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Beyond the Table #4 -Handel im Wandel

Von: Dirk
21. Juni 2026 um 12:09
Lesezeit: < 1 Minute

Der Einzelhandel steht seit Jahren unter Druck. Mit dem Aufstieg großer Onlinehändler schien für viele Fachgeschäfte die Zukunft ungewiss. Geschlossen wurde vielerorts dennoch nicht überall – manche Branchen behaupten sich erstaunlich erfolgreich gegen den Trend. Dazu gehört auch der Brettspielhandel.

Tatsächlich erlebt das analoge Spielen seit einigen Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung. Immer mehr Menschen entdecken Brettspiele als Hobby, Verlage veröffentlichen jährlich hunderte Neuheiten und die Szene wächst stetig. Doch bedeutet das automatisch goldene Zeiten für den stationären Handel? Oder stehen auch Brettspielläden vor Herausforderungen, die weit über die Konkurrenz durch den Versandhandel hinausgehen?

In der vierten Ausgabe von Beyond the Table werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Brettspielhandels. Gemeinsam mit Michael Palm, Inhaber des Seetroll in Konstanz, und Stefan Will von Ultracomix in Nürnberg sprechen wir darüber, wie sich die Erwartungen der Kundschaft verändert haben, welche Rolle Beratung und Community heute spielen und warum Veranstaltungen längst mehr sind als nur nette Zusatzangebote.

Dabei geht es auch um die Frage, wie stationäre Geschäfte in einer digitalen Welt relevant bleiben können. Sind Brettspielläden heute Verkaufsfläche, Treffpunkt oder kultureller Ort? Welche Chancen bietet der Boom der Brettspielszene – und wo liegen die Grenzen des Wachstums? Und welche Bedeutung haben Onlinehandel, Direktvertrieb der Verlage und große Branchenveranstaltungen für die Zukunft des Fachhandels?

Zusammen mit unseren Gästen diskutieren wir über erfolgreiche Konzepte, notwendige Veränderungen und die Frage, wie der Brettspielhandel in fünf oder zehn Jahren aussehen könnte. Dabei wird schnell deutlich: Wer heute erfolgreich sein möchte, muss weit mehr bieten als gut gefüllte Regale.

Und als wäre das alles noch nicht genug, macht Michael Palm unserem Co-Host Ulrich Blennemann im Verlauf der Sendung auch noch ein Angebot, das man durchaus als unmoralisch bezeichnen könnte …

Die komplette Folge könnt ihr euch jetzt im Podcast anhören. 🎧

Quiznight: Männerrunde

24. Mai 2026 um 02:33

Quiznight: Männerrunde bietet das Rundum-Sorglos-Paket für einen Abend mit den Jungs. Sch**ß auf Büdchentour! Vatertag mit dem Bollerwagen als gröhlender Menschenschreck durch die Gemeinde ziehen ist out! Junggesellenabschiede in Striplokalen…

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Downtime ist kein Bug.

Von: Dirk
22. Mai 2026 um 10:36
Lesezeit: 3 Minuten

Downtime. Dieses kleine zusammengesetzte englische Wort reicht manchmal aus, um Spielerunden kollektiv die Augen verdrehen zu lassen. Für manche ist sie scheinbar der Endgegner jedes Spieleabends.

Down heißt übersetzt nicht nur unten, sondern auch abwärts, runter oder nach unten. Wie einst schon Hildegard Knef sang: „Von nun an geht’s bergab“. Und so kommt es mir häufig mit der Downtime vor. Downtime droht und schon geht es bergab mit der Stimmung am Spieleabend.

Für mich ist Downtime aber vor allem der andere Teil des Wortes: Zeit.

Und zwar keine verlorene, sondern nutzbare.

Ich habe nie verstanden, warum Downtime als grundsätzlicher Makel gilt. Wenn andere am Zug sind, sitze ich nicht passiv herum. Ich plane. Ich sortiere Optionen. Ich lese Karten – entweder die in der Hand oder die ausliegenden Karten. Oder ich recherchiere noch mal Regeln. Ich gehe mögliche Züge im Kopf durch. Kurz: Ich spiele — nur eben ohne gerade aktiv etwas auf dem Spielplan zu bewegen.

Strategie entsteht ja nicht erst im eigenen (aktiven) Zug. Sie entsteht gerade zwischen den Zügen der Anderen.

Dieses reflexhafte „Boah, schon wieder voll viel Downtime“ greift mir deshalb zu kurz. Das ist, als würde man sich über Pausen in einer Schachpartie beschweren.

Anspruch braucht Atem

Wer komplexere Spiele wie Brass, Trickerion, Arche Nova, Concordia oder ähnliche auf den Tisch bringt, weiß doch vorher, worauf er sich einlässt. Das sind keine schnellen Füller für zwischendurch. Das sind Spiele mit Tiefe, Verzahnung, vielen Optionen und durchaus relevanten Entscheidungen, die manchmal erst zwei Runden später ihre Konsequenzen entfalten.

Natürlich dauern Züge da länger. Müssen, sollen und dürfen sie auch.

Wer Komplexität will, braucht diese Bedenkzeit. Das ist kein Designfehler — das ist Teil des Pakets.

Solange die Wartezeit aus der Spieltiefe entsteht, habe ich damit überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Genau in diesen Phasen passiert für mich das eigentliche Spiel. Ich baue mir Taktiken und Strategien im Kopf, bewerte Alternativen, wäge ab, passe meine Strategie an neue Situationen an.

Zäh wird es höchstens dann, wenn man selbst erst ernsthaft planen kann, nachdem die Person vor einem fertig ist, weil sich das gesamte Spielfeld noch einmal neu sortiert. Aber auch das ist meist kein Spielerproblem, sondern eine bewusste Designentscheidung. Wenn dann allerdings noch mal sehr komplexe Sachverhalte gegeneinander abgewogen werden müssen, dann haben wir echte Downtime, die ein Spiel zäh werden lässt. Kann man mögen oder lassen — gehört aber zur DNA solcher Titel irgendwie dazu. Gute wenn man dann in einer fundierten Kritik darauf hingewiesen wird und das Spiel so für sich bewerten kann.

Die einzige Downtime, die ich wirklich nicht mag

Was mich allerdings zuverlässig aus dem Flow reißt, ist die selbstgemachte Variante.

Du kennst sie auch.

Menschen, die während fremder Züge am Handy hängen, Nachrichten tippen oder Sprachnachrichten abhören — und dann, wenn sie dran sind, erstmal sichtbar sortieren müssen, wo wir eigentlich gerade stehen.

Das ist keine spielbedingte Downtime.
Das ist Aufmerksamkeits-Timeout.
Das ist das Leiden unserer Zeit.
Und das fühlt sich einfach respektlos an.

Nicht wegen der Zeit — sondern wegen der Haltung. Alle anderen bleiben im Spiel, nur eine Person ist mental woanders. Das ist der Moment, in dem Downtime wirklich nervt. Nicht, weil sie lang ist. Sondern weil sie vermeidbar wäre. Und das Schlimmste dabei: Ich nehme mich da nicht aus. Auch ich schweife manchmal ab. Schieße ein Foto der Spielsituation, mache eine schnelle Insta-Story. Und dennoch versuche ich in meinem Spielzug sofort so präsent zu sein, dass ich keine unnötige Downtime produziere. Klappt leider nicht immer.

Mein Take zur Downtime-Frage

Downtime ist für mich kein Feindbild. Sie ist ein Denkraum. Sie ist der strategische Atemzug zwischen zwei Zügen. Sie gehört zu anspruchsvollen Brettspielen einfach dazu wie Ressourcenmanagement oder Engine Building.

Ich habe null Probleme damit, wenn ein Spiel mir Zeit zum Nachdenken abverlangt. Was ich schwierig finde, ist dieses pauschale Downtime-Bashing, während gleichzeitig das Smartphone mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Spiel auf dem Tisch.

Vielleicht sollten wir weniger darüber reden, wie lange jemand braucht —
und mehr darüber, wie präsent wir eigentlich alle sind.

Denn wer mitdenkt, vorbereitet bleibt und im Spiel verankert ist, sorgt dafür, dass selbst längere Wartephasen ihren Sinn behalten – beziehungsweise so kurz wie möglich bleiben.

Und genau dann ist Downtime keine Bremse, sondern Teil eines guten Spieleabends.

Und ihr so? Downtime-Hater oder Downtime-Versteher? Schreibt es mal in die Kommentare …

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Angesprochen #5 – Brettspiel statt Kitesurfen

Von: Dirk
18. Mai 2026 um 08:00
Lesezeit: 2 Minuten

Manche Brettspiele überzeugen durch ihre Mechanik, andere durch ihr Setting.
Und dann gibt es Spiele wie Die Schlacht um Thors Kliff, die vor allem auch durch eines herausstechen: die Geschichte hinter ihrer Entstehung.

In Thors Kliff verschlägt es euch auf eine raue, nordische Insel, auf der verschiedene Fraktionen um Einfluss und Macht kämpfen. Das Besondere dabei: Das Spielbrett ist nicht einfach nur flach, sondern bildet die namensgebenden Klippen dreidimensional ab. Dadurch entstehen nicht nur visuell spannende Spielsituationen, sondern auch taktische Entscheidungen rund um Positionierung, Höhenunterschiede und Bewegung.

Dazu kommen asymmetrische Einheiten, unterschiedliche Fähigkeiten und ein Fokus auf direkte Konfrontation, der das Spiel schnell intensiv werden lässt. Es geht nicht nur darum, „seinen Zug zu machen“, sondern aktiv auf die Gegner zu reagieren, Chancen zu erkennen und Risiken einzugehen. Das Ganze eingebettet in ein thematisches Setting, das stark von nordischer Mythologie inspiriert ist.

Doch was dieses Spiel wirklich besonders macht, ist der Weg dorthin. Denn hinter Thors Kliff steht kein großes Verlagsteam – sondern Timo Zett, der dieses Projekt als Independent Entwickler nahezu im Alleingang umgesetzt hat. Von der ersten Idee über das Game Design bis hin zu Produktion, Organisation und Veröffentlichung lag alles in seiner Hand. Unterstütz wurde er dabei von einigen seiner Freunde und Bekannten. Finanziell, beim Testen und auch auf Messen und Veranstaltungen.

Und genau darüber spreche ich mit Timo in der aktuellen Folge des Würfelmagier Brettspiel Podcasts.

Besonders hängen geblieben ist mir dabei ein Satz aus unserem Gespräch, der das Ganze ziemlich gut auf den Punkt bringt: Andere kaufen sich einen Bulli und gehen kitesurfen – ich entwickele stattdessen ein Brettspiel. Am Ende, sagt er, ist beides einfach eine Art, sein Geld auszugeben. 😄

Wir sprechen darüber, wie aus einer ersten Idee ein fertiges Produkt wird – und was passiert, wenn man diesen Weg komplett alleine geht.
Wie organisiert man sich, wenn man gleichzeitig Designer, Produzent und Marketing ist?
Welche Hürden tauchen auf, mit denen man vorher nicht gerechnet hat?
Und wie geht man mit Momenten um, in denen ein Projekt plötzlich zu groß wirkt?

Aber es geht nicht nur um Herausforderungen. Denn genauso wichtig sind die besonderen Momente:
Der erste funktionierende Prototyp. Die ersten echten Spielrunden mit Feedback. Und vor allem der Moment, in dem man das fertige Spiel zum ersten Mal in den Händen hält – und aus einer Idee plötzlich Realität wird.

Wenn euch also nicht nur interessiert, wie sich ein Spiel spielt, sondern auch, wie es überhaupt entsteht, dann solltet ihr unbedingt reinhören.

Mehr Informationen zu Thors Kliff findet ihr auf der Webseite von Timo unter https://www.thorskliff.de

Die Sümpfe von Feya – Zwischen Nebel, Wasser und wachsenden Siedlungen

Von: Dirk
28. April 2026 um 11:55
Lesezeit: 5 Minuten

Ein feiner Nebel liegt über den stillen Wassern. Zwischen dichten Pflanzen und uralten Wurzeln treiben kleine Boote durch enge Kanäle. Inseln tauchen aus dem Sumpf auf, kaum mehr als feste Flecken im endlosen Grün – doch genau hier beginnt das Leben. Clans errichten ihre ersten Siedlungen, sammeln Ressourcen und wagen sich immer tiefer in das geheimnisvolle Gebiet hinein. Jeder Zug verändert die Landschaft ein wenig, jede Entscheidung schreibt die Geschichte weiter.

Kurzüberblick

In Die Sümpfe von Feya übernehmen die Spielenden jeweils einen Clan und entwickeln diesen über mehrere Runden hinweg weiter. Durch das Platzieren von Siedlungen, das Nutzen von Aktionen und den geschickten Umgang mit Ressourcen entstehen Schritt für Schritt funktionierende Strukturen – immer mit dem Ziel, möglichst viele Siegpunkte zu sammeln.


🧩 Die Sümpfe von Feya – Kurzinfo

Spieler: 1–4
Dauer: ca. 60–120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Komplexität: ⭐⭐⭐⭐☆ (Kennerspiel)

Mechaniken:
Worker-Placement · Ressourcenmanagement · Aktionsoptimierung · Tableau-Building · variable Spielerfähigkeiten

Worum geht’s?
In einer geheimnisvollen Sumpflandschaft führen wir unseren Clan durch ein Geflecht aus Wasserwegen und Inseln. Mit Booten erkunden wir neue Orte, setzen Arbeiter ein, sammeln Ressourcen und errichten Siedlungen. Viele Aktionen greifen ineinander – wer effizient plant, baut nicht nur sein Gebiet aus, sondern sorgt auch für stetiges Einkommen und punkteträchtige Kombinationen.

Für wen geeignet?
Für Spieler:innen, die verzahnte Eurogames mögen und Freude daran haben, mehrere Züge im Voraus zu planen. Besonders interessant für Fans von komplexeren Worker-Placement-Spielen mit vielen kleinen Stellschrauben und variablen Startbedingungen.

 Mehr Infos auf Boardgamegeek


Spielablauf im Überblick

Eine Partie verläuft über mehrere Runden, die stets demselben Fluss folgen:

  • Einkommen: Zu Beginn füllen sich die Vorräte – gespeist aus bestehenden Siedlungen und Clan-Fähigkeiten
  • Aktionsphase: Reihum entscheidet sich jede Person für genau eine Aktion
  • Rundenende: Figuren kehren zurück, Auslagen ändern sich, und der Sumpf bereitet sich auf die nächste Runde vor

Mit jeder Runde wächst nicht nur das eigene Gebiet, sondern auch die Komplexität der Entscheidungen.

Aktionsmöglichkeiten im Detail

Die Aktionen bilden das Herzstück des Spiels – sie bestimmen, wie sich dein Clan im Sumpf entfaltet:

  • Boot-Aktion: Deine Boote gleiten über das Wasser zu neuen Feldern. Dort nutzt du die jeweilige Aktion des Zielortes und erschließt neue Möglichkeiten
  • Land-Aktion: Ein eingesetzter Arbeiter aktiviert gezielt Effekte – ein präziser Eingriff in deine Strategie

Je nach gewählter Aktion kann man dann verschiedene Aktivitäten ausüben:

  • Fischen: In den Gewässern sammelst du Nahrung und Ressourcen, abhängig von deinen Fähigkeiten und Positionen
  • Handeln: Überschüsse werden umgewandelt – aus Rohstoffen entstehen gezielt nutzbare Werte wie Gold
  • Eine Siedlung bauen: Neue Außenposten entstehen auf Inseln und erweitern dein Einflussgebiet
  • Segeln: Auf der Segelleiste voranschreiten, um Vorteile und Siegpunkte zu erhalten
  • Feiern: Erfolgreiche Siedlungsstrukturen bringen zusätzliche Siegpunkte ein
  • Totem hinzufügen: Totemplättchen werden platziert und verstärken bestimmte Effekte auf den Inseln
  • Passen: Wer innehält, sichert sich Vorteile für den weiteren Verlauf der Runde

Die Aktionen greifen dann ineinander: Bewegung eröffnet neue Orte, Ressourcen ermöglichen Wachstum, und Siedlungen steigern langfristig deine Möglichkeiten.

Ziel und Spielende

Nach der letzten Runde wird der Erfolg jedes Clans sichtbar. Alle gesammelten Siegpunkte – aus Aktionen, erfüllten Zielen und weiteren Boni – werden addiert. Der Clan mit den meisten Punkten entscheidet das Spiel für sich.

Wie es gefällt

Die Sümpfe von Feya waren schon in Essen ein vielgesuchter Titel, und die wenigen englischen Exemplare waren schnell ausverkauft. Umso schöner, dass das Spiel nun bereits auf Deutsch erhältlich ist. Auf der Spiel doch! in Dortmund konnte ich bereits ein Exemplar mitnehmen und einen ersten Blick darauf werfen. Und allein der Autor sollte Spieleprofis hellhörig werden lassen: Helge Ostertag hat zuvor mit Terra Mystica und seinen Iterationen ein komplexes Gesamtwerk geschaffen. Die Sümpfe von Feya kommen nun etwas leichtfüßiger daher. Doch schon nach wenigen Partien kann ich sagen: „Vorsicht an der Bahnsteigkante!“ In den Sümpfen von Feya verbergen sich komplexere Zusammenhänge und Zwänge, als man zunächst vermutet. Klar, dass man die erst entdeckt, wenn man etwas tiefer eingetaucht ist.

Aber fangen wir vorne an. Im Kern ist es erst mal das, was wir als Worker-Placement bezeichnen: Arbeitstier auf einen Ort einsetzen und Sachen machen. Diese Aktionen können dann zu Wasser oder zu Land ausgeführt werden – und auch nur, wenn man vorher für die notwendigen Ressourcen gesorgt hat. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht statt mit allen beiden oder gar drei Booten nur mit einem die Aktion ausführen kann. Wäre ja Verschwendung! Und das mögen wir Optimierer so gar nicht. Das heißt aber auch, dass ich vorher genügend Geld zusammenhaben muss, damit ich viele Siedlungen bauen kann. Und dazu muss ich Fisch verkaufen, den ich vorher geangelt haben muss. Ihr merkt, worauf ich hinauswill: Im Sumpf ist Planung alles.

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Das Bauen der Siedlungen ist natürlich irgendwie der Kern des Ganzen. Das bringt nicht nur Punkte ein, sondern schaltet vor allem weitere Elemente oder Einkommen frei. Es gibt insgesamt vier Leisten mit je fünf Plätzen, von denen ich Siedlungen wählen kann. Auch da muss wieder gut geplant werden, welche Siedlung ich nehme und was ich damit freischalte. Ganz wichtig sind natürlich die zusätzlichen Arbeitskräfte, die ich so gewinnen kann.

Und damit es nicht langweilig wird und man beim Planen noch mehr aufpassen muss, gibt es in jeder Runde einen anderen Clanführer, mit dem man spielen muss. Da gibt es welche mit starken Sonderfähigkeiten, die aber dafür eine schlechte Initiative haben und dafür sorgen, dass ich in der Spielfolge hinten sitze. Dafür können sie umso günstiger Siedlungen bauen, aber nicht weit segeln. Und welche Sonderfähigkeit mir gerade nutzt, hängt ja auch noch von meiner Planung ab. Denn ich möchte mich ja nicht nur ausbreiten um des Ausbreitens willen, sondern vor allem so, dass ich Punkte mache – mit den zwei Wertungsbedingungen, die ab Spielbeginn ausliegen. Während des Spiels macht man dann noch Punkte mit den Zielkarten, die bestimmte Voraussetzungen bieten, die zu erfüllen sind, und über Feste auf den Inseln, bei denen der ganze Fisch gegessen wird, der am Ende ggf. auch noch Punkte bringt.

Und last but not least hat jedes der vier Clan-Tableaus noch eine Rückseite, die asymmetrische Fähigkeiten ins Spiel bringt. Die Krokodile sind viele (eine Figur mehr zur Verfügung). Die Salamander haben auf den Siedlungsleisten zufällig verteilte Plättchen mit Bonusdreingaben und so weiter … Da ist viel Varianz im Spiel und lässt auch künftige Partien bestimmt nicht langweilig werden. Und neue Völker als Erweiterung könnten auch schon in den Startlöchern stehen.

Spannend war auch, dass man das Spiel natürlich auch so spielen kann, dass man mit seinen Spielzügen es den anderen am Tisch möglichst schwer macht. So kann man es durch geschicktes Platzieren der Siedlungen für andere schwer machen die Zielkarten zu erreichen oder auch möglichst wenig Punkte mit den Wertungskarten zu erzielen.

Die mit Spieldauer steigenden Möglichkeiten erhöhen natürlich auch die Dauer der einzelnen Spielzüge. Gerade Personen, die alle Möglichkeiten abwägen wollen, können hier schon mal in die Grübelstarre verfallen. Zumal man häufig auch erst kurz vor seinem eigenen Zug entscheiden kann, ob man alles so umsetzen kann, wie man es vorhatte. Downtime ist also hier ein Thema falls es euch stört, sollte sich aber mit zunehmender Regel- und Strategiekenntnis deutlich verkürzen.

Fazit

Die Sümpfe von Feya verbinden ein zugängliches Grundprinzip mit einem deutlich höheren Anspruch, als es zunächst den Anschein hat. Hinter den klaren Abläufen entfaltet sich ein Geflecht aus Abhängigkeiten, das Planung und vorausschauendes Handeln konsequent einfordert. Besonders das Zusammenspiel aus Ressourcenmanagement, Siedlungsbau und den wechselnden Clanführern sorgt dafür, dass sich jede Partie anders entwickelt und immer wieder neue Schwerpunkte setzt.

Gleichzeitig lebt das Spiel von seiner Varianz: unterschiedliche Tableaus, variable Boni und wechselnde Ziele bringen Abwechslung ins Spiel und erhöhen den Wiederspielreiz. Wer bereit ist, sich tiefer mit den Mechanismen auseinanderzusetzen, entdeckt nach und nach die Feinheiten, die unter der Oberfläche des scheinbar ruhigen Sumpfes verborgen liegen.

Bestpreis finden bei brettspiel-angebote.de


Transparenzhinweis: Das Spiel wurde zu Rezensionszwecken vergünstigt vom Verlag zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Ersteinschätzung basiert auf den 3 ersten Partien mit jeweils zwei Personen.

Blocktivity

24. April 2026 um 02:33

Blocktivity von Gamelab reiht sich in die beliebte Kategorie der “Block-Spiele” ein, bei denen ein etabliertes Format aufgegriffen und dazu lediglich ein passender Spielblock geliefert wird. Die Denkriesen haben es…

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KARTONGEFLÜSTER – Wenn Schachteln flüstern können…

Von: Dirk
17. April 2026 um 12:23
Lesezeit: < 1 Minute

Unboxing für’s Ohr

Unboxing kennt man ja. Kamera an, neues Spiel auf den Tisch, los geht’s. Aber was passiert, wenn man das Ganze einfach nur hört? Willkommen bei KARTONGEFLÜSTER – dem vermutlich ersten Format, bei dem nicht die Augen, sondern die Ohren auspacken. 🎧📦


Rascheln, Knacken, Pöppeln – Kopfkino inklusive

Die Idee klingt schräg und ist es vielleicht auch. Ich packe ein Brettspiel aus und du bist live dabei – aber eben nur akustisch. Folie raschelt, Stanzbögen ploppen und Tütchen knistern. Und mittendrin dann meine Gedanken, Erwartungen und kleine Abschweifungen rund ums Spiel und das, was man beim ersten Öffnen eben so denkt.

Kurz gesagt: Unboxing für’s Ohr.


Folge 1: Forestry – der Wald rauscht… und knistert

Zum Start geht’s direkt tief in den Wald – genauer gesagt in die Schachtel von Forestry. 🌲

Hier geht es nicht um romantisierte Lebensräume, hier wird Forstwirtschaft betrieben. Sägen statt Hegen sozusagen. Und dabei spielt die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle.

Schon beim Auspacken zeigt sich, dass das Spiel schönes Material hat. Bedrucktes Holzmaterial, ein runder Spielplan und eine matte Optik mit schönen Farben. Aber: Wo viel Holz ist, ist leider auch… Plastik. Ein kleiner Seitenhieb, der im Podcast natürlich nicht unter den Tisch fällt.

👉 Also: Kopfhörer auf, Augen zu – und einfach zuhören.

Ein Zugüberfall für Zwei

Von: Dirk
10. April 2026 um 14:29
Lesezeit: 3 Minuten

Manchmal braucht es für einen guten Plan nur zwei Dinge: einen cleveren Kopf – und einen Komplizen. Genau darum geht es in „The Glasgow Train Robbery“ von Salt & Pepper Games. Das kooperative Brettspiel für zwei Personen lief kürzlich auf Gamefound – und der Coup ist gelungen: Die Kampagne konnte über 40.000 Euro einsammeln und mehr als 400 Unterstützer überzeugen.

Für mich persönlich war das übrigens ein eher ungewöhnlicher Klick auf den „Back“-Button. Crowdfunding funktioniert für mich inzwischen nur noch in sehr engen Grenzen. Zu viele Projekte, zu lange Wartezeiten, zu viele Deluxe-Varianten. „The Glasgow Train Robbery“ gehörte aber zu den wenigen Kampagnen der letzten Zeit, die ich tatsächlich unterstützt habe. Aber das Thema, das Artwork und der Fakt, dass es ein kooperatives Spiel für zwei ist, hat mich einfach überzeugt mal wieder ein Projekt zu unterstützen. Davon abgesehen mag ich die Spiel von Salt and Pepper Games sehr. Auch deren letztes Spiel Onoda hatte ich bereits unterstützt und der Verlag ist u.a. auch für diese besonders ausgefallenen Solo-Spiele (u.a. Conservas) bekannt. Aber auch Spiele für zwei sind eine Spezialität des Verlages.

Warum genau ich auf Crowdfunding nicht mehr so gut zu sprechen bin, darüber habe ich übrigens auch ausführlich mit Uli Blennemann von Spielworxx gesprochen – im „Beyond the Table“-Podcast. In der Episode geht es unter anderem darum, warum Crowdfunding für viele Spieler inzwischen schwieriger geworden ist und welche Projekte trotzdem noch überzeugen können.

Der historische Hintergrund

Die Vorlage für das Spiel ist übrigens einer der berühmtesten Kriminalfälle Großbritanniens. In den frühen Morgenstunden des 8. August 1963 stoppte eine Bande einen Postzug auf der Strecke von Glasgow nach London. Mithilfe manipulierten Signals wurde der Zug an einer abgelegenen Stelle zum Halten gebracht, die Crew überwältigt und gezielt der Geldtransport-Waggon geplündert.

Die Beute betrug rund 2,6 Millionen Pfund, damals eine astronomische Summe. Das entspricht heutzutage in etwa einem Gegenwert von etwa 80 Millionen Euro. Doch obwohl der Coup zunächst perfekt verlief und ohne einen einzigen Schuss abzugeben, verrieten sich einige der Täter später selbst – unter anderem durch Fingerabdrücke, die sie beim Spielen von Monopoly in ihrem Versteck hinterließen. Klingt wie ein schlechter Witz ist aber wahr. Und einer der bekanntesten Gauner Großbritanniens hatte seine Finger im Spiel (im wahrsten Sinne des Wortes) – Ronald Biggs. Dem gelang nach seiner Inhaftierung die Flucht und er lebte 35 Jahre im Ausland, u.a. lange Zeit in Brasilien. Doch 2001 kehrte er zurück nach Großbritannien, wo er 2013 auch starb. Natürlich gibt es zig Dokumentationen zu dem Überfall und einige Verfilmungen, die vom Raub inspiriert wurden oder diesen zum Vorbild hatten. Hervorzuheben ist aus deutsche Sicht der Film Die Gentlemen bitten zur Kasse mit Horst Tappert und Kurt Conradi, der unter dem Namen Arthur Finegan Ronald Biggs verkörperte.

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Ein Zugüberfall für genau zwei Personen

Diese Geschichte bildet die Grundlage für „The Glasgow Train Robbery“, ein kooperatives Spiel speziell für zwei Personen. Dabei übernehmen beide Spielende unterschiedliche Rollen innerhalb der Bande:

  • Coordinator – das strategische Gehirn im Safehouse, das den Plan organisiert und Ressourcen verteilt
  • Operator – der Mensch draußen an den Gleisen, der den Plan tatsächlich umsetzt

Besonders spannend: Kommunikation ist stark eingeschränkt. Spieler dürfen nur über bestimmte Aktionen ein paar Worte austauschen – ansonsten müssen Bewegungen, Karten und Entscheidungen als Hinweise interpretiert werden. Ein bisschen Gedankenlesen gehört also zum perfekten Coup. 

Der Plan in fünf Schritten

Der Überfall selbst läuft über mehrere Plan-Karten, die die echten Schritte des historischen Coups widerspiegeln:

  1. Signale manipulieren
  2. den Zug stoppen und die Crew überwältigen
  3. die Lok bewegen
  4. das Geld umladen
  5. mit dem Fluchtfahrzeug verschwinden

Währenddessen tickt ständig die Uhr: Jede Aktion kostet Zeit und der Zug bewegt sich unaufhaltsam Richtung London. Gleichzeitig sorgen unerwartete Ereignisse und mögliche Spuren – etwa Fingerabdrücke – dafür, dass der perfekt geplante Coup schneller eskalieren kann als gedacht.

Stretch Goals und Extras

Die Gamefound-Kampagne brachte auch einige zusätzliche Inhalte. Freigeschaltete Stretch Goals erweitern das Spiel unter anderem um zusätzliche Karten und Varianten, die neue Herausforderungen in den Ablauf des Überfalls bringen und für mehr Wiederspielwert sorgen.

Zugüberfall zum Mitnehmen

Neben dem klaren Fokus auf zwei Spieler punktet das Spiel auch mit seiner kompakten Box. Damit eignet sich „The Glasgow Train Robbery“ perfekt für unterwegs – egal ob im Urlaub, im Café oder (stilgerecht) im Zug.

Das Spiel befindet sich bereits in Produktion (Crowdfunding mal wieder „nur“ Marketing) und sollte dann auch pünktlich eintreffen, sofern es keine Komplikationen bei der Verschiffung gibt. Aus Sicherheitsgründen hat man von einem Versand per Zug abgesehen… 🙂 Einen Late Pledge wird es somit wohl nicht geben, aber ich bin mir sicher, dass man das Spiel zeitnah erwerben kann.

Schachtelgeschichten #2 – Deckers

Von: Dirk
27. März 2026 um 17:00
Lesezeit: 4 Minuten

Mit den Schachtelgeschichten entführe ich euch in die faszinierende Welt eines ausgewählten Brettspiels. Hier geht es nicht um eine klassische Rezension, ein Review oder eine detaillierte Spielanleitung. Stattdessen tauchen wir gemeinsam in die Geschichte und Atmosphäre ein, die das Spiel umgibt. Wie ein kleiner Einblick in die Welt, in der das Spiel spielt. Viel Spaß beim Eintauchen und Entdecken!

Habt ihr das Spiel vielleicht schon selbst gespielt oder eine spannende Anekdote dazu? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse gerne in den Kommentaren – ich bin gespannt auf eure Geschichten!

Eine Hackerin in einem dunklen Raum, nur von Monitorlicht beleuchtet, im Hintergrund eine futuristische Neon-Stadt. Vor ihr schwebt ein zweiter Decker nur als Avatar-Silhouette aus Code und Lichtfragmenten, verbunden durch Datenströme. Stimmung: düster, isoliert, cyberpunkig, literarisch, ruhig angespannt. KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

Zwischen zwei Signalen

Der Raum ist so dunkel, dass die Bildschirme wie Fenster wirken. Aber der Blick führt nicht nach draußen, sondern ins Innere des Codes – in ein Geflecht aus Daten, Sicherheitsroutinen und verborgenen Pfaden.

Mara sitzt ruhig vor dem Leuchten der Monitore. Doch unter dieser Ruhe liegt eine Spannung, die sie inzwischen gut kennt. Es ist die Spannung bevor man in ein System eindringt, ein System das noch nicht weiß, dass es gleich angegriffen wird.

Der Auftrag liegt offen vor ihr. Ein Archiv, das offiziell nicht existiert. Interne Verträge, Projektcodes, verschobene Budgets. Nichts Spektakuläres. Und genau deshalb brandgefährlich.

Sie überprüft die Metadaten ein zweites, dann noch ein drittes Mal. Alles wirkt sauber, fast klinisch. Als hätte jemand nicht nur aufgeräumt, sondern bewusst verdächtige Spuren geglättet. Zu sehr geglättet.

Ein zweites Fenster öffnet sich neben ihren Analysen. Ein Avatar erscheint.

Keine erkennbare Gestalt, nur eine abstrahierte Silhouette aus Lichtlinien und geometrischen Fragmenten. Kein Gesicht. Kein Körper. Nur Struktur. Daneben schwebt sein Name: Oshin Noro.

Sie kennt ihn seit fast zwei Jahren.
Sie kennt nur diesen Namen.

Keine Stimme. Kein Bild. Kein Hintergrund. Nur diese Präsenz im Netz – präzise, effizient, distanziert.

„Du siehst das auch?“, schreibt sie.

Eine kurze Pause, dann:

„Zu sauber.“

Mehr braucht es nicht.

Mara atmet langsam aus. Es ist seltsam beruhigend, dass jemand anderes denselben Verdacht hat. Auch wenn dieser Jemand für sie im Moment nur aus Code besteht.

Sie beginnen mit der Vorbereitung. Temporäre Identitäten, redundante Maskierungen, geteilte Zugriffspfade. Mara bewegt sich vorsichtig, legt Schicht über Schicht, während Oshin Noro parallel alternative Routen berechnet und Sicherheitsprotokolle simuliert. Sie sieht seine Spuren im System – klare, präzise Eingriffe, keine unnötigen Bewegungen.

Sie mag diese Art zu arbeiten. Keine großen Worte. Nur Struktur.

Jetzt geht es los. Die erste Sicherheitsschicht öffnet sich.

Dokumente erscheinen. Interne Memos. Projektverweise. Zahlenkolonnen. Alles wirkt geordnet, fast langweilig. Doch unter dieser Ordnung liegt eine Spannung, die sie nicht greifen kann.

„Wir gehen langsam rein“, schreibt sie.

Geschwindigkeit ist zweitrangig. Sichtbarkeit nicht, antwortet Oshin Noro.

Sie extrahieren kleine Datenpakete, fragmentiert, über verschiedene Kanäle verteilt. Nichts Auffälliges. Keine großen Transfers. Nur ein stetiger, kaum wahrnehmbarer Abfluss von Information.

Dann verändert sich etwas.

Ein Hintergrundprozess startet neu.
Ein Zugriffstimer verschiebt sich.
Ein Logfile aktualisiert sich synchron zu ihren Bewegungen.

Mara spürt es sofort.

„Sie beobachten.“

Bestätigt, schreibt Oshin Noro. Musterabweichung erkannt.

Ihr Herz schlägt schneller, doch ihre Hände bleiben ruhig. Sie beschleunigt den Transfer minimal, nur genug, um etwas Zeit zu gewinnen. Oshin Noro öffnet eine Reserveleitung, leitet Daten um, verschleiert ihre Signaturen.

Für einen Moment funktioniert es.

Dann flackert ein internes Warnsignal auf.

Kein öffentlicher Alarm.
Aber nah genug.

Das System beginnt, sich zu schließen. Zugriffsebenen werden neu strukturiert. Knotenpunkte isoliert. Die Architektur verändert sich spürbar.

„Wir verlieren den Zugang“, tippt sie.

Ja.

Keine Panik. Keine Dramatik. Nur ein kurze präzise Feststellung.

Mara trifft eine Entscheidung.

„Abbruch in dreißig Sekunden.“

Einverstanden.

Sie sichern, was sie haben. Fragmentieren die letzten Dateien, verschlüsseln sie neu und stoßen sie durch ihre vorbereiteten Kaskaden. Oshin Noro löscht parallele Spuren, erzeugt künstliches Rauschen, verschiebt Zeitstempel.

Das System schließt sich schneller, als sie erwartet hatte.

Die letzte Verbindung bricht ab.

Die Monitore zeigen wieder normales Datenrauschen. Keine Zugänge mehr. Kein Archiv. Kein Beweis, dass es je offen war.

Mara lehnt sich zurück und merkt, dass sie die ganze Zeit die Luft angehalten hat.

Sie sehen auf die gesicherten Fragmente.

Unvollständig.

Nicht genug.

„Das reicht nicht“, schreibt sie.

Eine kurze Pause.

Nein.

Sie starrt auf den dunklen Rand des Bildschirms, in dem sich ihr Gesicht spiegelt. Müde Augen im Neonlicht. Ein Auftrag, der halb erledigt ist, aber nicht verwertbar.

Scheitern fühlt sich selten dramatisch an. Es fühlt sich an wie dieses hier: ruhig. Nüchtern. Unbefriedigend.

„Sie waren vorbereitet“, schreibt sie.

Ja.

„Sie haben gewartet.“

Wahrscheinlich.

Sie denkt nach. Nicht über das Risiko. Nicht über die beinahe-Entdeckung. Sondern über das, was hinter diesem Archiv steckt. Wenn es so schnell abgeschottet wurde, muss es wichtig sein.

„Wir versuchen es wieder“, tippt sie schließlich.

Lange passiert nichts.

Dann erscheint:

Anderer Zeitpunkt. Anderer Einstieg. Neue Struktur.

Sie lächelt schwach.

„Ein anderer Tag.“

Ja.

Der Avatar bleibt noch einen Moment sichtbar, dann löst er sich in Lichtfragmenten auf. Das Fenster schließt sich..

Mara bleibt allein mit dem leisen Summen der elektronischen Geräte und dem Gefühl, dass das Netz heute nicht gewonnen hat – aber auch nicht sie.

Sie weiß, dass sie beobachtet wurden. Vielleicht nur kurz. Vielleicht unvollständig. Aber irgendwo existiert jetzt ein Protokoll mit einer Anomalie.

Sie speichert die Fragmente in einem isolierten Speicherbereich und beginnt, ihre Spuren zu verwischen. Langsam. Sorgfältig.

Es war kein Sieg.

Aber es war auch keine Niederlage.

Und irgendwo im Geflecht aus Servern und Schatten wartet ein Archiv darauf, erneut angegriffen zu werden.

Nicht heute.

Aber bald.

 


Die Schachtelgeschichte zum Hören


Diese Geschichte stammt aus der Schachtel von Deckers.

In Deckers versuchen wir als Hacker gemeinsam in ein System einzudringen. Dabei kommt es sowohl auf gute Zusammenarbeit an, aber auch auf geschickte Nutzung der individuellen Fähigkeiten und Decks. Jeder Decker ist etwas anders und jeder Server hält andere Herausforderungen bereit. Und das ist auch gut so. Denn so bleibt das Spiel abwechslungsreich und herausfordernd. Aber falls das so klingt, als sei das Spiel auch in den ersten Leveln einfach zu schaffen, muss ich enttäuschen. Das Spiel ist m.E. bockschwer und es braucht nicht nur die richtige Strategie, sondern auch das richtige Timing, um wirklich ins System reinzukommen und den Server zu besiegen.


Die Rahmendaten

Autoren: Richard Wilkins
Illustration: Lars Siegmon
Verlag: Deep Print Games / Pegasus Spiele
Spieldauer: ca. 60-90 Minuten
Anzahl: 1-4 Personen
Alter: ab 12 Jahren

Link zu Boardgamegeekhttps://boardgamegeek.com/boardgame/443306/deckers

Bestpreis bei brettspielangebote.de finden …


Transparenzhinweis: Das Spiel wurde mir vom Verlag für Rezensionszwecke bereitgestellt.

Bildcredits: KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

 

Beyond the Table #3 – Warum wir spielen

Von: Dirk
22. März 2026 um 10:49
Lesezeit: 2 Minuten

Warum spielen wir? Genau dieser Frage widmen wir uns in der neuen Folge von Beyond the Table im Würfelmagier Brettspiel Podcast.

Gemeinsam mit Uli von Spielworxx spreche ich diesmal noch weniger über konkrete Spiele, sondern über das, was hinter unserem Hobby steckt: Motivation, Emotionen und unterschiedliche Arten, Spiele zu erleben. Und ihr erfahrt, wer von uns der Sharknado der Wargamer ist.

Viele von uns haben ihre ersten Erfahrungen mit Klassikern wie Mensch ärgere dich nichtMonopoly oder Mühle gemacht. Spiele, die zunächst simpel wirken, aber oft der Einstieg in eine Leidenschaft waren. Schon damals ging es letztlich um etwas, das bis heute zentral geblieben ist: Spaß am Spieltisch.

Doch Spaß bedeutet für jeden etwas anderes. Für manche steht das Gewinnen im Vordergrund, andere genießen vor allem das Tüfteln an Mechanismen oder das Eintauchen in eine Spielwelt. Und oft ist es einfach die gemeinsame Zeit am Tisch, die eine Partie besonders macht. Ein mittelmäßiges Spiel in einer guten Runde kann schließlich mehr wert sein als ein Meisterwerk in der falschen Gruppe.

Der Spieltisch wird dabei zu einem sozialen Raum. Hier treffen Menschen aufeinander, erleben gemeinsam Geschichten, diskutieren über Züge – und tragen manchmal auch Konflikte aus, allerdings in einem sicheren Rahmen, den die Regeln des jeweiligen Spiels vorgeben.

Gerade thematische Spiele schaffen dabei oft eine besondere Form der Immersion: Während man die Figuren über den Spielplan bewegt, entstehen im Kopf mitunter Geschichten. Andere Spielerinnen und Spieler wiederum interessieren sich vielleicht stärker für die Mechaniken und Strategien hinter einem Spiel. Beides sind legitime Wege unser Hobby zu erleben.

Am Ende geht es aber oft gar nicht so sehr ums Gewinnen oder Verlieren. Spiele ermöglichen uns auch eine kleine Alltagsflucht: ein paar Stunden abschalten, das Handy weglegen, die Welt vergessen und sich ganz auf das konzentrieren, was gerade auf dem Tisch passiert.

Vielleicht ist genau das in diesen Zeiten der wichtigste Grund, warum wir spielen.

Die komplette Folge könnt ihr euch jetzt im Podcast anhören. 🎧

Wer? Wann? Wo? Ein Logiktrip ins Inka-Reich

Von: Dirk
20. Februar 2026 um 17:23
Lesezeit: 4 Minuten

Auch bei den Inkas (nein, nicht Inka Brand!) wurde anscheinend ordentlich geknobelt. Kronologic – Cuzco 1450 aus dem Hause Pegasus Spiele schickt uns ins historische Hochland der Inka – und direkt hinein in eine Reihe knackiger Deduktionsfälle.


🧩 Kronologic – Cuzco 1450 – Kurzinfo

Spieler: 1–4
Dauer: ca. 30–45 Minuten pro Fall
Alter: ab 10 Jahren
Komplexität: ⭐⭐⭐☆☆ (gehobenes Familienspiel / leichtes Kennerspiel)

Mechaniken:
Deduktion · Logikrätsel · Informationsmanagement · Szenarien

Worum geht’s?
Im historischen Cuzco rekonstruieren wir mysteriöse Ereignisse: Wer war wann wo? Runde für Runde bekommen wir neue Hinweise – teils offen, teils geheim – und knobeln uns durch Zeitachsen und Positionen, bis das Gesamtbild stimmt. Kein Glück, kein Bluff: Nur Kombinieren, notieren und sauber schlussfolgern.

Für wen geeignet?
Für Rätsel-Fans, Deduktionsliebhaber und alle, die gern mit Stift und Gehirn arbeiten. Ideal auch für Solo-Spieler oder Gruppen, die kurze, knackige Denkspiele mit steigender Herausforderung mögen.


Wie es abläuft

Statt Würfelglück gibt’s hier Kopfarbeit: Hinweise sammeln, Zeitachsen vergleichen, Positionen kombinieren – und Stück für Stück das Puzzle zusammensetzen. Das Spiel fühlt sich dabei angenehm „oldschool“ an, bringt aber mit seiner Szenario-Struktur genug mit, um auch längeren Spielspaß mit einer Lernkurve zu bieten. Kurz gesagt: Das ist Futter für alle, die gerne Linien ziehen, Vermutungen einkreisen und am Ende mit einem leisen Aha! am Tisch sitzen.

Der Einstieg gelingt schnell, die Fälle ziehen nach und nach an – und genau das macht den Reiz aus: Man wächst mit jeder Partie ein kleines bisschen tiefer ins System hinein.

Die Regeln in ultra-kurz:

  • Szenario „aufbauen“ und Karten bereitlegen.
  • Jede Runde bekommt man Infos – teils offen, teils geheim
  • Notieren der Information, kombinieren und dann schlussfolgern.
  • Wer die richtigen Antworten zuerst hat, gewinnt.

Mehr ist es im Kern nicht – der Rest passiert im Kopf. 😉

Sechs Charaktere bewegen sich zwischen den 6 Orten.

Herzstück des Spiels ist die Schablonen-Mechanik und die finde ich wirklich gut gemacht und clever: In deinem Zug wählst du entweder eine der sechs Personen oder einen der sechs Zeitpunkte, nimmst die passende Schablone und schiebst sie mit dem „Gesicht“ nach unten unter die Ortskarte. Dann drehst du das Ganze um und in den Aussparungen tauchen genau die Informationen auf, die zu dieser Wahl gehören. Ein Teil davon ist für alle gedacht (eher eine allgemeine Info über die Anzahl der Personen, die zu dieser Zeit an diesem Ort waren bspw.), ein Teil bleibt nur dir vorbehalten (bspw. eine sehr konkrete Info über eine Person, die zu diesem Zeitpunkt sicher an diesem Ort war).

Das wirkt erstmal simpel – ist aber genau der Moment, in dem die eigentliche Arbeit beginnt. Denn jede neue Info verändert das Gesamtbild. Zeitpunkte verschieben sich, Positionen fallen weg, neue Kombinationen werden möglich. Wer aufmerksam mitliest und mitdenkt, baut sich Schritt für Schritt seine eigene Lösung zusammen. Kein Raten, kein Glück – nur Beobachtung, Logik und das berühmte „Moment mal…“.


Und wie war es?

Man braucht definitiv ein, zwei Fälle, um wirklich reinzukommen – vor allem, um zu lernen, alle Informationen auf dem Tisch auch wirklich zu sehen. Die Hinweise sind da, keine Frage. Aber sie richtig miteinander zu verknüpfen, braucht Übung. Und man muss – ähnlich wie bei Sudoku und Co. auch zwischen den Zeilen denken.

Ja, offiziell ist das Spiel ab 10 Jahren freigegeben. Rein technisch mag das stimmen – praktisch glaube ich aber, dass viele Kinder (und auch Jugendliche) damit erstmal überfordert sind. Besonders dann, wenn jemand mit am Tisch sitzt, der schon ein paar Jahre Logikrätsel-Erfahrung auf dem Buckel hat. (Kleiner Nostalgie-Moment an dieser Stelle: Hatte eigentlich außer mir noch jemand den P.M. Logik-Trainer? 😄) Der Unterschied im Tempo beim Rätseln kann hier schon spürbar sein.

Wenn man diese Einstiegshürde aber genommen hat, entfaltet das Spiel seinen Reiz: Die Knobelei macht Spaß, es gibt eine klare Lernkurve – und ja, man wird tatsächlich besser. Mit jedem Fall erkennt man Muster schneller, setzt die Zeitachsen sauberer fort und trifft frühere, fundiertere Schlüsse.

So ehrlich muss man aber sein: Das Thema ist komplett Banane. Ob wir nun im Inka-Reich ermitteln, in Paris, auf dem Mond oder bei den Reptoloiden im Innern der Erde – spielmechanisch macht das wirklich keinen Unterschied. Die Figuren, Orte und Zeitpunkte sind am Ende nichts weiter als Marker auf einer Logikmatrix. Eine echte Atmosphäre kommt dabei nicht auf, dafür ist das Spiel viel zu abstrakt.

Das Setting funktioniert als hübsche Kulisse, trägt aber praktisch nichts zum Spielerlebnis bei. Wer hier auf historische Immersion hofft, wird enttäuscht. Wer hingegen einfach ein gutes Rätselspiel sucht, dem ist das Thema ziemlich egal – und genau so fühlt es sich auch an.

Geboten werden drei Szenarien mit jeweils fünf Fällen – unterm Strich also 15 Logikrätsel mit steigender Komplexität. Die ersten Aufgaben dienen klar als Tutorial, später wird’s anspruchsvoller. Schön gelöst: Jedes Szenario bringt kleine Variationen mit, sodass man nicht nur schwerere Rätsel bekommt, sondern auch neue Denkansätze braucht.

Aber auf eines muss man wirklich achten: Sagt mit großer Sorgfalt an welche Kombination an Person/Zeitpunkt und Ortskarte ihr gerade betrachtet und stellt sicher, dass jeder am Tisch das auch mitbekommt. Denn wenn man hier – nur mal ganz zufällig rausgegriffen – die Salinen mit den Terrassen verwechselt und der Mitspielerin den falschen Ort nennt, selbst aber natürlich den richtigen einträgt, ja, dann kann das nicht nur das ganze Rätsel zum Einsturz bringen, sondern auch emotionale Turbulenzen am Spieltisch auslösen.

Und für ganz eifrige Rästelfans sei gesagt, dass es sicherlich auch noch mal Nachschub geben wird. denn es existiert bereits ein Erweiterungspack mit einem weiteren Szenario und fünf weiteren Fällen. Das gibt es aber derzeit noch nicht in Deutschland.

Hinter dem Sichtschirm macht man seine Notizen.

Mein Fazit

Unterm Strich: Kein Spiel für mal schnell nebenbei, kein Wohlfühl-Familienspiel – sondern ehrliche Kopf- und Knobelarbeit. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein schönes Deduktionspuzzle mit Fortschrittsgefühl. Und genau das hat uns am Tisch am Ende überzeugt. Übrigens lässt sich das Ganze natürlich auch solo spielen. Hier erhält man dann am Ende eine Einschätzung, wie gut man gerätselt hat. Einfach zählen wie viele Hinweise man brauchte und in der Tabelle ablesen.

Transparenzhinweis: Das Spiel wurde zu Rezensionszwecken kostenfrei durch den Verlag zur Verfügung gestellt.

Beyond The Table #2 – Crowdfunding, Wandel und Perspektiven

Von: Dirk
15. Februar 2026 um 08:31
Lesezeit: < 1 Minute

Crowdfunding ist ein Phänomen, das die Brettspielwelt in den letzten 15 (?) Jahren fundamental verändert hat. Vom Nischen-Experiment für Enthusiasten bis zur dominierenden Finanzierungsform und relevanten Marketinginstrument.

In der zweiten Folge unseres Gesprächs-Formats Beyond The Table widmen wir uns genau diesem Phänomen: Gemeinsam mit Uli Blennemann von Spielworxx blicke ich auf den aktuellen Status des Crowdfunding-Ökosystems in der Brettspielbranche.


Warum Crowdfunding heute mehr ist als nur Geld sammeln

Crowdfunding begann als Plattform für kreative Ideen, bei denen die Unterstützer direkt Teil der Entstehung wurden. Heute dagegen dominieren globale Kampagnen, sechs- bis siebenstellige Summen sind keine Seltenheit mehr und selbst etablierte Verlage setzen zum Teil ausschließlich auf Kickstarter & Co.

Uli und ich richten den Blick nicht auf die Zahlen, sondern vor allem auf das, was diese Form der Finanzierung für die Menschen bedeutet, die Spiele entwickeln, produzieren und dann (irgendwann) spielen.


Die zweite Folge von Beyond The Table ist ab sofort überall verfügbar, wo es Podcasts gibt. In diesem Format sprechen wir nicht über ein einzelnes Spiel, sondern über den Kontext, die Mechanismen und die Menschen dahinter.

👇 Hier direkt anhören – deine Gedanken und Fragen sind uns wie immer willkommen.

Brettspiel Notizen Februar 2026

Von: Dirk
13. Februar 2026 um 15:35
Lesezeit: 2 Minuten

Beyond the Deckers of the Horizons

Das Jahr 2026 ist schon eine zeitlang angebrochen, also ist es höchste Zeit, die Brettspiel-Notizen der letzten Monate zu ordnen. Das vergangene Jahr 2025 war ein echtes Brettspiel-Feuerwerk, und auch der Januar hat bereits einige spannende Titel auf den Tisch gebracht – Umzugskisten und Grippe hin oder her.

Ein Rückblick: Was 2025 hängen blieb

Besonders ein kleiner Titel hat sich zum Dauerbrenner vor allem für unter der Woche entwickelt: Ein Kartenspiel, das zugänglich und gleichzeitig belohnend ist. Es kam fast jedes Mal auf den Tisch kam, wenn die Zeit knapp war. Hätte ich nicht gedacht als ich das Spiel das erste Mal gesehen habe.

Auf der komplexeren Seite hat uns vor allem der Tee-Anbau und ein Ausflug ins alte Ägypten beschäftigt. Ein echtes Highlight war jedoch ein Schwergewicht von Stefan Feld. Wer vor dem opulenten Material anfangs zurückgeschreckt ist, darf aufatmen: Es ist gar nicht so „monströs“, wie es aussieht – vor allem, wenn man weiß, wie man die Würfelergebnisse zu seinem Vorteil manipuliert.

Frischer Wind im Januar

Der Start ins neue Jahr war geprägt von rasanten Echtzeit-Partien und taktischen Hacker-Angriffen. Habt ihr schon mal versucht, unter Zeitdruck eine Titelseite für eine Zeitung zu layouten? Es ist stressig, es ist chaotisch, aber es fängt das Thema einfach perfekt ein.

Aber hört am besten selber rein. 🙂


Die im Podcast erwähnten Spiele im Überblick:

  • Castle Combo (Der Dauerbrenner 2025)
  • Tea Garden (Tee-Anbau mit Deckbuilding)
  • Men Nefer (Klassisches Euro-Game im alten Ägypten)
  • Civolution (Das expertige Experten-Highlight von Stefan Feld)
  • Cities
  • Tower Up
  • Viticulture (Der Klassiker an Silvester)
  • Railroad Tiles (Die Legespiel-Variante von Railroad Ink)
  • Druckfrisch / Fit to Print (Hektik in der Zeitungsredaktion)
  • Rebirth (Wiederaufbau in Schottland und Irland)
  • Deckers (Knallhartes Hacker-Coop)
  • Compile (KI-Duell für zwei Personen)
  • Cultivo (Marktmechanismus im 90er-Look)
  • Beyond the Horizon (Zivilisations-Aufbau)

Was waren eure Highlights im letzten Jahr und was habt ihr im Januar schon alles ausprobiert? Schreibt es uns gerne im Discord oder per Mail!

Scroll. Klick. Wikinger. 

Von: Dirk
10. Februar 2026 um 13:07
Lesezeit: 2 Minuten

Manchmal stolpert man einfach über Dinge, bei denen man sofort hängen bleibt. Genau so ging es mir mit The Danes (Die Dänen). Entdeckt habe ich das Projekt ganz klassisch in der Hotness-Liste von BoardGameGeek. Eigentlich wollte ich was nachschauen und zack: plötzlich tief drin in Wikinger-Plänen von Feuerland und in den Forendiskussionen.

Was ursprünglich wohl als Erweiterung oder Ergänzung für Ein Fest für Odin gedacht war, ist inzwischen zu einem eigenständigen Schwergewicht herangewachsen (angeblich mit Gloomhaven-großer Box!). Hinter dem Projekt stehen unter anderem Uwe Rosenberg aber wohl vornehmlich Gernot Köpke, der auch auf BGG sehr aktiv ist. Veröffentlicht wird das Ganze dann bei Feuerland Spiele. Die Kombination von Namen lässt viele Strategiefans hellhörig werden.

Vom Add-on zum Mammutprojekt

Beim Lesen der Foren wird schnell klar: Bei The Danes erwartet uns wohl ein großformatiges Worker-Placement-Spiel mit Fokus auf Aufbau, Erkundung, Ressourcenmanagement und langfristiger Planung. Der Umfang soll deutlich über dem liegen, was man sonst von klassischen Eurogames kennt – inklusive sehr großer Box und reichlich Material.

Besonders spannend fand ich die Community-Stimmung:
Ein Teil der Spieler ist sofort Feuer und Flamme („endlich wieder Wikinger“), andere bleiben vorsichtig und wollen erst Regeln und Gameplay sehen, bevor sie sich festlegen. Denn wirklich viel sieht man noch nicht. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: Das Projekt wirkt ambitioniert – und alles andere als klein gedacht. Und so hat sich auch der Zeitplan gleich mal verschoben.

Crowdfunding in Sicht

Aktuell deutet vieles auf eine Crowdfunding-Kampagne im Laufe von 2026 hin. Die letzte Info ließ den Start in Q2 2026 möglich erscheinen, mit dem Ziel der Auslieferung bis Q1 2027. Eigentlich sollte das Spiel bereits in 2026 erscheinen, war wohl aber zu ambitioniert. Auch spannend dürfte die Preisgestaltung werden. Bei einem Spiel dieses Umfangs und mit so viel Material werden wir bei den aktuellen Produktionskosten und Logistikaufwänden definitiv die 100 Euro Grenze knacken – vermutlich sogar die 120. Alles andere wäre überraschend günstig. Konkrete Details zu Mechaniken und zum finalen Umfang oder zur Ausstattung sind noch rar, aber genau das macht den Reiz gerade aus: The Danes fühlt sich für mich wie eines der Spiele an, die man nicht aktiv gesucht hat – die einen aber trotzdem irgendwie sofort in den Bann ziehen. Man merkt allerdings beim Betrachten der Bilder, dass es eine gewisse Nähe zu Ein Fest für Odin gibt. Allerdings alles in XXL. Eine Abbildung zeigt verschiedene kleine Boxen, die in der Box enthalten sind. Das Ganze noch gehalten von Legosteinen – Prototypen at its best…

Mein Fazit

Ein klassischer Fall für die Kategorie „Nicht gesucht, trotzdem gefunden“:
The Danes ist mir zufällig über den Weg gelaufen und hat sich innerhalb weniger Minuten von einem unbekannten Eintrag in der BGG-Hotness zu einem Projekt entwickelt, das ich definitiv weiter beobachten werde, auch wenn ich etwas „Angst“ vor dem Umfang des Spiels habe. Und man muss auch erstmal abwarten, inwiefern sich The Danes (Die Dänen) von Ein Fest für Odin unterscheidet.

Wer sich selbst nochmal durchfräsen will, sollte in die Foren bei BGG eintauchen… 


Bildnachweis: Boardgamegeek / Feuerland (https://boardgamegeek.com/image/9012269/the-danes)

Schachtelgeschichten # 1 – Saltfjord

Von: Dirk
06. Februar 2026 um 06:59
Lesezeit: 4 Minuten

Mit den Schachtelgeschichten entführe ich euch in die faszinierende Welt eines ausgewählten Brettspiels. Hier geht es nicht um eine klassische Rezension, ein Review oder eine detaillierte Spielanleitung. Stattdessen tauchen wir gemeinsam in die Geschichte und Atmosphäre ein, die das Spiel umgibt. Wie ein kleiner Einblick in die Welt, in der das Spiel spielt. Viel Spaß beim Eintauchen und Entdecken!

Habt ihr das Spiel vielleicht schon selbst gespielt oder eine spannende Anekdote dazu? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse gerne in den Kommentaren – ich bin gespannt auf eure Geschichten!


Ein nebliger Hafen. Ein Fischerboot fährt aus. KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

Das Gewicht eines Tages

Ich wache auf, noch bevor das Licht durch die schmalen Fensterscheiben dringt, und für einen Moment weiß ich nicht, ob ich aus einem Traum komme oder aus einer dieser unruhigen Nächte, in denen der Schlaf nur eine Aneinanderreihung von Gedanken ist, die irgendwann in Müdigkeit übergehen. Der Wind ist da, noch bevor ich mich überhaupt bewege, er liegt wie ein dumpfes Geräusch in der Luft, ein stetiges Drängen gegen die teilweise luftdurchlässigen Holzwände des Hauses. So als würde etwas Großes draußen ungeduldig warten.

Ich setze mich auf die Bettkante und spüre die Kälte der Dielen unter meinen Füßen, diese tiefe, ehrliche Kälte, die nicht schmerzt, sondern sich einfach festsetzt, als wäre sie ein Teil der Dinge, die hier dazugehören, wie das Salz in der Luft oder die Feuchtigkeit in den Wänden. Heute fahren wir weit hinaus, und dieser Gedanke liegt schon in mir, noch bevor ich aufstehe, noch bevor ich mir die Jacke überziehe, noch bevor ich das erste Wort des Tages denke.

Weit hinaus bedeutet einen besseren Fang nach Hause zu bringen, das weiß jeder hier. Es bedeutet zugleich größere Entfernungen, längere Wege zurück, weniger Schutz, weniger Spielraum für Fehler. Man spricht nicht viel darüber, aber jeder kennt diese Rechnung. Man fährt nicht hinaus, weil man will, sondern weil man muss. Und man bleibt nicht im Hafen, weil es sicherer ist, sondern weil man es sich leisten kann. Heute können wir es uns nicht leisten.

Im Hafen ist es still, aber es ist keine ruhige Stille. Es ist eine gespannte Stille, eine, die zwischen den Dingen hängt, zwischen den Booten, zwischen den Stegen, zwischen den Häusern, als würde der Ort selbst den Atem anhalten. Ich gehe mein Boot ab, prüfe die Netze, die Leinen, das Segel, die Kisten. Und obwohl ich diese Abläufe seit Jahren kenne, fühlt es sich nicht nach Routine an, sondern nach einem Versuch, Ordnung in etwas zu bringen, das sich im Kern nie ordnen lässt.

Der Himmel ist grau, aber nicht dramatisch, nicht bedrohlich, nicht offen gefährlich. Er ist einfach unentschlossen, eine gleichmäßige Fläche ohne Richtung, ohne Versprechen, ohne klare Aussage, und genau diese Art von Himmel macht mir mehr Angst als ein Sturm. Stürme sind ehrlich. Sie sagen, was sie wollen. Dieses Grau sagt gar nichts.

Ich denke an die letzten Tage. An die leeren Kisten. An die Blicke beim Verkauf. An die Gespräche, die immer kürzer werden, je weniger es zu verteilen gibt. Oft ist es nur ein bedauerndes Nicken nach dem Blick auf die leeren oder allenfalls dürftig gefüllten Kisten. In Saltfjord lebt man nicht von einzelnen guten Tagen, sondern von der Wiederholung. Von der Verlässlichkeit. Von der Hoffnung, dass sich Dinge tragen, wenn man sie nur lange genug weiterführt. Aber diese Hoffnung wird dünner, und manchmal fühlt sie sich an wie ein Versprechen, das niemand mehr wirklich überprüft.

Als ich das Segel hisse, knarzt es im Gebälk, nur kurz, nur ein kleines Knarren, aber es reicht, um Gedanken in Bewegung zu setzen, um Möglichkeiten zu öffnen, die ich lieber geschlossen halten würde. Was, wenn der Mast bricht falls der Wind doch auffrischt?! Was, wenn der Wind dreht. Was, wenn der Nebel kommt. Was, wenn heute der Tag ist, an dem das Meer entscheidet, dass es mir genug gegeben hat.

Ich fahre trotzdem los, weil es keine Alternative gibt, die sich besser anfühlt, und weil Stillstand hier nicht Sicherheit bedeutet, sondern ein langsameres Scheitern.

Je weiter ich hinausfahre, desto mehr verschwindet das Land, nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern leise, schrittweise, als würde es sich einfach zurückziehen, bis es nur noch eine Linie ist, dann nur noch ein Gedanke, dann nur noch Erinnerung. Das Wasser wird dunkler, der Wind direkter, und die Bewegungen des Boots werden ehrlicher, weniger gedämpft, weniger geschützt.

Hier draußen fühlt sich alles größer an, tiefer, schwerer, und gleichzeitig leerer.

Ich werfe die Netze aus und warte, und dieses Warten ist schlimmer als jede konkrete Gefahr, weil es Zeit lässt für Gedanken, für Rechnungen, für die leisen Sorgen, die sich sonst im Lärm des Alltags verlieren. Ich denke an das Haus, an die Küche, in der sich Anna wieder Sorgen macht, an die Schulden beim alten Hansen, an Wärme, an Tage, die nicht mit diesem Gewicht beginnen und nicht mit dieser Müdigkeit enden. Ich denke nicht an Reichtum und nicht an Gewinn, sondern an Normalität, an ein Leben, das nicht ständig am Rand der Unsicherheit steht.

Meine Hände sind rau, voller Risse, voller alter Schnitte, Spuren eines Lebens, das nie leicht war, aber lange tragbar. Das Meer ist ruhig, fast zu ruhig, und ich weiß, dass Ruhe hier kein Versprechen ist, sondern nur eine Pause.

Als ich beginne, die Netze einzuholen, spüre ich ein Zittern in mir, das nichts mit der Kälte zu tun hat. Es ist diese Mischung aus Hoffnung und Angst, aus Erwartung und Resignation, dieses Wissen, dass der nächste Moment etwas entscheidet, das größer ist als ein Fang, größer als ein Tag, größer als eine Fahrt.

Für einen kurzen Augenblick halte ich inne, sehe auf das dunkle Wasser und frage mich, ob das Meer heute gibt oder nimmt, und ob man den Unterschied manchmal überhaupt noch erkennt.


Und wer das Ganze lieber hören möchte, kann hier nun auch in die erste Schachtelgeschichte reinhören.


Diese Geschichte stammt aus der Schachtel von Saltfjord.

Saltfjord ist kein storybasiertes Spiel, sondern ein Euro durch und durch. Und dennoch schafft es bei mir Bilder im Kopf. Gerade das Rausfahren zum Fischen ist sehr schön integriert und war der Ansatz für die Schachtelgeschichte. Es ist nicht so sehr die einzelne Aktion, die hier wichtig ist und alles ändern kann, sondern eher das Dranbleiben, die Konstanz. Aber auch die Planung auf dem persönlichen Puzzleboard. Welches Gebäude brauche ich? Welche Fähigkeiten möchte ich ausbauen? All das trägt zum Erfolg oder Misserfolg bei. Und wenn man dann in den Hafen zurückkehrt zeigt sich, ob der Fang die gewählte Strategie unterstützt.


Die Rahmendaten

Design: Kristian Amundsen Østby, Eilif Svensson
Illustration: Peter Bartels, Yan Moussu
Verlag: HUCH!
Spieldauer: ca. 45-90 Minuten
Anzahl: 1-4 Personen
Alter: ab 14 Jahren

Link zu Boardgamegeekhttps://boardgamegeek.com/boardgame/422674/saltfjord

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Transparenzhinweis: Das Spiel wurde mir vom Verlag für Rezensionszwecke bereitgestellt.

Bildcredits: KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

Rückruf bei Asmodee Deutschland – und irgendwie fühlt sich das neu an

Von: Dirk
04. Februar 2026 um 12:27
Lesezeit: < 1 Minute

Man stolpert ja über vieles, wenn man sich länger in der Brettspielszene bewegt. Regelunklarheiten, Produktionsfehler, fehlende Karten – alles schon erlebt.

Aktuell ruft Asmodee ein Zubehör-Set zurück, weil in einem mitgelieferten Stoffbeutel zu hohe Formaldehyd-Werte festgestellt wurden. Kein Detailproblem, kein „wir legen euch Ersatzkarten bei“, sondern ein klarer Fall von: Bitte nicht mehr benutzen.

Und ja – im Spielzeugbereich kennt man solche Meldungen durchaus. Puppen, Plüschtiere oder Billigimporte mit problematischen Chemikalien tauchen regelmäßig in Rückruflisten auf.

Aber bei modernen Brettspielen, die sich längst als hochwertiges Hobbyprodukt verstehen? Das fühlt sich tatsächlich wie eine kleine Premiere an.

Aber ein echter sicherheitsrelevanter Rückruf eines großen Brettspielverlags? Das ist mir in dieser Form bisher nicht untergekommen.

Was ich Asmodee dabei zugutehalte: Der Rückruf wird offen kommuniziert, mit klaren Anweisungen für Käuferinnen und Käufer. Genau so muss das laufen. Transparenz ist in solchen Fällen wichtiger als jede PR-Glanzpolitur.

Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Gerade weil viele von uns Spiele nicht nur sammeln, sondern regelmäßig mit Familie, Kindern oder Freunden auf den Tisch bringen. Da erwartet man irgendwie, dass Materialien vorher sauber geprüft werden. Hat das bisher entsprechend konsequent stattgefunden oder eher nicht? Vielleicht werden Brettspiele in der Hinsicht auch einfach anders geprüft als Spielzeuge für kleine Kinder. Zumindest bisher.

Das betroffene und potenziell gefährliche Zubehör (Quelle: Asmodee)

Unterm Strich:
Kein Grund für Panik – aber definitiv ein Moment, der zeigt, dass auch unsere geliebte Brettspielwelt nicht völlig frei von klassischen Konsumgüterproblemen ist.

Falls ihr betroffen seid: Prüft euer Set und folgt den offiziellen Rückrufhinweisen.

Und wir nehmen das hier mal als Eintrag ins kollektive Gedächtnis der Szene auf:
Spielzeug kennt Rückrufe – Brettspiele jetzt offenbar auch.

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