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Whacktown: Funtails schickt vier Gangs in die Neon-Stadt

10. Juni 2026 um 11:51
Whacktown: Funtails schickt vier Gangs in die Neon-Stadt

Funtails ist in der DACH-Szene vor allem für das zugängliche Familienspiel Karuba bekannt. Mit Whacktown schlägt der Verlag einen deutlich raueren Ton an: ein schnelles, bissiges Kartenspiel um rivalisierende Gangs in einer Neon-Stadt. Der Titel von Designer Daniel Piechnick steht jetzt zur Vorbestellung, ausgeliefert wird laut Funtails voraussichtlich im vierten Quartal 2026.

Das Wichtigste in Kürze

VerlagFuntails
DesignerDaniel Piechnick
IllustrationHendrik Noack
Spieler:innen2 bis 4
Alterab 14 Jahren
Dauer30 bis 45 Minuten
Komplexität (BGG)2,0 von 5
GenreTake-That-Brawler mit Gangster-Humor
ModusJeder gegen jeden (kein Solo-Modus)
ErscheintQ4 2026, Vorbestellung läuft

Worum es bei Whacktown geht

In Whacktown bauen Sie eine kriminelle Gang auf und kämpfen mit zwei bis vier Bossen um die Vorherrschaft in der Stadt. Das Spiel inszeniert einen schwarzhumorigen Gangster-Ton: kurze, chaotische Runden, Baseballschläger, plötzliche Wendungen. Funtails selbst ordnet den Titel als zugängliches, aber durchaus skillbasiertes Kenner:innenspiel ein. Die Eckdaten erden diese Etikettierung: Bei einem BGG-Gewicht von 2,0 von 5, 30 bis 45 Minuten Spielzeit und Schaden, der reihum alle trifft, liegt Whacktown mechanisch näher an einem schnellen, konfrontativen Absacker als an einem klassischen Kenner:innenspiel. Das ist keine Schwäche, sondern eine Erwartung: Wer planbare Strategie sucht, ist hier falsch, wer das gemeine Tischchaos mag, richtig.

Der Spielablauf: Move, Hustle, Chill

Jeder Zug gliedert sich laut BGG in drei Phasen. Zuerst Move: Sie ziehen Ihre Gang über den Stadtplan und lösen den Effekt des Zielorts aus. Dann Hustle: Sie spielen so viele Hustle-Karten aus, wie Sie wollen, doch jede einzelne kostet Sie weitere Karten aus Ihrer Hand. Zum Schluss Chill: Sie ziehen nach und geben den Zug weiter.

Damit liegt das taktische Gewicht im Kartenmanagement. Whacktown nutzt seine Karten als Mehrzweck-Ressource (Multi-Use Cards): dieselbe Karte kann Aktion oder Bezahlung sein, und genau diese Abwägung treibt jede Runde an. Hinzu kommen Würfelwürfe für die Auseinandersetzungen und eine kräftige Portion Take That, denn Schaden trifft in der Regel alle Rival:innen gleichzeitig. Rüstung dient als zusätzliche Trefferpunkte, die beschädigt und später repariert werden können. Bomben sorgen für die schnellen, fiesen Umschwünge.

Stadtplan und Kartenarsenal

Der Schauplatz wird jede Partie neu aufgebaut. Aus insgesamt 76 möglichen Orten kommen 20 auf ein zufälliges 4×5-Raster (Modular Board). Einige Orte sind zugangsbeschränkt und verlangen Geld, Information, Reputation oder Gesundheit, bevor Sie sie betreten dürfen. Positionierung und Timing entscheiden also mit.

Insgesamt stecken 173 Karten in der Schachtel, aufgeteilt in Orte, Profile, Hustles, Vorteile und Bomben. Die Charaktere spielen sich asymmetrisch über ihre Profilkarten.

So gewinnen Sie

Whacktown ist ein reines Jeder-gegen-jeden. Sie gewinnen auf zwei Wegen: indem Sie alle Rival:innen ausschalten, oder indem Sie als Erste:r 10 Reputation erreichen. Beide Ziele halten den Druck hoch, weil sich Angriff und Punktejagd ständig in die Quere kommen.

Vorbestellung und Deluxe-Bundle

Das Grundspiel kostet im Funtails-Shop aktuell 29,99 Euro (UVP 34,99 Euro). Der Rabatt von 15 Prozent gilt laut Funtails noch bis Ende Juli 2026, danach sinkt er auf 10 Prozent. Ausgeliefert wird voraussichtlich im vierten Quartal 2026.

Wer mehr will, greift zum Neon Chaos Deluxe Bundle für 42,98 Euro (UVP 59,97 Euro). Es enthält das Grundspiel, Premium-Kartenhüllen und das exklusive Power Perks Promo Set: zehn Zusatzkarten, darunter Blue Beans Pizza, Sportbike, Hubschrauber, Jetpack und Taxi. Dieses Promo-Set gibt es laut Funtails nur im Bundle oder auf ausgewählten Messen. Wer den spielerischen Mehrwert sucht, achtet auf das Promo-Set: Die zehn Karten erweitern Orte und Vorteile, während die Premium-Kartenhüllen ein reines Material-Upgrade sind.

Einordnung

Für Funtails ist Whacktown ein spürbarer Schwenk weg vom familienfreundlichen Karuba-Profil hin zum konfrontativen Absacker. Dass ein DACH-Verlag den Titel verantwortet, wie schon beim Expertenspiel Luthier, macht die Vorbestellung für deutschsprachige Tische unmittelbar greifbar. Ob das schnelle Geprügel über viele Partien trägt, wird sich erst nach Auslieferung zeigen. Die Eckdaten zeichnen ein klares Bild: ein leichtgewichtiger, gemeiner Brawler für Gruppen, die das gegenseitige Ausbremsen lieben.

Luthier – The Art of the Instrument

Von: Bill
07. Februar 2026 um 11:43

„Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ – Richard Wagner

Luthier bietet endlich das Thema Musik als solche in unserem Blog! Und zwar geht es um klassische Musik. Wir sind uns wohl bestimmt einig, wenn ich behaupte, dass dies die edelste Möglichkeit ist, einen Konzertsaal mit Klängen zu füllen.

Dave Beck hat mit seinem Verlag Paverson Games durch dieses Spiel ein pompöses Gesamterlebnis komponiert. Wie schön, dass Funtails dieses edle Stück für den deutschen Markt lokalisiert hat. Es wäre doch schade gewesen, wenn manchen so ein klangvolles Stück aufgrund der sprachlichen Barriere verwehrt geblieben wäre! Insgesamt handelt es sich um ein Werk positiver, gemeinsamer Klänge. Doch ab und zu, und dann ganz unerwartet, kommen infernalisch die spielerischen Gegensätze zum Tragen und man bekommt die volle Breitseite der interaktiven Möglichkeiten untereinander zu spüren

Ob mir dieses Konzert so gefallen konnte, dass ich es ab jetzt öfter hören möchte, werde ich Euch in diesem kurzen Eindruck im Folgenden gerne erläutern.


Eindruck von der Bühne

„Wenn ich an meinem alten, von Würmern zerfressenen Klavier saß, beneidete ich keinen König um sein Glück“. – Joseph Haydn

Spielübersicht zu Dritt zu Beginn der zweiten Runde

In Luthier verkörpert jeder Spieler eine ehrenvolle Familie von Instrumentenbauern zur Zeit des 17./18. Jahrhunderts. Angeordnet ist der Schauplatz im damaligen Europa. Jeder Spieler möchte die Familie der zu dieser Zeit erfolgreichsten Luthiere verkörpern (Luthier ist aus dem französisch abgeleitet für „Laute“ und bedeutet soviel wie Saiteninstrumentenbauer). Das Spiel wird 6 Runden gespielt, in denen wir versuchen die Bedürfnisse berühmter Mäzen zu erfüllen. Dabei bauen und reparieren wir Instrumente und geben kleine Privatkonzerte. Mit all diesen Aktionen machen wir nicht nur die Mäzen fröhlich, sondern sichern unseren Instrumenten den Vorsitz (also wichtigen ersten Platz der jeweiligen Instrumentenart) im Konzertsaal. Dies ist ein großer Punktebringer und sollte auf jeden Fall Beachtung finden!

Am Anfang noch sehr leer, füllt sich der Saal langsam mit unseren Markern.

Im Balkon über dem Saal können wir die Spielerreihenfolge bestimmen und ggf. eines der variablen Spielziele (die kleineren Kuppeln darüber) erfüllen und uns so weitere für das Spiel wichtige Boni freischalten. Die drei lilafarbenen Banner um den Saal herum zeigen unsere Fähigkeiten in der Werkstatt (rechts), auf der Bühne (links) oder den Fortschritt beim Erfüllen der Wünsche unserer Mäzen (oben). Unten sieht man den Markt, die Preise ändern sich zufällig von Runde zu Runde. Über den Marktkarten erkennt man die Preisfenster. Somit kosten Tierprodukte immer zwischen 1-3, Holz 2-4 und Metalle 4-6 Münzen. Auf der großen Kuppel oben befindet sich die Rundenanzeige. Zwischen den Runden 2-3 und 4-5 erhalten wir Zuwachs unserer Arbeiter. Zwischen den Runden 3-4 werden die Mäzen „A“ gegen „B“ getauscht. Letztere bieten uns Siegpunktbewertungen am Spielende.

Das Spielertableau stellt hauptsächlich unsere Werkstatt dar, zeigt aber auch die Geduld unserer Mäzen, welche auf unsere Fürsorge warten.

Auf dem Spielertableau befindet sich hauptsächlich unsere Werkstatt. Links ist die Grobbearbeitung, die alle Instrumente am Anfang durchlaufen müssen. Rechts finden wir die Feinwerkstatt, hier werden alle Instrumente fertiggestellt und danach ausgewertet. Beide Werkstätten haben eigene Plätze für unserer Arbeiter.

Beispiel einer Aktion

Zu Rundenbeginn legen wir unsere vorhandenen Arbeiter an die verschiedenen Einsatzorte verdeckt ab. Dieser mechanische Kniff zeigt somit zwar unseren Kontrahenten an, wo wir diese Runde überall tätig werden möchten, aber nicht mit welcher Arbeiterstärke genau. Diese (1-5) bestimmt dabei nicht nur, wer zuerst handeln darf (bei Gleichstand entscheidet, wer hier zuerst eingesetzt hat), sondern auch die Stärke unserer Handlung. Eine höhere Zahl bietet immer Vorteile an der Stelle. Wenn über der entnommenen Karte Kosten stehen (hier 4 Münzen oder Inspiration) muss ich diese normalerweise in beliebiger Mischung bezahlen.


Groupie auf Tour

„Der Zweck der Musik, wie er immer war, ist es, Freude an dem Leben zu erwecken, das wir leben“ – Johann Sebastian Bach

Ich habe oben bereits sehr viel beschrieben und bestimmt doch nur 80% aller Mechaniken dabei erwähnt. Dieses Werk ist umfangreich, das muss an dieser Stelle als kleine Warnung erwähnt sein. Aber es ist einfach thematisch so gut überlegt und fühlt sich dabei so einzigartig und meisterhaft komponiert an, dass es einen wahrlich in diese Epoche zu genau diesem Vorhaben versetzt! Es ist ein kleiner, wahrgewordener Spielertraum! Das Material ist einfach wunderschön, selbst in der Basisversion ist das kaum anders! Die Illustrationen von Vincent Dutrait sind dabei wundervoll anzuschauen und wirken wie eine Komposition für sich.

Dieser Zeichenstil Vincent Dutrait’s erfüllt das gesamte Spiel

An manchen Stellen hat man das Gefühl Teile aus dem Spiel Das Unbewusste von Frosted Games zu erkennen. Das wird durch einen der beiden Zeichner aus dem Spiel um Siegmund Freud emotional noch unterstrichen. Und es stimmt wohl: Hier und da ähneln sind manche Details schon, wenn z.B. die Mäze nach erfüllen einen dauerhaften Bonus bietet und bei dem Unbewussten die Klienten nach heilenden Worten zum Trauma dies ebenfalls tun. Und doch sind die Spiele an so vielen Stellen auch wieder komplett unterschiedlich. Doch ich verstehe den Vergleich.

Nach nur einem Spiel gestern Abend sind die angenehmen Klänge noch immer in meinen Gedanken zu vernehmen. Sollte ich mich bereits jetzt festlegen müssen, würde ich wohl den goldenen Meeple vergeben (mehr zu unserer Bewertung oben rechts in den Reitern). Es ist aber ein erster Blick auf das Spiel und damit keine endgültige Bewertung. Kann es den Platz halten oder muss es nach einigen Spielen vielleicht herabgestuft werden? Oder, was ich beinahe zum jetzigen Zeitpunkt glaube, kann es für mich sogar den ultimativen türkiesen Rocker bedeuten?

Mindestens bereits Gold wert – kann es diesen Ersteindruck halten?

Von dem Spiel gibt es auf unserem Youtube-Kanal ein Unboxing:


Konzertmitschnitte

(Galerie mit Fotos)

Titelbild von Webandi auf Pixabay

Verlage: Paverson Games / Funtails

Hinweis: Das Spiel ist ist mein selbst gekauftes Eigentum. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt alleine meine persönliche Meinung wider.

LUTHIER

09. Januar 2026 um 09:05

LUTHIER gehörte zu den Spielen, die mich auf der SPIEL 2025 eigentlich gar nicht so sehr interessiert haben. Instrumentenbau, denn das ist es, was ein „Luthier“ macht, wie ich bei Wikipedia lernte. Thematisch ist das zwar innovativ, aber was Musik ohne Stromgitarren angeht, bin ich ein Banause. Barocke Opulenz und romantische Verspieltheit sind mir meist zu viel. Ich mag es lieber schlicht.

Quelle

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