Wer diesmal aus Gewohnheit das Glasfoyer am Eingang Ost der Messe Essen angesteuert hatte, der stand vor verschlossenen Türen. Zumindest wenn er kein Aussteller ist, denn nur die haben mit ihren Aufbauteams am Messe-Mittwoch Zugang zu den Messehallen. Da der Platz sowieso nicht mehr ausgereicht hätte, wurde die diesjährige Pressekonferenz samt anschliessender Neuheitenschau in die direkt benachbarte Gruga-Halle ausgegliedert. Kommt mit auf meiner kleinen bebilderten Erlebnisreise samt ersten Erfahrungen und Meinungen.
Glück muss man haben. Eigentlich war ich am frühen Mittwochmorgen der SPIEL 2026 in Essen ausreichend früh dran. So dachte ich und so war es eigentlich geplant, um den besten Blick auf die Pressekonferenz zu haben. Ein Auffahrunfall auf der A40 ohne meine Beteiligung wollte es aber auf meinem Anfahrtsweg anders und verlängerte meine Anreise mal eben auf unentspannte 80 Minuten wegen Stau im Berufsverkehr. So kam ich erst nach dem offiziellen Einlass und nur 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn an. Ein Platz in der dritten Reihe direkt vor der Bühne war aber noch frei, wie sich spontan auf Nachfrage ergab, und so hatte ich doch noch unerwartet beste Sicht aufs Geschehen.
Carol Rapp und Robin de Cleur vom veranstaltenden Merz Verlag führten wie gewohnt kurzweilig, zweisprachig und sympathisch durch die Pressekonferenz. Klickt Euch für die Details einfach durch meine Bildergalerie in 50er-Blöcken oder schaut und hört Euch direkt die offizielle YouTube-Aufzeichnung an. Kurz für Euch zusammengefasst, wird die SPIEL dieses Jahr erneut größer in der Fläche sowie bei den Ausstellern und den Neuheiten. Wir bewegen uns hier in Zahlenbereiche, die ich in ihren Details schlicht nicht mehr fassen kann. Selbst an allen vier Messetagen könnt Ihr nicht alle Neuheiten sichten und schon gar nicht anspielen. Also fokussiert Euch lieber auf Eure Lieblinggenres und pickt Euch dank der SPIEL App die Neuheiten heraus, die für Euch vielversprechend klingen vom Titel oder toll aussehen. Wenn Ihr zudem auf Naturthemen und Wohlfühlspiele steht, dann könnt Ihr ganz im aktuellen Thementrend in der Auswahl schwelgen. Aber selbst die abstrusesten Randthemen werden bedient, neben den ganzen typischen Eurogames und verschachtelten Komplexitätsmonstern. Die SPIEL 2026 wird für jeden etwas bieten können – man muss es nur in der Neuheitenvielfalt finden.
Im Rahmen der Pressekonferenz wurden auch die Sieger des DSP bekannt gegeben. Artengarten hatte ich mal so gar nicht auf der Rechnung, aber das Feuerland Spiel in den Fußstapfen eines runderneuerten Arche Nova hat seine Fans bei dem Publikumspreis gefunden. Ich selbst hab es noch nicht gespielt, gratuliere Autor Mathias Wigge aber ganz herzlich und wünsche dem Feuerland Verlag gute Verkaufszahlen, sodass auch weiterhin solche Ausnahmetitel wie Vantage möglich sind. Gewinner beim Deutschen Kinderspielepreis ist Toriki vom Autor Wojciech Grajkowski im Mirakulus Verlag, der vor allem Familienspiele für den deutschsprachigen Markt lokalisiert. Auch hier unbekannterweise herzlichen Glückwunsch!
Nachdem für die SPIEL 2027 ebenso Essen als Messestandort auf Publikumsnachfrage bestätigt wurde, öffnete sich der große Vorhang zur Neuheitenschau. Direkt aber zunächst abgetrennt von der Pressekonferenz-Bestuhlung nur einen Schulterblick entfernt. Streift mit mir durch die langen Tischreihen und erhascht weitere neue Eindrücke von potenziellen Neuheiten, die Ihr eventuell in den nächsten Tagen vor Ort anspielen wollt. Ich habe die Chance genutzt und 14 Kurzinterviews im Audioformat geführt, die diesmal dank neuer Filtertechnologie (KI macht hier endlich mal Sinn) für einen entspannteren Hörgenuss sorgen. Stelle ich zeitnah online. Los geht es anschliessend zu dieser News mit dem Mann mit grünen Haaren.
Was bleibt unterm Strich? Die SPIEL 2026 entwickelt sich auch dieses Jahr weiter, wird größer und umfangreicher denn je, und bietet Euch Neuheiten im Überfluss. Was davon was taugt, und zwar für Euch, hängt in erster Linie von Euren Erwartungen und Eurem Spielegeschmack ab. So richtig miese Spiele scheint es eh nicht mehr zu geben, aber eventuell ein Übermaß des Bekannten auf der ewigen Suche nach rar gesäten Innovationen. Am Ende zählt sowieso nur, ob die gespielte Neuheit Euch Spaß macht.
Und wer jetzt ein wenig neidisch auf meine Presseakkreditierung wird, dem sei gesagt, dass ich wie üblich auf der Neuheitenschau kein einziges Spiel anspielen konnte und meine eigentliche Arbeit nach einem Messetag erst mit der Aufbereitung beginnt. Im Gegenzug gab es für die ersten Reihen auf der Pressekonferenz, die in den Genuss von Tischen kamen, kostenfreie Kaltgetränke im Miniformat. Das kleine Wasser ohne Kohlensäure habe ich mir auf Kosten des Merz Verlags gegönnt, der Suppe und auch den Schnittchen am Pressetag trauere ich hingegen ein wenig hinterher. Das waren damals noch Zeiten, die aber längst vergangen sind. Was bleibt, ist aber meine ungebrochene Faszination für Brettspiele und genau deshalb erzähle ich Euch gerne ein wenig davon – in den nächsten Tagen sicher gehäufter als sonst. Bis dahin, man sieht sich eventuell am Freitag oder Sonntag auf der SPIEL.