Händler.

Händler kann ich auf meinem Playerboard platzieren. Dort besitzt jeder Spieler drei Sonderaktionen, die durch Händler aktiviert werden können. Diese sind teilweise sehr mächtig und bei jedem Spieler unterschiedlich. Für zusätzliche Varianz besitzt jedes Board zudem eine A- und eine B-Seite mit unterschiedlichen Sonderaktionen, zwischen denen man sich zu Beginn einer Partie entscheiden muss.

Eine wichtige Einnahmequelle für Geld ist der Handel mit den Schiffen. Hierfür muss man Waren abgeben, die ebenfalls in drei Varianten vorkommen: Seide, Schmuck und Militärausrüstung.



Ein wichtiger Bestandteil – gerade im Hinblick auf Siegpunkte – ist der Schutz vor den Nomaden und der eigene Beitrag dazu. Wie bereits erwähnt, kann man Mauern und Türme mit Stein bauen oder Soldaten entsenden, was wiederum Reis kostet. Es gibt vier Grenzabschnitte, die jeweils von Nomaden bedroht werden. Zu Beginn jeder der vier Runden rücken die Nomaden näher an unser Reich heran. Wird ein bestimmtes Feld erreicht, weiß man, dass es dort am Ende der Runde zum Angriff kommt. Gleichzeitig wird auch die Angriffsstärke bestimmt.

Nach der Aktionsphase vergleicht man bei einem Angriff an den entsprechenden Orten die Angriffsstärke mit der Verteidigung. Jede Mauer und jeder Soldat liefern einen Verteidigungspunkt, ein Turm hingegen zwei. Ist die Verteidigung höher als der Angriff, passiert nichts. Ist das nicht der Fall, brechen die Nomaden durch und vertreiben entlang eines Weges eventuell eingesetzte Statthalter von Gebäuden. Dadurch verlieren die Spieler die entsprechenden Vorteile oder Einkommen. Wie viele Gebäude betroffen sind, hängt von der nicht abgewehrten Angriffsstärke ab.


Egal, wie der Angriff ausgeht: Jeder Spieler, der sich an der Verteidigung beteiligt hat, erhält Siegpunkte. Der Spieler mit dem größten Anteil bekommt natürlich deutlich mehr Punkte als derjenige mit dem geringsten Beitrag.

Nach vier Runden endet das Spiel. Dann gibt es noch zwei weitere große Siegpunktquellen: Zum einen die Palastleisten – je weiter man dort vorangeschritten ist, desto mehr Punkte erhält man –, und zum anderen darf jeder Spieler drei Auftragskarten werten. Zu Beginn der Partie erhält jeder drei solcher Karten, im Laufe des Spiels kann man jedoch weitere bekommen oder auch abgeben, um an dringend benötigte Rohstoffe oder Geld zu gelangen.

Wer nach der Schlusswertung die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel und erhält die höchste Gunst der Herrscher.


Tianxia“ ist definitiv ein Expertenspiel – und zwar ein ziemlich anspruchsvolles. Nicht unbedingt, weil es besonders kompliziert wäre, sondern weil es hohe Anforderungen an die Spieler stellt. Man benötigt einiges an Gehirnschmalz, um die potenziellen Gebäude mit Regionen, Aktionen, Schiffen und weiteren Mechanismen sinnvoll miteinander zu kombinieren, damit sich die eigenen Züge wirklich effektiv anfühlen.

Auch Rohstoffe, Geld und Waren sind stets knapp. Gerade zu Beginn fragt man sich oft, was man überhaupt tun kann, und muss erst einmal verstehen, wie das eigene Einkommen ins Rollen kommt. Das ist nicht immer sofort ersichtlich. Umso befriedigender ist es natürlich, wenn es dann klappt und aus einem simplen Zug plötzlich ein wirklich starker wird, bei dem selbst die Mitspieler anerkennende Geräusche von sich geben.

Diese Hürde muss man allerdings erst einmal nehmen wollen. Die erste große Herausforderung ist dabei schon der Aufbau aus der Hölle, denn hier gibt es unzählige Pappteile, die sortiert und verteilt werden müssen. Wer hier nur mit einem einfachen Zip-Beutel-Inlay arbeitet, wird locker 15–30 Minuten benötigen, um das Spiel aufzubauen – und später natürlich auch wieder abzubauen. Stellenweise sind außerdem viele Symbole sehr klein, was sich bereits beim Aufbau bemerkbar macht, aber auch im Spiel selbst den Spielfluss gelegentlich etwas ausbremst.


Spielerisch erwartet einen dann jedoch ein wirklich starkes Expertenspiel, das Fans der T-Serie von Tascini definitiv gefallen dürfte. Das Material ist schick, gerade die Holzteile, und auch die allgemeine Optik ist ansprechend. Durch die Vielzahl an Gebäuden ist außerdem reichlich Abwechslung geboten, sodass man sich in jeder Partie neu orientieren muss. Wer es besonders hardcore mag, kann zusätzlich mit schweren Nomaden-Karten spielen, die deutlich heftigere Angriffe ins Spiel bringen.

Die KI im Zwei-Personen-Spiel fand ich zunächst etwas overpowered und teilweise frustrierend, im Laufe der Partie ist man dann aber doch froh, wenn sie sich wenigstens am Mauerbau beteiligt. Schade, dass es dafür keine alternative Lösung gab – ich persönlich bin einfach kein großer Fan solcher KI-Systeme.

Ganz aktuell befindet sich bereits eine kleine Erweiterung in Entwicklung, welche die Seidenstraße ins Spiel bringen soll. Ich persönlich bin mit dem Grundspiel allerdings schon mehr als ausreichend gefordert.

Als Fan von Expertenspielen musste ich mich zwar zunächst etwas hineinfuchsen, aber sobald man den Dreh raus hat, ist „Tianxia“ ein wirklich tolles Spiel, das einen für die investierte Mühe belohnt. Daher gibt es von meiner Seite eine klare Empfehlung.

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Tianxia von Daniele Tascini & Antonio Petrelli
Erschienen bei Giant Roc (Board & Dice)
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60-120 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Giant Roc / Board & Dice)

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