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Gatsby

03. Oktober 2026 um 10:34

Der Roman „The Great Gatsby“ (1925) gilt als bedeutendstes Werk des US-amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald. Ich habe das Buch nicht gelesen. Um das Thema des Zwei-Personen-Spiels Gatsby einordnen zu können, habe ich immerhin die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio gesehen. Und musste feststellen: Die Literaturvorlage spiegelt sich im Spiel nur ansatzweise wider. Gemein ist beiden lediglich die Einbettung in die Roaring Twenties an der US-amerikanischen Ostküste und das Streben nach Ruhm. Die tragische Geschichte des Jay Gatsby bleibt außen vor. Doch das ist letztlich egal, denn das Thema dient in diesem leicht zugänglichen Kennerspiel nur der visuellen Untermalung. Das taktische Duell fühlt sich abstrakt an, übt aber trotzdem einen Reiz aus.

Gatsby

Wir setzen als Dorothy Williams und James Miller (keine Charaktere, die im Buch vorkommen) abwechselnd Einflussmarker an einem von drei unterschiedlichen Orten ein, um die Gunst von Persönlichkeiten der High Society zu gewinnen. Wie stelle ich das an? Im rasterartigen Kabarett muss ich mit meinen Markern eine durchgehende Verbindung zwischen zwei gegenüberliegenden Seiten schaffen, im Finanzzentrum profitiere ich vom Aufstieg auf einer Leiste und auf der Rennbahn geht es bei fünf Pferderennen um Mehrheiten. Gelingt es mir, drei Persönlichkeiten derselben Farbe oder mindestens ein Plättchen in allen fünf Farben zu sichern, gewinne ich sofort. Ansonsten entscheiden am Ende die Zahl der Prestigepunkte auf meinen gewonnenen Plättchen.

Bei Gatsby sind Bonusaktionen wichtig

Die Auswertung an den Orten selbst ist simpel und vermeidet unnötige Komplexität. Als entscheidend bei Gatsby sehe ich das Timing an. Denn ich muss zur richtigen Zeit die passenden Optionen haben: Viele Einsetz- und Lauffelder lösen wichtige Bonusaktionen aus. Diese erlauben es mir beispielsweise, die Orte von zwei Persönlichkeiten zu vertauschen – inklusive der Möglichkeit, verdeckt platzierte Persönlichkeitsplättchen vor dem Zurücklegen anzusehen. Gerade das Wissen um die geheimen Identitäten bringt große Vorteile, um die richtigen Entscheidungen auf dem Weg zur Erfüllung der Siegbedingungen zu treffen.

Gatsby

Zudem ermöglichen es Bonusaktionen, die Taktik des Gegenübers zu stören. Denn zu Beginn meines Zuges wähle ich ein Aktionsfeld, das vorgibt, an welchen Orten ich tätig werden darf. Das von mir gewählte Aktionsfeld ist im nächsten Zug für die andere Person gesperrt. Das führt durchaus dazu, dass ich meine favorisierte Aktion mehrere Runden lang nicht wählen kann, weil es immer wieder belegt wird. Das kann nerven. Hilfreich in einer solchen Situation ist das Bonusfeld, das mir erlaubt, die nächste Aktion des Gegners zu bestimmen. Andere Bonusfelder schalten gar ein Aktionsfeld frei, das nur ich allein nutzen darf.

Varianz durch zufällige Verteilung der Persönlichkeiten

Dank der Aktionsfelder und Bonusaktionen erhält Gatsby eine klare Struktur. Der straffe Ablauf sorgt zwar für Übersicht, unterstreicht aber auch den abstrakten Charakter des Spiels. Zudem muss ich akzeptieren, dass meine Pläne wegen der Manipulationen erlaubenden Bonusfelder immer wieder durchkreuzt werden. Muss ich mich darüber ärgern? Nein, denn ich habe ja ähnliche Optionen. Es geht eben darum, situativ zu agieren.

Gatsby

Dass ich dabei unterschiedliche taktische Verhaltensweisen erlebe, liegt an der zufälligen Verteilung der Persönlichkeitsplättchen. Weil nie alle Personen im Spiel sind und zudem einige Plättchen zunächst verdeckt ausliegen, bestimmen meine wachsenden Erkenntnisse die Entscheidungen. Gibt es eine Chance auf den schnellen Erfolg, weil alle drei Plättchen einer Farbe dabei sind? Oder gehe ich vor allem auf Persönlichkeiten, die viele Prestigepunkte mitbringen und mir deshalb bei einem alternativen Ende den entscheidenden Vorteil schenken? Das kann durchaus Spannung aufbauen. Oder das Gefühl auslösen, vom Glück abhängig zu sein.

Mögliche Überraschungsmomente

Gatsby lebt folglich weniger von der spielerischen Innovation, sondern vor allem vom Wettlauf nach der Information, welche Persönlichkeiten mich zu einem vorzeitigen Sieg führen können. Weil verdeckt liegende Plättchen vertauscht werden können oder – wenn ich mir Persönlichkeiten gesichert habe – ich sie vor dem Gegenüber verdeckt halten darf, hält Gatsby Überraschungsmomente parat: etwa dann, wenn ich triumphierend zwei bereits gewonnene Plättchen umdrehe und damit insgesamt ein gleichfarbiges Trio präsentiere. Weil das Duell zudem nicht allzu grübellastig ist und schnelle Entscheidungen zulässt, gefällt es mir durchaus als solide Alternative für eine Partie zu zweit.

Gatsby

Gatsby | Catch Up Games | Bruno Cathala, Ludovic Maublanc | 2 Personen | ab 10 Jahren | 30 Minuten | Meine Einschätzung: ★★ (ordentlich)

Neu auf Board Game Arena: Wayfarers & The LOOP

21. September 2026 um 09:07
Neu auf Board Game Arena: Wayfarers & The LOOP

Board Game Arena hat in den vergangenen sieben Tagen zwei neue Titel aufgenommen: das Entdeckerspiel Wayfarers of the South Tigris von Garphill Games und das kooperative Zeitreise-Kartenspiel The LOOP von Catch Up Games. Beide Spiele erfordern auf der Plattform ein Premium-Abo. Wayfarers erschien bereits 2022. The LOOP ist mit Baujahr 2020 der ältere der beiden Neuzugänge.

Neu auf Board Game Arena: Wayfarers & The LOOP
Shem Phillips, S J Macdonald

Wayfarers of the South Tigris

Wayfarers of the South Tigris ist ein Entdecker- und Sammelspiel von Shem Phillips und S J Macdonald, illustriert von Mihajlo Dimitrievski und ursprünglich 2022 bei Garphill Games erschienen. Für diesen Titel wird ein Premium-Abo benötigt.

Die Spielenden schicken sich als Entdeckerinnen und Entdecker im Bagdad des Jahres 820 an, Land, Wasserwege und Himmel zu kartieren und ihre Funde am Haus der Weisheit zu dokumentieren. Mechanisch kombiniert das Spiel Worker Placement mit unterschiedlich starken Würfeln als Arbeiter, Plättchen-Platzierung und Sammel-Elemente. Das Spiel ist für 1 bis 4 Spielende ab 13 Jahren ausgelegt. Eine Partie dauert laut BGG 60 bis 90 Minuten.

Auf BoardGameGeek hält Wayfarers of the South Tigris eine Bewertung von 7,8 bei rund 7.000 Stimmen und liegt auf Platz 347 der Gesamtrangliste. Garphill Games hat erst heute mit Wallguards of the East Empire und Paladins of Highcrown zwei weitere Titel aus der übergeordneten Medieval-Trilogies-Sammelserie des Verlags angekündigt. Wayfarers gehört dort zur South Tigris Trilogy. Für die beiden neuen Titel führt BGG bislang keine eigene Untertrilogie.

Neu auf Board Game Arena: Wayfarers & The LOOP

The LOOP

The LOOP ist ein kooperatives Kartenspiel von Maxime Rambourg und Théo Rivière, illustriert von Simon Caruso und erschienen 2020 bei Catch Up Games. Für diesen Titel wird ein Premium-Abo benötigt.

Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Zeitagentinnen und Zeitagenten, die den durchgedrehten Wissenschaftler Dr. Faux aufhalten müssen. Der reist mit einer instabilen Zeitmaschine durch sieben Epochen und erzeugt dabei Klone von sich selbst. Mechanisch verbindet das Spiel Deck-, Beutel- und Pool-Building mit einem Cube-Tower-Element und variablen Spielerfähigkeiten. Das Spiel ist für 1 bis 4 Spielende ab 12 Jahren ausgelegt, und eine Partie dauert laut BGG rund 60 Minuten.

Auf BoardGameGeek liegt The LOOP bei einer Bewertung von 7,7 aus knapp 5.900 Stimmen, Rang 509 der Gesamtrangliste.

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