Mal eben sind 23 Jahre vergangen, seit die Urversion von Finstere Flure bei 2F-Spiele das Licht der Brettspielwelt entdeckt hat. Zur SPIEL Essen 2026 ist die Neuauflage die große Messeneuheit von dem Mann mit den grünen Haaren. Ich habe derweil das Original nochmal angespielt und in entspannter Runde mächtig Spaß und Schadenfreude gehabt.
Kann ein Brettspiel von vor 23 Jahren noch Spielspaß verbreiten oder ist es eher eine verklärte Nostalgie, die den Blick doch eintrübt und gnädig macht? Papperlapapp, denn Finstere Flure war das zweite professionell produzierte Spiel von 2F-Spiele und wir befinden uns noch ein Jahr vor dem Welterfolg der Funkenschlag Neuauflage von Autor Friedemann Friese. Noch sind seine Spiele vor allem von kuriosen Ideen geprägt und Finstere Flure bildet da keine Ausnahme. Scheinbar kooperativ, doch das stimmt mal so gar nicht. Wir wollen zwar alle aus Fürst Fiesos Festung fliehen, doch sind wir unserer Familie weitaus näher als den unbekannten Mitgefangenen, die ebenfalls die Flucht versuchen.
So steuern wir unsere Truppe aus bis zu vier Figuren durch das Verlies von Säulen und Steinblöcken. Der Ausgang liegt in der gegenüberliegenden Ecke des Spielplans, während wir eine kombinierte Zugweite von 7 Feldern haben. Jede Runde je nach Figur anders, aber in jeder Truppe gleich, und das ist der erste Kniff des Spiels. Der eine kann mit einer 6 sprinten, aber muss die Folgerunde sich mit einer 1 schleichend ausruhen. Der Andere ist mittelmässig agil mit einer 3 sowie 4. Trotzdem müssen wir alle bis auf einen zum Ausgang retten. Einer darf also durchaus dabei auf der Strecke bleiben und dafür sorgen schon die Mitspieler. Denn wir sind nicht alleine hier unten. Furunkulus, das Hofmonster und furchteinflößender Freak, stapft ebenso umher. Per Zufallsstapel in seiner Reichweite begrenzt und immer auf der Suche nach uns Spielern. Es gilt also das Monster von uns weg und zu den Mitspielern hinzulocken. Da kommt Schadenfreude und der Spielspaß auf und nach rund 40 Minuten ist eine Partie auch schon vorbei.
Finstere Flure will bewusst nicht komplex sein und lebt auch vom flotten Spiel. Wer wirklich alle Optionen meint, durchzurechnen, wie er Streinblöcke taktisch klug über Blutlachen verschiebt, um sich dahinter zu verstecken oder Mitspielern die Deckung zu rauben und ebenso alle Zugmöglichkeiten von Furunkulus vorab theoretisch abzählt, der hat den Spielgedanken nicht verstanden, weil übertreibt in seinem Ehrgeiz und hält schlicht auf. Finstere Flure lebt von Flüchtigkeitsfehlern, die man zulassen sollte. Wer es hingegen etwas komplexer mag, greift zu den optionalen fortgeschrittenen Flurplättchen wie Umlenksteine und Teleporter und baut damit sein eigenes Verlies auf. Bis zu 7 Mitspieler können so Ihren Spaß haben. Je mehr mitspielen, desto chaotischer und turbulenter wird der Spielablauf, aber die Wartezeiten können auch schon mal zu lang werden. Maximal zu fünft finde ich gut und die Fortgeschrittenen-Variante haben wir nie gebraucht.
Die neue sogenannte Reanimated Version hat einen doppelseitigen Spielplan mit Verlies und anders aufgebautem Keller spendiert bekommen und kennt Plüschtiere als Ablenkung für Furunkulus. Die Anleitung ist zudem überarbeitet, in Farbe und verständlicher als die alte Textwüste in Schwarz-Weiss. Ansonsten ist fast alles gleich geblieben auf meinen ersten fernen Blick und das ist auch gut so, denn was vor 23 Jahren überzeugt hat, ist auch heutzutage immer noch gut. War Finstere Flure damit das erste Monster mit KI aus einem Aktionsstapel? Sozusagen der frühe Vorläufer von Kingdom Death Monster und hat wohlmöglich Generationen von Spielen beeinflusst? Ich werde auf der SPIEL Essen 2026 mal beim Autor nachhaken, wie er damals zu der Idee gekommen ist. Bis dahin kann ich Euch Finstere Flure egal in welcher Version empfehlen. Schon alleine wegen der Illustrationen vom 2F-Spiele Grafiker Lars-Arne „Maura“ Kalusky. Sehenswert und ebenso spielenswert – immer noch.