Lese-Ansicht

Pegasus Spiele: Next Station Berlin, morgen Sommerfest

24.07.2026 - Next Station Berlin heißt das schon vierte Gesellschaftsspiel der Next Station-Reihe von Matthew Dunstan, das neu bei Pegasus Spiele erschienen ist: Nach London, Paris und Tokio gilt es diesmal, U-Bahn-Linien in der deutschen Hauptstadt zu planen. Auch die historische Teilung der Stadt wird spielmechanisch aufgegriffen. Wie bei den Vorgängern dürfen sich eingezeichnete Streckenabschnitte nicht kreuzen und machen Vorausplanungen dadurch zur Herausforderung. Neuerungen wie Sondersymbole für S-Bahn-Stationen als Umsteigemöglichkeiten oder Doppelweichen sorgen für zusätzliche Finessen, weshalb Next Station Berlin zum Preis von 19,99 € als ein etwas anspruchsvolleres Familienspiel für ein bis vier Spielende ab acht Jahren empfohlen wird.

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SPIEL DOCH! 2027: Aussteller-Anmeldung gestartet / exhibitor applications open

17.07.2026 - Ab jetzt können sich Aussteller für die Brettspielmessen SPIEL DOCH! in Dortmund am 9.-11.4.2027 sowie für die SPIEL DOCH! am Bodensee in Friedrichshafen am 12.-13.6.2027 anmelden. Vor allem in Dortmund wird sich die verfügbare Fläche deutlich vergrößern und auch mehr Besucher einlassen können.

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Spiel, Kennerspiel, Kinderspiel des Jahres: Dito!, Rebirth, Die Insel der Mookies

12.07.2026 - Heute wurden in der Berliner nhow Music Hall die wichtigsten Jurypreise der Brettspielwelt verliehen. Moderiert von Jurymitglied Maren Hoffmann und Kolleg/innen, startete der Abend mit dem "Kinderspiel des Jahres". Diese Auszeichnung ging diesmal an Die Insel der Mookies von Florian Sirieix, erschienen bei Kosmos / Scorpion Masqué, in dem Fantasiewesen auf von der Künstlerin Seppyo fantasievoll illustrierten Karten gesammelt werden.

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Neu auf YouTube: Das Brettspiel-Kollektiv mit Reportagen und Interviews

10.07.2026 - Auf YouTube ist ein neuer Kanal namens "Das Brettspiel-Kollektiv" an den Start gegangen: Dabei handelt es sich um ein Reportage-Netzwerk mit Fokus auf Ereignissen vor Ort; man will nach eigener Auskunft das Geschehen in der Brettspielszene dort redaktionell dokumentieren, wo es stattfindet. Daher sind Berichte von Fach- und Publikumsveranstaltungen - wie der seit heute laufenden Berlin Brettspiel Con - ebenso geplant wie Hintergrundberichte etwa bei Verlagen oder über einzelne Spiele. Die "Spiel des Jahres"-Preisverleihung am kommenden Sonntag soll ebenfalls Thema werden.

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Österreichischer Spielepreis 2026: Die Gewinner / the winners

03.07.2026 - Der gemeinnützige Verein Österreichische Spiele-Akademie hat die diesjährigen Sieger des Österreichischen Spielepreises bekannt gegeben. Den Hauptpreis als "Spiel der Spiele" holte Take Time von Alexi Piovesan und Julien Prothière, erschienen bei Libellud: Hier müssen gemeinsam Zeit-Zahlenrätsel gelöst werden, doch die Runde darf nur vor Beginn Strategien absprechen und beim Ausspielen nicht mehr miteinander reden.

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Byzantion: The Justinian Era

Ich schaue mir die Bilder an und denke – wow, was für eine Tischpräsenz! Überall Miniaturen, ein gewaltiges Spielfeld und jede Menge Aktionskarten. Da lag die Vermutung nahe, dass wir uns hier gegenseitig Armeen auf den Hals hetzen und Schlachten bestreiten, doch falsch gedacht. Byzantion ist ein ganz anderes Spiel.


Steckbrief

SpielByzantion: The Justinian Era
VerlagMeeple Pug
Veröffentlichung2026
IdeeAiollusSiberSPAGY
IllustrationCharis Papadimitriou
Rating (BGG)Prototyp
Komplexität (BGG)Kennerspiel+
SpielweiseKompetitiv, Solo
MechanikenAuktionsmechanismus und Deck Building

Ich habe bei Spielen mit realem Bezug immer den Hang, in den Deep Dive zu gehen, und wühle mich gerne durch die Geschichte. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig ich eigentlich über die Details weiß, und gebe hier auch wieder einen kleinen historischen Exkurs. Wenn du keine Lust darauf hat, lies einfach bei den Eindrücken von der Bühne weiter.

Historischer Kontext

Wer im Jahr 527 nach Christus auf die Landkarte schaut, reibt sich erst mal verwundert die Augen. Das mächtige Römische Reich, das gefühlt jahrhundertelang die europäische Sandbox dominiert hat, sieht plötzlich verdammt asymmetrisch aus. Während der Osten mit Byzanz fett im Geschäft ist, hat der Westen den ultimativen Rage-Quit hingelegt.

Aber wie konnte die absolute Über-Fraktion der Antike so grandios gegen die Wand fahren? Da gab es sicher viele Faktoren, doch einer davon waren die leeren Staatskassen. Da kein Geld mehr für die eigenen Truppen da war, dachte sich Rom, dass sie einfach die Barbaren anheuern, die vor der Grenze campen, und sie mit Land bezahlen.

Das lief natürlich richtig gut. Die sogenannten „Verbündeten“ merkten ziemlich schnell, dass sie die Regeln im eigenen Vorgarten ab jetzt selbst schreiben können.

Das Römische Westreich war dem Ende nahe und im Jahr 476 n. Chr. hatte der germanische Heerführer Odoaker endgültig keinen Bock mehr auf das kaiserliche Mikro-Management. Er setzte den letzten weströmischen Kaiser ab. Der war ironischerweise noch ein Teenager und hörte auf den dramatischen Namen Romulus Augustulus. Frei übersetzt das kleine Römerlein.

Odoaker machte dann wahrscheinlich das einzig Logische. Er packte die kaiserliche Krone und den Purpurmantel in ein DHL-Paket, schickte den ganzen Ramsch nach Konstantinopel zum oströmischen Kaiser und legte einen Zettel bei „„Du, behalt den Kram. Wir brauchen hier drüben keinen eigenen Chef mehr. Ich schmeiß jetzt hier den Laden.“

Viel ist geschehen seitdem und inzwischen haben sich andere Spieler auf dem Brett breitgemacht. Die Ostgoten haben sich Italien geschnappt und chillen in Rom und Ravenna, während die Vandalen Nordafrika besetzt haben, was als ehemaliger Kornspeicher Roms natürlich der absolute Ressourcen-Jackpot ist. Den Rest von Westeuropa teilen sich unterdessen die Franken und Westgoten untereinander auf.

Nun schreiben wir das Jahr 527 nach Christus. Das Weströmische Reich ist längst Geschichte, aber im Osten brennt noch Licht! In Konstantinopel, auf den Ruinen des alten Byzanz, schlägt das Herz eines Imperiums, das kurz vor dem ganz großen Punkte-Sieg steht.

In genau diesem Jahr hievt sich ein neuer Babbo auf den Thron, nämlich Kaiser Justinian I.

Sein ambitionierter Masterplan ist die Restauratio Imperii, was auf gut Deutsch bedeutet, dass er die alte römische Map wieder komplett freischalten und zur alten Größe zurückkehren will. Unter seiner Herrschaft schaltet das Reich in den absoluten Turbo-Modus aus radikalem Umbruch und unermesslichem Reichtum. Der Kaiser hat verdammt Großes vor, doch wer wird im Schatten seines Throns wirklich die Fäden ziehen?

Schreiben wir die Geschichte des Oströmischen Reiches neu!

Eindruck von der Bühne

Was ist Byzantion?

Byzantion ist ein Deckbuilder mit Bietmechanismus und spielt sich gänzlich anders, als es die opulente Optik erwarten lassen würde. Wer hier Plastik-Schubsen vermutet, wird enttäuscht. Du musst in jeder Runde zusammen mit den anderen Spielern, hier staatstragend „Demoi“ genannt (gesprochen Di-mi), auf die aktuelle politische Situation reagieren und auf eine von zwei Entscheidungen bieten. Die eine Option ist der reale historische Pfad und Option zwei ist die fiktive „Was-wäre-wenn“-Variante der Geschichte.

Jede Runde beginnt erst mal mit dem klassischen Gerangel um die Initiative. Der Startspieler darf sich zuerst eine der vier Positionen schnappen. Die Position bestimmt nicht nur, wann du dran bist, sondern liefert auch noch einen zufälligen Ressourcenbonus frei Haus. Damit nicht genug, denn jede Position hat noch ein festes Gadget im Gepäck. Wählst du Position 1, darfst du nicht nur anfangen, sondern bekommst zusätzlich das Banner, mit dem du eine Aktion mehr hast als der Rest der gierigen Bande. Auf Position 2 gibt es einen Kelch, der dir imaginäre Ressourcen zum Bieten spendiert – quasi Falschgeld mit kaiserlichem Segen. Position 3 reicht dir das Szepter, das dir die Macht über alle Gleichstände verleiht, und auf Position 4 wartet die kuschelige Robe. Die verdoppelt bei einem Sieg deine Event-Belohnung und sorgt bei einer Niederlage dafür, dass du komplett ungeschoren davonkommst. Die Wahl ist echt kein No-Brainer, vor allem, weil der Startspieler-Posten hier nicht unbedingt ein Vorteil ist.

In der Bieterphase geht’s dann los. Position 1 auf der Initiativeleiste setzt seine Auctoritas auf den gewünschten Event-Ausgang. Wenn die Sache am Ende erfolgreich war, darf der Sieger meistens Miniaturen aufs Feld klatschen. Zum Beispiel könnte ein Event zum Ende des Dauerkrieges zwischen Persien und Byzanz bestimmen, dass der Handel wieder boomt, was dir zwei Händler einbringt. Steht die Ampel eher auf Plündern und Aushungern, stellst du stattdessen einen Belagerungsturm und eine Legion auf das Parkett. Doch wofür der ganze Stress? Du ziehst am Anfang geheime Aufgaben, die dir am Ende fette Punkte bringen kann. Die sind komplett unterschiedlich gestrickt. Wettet deine Quest darauf, dass jeder Händler einen Siegpunkt bringt, kann der Ausgang des Events entscheidend für deinen Punkteregen am Ende sein.

Das Blöde ist nur, wenn du zuerst bieten musst, stehst du im Dunkeln. Du hast keinen blassen Schimmer, was die Konkurrenz noch im Ärmel hat, und du hast genau diesen einen Schuss frei. Nebenbei legt die Mehrheit mit dem Gebot auch das Rundenziel fest. Gewinnt der Wiederaufbau des Handels, müssen alle Spieler am Tisch brav ein Frumentum (Nahrung) und sechs Nomisma (Geld) in den gemeinsamen Topf werfen. Ist das letzte Gebot platziert, können noch fiese Intrigenkarten gefeuert werden, die das Ergebnis beeinflussen. Danach ist das Ziel fix und es geht mit der nächsten Phase ans fröhliche Sammeln der für das festgelegte Ziel benötigten Ressourcen.

In der Aktionsphase gibst du deine Dynamis aus, also deine wohlverdienten Aktionsmarker, um eine von sechs Aktionen rauszuhauen. Die Anzahl deiner Marker richtet sich nach der Spielerzahl. Die Faustregel lautet: Je weniger Leute am Tisch, desto mehr Action pro Nase. Die Aktionen selbst erfinden das Rad nicht neu, sondern sind angenehm simpel, nämlich Karten kaufen, Karten spielen, Karten aktivieren, auf dem Ressourcenmarkt kaufen oder verkaufen oder ebendiesen resetten.

Bei den Karten unterscheidet das Spiel zwischen Helden, Intrigen und Ressourcen. Damit es auf dem Tisch schön bunt wird, sind alle einer Gattung zugeordnet. Siehst du das gelbe Waagensymbol, ist das eine Emporium-Karte, also die Abteilung Marktplatz. Spielst du einen Helden mit diesem Symbol, hat der eine Stufe von 1 bis 3, was du an den Lorbeeren um das Symbol erkennst. Der Clou an der Sache ist, dass ab sofort alle anderen Emporium-Karten um die Stufe des Helden günstiger werden. Das geht auf Dauer richtig steil, denn Karten ausspielen saugt dir ansonsten die Schatzkammer leer und wir wollen am Ende ja schließlich nicht so enden wie das alte Rom, oder? Ressourcenkarten triggern beim Ausspielen einen Einmaleffekt und produzieren später beim Aktivieren wertvolle Ressourcen. Da die Aktionen pro Runde knapp sind, musst du deine Karten zu sogenannten „Bandons“ zusammenschieben. Unter einen Level-2-Helden passen zum Beispiel bis zu zwei Karten derselben Gattung. Aktivierst du nun diesen Bandon, zünden alle Karten gleichzeitig und du scheffelst Ressourcen wie ein Großgrundbesitzer. Das Schöne ist, dass du diese Reihenhäuser jederzeit neu anordnen darfst, solange sie in der Runde noch nicht aktiviert wurden. Also lautet die Devise: Tolle Karten shoppen, clever ausspielen, fette Bandons bauen und abkassieren. Weil jeder durch seine Quests andere Ziele verfolgt, jagt zwar nicht jeder dieselbe Karte, aber das Gerangel am Markt ist trotzdem eine Herausforderung. Da ist es dann doch ganz geil, als Startspieler zuerst die Auslage plündern zu dürfen.

Wenn alle am Tisch entkräftet passen, geht es in Phase 3 und das Event wird ausgewertet. Alle schieben verdeckt Ressourcen in die Mitte. Für jedes beigesteuerte Ressource gibt es einen Siegpunkt. Du willst also eigentlich immer mitmischen, selbst wenn das Ergebnis so gar nicht in deine Strategie passt. Erreicht die Gruppe das gemeinsame Ziel, ist die Party erfolgreich und der fleißigste Spender darf die Belohnungs-Minis platzieren. Reißen alle zusammen die Latte, zahlt der Geizhals mit dem kleinsten Beitrag die Strafe. Hier im Prototypen war das Event-Versagen allerdings theoretischer Natur, meistens haben sogar mehrere Spieler den kompletten Beitrag im Alleingang gestemmt. Da darf die Redaktion gerne noch mal an den Stellschrauben drehen, wir wollen ja schließlich ein bisschen bibbern!

Nach knackigen sechs Runden ist Schicht im Schacht und es wird abgerechnet. Auch in diesem Spiel gewinnst du, falls du die meisten Siegpunkte hast.

Die Miniaturen sind wie die Karten einer bestimmten Kategorie zugeorndet. Erkennbar an der Farbe.

Byzantion liefert ein wirklich interessantes Spielgefühl und es macht tierisch Bock, sich diese Bandon-Engines zusammenzuschustern. Die ganze Aufmachung ist Premium und wenn wir ganz ehrlich sind, komplett überproduziert. Die halbe Box besteht aus Plastik-Miniaturen, die im Grunde nichts weiter tun, als dumm auf der Playmat herumzustehen und am Ende für Punkte gezählt zu werden. Aber ich will es gar nicht anders! Das Auge spielt schließlich mit und der Flair ist absolut grandios. Selbst im Prototypen-Status ist das Material ein Traum: Holztoken, Pokerchips als Aktionsmarker und das Brett ist eine gewaltige Neoprenmatte. Der ganze Spaß lag im All-In inklusive Steuern und Versand bei rund 189 €. Für diesen Berg an Material ist das definitiv ein absolut fairer Kurs. Wer kein Plastik braucht, greift zur Sparversion für einen Hunderter.

In allen Versionen ist die „Taktika“-Erweiterung direkt mit an Bord. Die verpasst jedem einen asymmetrischen Start und eine Spezialfähigkeit, also genau mein Ding. Dazu kommt ein kleines Area-Control-Element, womit man die Einheiten tatsächlich über das Feld scheuchen kann, um Boni abzugreifen. Mit dem Prototypen konnte ich das leider noch nicht testen, bin aber hoch interessiert.

Trotz des hohen Spaßfaktors merkt man dem Spiel an, dass hier und da noch geschliffen werden muss. Dass man die Events quasi nicht verlieren kann, nimmt etwas die Würze. Und obwohl die historischen Ereignisse super recherchiert sind, mutiert das Ganze im Spieldrang oft zum reinen Zahlenschubsen. Hauptsache, der Ertrag stimmt. Schade eigentlich. Ein QR-Code auf den Karten, der nach dem Bieten eine kurze Audio-Story abspielt, wäre der absolute Knaller, um die Geschichte an den Tisch zu bringen. Das Kartenbalancing ist sicher auch noch nicht ganz optimal.

Aktuell stört mich auch noch die Kartenauslage. Die liegt ziemlich starr wie Blei auf dem Tisch. Wenn kein Spieler Bock auf die ausliegenden Karten hat, verfilzt der Markt rundenlang und es wird nur noch blind vom Stapel gezogen. Ein automatischer Wipe am Rundenende oder die Kopplung an die Markt-Reset-Aktion würde hier Wunder wirken und die teure Reset-Aktion direkt viel attraktiver machen. Auf Nachfrage wurde mir aber geflüstert, dass die Autoren da tatsächlich noch am Grübeln sind.

Dass eine große Playmat als Spielfeld genutzt wird, ist ebenfalls eine gute Lösung, doch selbst die bereits große Matte mit ihren Maßen von 120 mal 80 Zentimetern ist immer noch etwas zu klein. Auf dem Neopren ist zwar für jeden Spieler ein eigener Bereich eingezeichnet, doch darin passen beim besten Willen keine zwei Karten untereinander. Durch die zahlreich ausgespielten Karten wird es auf dem Tisch verdammt voll und dass die Karten irgendwann untereinandergelegt werden müssen, ist nicht zu verhindern. Ein paar Zentimeter mehr Fleisch auf den Rippen hätten der Spielmatte hier definitiv gutgetan, um den Platzkollaps deiner ganzen Bandons und Einzelkarten zu verhindern.

So voll kann die eigene Kartenauslage anwachsen.

Man darf nicht vergessen: Das ist ein Prototyp und der hat schon wieder einige Monate auf dem Buckel. Ich bin jedenfalls ziemlich guter Dinge, dass Byzantion ein schönes Teil wird.

Noch ein kurzes Wort zu den Machern von Meeple Pug. Die Truppe aus Griechenland ist verdammt ambitioniert. Bisher haben sie zwar erst ein Spiel namens Dark Blood auf dem Markt, haben aber mit Byzantion und Mesopotamia schon die nächsten dicken Dinger gefundet, während mit Alexandria schon die nächste Kampagne in den Startlöchern steht. Klingt erst mal nach klassischem Kickstarter-Overload, aber die Jungs und Mädels liefern einfach ab. Die Kommunikation ist transparent, sie nehmen Kritik an und die Qualität stimmt. Keine ihrer Kampagnen wirkte bisher wie abgehobener Wucher. Ich mache mir da wenig Sorgen, dass die Boxen nicht auf unseren Tischen landen.


Groupie auf Tour (Björn)

Byzantion: The Justinian Era hat aktuell noch ein paar Stolpersteine, aber der Lapis Lazuli darunter schimmert schon verdammt vielversprechend durch. Das Basteln an der eigenen Produktion macht Laune und optisch ist das Ding eine absolute Wucht. Ob das fertige Produkt auch auf Langstrecke zündet, wird sich zeigen, aber allzu lange müssen wir darauf ja nicht mehr warten. Mi der Preview bin ich zwar etwas spät zur Party und der Late Pledge ist dicht, aber wer Blut geleckt hat, erwischt die Autoren vielleicht auf der Spiel in Essen für einen kleinen Schnack und kann die Box direkt einsacken! Dies allerdings ohne Gewähr. Wenn das fertige Spiel hier eintrudelt, werd ich über die Neuerungen und das Gesamtbild definitiv berichten.

Groupie auf Tour (Horst)

Ich hatte mega Lust auf das Spiel und dann hat Björn die Mechanik mit Mischung aus Biet-Mechanik und Deck-Builder beschrieben. So gern ich beim Skat zocke, so öde finde ich Bieten bei Brettspielen. Es geht sogar soweit, dass solche Spiele nicht mal einen weiteren Blick verschwende. Wäre schade gewesen. Mich hat Byzantion so richtig abgeholt. Das Bieten ist eher unwichtig. Die dritte Phase lädt zum Siegpunkt abgreifen ein, aber die zweite Phase – die Aktionsphase – ist das Herzstück. Mit den ausgespielten Decks baut man sich wie Björn schon geschrieben hat, Ressourcen-Engines zusammen, die den Sammler in mir erweckten. Ich wand es auch sehr erfrischend, dass die geilen Engines wieder neu zusammengesetzt werden konnten. Hat man erst einmal viele Karten auf dem Tisch, lässt sich jede neue Runde mit einem Lächeln im Gesicht starten. Quasi ein komplexes Rommé. Mich hat es vollends überzeugt. Das ging uns nicht allen so am Tisch – leider – sonst wäre es wahrscheinlich ebenfalls in meinen Einkaufskorb gelandet. Lieber haben, als brauchen.


Konzertmitschnitte

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SPIEL DOCH! am Bodensee: Gut besucht trotz Hitze und Sonnenschein / well attended despite heat and sunshine

23.06.2026 - Am Wochenende des 20. und 21. Juni fand in der Messe Friedrichshafen die 4. SPIEL DOCH! am Bodensee statt. Trotz des konstant sehr heißen Wetters kamen wieder knapp 7.000 Besucher*innen auf die familienfreundliche Brett- und Kartenspielmesse, um sich einmal die Vielfalt der Branche anzusehen, nach Lust und Laune zu spielen und natürlich auch Spiele zu kaufen. Insgesamt waren diesmal 101 Aussteller und Marken vertreten, ein neuer Rekord für die Familienmesse in Friedrichshafen.

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Ravensburger: Übernimmt Plüschhersteller Steiff / acquires plush manufacturer Steiff

17.06.2026 - Nach dem Kauf der BRIO-Holzeisenbahnen 2015 steigt Ravensburger bei einem weiteren Spielzeugproduzenten ein: Von der Steiff Beteiligungsgesellschaft, den Erben der Firmengründerin Margarete Steiff, erwirbt der Ravensburger Spiele-, Puzzle- und Buchverlag eine Mehrheitsbeteiligung am Kuscheltierhersteller Steiff, der Marke mit dem goldenen "Knopf im Ohr". Beide Unternehmen sind in Baden-Württemberg ansässig, Steiff in Giengen an der Brenz. Auch unter dem neuen Eigentümer soll Steiff selbstständig bleiben und seinen angestammten Firmensitz behalten. Die Kartellbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.

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SPIEL DOCH! in Dortmund 2027: Vergrößerung auf zwei Hallen / expansion to two halls

17.06.2026 - Die SPIEL DOCH! in Dortmund vergrößert sich ab 2027: Bei der nächsten Brettspielmesse vom 9. bis 11.4.2027 geht der veranstaltende Nostheide Verlag angesichts des bisherigen Wachstums den nächsten großen Schritt und erweitert die Ausstellungsfläche mit der derzeitigen Halle 4 mit 8.300 m² um die benachbarte Halle 7.

Geplant ist erst einmal die Belegung von 3.000 m² der 6.000 möglichen m² der Halle 7 in 2027. Dadurch können nun sowohl die aktuelle Warteliste bei den Ausstellern und Standvergrößerungen bedient als auch die freie Spielefläche weiter vergrößert werden.

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Etherfields

Ich glaub ich Träume

Wenn es ein Spiel gibt, dem ich eine Menge zu verdanken habe, dann ist das Etherfields. Ist wahrscheinlich nicht ganz richtig, aber ich verbinde das Kampagnenspiel damit, dass ich sowohl mit Bill als auch mit Björn ein paar würdige Gegner im Brettspieluniversum und auch noch Mitstreiter bei diesem Blog gewonnen habe.

Warum Etherfields mir Albträume und uns alle schlaflose Nächte und nicht abnehmende Diskussionen bereitet hat, klärt dieser Artikel auf. Aber Achtung: Das wird keine echte Rezension.

Steckbrief

Spiel Etherfields
Verlag Awaken Realms
Veröffentlichung 2020
Idee Michał Oracz
Illustration Mateusz Bielski, Ewa Labak, Michał Sałata
Rating (BGG) 7.8
Komplexität 3.58 (Kennerspiel)
Spielweise kooperativ
Mechaniken Dream-Crawler, Deckbuilding

Erlebnisbericht

Etherfields ist ein Traum-Dungeon-Crawler. Traumhaft schön? Naja, da kommen wir gleich zu. Unsere Charaktere sind in einem gemeinsamen Albtraum gefangen und widmen sich düsteren Gedanken, verwirrenden Wortfetzen in scheinbarer Geschichte versteckt und einer ganzen Reihe von einmaligen Dungeons. Wir wissen nichts von unserer Vergangenheit. Der Klassiker wie auch bei Sword & Sorcery. Erleben wir aber bei letzterem Abenteuer für Abenteuer mehr von uns, bleibt es auch nach unzähligen Quests immer noch ein Rätsel, worum es eigentlich geht. Zumindest haben wir es nicht herausgefunden … wir haben aber die Kampagne … ACHTUNG … einfach abgebrochen.

Das Warum ist schnell auf einen Punkt gebracht: die Story hat einfach nicht getragen. Der Albtraum ist bei uns Realität geworden. Immer wieder in einen neuen Dungeon geworfen, wieder keine Hinweise (oder Schlüssel) bekommen, wieder keine verwertbaren Story-Verweise und wieder haben wir uns frei gespielt, dass wir einen Dungeon noch einmal spielen könnten. Was bei T.I.M.E. Machine ein Teil der Spielmechanik ist, nervt bei Etherfields. Wir haben sogar bei einigen Abenteuer alle Karten und Hinweise einfach mal durchgelesen und festgestellt … keine neuen Erkenntnisse.

Dabei ist da richtig Potential drin. Jedes Abenteuer spielt sich komplett anders. Wie es sich für einen Albtraum gehört werden wir meist nur auf einen Kartenausschnitt geworfen und dann müssen wir erst einmal herausfinden, was sind eigentlich die Endbedingung. Auch verändern sich die Räume mitunter recht stark. Dabei werden die quadratischen Räumplättchen manchmal quer überdeckt und verbinden auf einmal Plättchen miteinander oder zeigen neue Elemente. So viel Vielfalt habe ich noch in keinem Crawler gehabt. Aber am Ende fehlt doch der Plot, warum bin ich überhaupt hier.

Die Storyelemente, die wir fanden, waren alle samt kryptisch und wirr. Klar zeugt das von einer gewissen Traum-Atmosphäre, aber irgendwann wünscht man sich doch mal den Speaker aus dem Off, der die Handlung vorantreibt.

Neben den Dungeons gibt es eine Stadt in unseren Träumen, dessen Karten wir ebenfalls erst komplett freispielen müssten. Das hat zwar geklappt, klaut aber nur wertvolle Spielzeit, da man viel von ganz links nach ganz rechts geschickt wird und dadurch auf einer anderen kleinen Karte noch mit kurzen Albtraum-Monstern konfrontiert wird. Die sind nur dafür da unsere Lebenspunkte und Kartenauswahl zu dezimieren bevor wir uns in das richtige Abenteuer stürzen können.

Also unsere Stimmung schon den Alpträumen sehr nah kam, sind wir nur noch direkt von Abenteuer zu Abenteuer gereist.

Bill hat sich damals in Unkosten gesteckt und sich alle Erweiterungen und vor allem die tollen Minis gekauft (ganz untypisch für ihn als Sundrop). Die Miniaturen sind natürlich 1a-Qualität und optische Highlights. Alle Tabletoppler und Brettspielenden, die günstig an das Minitaturen-Set kommen: Kaufen! Ihr werdet eure Quests auf ein gruseliges neues Level heben. Die meisten Minis zieht man dabei leider nur einmal aus der Verpackung.


Bewertung

Am Ende bleiben wenig Worte und wenig positive Worte übrig für dieses ambitionierte Projekt. Habe es nicht mehr recherchiert. Björn behauptet, dass es eines der ersten echten Kampagnenspiele war. Die Entwickungs- und die Auslieferungszeit hatten zwar Awaken Realms-epische Verzüge, aber es ist tatsächlich schon etwas älter.

Aber all dies schützt vor Strafe nicht. Am Ende ist es leider ein Flop, der viel zu viel Zeit frisst und mit belanglosen Abenden bestraft. Schade eigentlich. Das Setting ist dabei (Alp-)traumhaft gut und entspricht genau dem Thema, dass ich gerne habe. Nur leider überhaupt kaum Fortschritt und eine zum einschlafen schleppende Story.

Björns Meinung

Horst hat hier eigentlich schon alles Wichtige gesagt. Spielt man nach den normalen Regeln, verkommt es zu einem übertrieben unnötigen Grind und Gekämpfe, und wenn man ehrlich ist, ist das Kampfsystem nun wirklich nicht so ausgeklügelt, dass es das gesamte Spiel tragen würde. Das Ganze lebt von der Geschichte, aber die geht einfach nicht voran und die kleinen Mini-Stories variieren stark von der Qualität.

Die einzelnen Träume haben teils schon ihren Charme, aber der Metaplot entwickelt sich einfach null weiter. Fast so, als hätte der Autor ihn selbst nur geträumt und nach dem Aufwachen direkt vergessen. Hier fühlst du dich wie in diesen Klischeealbträumen, in denen du rennst und rennst, aber das Ziel immer weiter von dir wegrückt.

Ich war damals in ein fast All-in gegangen, weil es thematisch und vom Style her wie für mich gemacht wirkte. Ich wünschte wirklich, ich würde dieses Spiel lieben, aber man kann über die Probleme einfach nicht hinwegsehen, so fest man beim Spielen auch die Augen zukneift. Selten fand ich eine Enttäuschung so unfassbar schade wie bei diesem Spiel.

Ein Gutes hatte das Ganze aber: Horst und Bill habe ich eigentlich nur durch diesen Titel kennengelernt. Ich wollte damals nur mal bei einer Partie dabei sein, um die Regeln zu lernen (denn die sind obendrein furchtbar unübersichtlich, vermutlich wurden die auch von jemandem im Tiefschlaf verfasst). Naja, das Ende vom Lied ist – Ich bin geblieben und Etherfields musste gehen. Mal schauen, welches Spiel dann irgendwann mich am Tisch ablöst! 😀

Bills Meinung

Meine Vorredner haben bereits alles aufzählt, was man meiner Meinung nach zu Etherfields sagen kann, daher halte ich mich mal mit meinem Teil möglichst knapp. Wäre die Geschichte nur annähernd so schön und episch wie das Setting und dessen Idee dahinter gewesen und ein roter Faden noch irgendwo unter den vielen Trümmern des verloren gegangenen Gameplays zu finden gewesen, wäre es sicherlich ein gutes Spiel geworden. Hätte man dazu noch etwas von den Ideen mit denen man die Miniaturen entwickelt hat in den Plottfließen lassen, hätte das Spiel weit über sein Potenzial hinaus wachsen können! Ich wollte es lieben und war zum vorzeitigen Ende hin der Erste der laut STOP!!! rief. Schade ist es allemal!

Awaken Realms hat mit den Jahren natürlich dazu gelernt. Dennoch sehe ich eine ähnliche Handschrift in anderen ihrer Titel immer wieder. Tainted Grail und ISS Vanguard oder Dragon Eclipse sind hier Beispiele für die stetig spürbare positive Entwicklung des Verlags und seiner Spieledesigner aber ich höre doch häufig die immer gleiche Leier: Tolle Idee, grandiose Figuren – aber die Story wirkt dagegen stiefmütterlich erstellt. Auch gerade jetzt bei dem neuesten Titel Lands of Evershade, wobei die Meinungen der kritischen Stimmen eher auf hohem Niveau schwimmen. Aber man erkennt schon einen gewissen Konsens, wobei mir die gerade genannten Titel, die ich bereits spielen konnte, persönlich wesentlich besser als Etherfields gefallen. Wir werden sicherlich hier davon berichten.


(c) Copyright Awaken Realms

Bannerbild von Stefan Keller auf Pixabay

Icons von Icons8

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel habe ich privat erstanden. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


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Frosted Games: neue Marketing- und Verkaufsleitung / new marketing and sales managers

29.05.2026 - Journalist und Betriebswirt Michael Kränzle (54) ist seit dem 4.5. Marketingchef bei Frosted Games. In dieser Funktion verantwortet er künftig die strategische und operative Kommunikation des Bayreuther Spieleverlags (aktuell mit Rebirth zum "Kennerspiel des Jahres" nominiert) inklusive Pressearbeit und soll die Sichtbarkeit der Marke auch auf digitalen Kanälen weiter ausbauen. Besonderen Stellenwert misst Frosted Games dabei der Zusammenarbeit mit dem Vertrieb bei.

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Meeplebox Spieletour an der Nord- und Ostsee: 10. Jubiläum mit noch mehr Stationen

22.05.2026 - Schon zum zehnten Mal macht die Meeplebox Spieletour in den Sommerferien Halt an beliebten Urlaubsdestinationen an der Nord- und Ostsee. Über die Jahre nutzten schon rund 600.000 Menschen, darunter Touristen ebenso wie Einheimische, das Spielebus-Angebot, kostenlos Brettspiele zu entdecken. Ein Grund für die anhaltende Beliebtheit der Tour ist neben der malerischen Umgebung, dass vor Ort kompetentes Personal die Spiele erklärt, weshalb alle ohne Regellesen direkt loslegen können.

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Spiel des Jahres: Die Nominierten / the nominees

19.05.2026 - Heute hat der Verein Spiel des Jahres die Nominierten für 2026 bekannt gegeben. Insgesamt wurde dieses Jahr eine Rekordzahl von 571 Spielen begutachtet.

Auf den Preis als Kennerspiel des Jahres dürfen hoffen:
- Boss Fighters QR von Lukas Zach und Michael Palm (Verlag: Pegasus Spiele)
- Rebirth von Reiner Knizia (Frosted Games / Mighty Boards)
- Moon Colony Bloodbath von Donald X. Vaccarino (Alea)

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Inferno

Florenz auf Talfahrt

Warum auch immer, sage ich statt Inferno immer Dantes Inferno zu diesem Spiel. Es mag daran liegen, dass es einen guten alten Splitter-Comic gibt, der so heißt, oder dass das Buch oft so genannt wird, weil es eben von Dante Alighieri stammt. Vielleicht liegt es auch an dem gleichnamigen Videospiel (übrigens sehr spielenswert!) oder dem aktuellen kooperativen Boss-Battler. Also verzeiht mir, wenn ich immer wieder Dantes Inferno sage, obwohl auf der Schachtel nur Inferno steht.


Steckbrief

SpielInferno
VerlagStrohmann Games (Red Mojo)
Veröffentlichung2024
IdeeFernando Eduardo Sánchez
IllustrationDavid BenzalCristian Casado Otazu
Rating (BGG)7,9
Komplexität (BGG) 3,60 (Expertenspiel)
SpielweiseKompetitiv, Solo
MechanikenWorker placement, End Game Bonuses, Multi-Use Cards

Eindrücke von der Bühne

Nach dieser wohl eher nichtssagenden Einleitung gibt es erstmal etwas Literaturkunde. Nach dem Spielen habe ich mich tiefer mit der Materie befasst. Ich wusste zwar schon einiges, aber vieles war eher Halbwissen. Ich hatte mich zunächst gewundert, warum dieses oder jenes im Spiel so dargestellt wird. Daher entführe ich euch hiermit in einen kleinen literarischen Exkurs, der den Grundstein legt, um die Essenz des Spiels zu verstehen.

Das Spiel basiert auf dem ersten von drei Teilen des epischen Gedichts Divina Commedia (Die Göttliche Komödie). Der Autor Dante hat sich hier selbst als Protagonisten inszeniert, der mit seinem großen Vorbild Vergil die trichterförmige Hölle hinabsteigt. Dante erschuf dabei einen faszinierenden Mix des christlichen Weltbildes, römisch-griechische Mythologie und Dantes ganz persönliche Abrechnung mit der Realpolitik seiner Zeit.

Die Gästeliste der Hölle ist recht lang und voller bekannter Persönlichkeiten der Geschichte. Kleopatra büßt im Kreis der Wollust, Mohammed im Kreis der Zwietracht, und sogar antike Größen wie Homer oder Alexander der Große haben ihren Platz. Besonders interessant ist aber auch, dass die Leute, die Dante damals aus Florenz vertrieben haben, prompt in den tiefsten Höllenkreisen hineingeschrieben wurden – literarische Rache par excellence.

Bewacht wird dieser Abgrund von mythologischen Gestalten wie dem Richter Minos, dem dreiköpfigen Cerberus oder der schrecklichen Medusa. Während der Abstieg durch die Oberhölle (die ersten fünf Kreise) noch halbwegs glimpflich verlief (so glimpflich eine Hölle halt sein kann), änderte sich vor den Toren der brennenden Stadt Dis alles. Erst als ein himmlischer Bote die gewaltigen, von Dämonen besetzten Mauern öffnete, konnten sie in die Unterhölle vordringen. Hier warten die wirklich schweren Jungs: Gewaltverbrecher, Betrüger und Verräter. Die Reise gipfelt schließlich im absoluten Nullpunkt im Zentrum der Welt, wo ein gigantischer Luzifer in seinen drei Mäulern die Erzverräter Judas, Brutus und Cassius für alle Ewigkeit zermalmt.

„Ja wieder toller Text Björn, ich wollte eigentlich eine Rezension zum Spiel lesen und nicht von dir mit irgendwelchen Hirngespinsten toter Dichter zugetextet werden.“ Ja ja, stimmt schon, aber um zu verstehen, wie gut das Spiel das Thema einfängt, musste dieser Exkurs sein. Also lasst uns Charon eine Münze für sein Acheron-Uber geben und die Höllentour beginnen.

Wir übernehmen die Rolle rivalisierenden Familie in Florenz und wollen unseren Einfluss möglichst ausweiten. Nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Hölle und da gibt es kein Mitleid mit irgendwem.  

Dein Zug besteht aus zwei Teilen. Als allererstes begleitest Du eine Seele auf dem Weg in die Höllenkreise oder bewegst eine Seele, die bereits dort ist, tiefer hinein. Jede Seele hat eine Farbe und ist dadurch einem bestimmten Höllenkreis zugeordnet. Um zu punkten, musst Du die Seele in den entsprechenden Kreis bringen, wo sie dann für immer bleibt (Endstation, bitte nicht aussteigen). Die Seelen starten auf dem Friedhof. Du kannst auch eine von dort wählen, musst dafür aber die Überfahrt über den Acheron bezahlen und eine Münze an den Fährmann Charon abdrücken. Fragt mich nicht was er mit dem ganzen Geld macht.

Jedes Feld ist mit zwei tiefergelegenen Feldern verbunden. Ist ein Feld besetzt? Egal, einfach überspringen, bis die Seele ein Feld mit der passenden Farbe erreicht. Je tiefer in der Hölle, desto mehr Punkte gibt es. Aber Vorsicht: Die Felder haben Symbole, die bestimmen, wo Du im zweiten Teil Deines Zuges Deine Arbeiter einsetzen darfst. Außerdem legt Du oft unfreiwillig eine Vorlage für die Mitspieler, wenn Du eine Seele kurz vor dem Ziel parkst. Man will also die perfekte Aktion, den anderen, aber gleichzeitig nicht mal einen Pfifferling gönnen. Das spiegelt die intriganten Familien aus Florenz wunderbar wider. Purer Egoismus im Gewand der Strategie.

2 Wächter chillen in der Hölle. Besetzte Felder werden einfach übersprungen. Das kann viele Züge sparen.

Ist die Seele gesetzt, geht es nach Florenz. Hier gibt es die vier Symbole mit jeweils zwei Orten für unsere Familienmitglieder (aka Arbeiter). Es gibt immer einen einfachen Ort (gratis) und einen fortgeschrittenen Ort, der Voraussetzungen hat – meist eine Münze oder einen Gassenjungen. Diese „Adoptivkinder“ bekommt man übrigens, indem man sein Familienmitglied auf den Ort „Heuhaufen“ setzt. Schaut man sich das Bild an, denkt man eher an Eigenproduktion statt an Adoption. Aber ich wäre ja nicht vom Fach, wenn ich diese Frage nicht direkt beim Entwicklerteam angefragt hätte. Also hier ein kleiner Bonus-Exkurs:

Eigentlich war ein Freudenhaus geplant, aber nach Rücksprache mit historischen Experten, gab es das damals in der Form noch nicht. Es waren eher Tavernen mit extra Service. Daher wurde der Heuhaufen zum Symbolbild als Ort der Lust umfunktioniert (Wollust-Kreis). Du adoptierst also faktisch die Kinder von der Straße. Und wer weiß, vielleicht ist es ja dein eigenes. Da ist eine Adoption diskreter, als den Bastard öffentlich zuzugeben. Ein neues Kind im Spiel zu zeugen, würde mechanisch auch nicht passen. Bis das Kind arbeitsfähig wäre, wäre das Spiel längst vorbei. Kinderarbeit muss schließlich gut geplant sein!

Taktik, Türme und Diplome

Die Orte werden bei jedem Aufbau zufällig ausgelegt. Das bedeutet: Jedes Mal neue Kombinationen. Ich werde jetzt nicht jedes Detail durchkauen, aber im Kern befeuerst du hier Dein Getriebe: Einnahmen generieren, Straßenkinder einsammeln, Gäste in den Turm einladen (damit du später Sünder beschuldigen kannst), den Turm ausbauen, Warenfässer sammeln oder Wächter bewegen. Acht Orte, acht Möglichkeiten und du sitzt da und versuchst, das Ganze so zu kombinieren, dass es nicht implodiert.

Spätestens wenn alle Arbeiter platziert sind, musst du passen. Das bedeutet in diesem Spiel: Du beschuldigst einen Sünder. Dazu stellst du das Familienmitglied in den Turm. Der Turm ist eine Art Blockade. Wer einmal drin sitzt, kommt nur mit einer der Orts-Aktionen wieder raus. Die restlichen Mitglieder kommen brav nach Hause auf dein Tableau.

Das Spielertableu: Links der bereits auf 3 Etagenausgebaute Turm mit 2 Gästen. Oben die verkauften Fässer und unten die verfügbaren Familienmitglieder.

Beim Passen passiert aber noch mehr. Eine neue Seele landet auf dem Friedhof, du rückst auf der Punkteleiste des Seelenkreises der Seele vor und löst Zusatzeffekte aus. Zum Beispiel die Nutzung eines Wächters oder extra Taschengeld.

Es gibt acht mythologische Kreaturen, von denen zwei pro Spiel mitmischen. Cerberus zum Beispiel beschleunigt den Weg der Seelen. Wenn sie an ihm vorbeigehen, verlieren sie die Wahlfreiheit und rennen in Panik einfach geradeaus. Die Wächter sind das Salz in der Suppe, und geben einige zusätzliche taktische Möglichkeiten.

Bei jedem Passen rückt der Rundenmarker (eine Dante-Figur) vor. Passiert Dante einen Höllenkreis, wird geschaut, wer dort den meisten Fortschritt erzielt hat. Der Beste bekommt ein tolles Diplom für diesen Kreis. Fantastisch, oder? Ich meine, wer wollte nicht schon immer mal ein Diplom in „Wollust“ und „Völlerei“ an der Wand hängen haben? Macht sich super neben dem noch nicht vorhandenen YouTube Award. Dieses Diplom ist aber essenziell, um am Ende überhaupt Punkte für diesen Kreis zu erhalten. Man muss sich also spezialisieren. Wer überall ein bisschen mitmischt, steht am Ende mit leeren Händen (und ohne Diplom) da.

Die Punkteleiste der einzelnen Höllenkreise

Es gibt auch noch Möglichkeiten im Spielverlauf halbe Diplome zu sammeln. Zwei davon können dann zu einem beliebigen Diplom zusammengesetzt werden. So bist du nicht allein darauf angewiesen das Dante zum genau richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Das Spielfeld kann sich schnell verändern und so ist es immer gut einen zweiten Plan im Hinterkopf zu haben.

Das Spiel ist textlich gar nicht so einfach zusammenzufassen, dabei sind die Regeln gar nicht so kompliziert und die Ikonographie schnell verstanden. Das Spiel lässt sich in 20 Minuten gut erklären und bleibt auch gut verinnerlicht. In meiner Erstpartie kam es zwar zu ein paar kleinen Spielfehlern, aber die nehme ich auf meine Kappe. Alle weiteren Partien liefen flüssiger. Für mich trieft es thematisch nur so und ich finde alles hervorragend in eine Mechanik umgesetzt. Unser guter Bill sieht das etwas anders, er hat das ganze Thema nicht so gefühlt, aber da scheint er ja auch nicht allein dazustehen. Euros leiden ja oft an schlechter thematischer Greifbarkeit.


Unboxing

Ich besitze die Deluxe-Version und bin absolut hin und weg. Eines der wenigen Spiele mit einem hervorragenden Original Inlay. Schneller Aufbau, Metallmünzen, Holzmeeple für jeden Kreis, Schuber für die Wächter, Double-Layer-Boards – ein Traum! Man könnte es als überproduziert bezeichnen, aber es wirkt wie aus einem Guss.

Die Retail-Edition ist dagegen die Light-Variante: Pappeinlage, weniger Wächter und nur als Aufsteller, Papp-Token statt Miniaturen und weniger bedrucktes Holz. Die coolen Holzseelen sind aber auch hier dabei. Das meiste lässt sich aber z.B. auf Messen oder in der aktuellen Gamefound Kampagne im Late Pledge nachkaufen, man muss also nicht sofort sündigen für das All-In. Bis auf den zwei weiteren Wächter und einer Mini-Erweiterung ist es vom Spiel auch identisch.


Bewertung

Inferno brilliert in vielen Facetten. Das Thema ist höllisch gut umgesetzt (sorry, not sorry), optisch großartig und mechanisch ein echtes taktisches Schwergewicht mit schnell erlernbaren Regeln. Die Variabilität sorgt dafür, dass du immer umdenken musst. Es ist alles drin, was ein gutes Euro-Game ausmacht. Inklusive der obligatorischen Leisten, auf denen du nach oben klettern kann. Das Spiel bleibt definitiv in meiner Sammlung. Ich bin sogar schon in die Erweiterungs-Kampagne eingestiegen. Hoffentlich gibt die dem eigenen Turm mehr Bedeutung, denn der kam mir bisher fast etwas zu kurz.

Also, wir sehen uns im Schwefelregen!

Wie wir bewerten haben wir euch hier aufgeschrieben.


Horsts Kommentar

Inferno hatte ich schon lange auf dem Radar. Kenne auch einige Personen, die Lieblingsspiel und Inferno in einem Satz nennen. So rein optisch und rein von der Grundstory hat mich da erstmal gar nicht abgeholt. Dann kam Björns leuchtende Augen und eine nahende Erweiterung via Crowdfunding: „Wollen wir mal in die Hölle?“. Wer kann da schon nein sagen.

Thematisch trifft das Spiel genau zwischen die Augen – zumindest bei mir. Klar spürt man nicht bei jeder Aktion den Höllenschlund, aber es fühlt sich rund an. Das ganze ist trotz der leichtgängigen Regeln gar nicht so einfach zu meistern. Ihr solltet euch also keine leichte Spazierfahrt erwarten. Meine Gehirnwindungen waren zumindest zeitweise verwirrt, ob es die höllische Hitze ist oder „nur“ die qualmenden Gedanken. Mechanisch liegt das an dem stringenden Durchorganisieren und Engine-Aufbau. Der tritt zwar dezent in den Hintergrund, lässt euch aber eiskalt abblitzen, wenn ihr gar nicht voraus plant.

Mit der Bewertung kann ich sehr gut mitgehen und hätte es Björn nicht in der Sammlung, hätte ich wahrscheinlich auch gezuckt. Also ab in die gold glänzenden Flammen des letzten Kreises mit euch.


Bills Gedanken

Das Spiel macht so vieles richtig und zudem auch eine Menge Spaß am Tisch. Es regt zum Denken und Grübeln an. Damit erfüllt es eigentlich gute Voraussetzungen für einen geliebten Titel. Aber am Ende kann es mich persönlich leider nicht so sehr überzeugen wie meine beiden Vorredner. Das ist nicht so leicht erklärbar, doch ich versuche es mal.

Das Hauptproblem für mich ist eher ein persönliches Manko. Ich bin kein großer Stratege sondern eher ein Taktiker. Man könnte auch sagen, ich sei Bauchspieler und reagiere eher auf die zum Teil neu eingestellten Gegebenheiten nach einer Spielrunde und denke alles weniger von vorne bis hinten durch. Das macht mir hier und in anderen stark planbaren Spielen sogar Probleme, da ich mich dabei sehr viel auf meine eigenen Handlungen und dessen Konsequenzen beschränke und wenig auf jene der Mitspielenden achte. Manchmal denke ich, dass ich dann recht fleckmatisch werde. Ich bekomme das einfach nicht hin meine Fortschritte mit denen der anderen zu vergleichen, wenn das Planen einen so großen Stellenwert besitzt.

Daher unterliege ich auch in fast jedem solcher Spiele manchmal deutlich gegen jeden Kopfspieler. Das ist daher eher kein Problem des Spiels, aber für mich doch ein deutlicher Nachteil. Daher wage ich es kaum Inferno mit meiner persönlichen Meinung zu beurteilen, da es seine Fanbase sicher mehr als verdienen wird. Ich hoffe aber, dass meine genannte Erfahrung ein wenig dazu beiträgt, dass man etwas besser beurteilen kann, ob man mit Infero seine teuflische Glückseligkeit finden kann oder eher in die Hölle abrutscht.


Konzertmitschnitte

Die Punkteleiste der einzelnen Höllenkreise

(c) Copyright Strohmann Games

Grafik(en) und Bild(er) von analog rockt

Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


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Deutscher Spiele Preis 2026: Abstimmung startet morgen / voting starts tomorrow

30.04.2026 - Ab morgen bis Ende Juli lädt der Merz Verlag, Ausrichter der Essener SPIEL, zur Stimmabgabe für den Deutschen Spiele Preis (DSP) ein: Alle Spielefans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können ihre Favoriten ins Rennen schicken, unter denen während der Messe im Oktober die Sieger gekürt werden. Der DSP gilt als der bedeutendste deutschsprachige Verbraucherpreis für Gesellschaftsspiele.

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Ali Baba Spieleclub: Zwei neue Regionalverbände / two new regional associations

30.04.2026 - Mit rund 1.200 Mitgliedern bezeichnet sich der Ali Baba Spieleclub als den größten Club seiner Art in Deutschland. Bisher fand man Ali-Baba-Standorte in Nürnberg, Ingolstadt, Regensburg, Bamberg, Erlangen, Köln, Nahetal, Berlin, Chemnitz, Stuttgart, Neubrandenburg und im Spreewald. Jetzt sind zwei weitere hinzugekommen: Neue Regionalverbände gibt es künftig in Nettetal, wo einer frisch gegründet wurde, sowie in Dormagen, wo man den bisher zweiten Standort des Kölner Ablegers in die Eigenständigkeit beförderte. Damit bespielen nun insgesamt drei Ali-Baba-Zweigstellen das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland.

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6.-7. Juni: Spieleautoren-Treffen in Göttingen / Game Designers Convention in Göttingen

28.04.2026 - Schon zum 44. Mal läuft vom 6. bis 7. Juni das Spieleautoren-Treffen in Göttingen: In der Sheddachhalle laden die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) und die Stadt Göttingen Autor/innen ein, ihre noch unveröffentlichten Prototypen vorzustellen. Anwesende Vertreter/innen von Spieleverlagen können die neuen Ideen sichten, um potenzielle Kandidaten fürs eigene Sortiment zu finden.

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SPIEL DOCH! in Dortmund: kommt an ihre Grenzen / reaching its limits

27.04.2026 - Über 18.000 Besucher*innen (2025: 17.000) reisten zur jüngsten SPIEL DOCH! in Dortmund und spielten vom 24. bis 26. April auf der Brett- und Kartenspielmesse auf dem Gelände der Messe Dortmund. Über 190 Ausstellende und Marken waren auf der Messe vertreten, darunter neben den großen und kleinen Verlagen auch wieder Autoren, Flohmärkte, Künstler*innen und Vereine. Damit war die in der Halle 4 zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche von 8.300 Quadratmetern seit Wochen ausverkauft.

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World Order

Weltpolitik um 2010 als Spiel – ein erstes Anfühlen

Nachdem das Spiel uns vor wenigen Tagen erreichte, hat Bill gleich am ersten Abend Weltpolitik geschnuppert und sich die ersten Eindrücke der Spielmechanik in einem trockenen Solokonzert, also in einem simulierten Zweipersonenspiel in halber Länge, vorab erstmal beigebracht.

Wie sich das Spiel mit echten Gegner anfühlen würde, konnte er also erstmal nur erahnen. Doch schon in diesem ersten Durchlauf konnte er interessante Ansätze und interaktive Möglichkeiten erhaschen und somit stieg die Spannung um das erste Debut mit Horst zwei Tage später.

Ob diese Partie unser beider Erwartungen erfüllen konnte oder uns als ratlose Großmächte stehen lies werden wir Euch aus zwei Perspektiven näher bringen. Der vorliegende Artikel spiegelt unser „Vorspiel“ – sprich den Ersteindruck – wieder.

An dieser Stelle möchten wir Giant Roc herzlich für die Bereitstellung der erhaltenen Vorabversion des Grundspiels danken. World Order und seine Erweiterung World Order – Welt in Aufruhr werden ab dem 15.05.2026 erhältlich sein, sind aber bereits zum jetzigen Zeitpunkt vorbestellbar.


Steckbrief

SpielWorld Order
VerlagGiant Roc (Hegemonic Project Games)
Veröffentlichung2026
IdeeVangelis Satriohadi, Varnavas Timotheou
IllustrationAngga Satriohadi, Milosz Wojtasik
Rating (BGG)7,9 (bei derzeit 250 Stimmern)
Komplexität (BGG)Kennerspiel (gehoben)
SpielweiseKompetitiv
MechanikenArea-Control, Deck-Building

Bill’s Eindruck von der Bühne

Während sich Horst als meine konkurierende Großmacht die Volksrepublik China ausgewählt hat, gibt die Spielanleitung vor, dass man zu zweit gegen China oder Russland die USA oder die Europäische Union als Gegenpart auswählen soll. Das ist aber die einzige Einschränkung solcher Art. Wer nun von dem Vorgänger Hegemony anderes gewohnt ist: ab einer Partie zu dritt werden hier bereits keine Vorgaben mehr gemacht. Ich wählte Europa, deren Farbe gelb ist – das allein ist bereits ein Grund dafür in meinen Augen!

Im Herzen ist das Spiel ein Area-Control mit einem Deckbuilding-Element. Die Gebietskontrolle läuft dabei in zwei Ebenen ab. Einmal durch das Setzen von Einflusssteinchen über diplomatische Kooperationen, Investitionen oder das Erbauen von Militärbasen. Krieg selbst spielt zumindest im Grundspiel keine große Rolle. Die militärische Macht und damit die zweite Ebene in der Gebietskontrolle, stellt eher ein Kettenrasseln der Großmächte dar und kann die Unterlegenen in Ihren Interessengebieten maximal um ein paar Siegpunkte pro Runde bringen. Insgesamt ist es damit ein Area-Control, welches mit meiner allgemeinen Skepsis zu diesen Spielen doch kompatibel ist, da man nicht komplett verdrängt wird und auch dann noch Siegpunkte generieren kann, wenn man nicht stärkste Kraft vor Ort ist.

Das Deckbuilding stellt auch einen wichtigen Bestandteil in jeder Partie da, wirkte im ersten Spiel aber lediglich partiell beeinflussbar. Im Hauptteil des Spiels, der Aktionsphase, muss man während der 4 Aktionen pro Runde schon überlegen, welche der 6 Handkarten man ausspielt und welche man zum Generieren der Forschungspunkte auf der Hand behält. Mit diesen kauft man an jedem Rundenende Karten vom ausliegenden Markt. Manche selten vorkommenen Karten erlauben es auch, andere aus der restlichen Partie zu entfernen aber man ist ähnlich wie bei Dune oder Klong! eher von den ausliegenden Karten abhängig.

Auch andere Elemente wie ein kleiner Tech-Tree oder Ressourcenmanagement sowie die Möglichkeit Geld und Siegpunkte mit Wohlstand im Volk zu generieren sind vorhanden. Diese sollen im Vorbericht aber nur erwähnt bleiben. Weitere Partien werden zeigen welchen Einfluss sie auf das Spielgeschehen insgesamt nehmen.

Sollte man mit weniger als 4 Spielern unterwegs sein, werden die Einflüsse und Militärmacht der ungenutzten Großmächte mit Karten simuliert, was gut funktionier und mir recht klug erscheint, weil diese dann auch vornehmlich in die eigenen Interessengebieten der Welt einsteigen und dort für Ärger sorgen. Ebenso kann man mit diesen Handeln. Somit ist man nicht nur auf die vorhandenen, bespielten Großmächte angewiesen.


Groupie auf Tour

Die Lernpartie und folgende Erstpartie haben mir Spaß gemacht, spiegeln aber noch nicht die volle Breite an spieltechnischen Möglichkeiten wider. Ich glaube aber zu diesem Zeitpunkt, dass mir das Spiel gefallen wird, weil es an mein „Hass“-Thema Area-Control doch anders und für mich passend herangeht und ich die anderen Spielkomponenten generell sehr mag. Die Asymmetrie der unterschiedlichen Großmächte sind thematsich gut erfasst und ausreichend vorhanden aber längst nicht so sehr im Vordergrund wie in Hegemony selbst. Die ausgeübten Aktionen unterscheiden sich zwischen den Spielenden kaum voneinander, aber das Startdeck oder bestimmte Kriterien auf den Spielertableaus sind unter anderem doch klar Unterscheidbar und zu den jeweiligen Großmächten passend.

Bleibt für mich abzuwarten ob der Titel auf Dauer wirklich meinen Erwartungen entspricht und ob es meinen Mitspielenden gefallen kann. Näheres dazu folgt wie oben erwähnt in Kürze. Ob einem das Thema an sich in Betracht der realen Weltlage gefällt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Kurzfazit: Komplett anderes Spiel als Hegemony. Wirkt gut durchdacht und macht durchaus Spaß. Ich bin auf weitere Partien gespannt.


Horst’s Eindruck von der Bühne

Das Thema mag in der momentanen politischen Weltsituation etwas makaber wirken. Ich müsste noch mal schauen, aber ich bin der Meinung, dass ich ein Interview oder eine Stellungnahme von den Autoren gelesen haben, dass sie ebenso geschockt sind, wie wir, was gerade auf der Weltpolitischen Drehscheibe passiert. World Order spielt im Grundspiel im Jahr 2010, vor Corona, vor Ukraine, vor Trump Teil 2, um nur einige der Dinge zu nennen. Daher rollen wir nicht in Risiko-Manier mit der Geheimkarte Welteroberung durch die Weltkugel, sondern müssen unserer staatlichen Geschicke mit Drohgebärden, Handel und diplomatischen Geschick lenken. Bill hat schon geschrieben, dass es Area Control Anteile hat, aber diese sind eher in Racing-Mechanismen versteckt. Es gibt oft darum als erste Person Einfluß zu platzieren, Punktekarten einsammeln oder ähnliches. Man kann der konkurrierenden Regierung zwar auch einen Panzer in den Garten stellen und diese so ärgern, aber in unserer Erstpartie war dafür kaum Zeit. Apropos Erstpartie: Ohne Regelerklärung haben wir die Weltgeschicke 2,5 Stunden gewidmet, wobei die Zeit wie im Fluge verging.

Wer bei World Order aber nun hoft ein Hegemony auf großer Weltbühne zu bekommen, wird enttäuscht werden. World Order ist ein sehr gutes Spiel, aber eben deutlich anders und ich würde sogar sagen, deutlich weniger komplex und interaktiv wie das Erstwerk. Es ist eben ein sehr eigenständiges Werk.

Die grandiose Asymmetrie des Vorgängers ist in etwa nicht so stark ausgeprägt. Jede Regierung hat zwar etwas einmaliges und auch die ein oder andere Karte. In Summe wirken die abweichenden Fähigkeiten aber das ist nicht so Spielentscheidend, auch wenn jede Regierung in eine gewisse Richtung geschoben wird. Chinas Strategie beispielsweise ist die eigenen Luxusgüter in die Welt zu exportieren und zu vermarkten. Kommt euch bekannt vor? Deswegen haben Europa und Amerika (im Jahre 2010) noch ein militärisches Bündnis und der Panzer des einen im Gebiet des anderen hat keine negativen Folgen. Russland rasselt schon in 2010 gerne mit den Säbeln und lebt vom Ölexport.

Aus meiner Sicht kommt das Thema wieder grandios zum Vorschein und zieht ähnlich in den Bann wie es bereits der Staatshaushalt gemacht hat. Das Deckbuilding Element hat mich etwas ratlos zurück gelassen. Manchmal war die Auslage nicht passend und die Kartenhand wurde eher zugemüllt. Das führte bei mir dazu, dass ich in einer Runde Pech bei der gezogenen Kartenhand hatte und direkt mehrere Notaktionen machen musste. Das war bereits am Ende der zweiten (von sechs) Runden und ich konnte ab dem Zeitpunkt nur noch sehen, wie Bill mit Punkten davon geritten ist. Am Ende waren wir dann doch nur elf Punkte voneinander getrennt, es fühlte sich vier Runden aber nicht mehr gut an.

Ich freue mich sehr auf die nächsten Partien, weil es noch so viel auszuprobieren gibt.

Mein Kurzfazit: Gutes eigenständiges Spiel mit gut verzahntem und umgesetzten Thema. Vergleicht es nicht mit Hegemony.


Konzertmitschnitte

Spielaufbau zum Start
Die Europäische Union in Runde 5/6
Chinesische Republik in Runde 5/6
Einflussmarker und Militäraufgebot ind Runde 5/6

(Galerie mit Fotos)


Unser Review zu dem Spiel ist hier zu finden:


Banner Bild von Robert diam auf Pixabay

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La Patisserie Rococo

Ein rauschendes Gartenfest bei bei König Ludwig dem XV? Es braucht nur noch die besten Patisserien aus Paris am Hofe damit dies zum Erfolg führen kann. Und wer wenn nicht du, sollte dies sein? Naja, vielleicht eine der anderen Mitspielenden.


Bei dem Spiel müsst ihr Rezepte, Rohstoffe und Zutaten erwerben, anschließend die Kuchen backen, optional dekorieren und ausliefern. Außerdem könnt ihr immer noch neues Personal einkaufen oder kündigen. Und zu guter Letzt noch eigene Servicekräfte und wohlgesonnene Adlige einschleusen. Das alles sind eigene Aktion. In den vier Runden habt ihr aber nur ungefähr fünf Aktionen … ach ja und zu wenig Geld (zumindest am Anfang).

Der Kaufreiz war für mich ganz klar die Erst-Erfahrung mit dem großen Ableger Rococo, wo wir noch die Ballsäale ausschmücken und insbesondere die Herrschaften in prächtige Gewänder stecken. Einziger Nachteil: das Spiel zieht sich ganz schön.

Was bleibt nun von der Welt aus Zucker und Marizpan übrig, wenn wir mal unter die dicke Glassur schauen?

Steckbrief

Spiel La Patisserie Rococo
Verlag Skellig Games (Eagle-Gryphon Games)
Veröffentlichung 2026
Idee Stefan Malz, Louis Malz
Illustration Fabrice Weiss
Rating (BGG) 7.2
Komplexität 3.20 (Kennerspiel)
Spielweise kompetitiv
Mechaniken Hand Management, Set Collection, Area Majority, Deck Building, Multi-Use Cards

Eindruck von der Bühne

Erstaunt bin ich immer noch von der Regelerklärung. In knapp 25 Minuten kann ich das Spiel erklären ohne große Nachfragen. Die Aktionen lassen sich logisch in einer guten Reihenfolge erläutern, so dass es dann auch schnell losgehen kann. Auch die Spielzeit hält sich für ein klassisches Kennerspiel im Zaun.

Klassik. Das ist leider auch das Artwork. Auf dem Tisch ausgebreitet bekommt weder das Spielbrett noch die lieblosen Karten der Aushilfen und Meister so richtig etwas fürs Auge geboten. Schade eigentlich, denn bekanntlich isst das Auge mit. Gerade im Vergleich zu Rococo (egal ob der klassischen oder bei Skellig Games erschiene Deluxe-Version) erinnert La Patisserie im Charme eher an alte Klassiker. Ich denke da an meine Lieblinge wie Auf den Spuren von Marco Polo oder Mombasa. Obwohl diese tatsächlich alle Facettenreicher in der Illustration sind. Ich kann nur vermuten, dass der Kaufpreis hier bewusst gerade im Vergleich zu dem Namensgebenden Haupttitel gering gehalten werden sollte.

Sowohl von der Spielmechanik und dem soliden Grübelfaktor lässt euch das Spiel keine Madelaines im Backofen verbrennen. Für mich kommt das Thema gut durch: Rezepte besorgen, mit Rohstoffen haushalten, Deckbuilding nicht vernachlässigen und Siegpunkte auf dem Spieltableau vor den Mitspielenden blockieren respektive sichern. Alles für die Gunst am Hofe aka Siegpunkte am Ende. Der Aufbau gibt mehr als ausreichende Variabilität, um jede Partie abwechslungsreich zu gestalten.

Meine Erfahrung mit dem Erstling ist bereits einige Backzyklen her, aber ich habe es grübliger und mit mehr Downtime in Erinnerung.


Groupie auf Tour

Letzter Blick aufs Rezeptbuch! La Patisserie ist mehr als ein gehobenes Familienspiel oder ein leichtes Kennerspiel: damit für mich ein perfektes Gateway-Spiel. Also ein Spiel, um Familienspielende in den nächsten Schritt der komplexeren Spiele einzuführen.

Es ist leicht zu lernen und bedarf Übung, um es zu meistern. Mangel an allem ist die Regel. Wer also partout nicht damit leben kann, dass nicht jede Aktion in einer Runde gespielt werden kann oder den Mangel an Ressourcen mit ewiger Grübelei verbringt, sollte die Finger aus dem Mehlsack ziehen.

Am Ende ist klar: wenn ihr Rococo bereits besitzt und es oft genug auf den Tisch kommt, bleibt lieber beim Nähen. Solltet ihr aufgrund des Kaufpreises immer einen Bogen um die Nähmaschine gemacht haben, ist das nun die Chance einen fluffigen Ableger mit gleicher Spielmechanik in die Backstube zu bekommen.

Persönlich bereue ich es primär aufgrund des Artworks nicht den Haupttitel gekauft zu haben, sondern die preiswertere Backvariante. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Spiel. Da ich es nun schon habe, werde ich es behalten. Einige Runden sind schon gespielt und die Mechanik überzeugt mich immer wieder. Würde Rococo aktuell einen goldenen Rock-Meeple bekommen, vergibt das verwöhnte Brettspielauge bei La Patisserie im Ersteindruck den silbernen Rock-Meeple. Die Reise geht weiter. Ups, ich muss schnell ein paar Küchlein ausliefern gehen …

Björns Meinung

Ich mag das Thema sehr gern, und deshalb hatte ich schon Bock, das Spiel auszuprobieren, als Horst es mitgebracht hatte. Die gesamte optische Präsentation ist wirklich alles andere als eine gute Konditortorte, aber Euros müssen ja nicht schön aussehen, um Spaß zu machen. Insgesamt fand ich es nach einer Partie aber zu seicht für meinen Geschmack. Für ein Einsteiger-Euro ist es etwas zu fizzelig und für ein Kenner-Euro geht es nicht tief genug. Es schwebt so ein wenig dazwischen und findet sicher auch die passende Zielgruppe, denn ein schlechtes Spiel ist es auf keinen Fall. Mit einer besseren Präsentation hätte man sicher auch größeres Interesse wecken können. Vor allem finde ich dadurch 75 € als UVP etwas hochgegriffen. Für mich verdient das Spiel ebenfalls einen silbernen Rock-Meeple.


Bills Meinung

Ich muss es gleich am Anfang zugeben, das Spiel hat mich wie sein großer Bruder Rococo thematisch einfach kalt gelassen. Das allein muss ja nichts bedeuten, gerade in der jüngeren Vergangenheit durfte ich mit einigem Wohlgefallen einige Titel spielen, die mich trotz vorher uninteressant wirkendem Thema vollends überzeugt haben und nun sogar mit Neugierde auf den bis dahin unbeliebte Inhalt blicken lassen. Dennoch beginnt so ein Titel auf diese Weise natürlich nicht gerade mit dem besten Start. Als es nun tatsächlich auf den Tisch kam habe ich vor allem wegen der geliebten Mitspieler die es gerne ausprobieren wollten nichts dagegen gehabt.

Wie Björn schon sagt muss ein Euro-Game nicht mit Schönheit glänzen und Patisserie Rococo versucht augenscheinlich auch eher vor allem mit einer guten Mechanik als mit einem schönen Bühnenbild zu überzeugen. Da mir persönlich aber neben gut vernetzten Gameplay auch Optik und Thematik wichtig sind, konnte es keinen Blumenstrauß gewinnen. Versteht das bitte nicht falsch, es ist kein schlechtes Spiel das sicher viele Menschen glücklich machen wird, nur leider bin ich niemand davon. Es wird daher keinen Weg in mein Regal finden aber mitspielen würde ich es sicherlich, selbst wenn ich versuchen würde vorher die eine oder andere Option in den Raum zu werfen. Daher verdient es von mir, wenn überhaupt, einen bronzenen Meeple.

Konzertmitschnitte


(c) Copyright Skellig Games

Bannerhintergrund von mareneinfeldt (über Pixabay)

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel habe ich privat erstanden. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.

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