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Finstere Flure: Reanimated Version des Klassikers zur SPIEL 26

Von: ravn
19. Oktober 2026 um 18:49

Mal eben sind 23 Jahre vergangen, seit die Urversion von Finstere Flure bei 2F-Spiele das Licht der Brettspielwelt entdeckt hat. Zur SPIEL Essen 2026 ist die Neuauflage die große Messeneuheit von dem Mann mit den grünen Haaren. Ich habe derweil das Original nochmal angespielt und in entspannter Runde mächtig Spaß und Schadenfreude gehabt.

Kann ein Brettspiel von vor 23 Jahren noch Spielspaß verbreiten oder ist es eher eine verklärte Nostalgie, die den Blick doch eintrübt und gnädig macht? Papperlapapp, denn Finstere Flure war das zweite professionell produzierte Spiel von 2F-Spiele und wir befinden uns noch ein Jahr vor dem Welterfolg der Funkenschlag Neuauflage von Autor Friedemann Friese. Noch sind seine Spiele vor allem von kuriosen Ideen geprägt und Finstere Flure bildet da keine Ausnahme. Scheinbar kooperativ, doch das stimmt mal so gar nicht. Wir wollen zwar alle aus Fürst Fiesos Festung fliehen, doch sind wir unserer Familie weitaus näher als den unbekannten Mitgefangenen, die ebenfalls die Flucht versuchen.

So steuern wir unsere Truppe aus bis zu vier Figuren durch das Verlies von Säulen und Steinblöcken. Der Ausgang liegt in der gegenüberliegenden Ecke des Spielplans, während wir eine kombinierte Zugweite von 7 Feldern haben. Jede Runde je nach Figur anders, aber in jeder Truppe gleich, und das ist der erste Kniff des Spiels. Der eine kann mit einer 6 sprinten, aber muss die Folgerunde sich mit einer 1 schleichend ausruhen. Der Andere ist mittelmässig agil mit einer 3 sowie 4. Trotzdem müssen wir alle bis auf einen zum Ausgang retten. Einer darf also durchaus dabei auf der Strecke bleiben und dafür sorgen schon die Mitspieler. Denn wir sind nicht alleine hier unten. Furunkulus, das Hofmonster und furchteinflößender Freak, stapft ebenso umher. Per Zufallsstapel in seiner Reichweite begrenzt und immer auf der Suche nach uns Spielern. Es gilt also das Monster von uns weg und zu den Mitspielern hinzulocken. Da kommt Schadenfreude und der Spielspaß auf und nach rund 40 Minuten ist eine Partie auch schon vorbei.

Finstere Flure will bewusst nicht komplex sein und lebt auch vom flotten Spiel. Wer wirklich alle Optionen meint, durchzurechnen, wie er Streinblöcke taktisch klug über Blutlachen verschiebt, um sich dahinter zu verstecken oder Mitspielern die Deckung zu rauben und ebenso alle Zugmöglichkeiten von Furunkulus vorab theoretisch abzählt, der hat den Spielgedanken nicht verstanden, weil übertreibt in seinem Ehrgeiz und hält schlicht auf. Finstere Flure lebt von Flüchtigkeitsfehlern, die man zulassen sollte. Wer es hingegen etwas komplexer mag, greift zu den optionalen fortgeschrittenen Flurplättchen wie Umlenksteine und Teleporter und baut damit sein eigenes Verlies auf. Bis zu 7 Mitspieler können so Ihren Spaß haben. Je mehr mitspielen, desto chaotischer und turbulenter wird der Spielablauf, aber die Wartezeiten können auch schon mal zu lang werden. Maximal zu fünft finde ich gut und die Fortgeschrittenen-Variante haben wir nie gebraucht.

Die neue sogenannte Reanimated Version hat einen doppelseitigen Spielplan mit Verlies und anders aufgebautem Keller spendiert bekommen und kennt Plüschtiere als Ablenkung für Furunkulus. Die Anleitung ist zudem überarbeitet, in Farbe und verständlicher als die alte Textwüste in Schwarz-Weiss. Ansonsten ist fast alles gleich geblieben auf meinen ersten fernen Blick und das ist auch gut so, denn was vor 23 Jahren überzeugt hat, ist auch heutzutage immer noch gut. War Finstere Flure damit das erste Monster mit KI aus einem Aktionsstapel? Sozusagen der frühe Vorläufer von Kingdom Death Monster und hat wohlmöglich Generationen von Spielen beeinflusst? Ich werde auf der SPIEL Essen 2026 mal beim Autor nachhaken, wie er damals zu der Idee gekommen ist. Bis dahin kann ich Euch Finstere Flure egal in welcher Version empfehlen. Schon alleine wegen der Illustrationen vom 2F-Spiele Grafiker Lars-Arne „Maura“ Kalusky. Sehenswert und ebenso spielenswert – immer noch.

Meine ganz persönlich liebste Neuheit seit der SPIEL 2025

Von: ravn
01. Oktober 2026 um 19:23

Über 1700 Neuheiten zählte die SPIEL in Essen 2025 laut Pressekonferenz vor Ort. Vieles davon, aber gewiss nicht alles, noch nicht mal annähernd, habe ich anspielen können. Direkt vor Ort ebenso wie auf diversen Spieletreffs in den Wochen und Monaten danach. Einiges habe ich mir dann auch selbst gekauft, auch wenn ich längst nicht jede Neuheit selbst besitzen muss. Übrig geblieben ist die finale Frage, welches Spiel seit der SPIEL 2025 mich am meisten begeistern konnte.

Die Suche nach meinem Lieblingsspiel seit der SPIEL 2025 geht in die zweite Runde und damit weiter. Soll hier aber zu einer Antwort führen. Allerdings eine Antwort, die mir für dieses Jahr noch nie so schwerfiel wie die Jahre davor, denn richtig herausragende Spiele gibt es immer weniger. Vieles ist grundsolide, aber nicht wirklich aufregend. Vieles ist gut, hat aber seine Macken und Schwächen im Detail oder nutzt sich in seiner ersten Faszination zu schnell ab. Damit genug der Vorrede und hinein zu einer Auswahl meiner Lieblinge und zur abschliessenden Krönung.

Magical Athlete: Eine Neuauflage eines Klassikers, der inzwischen schon 23 Jahre auf den Buckel hat. Kein geringerer Autor als Richard Garfield hat sich dem Laufspiel angenommen und es modernisiert. Die Athleten wurden auch damals schon ausgesucht, allerdings war das eine mehrrundige Versteigerung, bei der man mit seinem Kapital haushalten musste. Die Rennplatzierungen brachten dann Erfolgsprämien ein. Grafisch im japanischen Manga-Stil mit Pappaustellern umgesetzt, die über einen fotorealistischen Geröllweg dem Ziel entgegen liefen. Den einen beliegenden W6 musste man sich teilen. Im Jahr 2025 beim Verlag CMYK in erfolgreicher Partnerschaft mit Shut Up & Sit Down sah das alles schon ganz anders aus. Die Ausstattung wurde verbessert, auf eine bunte Comicgrafik aufgepeppt und die Versteigerung durch ein flotteres Drafting ersetzt.

In meinen Spielrunden kam Magical Athlete bestens an. Allerdings nur in größeren Runden, die es nicht zu verkopft sehen konnten. Athleten wählen, würfeln und sich vom Spielablauf in seinem sich ergebenden Chaos überraschen lassen. Umso besser, wenn die Mitspieler ihre Athleten anfeuern und besondere Situationen johlend begleitet werden. Magical Athlete will für eine halbe Stunde Spaß machen und wer sich diesem Spielspaß hingeben kann, der hat seine helle Freude daran. Spielt mit mindestens vier Spielern und achtet darauf, dass jeder seinen Athleten auch verstanden hat. Die deutschsprachige Lokalisation als Turbo-Flitzpiepen 2000 sorgt zudem für eine Partie ohne Sprachbarrieren. Gerne wieder, nur eher ein Happen für zwischendurch und keine sättigende Brettspiel-Hauptmahlzeit. Dafür ist es dann doch gewollt zu wenig Spiel.

Take Time: Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich ein Brettspiel-Erstkontakt wirken kann. Nach meiner eher durchwachsenen Kennenlernpartie, bei der zu viel theoretisiert wurde, statt uns einfach die Chance zu geben, das Spiel selbst zu entdecken, wollte es keiner am Tisch nochmal spielen. Ein fast schon mutiger Trotzkauf einige Wochen später, weil ich nicht begreifen konnte, warum einer der hochgehandelten Anwärter auf das Spiel des Jahres kollektiv nicht zünden konnte, brachte denn des Rätsels Lösung. Take Time entfaltet seinen Zauber erst, wenn es gespielt statt zerredet wird. Einfach mal machen, höchstwahrscheinlich dabei kooperativ scheitern und damit den Ehrgeiz entwickeln, es nach ein wenig gemeinsamer Fachsimpelei nochmal zu probieren. Dann auf zur nächsten Aufgabe. In der richtigen Spielrunde entwickelt sich so ein Sog, der einen durchs Spiel zieht. Wir feiern überraschende Erfolge oder sehen die Chance, es beim nächsten Anlauf doch zu schaffen.

Es hat leider nur zur Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres gereicht, die Nominierung oder gar Prämierung wurde Take Time verwehrt. Das hat Gründe und die habe ich in anderen Spielrunden ebenso kennengelernt. Es braucht halt eine halbwegs homogene Gruppe, die den gleichen Ehrgeiz aufbringt, mitdenken zu wollen. Nicht jeder mag das und wird so für die ganze Runde zum spielerischen Stolperstein. Schnell ist dann die Luft raus, wenn man miterlebt, dass man eigentlich in dieser Zusammensetzung nicht vorankommen kann. Bevor Take Time dann frustriert, lieber etwas anderes spielen. So sicher kein Spiel für jede Gelegenheit, eher was für Knobelfreunde. Mir gefällt es, aber nur in ausgesuchten Runden.

Mondbasis Shackleton: Ein schön indirekt interaktiver Spielablauf im Sandkasten der Eurogame-Möglichkeiten. Das ist die Sonnenseite. Die andere Seite unserer Mondkolonie begründet sich auf nur 18 Aktionen, die in Summe einen spürbaren Spielerfolg ergeben sollen. Das kann zu flott gespielten Partien um die zwei Stunden führen oder eben auch solchen, die in der vermeintlichen Bedeutungsschwere zerdacht werden und damit die doppelte Spielzeit verschlingen. Flotte Partien mag ich lieber, weil im spielerischen Kern hier gar nicht so viel passiert, es für mich damit angenehme Denktiefe hat und jede Partie anders ist. Schon alleine, weil von den sieben beiliegenden Gesellschaften nur drei mitspielen – zufällig gewählt oder gezielt für die Spielrunde ausgesucht.

Ob flott oder eher denklastig gespielt wird, ich mag den indirekt-interaktiven Spielablauf einfach. Auch weil sich eine Vierstundenpartie für mich nicht so anfühlt, weil ich stets auch bei den Mitspieleraktionen dabei bin, weil sich die Ausgangssituation dadurch immerzu verändert und ich darauf reagieren muss in meinem Zug. Mal sind Bauplätze belegt, mal werden Einsetzaktionen spürbar teurer oder die Kartenauslage bietet neue Möglichkeiten. Eigentlich immer toll, auch wenn es Gesellschaften gibt, die nicht recht zur Spielrunde passen wollen, ignoriert werden und dadurch das Spiel verflachen. Die richtige Wahl dabei zu finden, empfand ich als erste und durchaus schwierige Entscheidung. Deshalb ein Spiel mit nicht direkt sichtbaren Hürden.

Boss Fighter QR: Ein Ausnahmespiel, das so mutig ist, dass es meine Krönung zum Lieblingsspiel mehr als verdient. Dabei hätte die Kombination aus App und Kartenspiel auch mächtig schiefgehen können. Stattdessen ist es eine gelungene Fusion aus unauffälliger Technik, die uns Spieler vollkommen im Spielverlauf unterstützt, anstatt uns zu passiven Gadget-Bedienern zu degradieren. Das Smartphone oder wegen der besseren Übersicht dank des größeren Bildschirms idealerweise das Tablet liegt in der Tischmitte und bleibt während des ganzen Spiels dort liegen. Zeitgleich haben wir schön haptisch unsere Kartenhand zur eigenen Auswahl und Entscheidung. Der QR-Code auf der Rückseite der gespielten Karte erspart uns weitere Eingaben – einfach drüberhalten und schon wird die Karte erkannt und bekämpft das Monster in der virtuellen Welt, in die wir hineinblicken. Die Technik funktioniert einfach und bietet zudem ganz eigene Überraschungen im Spielablauf, denn das Monster wird komplett per App-Logik gesteuert und reagiert auf unsere Aktionen.

Die komplette, wie nervige, Buchhaltung der üblichen kooperativen Boss-Battler im Brettspielformat fällt dadurch weg. Regelfehler werden so ebenso abgefangen. Wir als Spieler können uns voll und ganz auf die gemeinsame Aufgabe fokussieren. Funktioniert auch bestens in wechselnden Runden, weil neue Spieler einfach während der Partie ins Spiel eingeführt werden können. Dabei sind die gestellten Aufgaben in Form von stärker und komplexer agierenden Monstern keineswegs trivial, sondern je nach frei wählbarem Schwierigkeitsgrad eine echte Herausforderung.

Ein letzter Wermutstropfen wurde zudem schon im März getilgt und bisher von mir übersehen: Der eigene Fortschritt einer Gruppe kann per QR-Code von einem Gerät auf ein anderes übertragen werden, sodass ihr an der Stelle weiterspielen könnt, wie weit ihr auf dem anderen Tablet oder Smartphone gespielt habt. Alternativ auch per Textcode über die Zwischenablage möglich, damit Ihr Euren Spielstand bequem mailen und somit teilen könnt. Damit hindert Euch nichts mehr daran, auch auf Fremdgeräten genau dort Eure Abenteuer fortzusetzen, die Ihr bisher gemeinsam geschafft habt. Denn immer wieder von vorne anzufangen, das war auf Dauer arg öde und ist damit längst Geschichte. Also alles gut und die Reise ist längst nicht zu Ende. Ich bin auf die angekündigte Erweiterung zur kommenden SPIEL 2026 gespannt, sobald ich das Grundspiel komplett durchgespielt habe. Boss Fighter QR hat sich die Krone mehr als verdient.

Was von der SPIEL 2025 übrig blieb: Mein liebstes Spiel

Von: ravn
25. September 2026 um 11:44

Fragt man mich nach meiner Lieblingsneuheit von der Spielemesse 2025 in Essen, so fällt mir die Antwort schwer. Gibt es überhaupt das eine Spiel, das für sich so herausragend war, es zum persönlichen Liebling zu küren? Hängt das besondere Spiel nicht vielmehr von der erlebten Spielpartie ab, die deshalb besonders war, weil schlicht alles gepasst hat – das Spiel, die Mitspieler, die Atmosphäre, das Ambiente und alles drumherum. Erst dann entstehen Lieblingsspiele und auch einige, die über Monate im Spielerherz verbleiben.

Alles auf Anfang und in den geistigen Rückwärtsgang geschaltet. Was habe ich seit der SPIEL 2025 überhaupt alles gespielt, was in die nähere Auswahl kommen könnte? Mal sehen …

Valheim Deluxe Edition: Im Vorfeld der SPIEL 2025 entdeckt, weil ich Valheim am PC nächtelang gespielt habe, bis ich merkte, wie übergroß die Welt ist und was ich noch alles erkunden würde müssen. Valheim als PC-Spiel war mir zu groß und damit zu zeitintensiv. Das Brettspiel sollte sich hingegen auf die Kernkompetenzen konzentrieren und einzelne Abenteuer-Sessions anbieten, die keine Kampagne bilden. Gut so. Auf der SPIEL gab es zwar die imposante Deluxe Edition, allerdings nur im Retail und abgespeckt gegenüber der exklusiven Kickstarter-Ausgabe. Dafür aber mit dem stolzen Preis, der nach wenigen Recherchen die Hälfte teurer war im Vergleich zu Online-Händlern. Also auf den Messedirektkauf verzichtet und auf ein paar Monate Wartezeit eingestellt.

Spielerisch waren die ersten Partien spannend, aber auch zufallsabhängig. Das hier ist ein zugängliches Beer & Bretzel Monstergemätzel auf bestem Amitrash-Niveau. Trotz aller Lockerheit muss man dennoch auf die Regeldetails achten, denn allzu schnell sind da wichtige Details im Eifer des Gefechtes übersehen. Ein Spiel, auf das man sich vom Aufwand her einlassen muss. Aber eines, was eine tolle Tischpräsenz hat.

1er Contacts: Mein Überraschungshit des letzen SPIEL. Zwischenzeitlich auf Platz 1 der Fairplay Scoutliste katapultiert. Spontan vor Ort angespielt und eine tolle Zeit erlebt. Deshalb ein wenig von der Messe-Euphorie getragen direkt gekauft. Natürlich mit Deluxe-Plexiglas-Komponenten, die spielerisch gar nicht notwendig waren für den Spielablauf. Das Standard-Pappmaterial hätte es genauso gut getan.

Die Ernüchterung kam dann beim Regelstudium zu Hause. Etliche Details blieben unklar und liessen sich für mich nur aus diversen Regeldetails im Zusammenhang erschliessen. Dann folgten ein paar Partien, die aufgrund der Genreklassifizierung Deduktion leider mehr zerdacht als gespielt worden sind. Eine dreifache Spielzeit trägt leider nicht für alle am Tisch, die einem Alphaspieler lauschen. Als lockeres wie auch leichtes Familienspiel verstanden, sehe ich weiterhin sein Potential. Aber nicht als Logikrätsel gesehen.

Tag Team: Ein Auto-Battler, der sich fast schon von alleine spielt. Allerdings braucht es dafür einen Mitspieler und in meinen ersten Spielrunden wurde der reduzierte Spielablauf leider nicht gut aufgenommen. Über die Einstiegscharaktere bin ich bisher nicht hinausgekommen. Da halfen auch die direkt auf der SPIEL gekauften Neoprenmatten nichts. So blieb Tag Team ein Spiel, das ich gerne besser finden möchte, als es sich dann am Spieltisch zeigte. Aber eigentlich kein schlechtes Spiel, nur ein sehr spezielles, auf das es zudem einen ebenso spielbereiten Mitspieler als direkten Konkurrenten braucht. Einer, der bereit ist, die bewusst begrenzte Kontrolle als Spielspass zu erleben.

SETI Raumfahrtorganisationen: Ein wirklich gutes Eurogame wurde durch die Erweiterungen noch besser. Geschickt hat es die in einigen Spielrunden aufkommende Problematik des Scannens gelöst, wenn niemand meint, Vorarbeit leisten zu wollen, weil dann die Mitspieler vor einem am nächsten Zug profitierend abstauben können. Nun hat man mit Signal-Plättchen die geballte Macht, selbst ausreichend innerhalb des eigenen Zuges scannen zu können. Auch sonst sorgen die Raumfahrtorganisationen für neue Spannungsmomente durch die neue Herausforderung, ihre Fähigkeiten auch spielerisch in Siegpunkte umzusetzen.

Die Komplexität des Grundspiels erhöht sich dadurch allerdings nochmal. Erstspieler können die gegebene Asymmetrie nicht wirklich zu schätzen wissen und es bleibt stattdessen nur eine Verengung der Möglichkeiten übrig, die zudem überfordern kann. Ganz klar ein Booster für Fans, um die Langzeitmotivation aufrechtzuerhalten. Es gibt noch so viel Potential zu entdecken, allerdings nur für erfahrene Spielrunden.

In Teil 2 dieser kleinen Serie, geht die Suche nach meinem Lieblingsspiel seit der SPIEL 2025 weiter. Mit dabei sind dann u.a. auch Boss Fighter QR, Mondbasis Shackelton und Magical Athlete.

Vindication: Wiederentdeckung eines Reiseabenteuers

Von: ravn
17. September 2026 um 21:47

Keine Rechtfertigung nötig, wenn auch die Übersetzung des Spiels eher nach Rehabilitierung oder Ehrenrettung klingt, sofern wir auf der thematischen Seite bleiben wollen. Dabei sitzt das Abenteuerspiel aus dem Jahr 2018 zwischen den Genre-Stühlen und kann sich nicht recht entscheiden, ob es offensichtliches Eurogame oder doch verdeckter Amitrash sein will.

Vindication habe ich am Spieltisch wiederentdeckt. Vor wenigen Jahren in zu großer Runde mit zu vielen Erweiterungen kennengelernt, was dann für mich ein eher unbefriedigendes, weil zu langatmiges und anfangs kaum fassbares Spielerlebnis war. So war ich eher skeptisch bis neugierig, weil es in komplett anderer Runde als eher einfaches 2-Stunden-Spiel angepriesen wurde. Ich hatte da anfangs so meine Zweifel, die sich nach der kompetenten Erklärung aber schnell zerschlugen. Entweder hatte ich es damals mit alternativen Siegbedingungen kennengelernt oder der Grundgedanke, worum es hier eigentlich geht, kam damals nicht recht bei mir an.

Im Kern geht es dann klassisch um Siegpunkte, die wir uns auf unserer Heldenreise verdienen. Damit werden immer mehr potenzielle Endbedingungen aufgedeckt, sodass das Spielende zwangsläufig recht zügig kommen wird. In entspannter Dreierrunde haben wir dann auch nur gut zwei und ein Viertel Stunden gespielt und ich hätte gerne noch weiter gespielt, weil ich meinen Charakter längst noch nicht auserzählt sah. Am Ende lag ich in Schlagreichweite des zweiten Platzes, wir aber von Platz 1 fast schon deklassiert. Da lief viel perfekt zusammen, während wir uns auch in der Endwertung gegenseitig ausbremsten.

Selbst schuld, weil wir unsere Spielweise selbst in der Hand hatten und unsere Nische zu finden, um effektiver Siegpunkte machen zu können, besser nutzen sollten. Ich selbst hatte mich in meinen zu großen Plänen, die zu viel Zeit und damit Aktionsrunden kosteten, schlicht verrannt. Ich wollte zu viel gleichzeitig effizient spielen, was in Vindication aber nur nacheinander geht. So können wir uns bewegen, einen Ort besuchen und einen Begleiter oder uns selbst aktivieren. Fertig, nächster Spieler und deshalb spielt sich Vindication auch so zügig. Die eigenen Planungen sind dadurch allerdings in viele kleine Stücke zerhackt, die man im Fokus behalten sollte, wenn man erfolgreich spielen will. Klingt einfach, aber die Ablenkungen sind arg groß am Wegesrand.

Sollte man nicht zunächst seine Bewegungsreichweite verbessern, was allerdings Stärke verbraucht und einen Ort namens Vorposten braucht, den man zunächst erst einmal finden muss? Um Stärke zu bekommen, sollte ich trainieren oder besser einen Begleiter des passenden Typs rekrutieren. Dazu braucht es aber wieder andere Eigenschaftswürfel, die wir munter zwischen unserem Tableau und dem Spielplan hin- und herschieben. Drei normale Eigenschaften von Stärke über Wissen bis zur Inspiration gibt es. Die lassen sich jeweils im Verhältnis 2:1 zu den drei heroischen Eigenschaften Mut, Voraussicht und Weisheit mischen. Über die verschiedenen Orte, die wir auf dem zentralen Spielbrett besuchen, verstärken wir diese oder geben diese auch wieder aus. So kostet der Kampf gegen ein ausliegendes Monster zwei Mut und kann auch nur in der Monsterhöhle bekämpft werden.

Der eigene Ort und die Eigenschaftsklötzchen sollten also in der eigenen Planung zusammenpassen, ohne das Leerzüge nötig sind. Klar spielt auch eine ganze Menge Glück mit, welche Orte man neu und damit in aktueller Reichweite aufdeckt. Ebenso, ob die zu rekrutierenden Begleiter mit ihren Sonderfunktionen zur eigenen Spielweise passen oder ob man seine Spielweise eher den gegebenen Möglichkeiten anpassen muss. Hier steckt ganz viel Eurogame drin, aber eben auch verdeckter Amitrash in Zufallsform. Zudem muss man akzeptieren können, dass die lieben Mitspieler als direkte Konkurrenten um Begleiter und sonstige offen liegende Karten agieren und zudem nervig im Weg stehen können, was Umwege erfordert und damit Ablenkungen von seinen eigentlichen Plänen.

Optisch macht Vindication einiges her, wobei ich mit Aktionsübersichten mit verschiebbaren Markern und passenden Charakter-Aufstellern gespielt habe, wovon das Grundspiel nichts enthält. Ganze 23 Erweiterungen samt Promopacks gibt es, um das Spiel vom Autor Marc Neidlinger in eine Form zu bringen, die man am liebsten spielen mag. Von meiner Spielpartie habe ich leider keine Fotos, zu sehr war ich mit dem Spielverlauf beschäftigt. Aber eines ist für mich klar: Vindication spiele ich gerne wieder mit. Da gibt es noch viel zu probieren und zu optimieren und komplett anders zu spielen. Aktuell nur auf Englisch, wobei Ihr mit gutem Schulenglisch zurechtkommt, da so gut wie alle Informationen offen ausliegen.

Wer mit Fantasy so gar nichts anfangen kann, der kann sich mal den offiziellen Nachfolger Vestige von 2026 anschauen, der ein neo-humanistisches Science Fiction Setting aufmacht und das Spielsystem von Vindication verdichten soll. Die Meinungen dazu gehen aber auseinander, weshalb ich Euch eine Anspielpartie empfehle. Ich selbst kann aus eigener Erfahrung nichts dazu sagen.

Vantage Deutsch: Was Ihr erwarten könnt und was nicht

Von: ravn
15. August 2026 um 20:09

Drei Monate sind derweil vergangen seit dem ich Vantage zusammen mit den optionalen Deluxe-Komponenten ausgepackt habe. Das waren drei Monate voller Spielpartien und Erlebnisse, die mir ein paar Frust-Situationen und etliche Wow-Momente beschert haben. Deshalb ziehe ich Bilanz und blicke ebenso auf die deutsche Version von Feuerland Spiele in der Vorbestellung.

Klartext geschrieben und direkt mitten rein: Ihr erlebt in Vantage Teilausschnitte aus einer vorab geschriebenen Welt. Als ob Ihr zufällig eine Seite in einem dicken Abenteuerroman aufschlagt und von dort weiterlest. Eine durchaus zusammenhängende Story erfahrt, aber nur ein Teil davon und etliche Zusammenhänge werden Euch unklar sein und auch bleiben. Zumindest in der aktuellen Spielpartie. In Eurer nächsten Vantage Partie schlagt Ihr eine andere Seite in diesem Roman auf und es ergeben sich für Euch eventuell partieübergreifende Zusammenhänge. Davon könnt Ihr profitieren, weil Ihr daraufhin bessere Entscheidungen trefft, um länger zu überleben und Eure Mission und Euer Schicksal zu erfüllen. Genauso gut kann es passieren, dass Ihr zwar ganz viel Neues erlebt, das aber so neu ist, dass Ihr erneut noch lose Storyfäden aufgreift und sich mehr Fragen als Antworten ergeben.

Eines sollte Euch in Vantage aber klar sein: Ihr schreibt keine neuen Geschichten, sondern erlebt das nach, was Jamey Stegmayer als Autor Euch vorgegeben hat. Das ist eine ganze Menge, zumal Ihr an einem Ort oftmals nur eine Aktion durchführen könnt, obwohl es noch so viel mehr dort zu entdecken gibt. Das erzeugt die Illusion der freien Entscheidungen, die für mich ausreicht, um ein spannendes Spielerlebnis zu erschaffen. Ihr bewegt Euch aber stets auf festgeschriebenen Bahnen mit einem ebenso festen Ausgang. Ihr trefft nur die Entscheidung, nach Multiple-Choice-Art, welche der vorgegebenen Optionen und damit Storywege Ihr wählt.

Das Erkunden einer Euch zunächst noch völlig unbekannten Welt macht für mich den Reiz von Vantage aus. An allen Ecken und Ende wird Eure Neugier befriedigt und zeitgleich ergeben sich für Euch neue Möglichkeiten. Das erzeugt einen Sog, weil Ihr ständig mit neuen Orten und Situationen überrascht werdet. Das kann allerdings auch ermüdend und langweilig werden, wenn Ihr an erlebenswerten Orten und Situationen vorbei stolpert und diese verpasst. So hatte ich eine spoilerfrei erzählte Vantage-Session, in der ich planlos durch die Gegend geirrt und teilweise im Kreis gelaufen bin, ohne dass sich etwas in meiner Situation sinnvolles ergeben hat. Mit einer anderen Mission und anderer Motivation wäre das eventuell nur eine kurze und gezielte Durchgangsreise gewesen, nur kann Euch niemand in Vantage die Gewissheit geben, ob sich Eure Erwartungen auch erfüllen. Vantage erzählt seine Geschichte, Ihr schreibt nicht Eure eigene.

Vantage bietet Euch Möglichkeiten. Das sind Aktionsmöglichkeiten an Eurem aktuellen Ort, die ein vorgegebenes Ergebnis haben. Die Welt ist längst vordefiniert in den Möglichkeiten, die Euch zur Wahl gestellt werden und in den Aktionsfolgen, die sich daraus ergeben. Das mag zunächst einengend erscheinen, aber Vantage kaschiert diese Beschränkungen durch Wahlfreiheit auf der einen Seite und der zeitgleichen Entwicklung Eures Charakters. So startet Ihr ohne Ausrüstung und somit mit begrenzten Möglichkeiten hier langfristig überleben und die Spielwelt erkunden zu können. Auf Euren Wegen findet Ihr vordefinierte Gegenstände und Lebewesen, die Euch neue Wahlmöglichkeiten geben und an manchen Stellen auch neue Wege ermöglichen. Dieses Ausrüsten und Verbessern der eigenen Möglichkeiten habe ich als enorm befriedigend empfunden.

Egal welchen Schwierigkeitsgrad Ihr zu Partiebeginn für Euch wählt, eine Spielpartie in Vantage wird immer endlich sein. Da kann es passieren, dass Ihr in Situationen stolpert, die Ihr ganz falsch eingeschätzt und unterschätzt habt in ihren Würfelproben. Auch kann Unvorsicht und mangelnde Ausrüstung dazu führen, dass Ihr das Ergebnis einer Würfelprobe nicht abfedern könnt. Das Spielende kam für mich öfter und überraschender als gedacht. Im Nachhinein hätte ich es allerdings sehen können, denn Vantage bietet viele in den Ortskarten und Ortsbeschreibungen versteckte Hinweise. Wer sich Zeit nimmt, kann diese entdecken und ebenso unverstanden übersehen. Mit dieser Ungewissheit und Eurem Mangel an Wissen über diese Welt müsst Ihr zurechtkommen können. Vantage erklärt Euch nur wenig. Es liegt meist an Euch, wie Ihr Aktionsmöglichkeiten und Situationen deutet und versteht.

Verständnis dessen, was Euch da in Textform erzählt wird, ist für mich einer der Schlüssel zu einem guten Spielerlebnis. Deshalb freue ich mich auch auf die nun mögliche Vorbestellung der deutschsprachigen Lokalisation von Vantage. Feuerland Spiele bietet Euch Vantage noch bis zum 29. Oktober 2025 in einer preisreduzierten Feuerland Special Edition an. Ihr zahlt jetzt und bekommt das Spiel im Sommer 2026 zugeschickt. Nicht nur das Spiel an sich, sondern auch die Deluxe-Komponenten in Form von Charaktertableaus, Holzmarker und Metallmünzen für insgesamt 120 Euro + 7 Euro Versand innerhalb von Deutschland. Die UVP ohne das optionale Zubehör beträgt 100 Euro und die Deluxe-Komponenten kosten aktuell jeweils 22 Euro im Shop von Stonemaier Games. Grob überschlagen bekommt Ihr also zwei der drei Deluxe-Komponenten in der Vorbestellung geschenkt, sofern Ihr die überhaupt haben und etliche Monate im Voraus bezahlen wollt. Alles das bekommt Ihr ab Sommer 2026 auch im Handel, in Summe aber eher teurer als günstiger.

Für mich persönlich bleibt nur eine einzige Unsicherheit bei der lokalisierten Feuerland Spiele Version, die vom Verlag auch so offen kommuniziert ist: „Wird es eine deutsche RulePop Version für dieses Spiel geben? Das können wir derzeit noch nicht sagen.“ Dabei ist die Begleit-App von Rulepop für die englischsprachige Version von Vantage inzwischen fast schon unverzichtbar geworden. Denn damit spare ich mir das Geblättere in den acht Aktionsbüchern, um die passende Textpassage dort zu finden. Zudem spoilere ich mich nicht selbst, weil in der App immer nur die aktuelle Würfelprobe und die Situation mit ihren Auswirkungen schrittweise angezeigt wird. Auch sind die aktuellsten Korrekturen direkt eingepflegt, ich brauche also nicht in Errata und Klarstellungen nachzulesen. Das erfordert natürlich eine ständige Pflege der App vom Anbieter und ob das garantiert ist, kann Euch aktuell noch niemand sagen. Ich werde auf der SPIEL 2005 in Essen definitiv bei Feuerland Spiele (Halle 3, Stand 300) dazu nachfragen. Ohne App geht es auch, aber eben mühsamer im Direktvergleich. Spielbar bleibt Vantage allerdings auch ohne elektronische Helfer und das finde ich gut.

Als Zwischenfazit bis hierhin betrachtet, was war für mich gut und weniger gut an Vantage?

(+)

  • Die Spielwelt von Vantage hat mir stets neue unerwartete Überraschungen geboten
  • Es fühlte sich gut an, meinen Charakter in seinen Möglichkeiten wachsen zu sehen
  • Ich habe echte Abenteuer erlebt und dabei eine neue und stimmige Welt erkunden können
  • Es hat mir Wow-Momente geschenkt, die kreativ schön und einen Erinnerungswert haben
  • Jede Spielpartie war bisher anders und immer wieder neu, bis auf ganz wenige Ausnahmen
  • Die Spielmechanismen sind elegant einfach, sodass ich mich auf die Story fokussieren kann

(-)

  • Die Aktionsverben und einige Formulierungen waren für mich eine störende Sprachhürde
  • Durch Unverständnis und Fehlinterpretation habe ich einige Frustmomente erlebt
  • Es gab Spielabschnitte, zwar wenige, aber vorhanden, die langweilig und nervig waren
  • Mehrspielerpartien brauchen eine entspannte Grundstimmung, um nicht ungeduldig zu werden
  • Es gab Spielsituationen, die ich schon vorab selbst erlebt habe und deren Ausgang ich kannte
  • Missionen waren teils völlig unerreichbar, weil sich passende Situationen nicht ergeben haben

Ihr braucht mehr Informationen über Vantage, die auf echten Spielerfahrungen basieren? Dann herzlich willkommen hier auf brettspieltag.de: Ich habe mir die englischsprachige Version direkt und privat bezahlt über den Stonemaier Webshop bei einem Stonemaier Champion mitbestellt, sodass ich die um 20 % vergünstigt und als einer der Ersten weltweit bekommen habe. Kein Presse-Bonus, sondern Ihr könnt das ebenso gegen eine Jahresgebühr machen.

Seitdem und das ist seit Mitte Juli so, habe ich Vantage in ungezählten Partien bevorzugt solo, aber auch in verschiedenen Mehrspielerrunden gespielt und davon erzählt. Daraus sind bisher acht andere Vantage Berichte entstanden – von den allerersten Infos über das Unboxing der All-In-Deluxe-Version bis zu den Sprachhürden und meinen Reiseerlebnissen. Alles spoilerfrei von Storydetails, weil ich niemanden die tollen Überraschungsmomente von Vantage nehmen möchte. Da warten echte Wow-Momente auf Euch, versprochen. Also reingeklickt.

WeyKick Magnetfußball für zu Hause zur Fußball-WM 2026

Von: ravn
14. Juni 2026 um 03:38

Das perfekte Geschicklichkeitsspiel für direkte Duelle oder komplette Turniere, um Euch die Fußball-Euphorie selbst erlebt zu Euch nach Hause an den Spieltisch zu holen. Ohne große Erklärung kann es direkt losgehen und selbst Erstspieler haben schnell Erfolgserlebnisse und Torerfolge. Zudem schnell in jeder der WM-Werbepausen gespielt. Deshalb meine Empfehlung und das nicht nur begleitend zur aktuellen WM.

Linke Hand passt zur rechten Hand und legt zum Torschuss vor – Treffer, hurra! Angriff und Verteidigung wechseln sich bei Euch ab, oft zugleich beidhändig koordiniert. Ein Geschicklichkeitsspiel voller spielerischer Taktik um Ballkontrolle und Reaktionsfähigkeit. Ein Spiel zudem für die Ewigkeit, weil haptisch grandios und materialtechnisch stabil aus Holz mit bester Verarbeitungsqualität von der Ulrich Weyel GmbH & Co aus Gießen erdacht. Eine Adresse für hochwertige Holzspiele und deshalb entsprechend hochpreisig, aber im Vergleich zu anderen großformatigen Geschicklichkeitsspielen aus Holz gewiss nicht überteuert.

Ich selbst habe WeyKick bei einem halböffentlichen Spieletreff in einer Schule kennengelernt. Dort gehörte es zur Grundausstattung und wurde in diesem Umfeld wohl auch entsprechend robust bespielt und sah immer noch perfekt aus. Also dort direkt mal ausprobiert und Spaß daran gefunden. Wenig später habe ich es mir dann privat gekauft und ist seit erinnert 2009 in meinem Besitz und hat auch schon so manche Reise zu Brettspielfreizeiten mitgemacht. Irgendwann wurde WeyKick dann von Crokinole und Klask den Rang abgelaufen. Alles nicht wirklich vergleichbar, wenn auch das Gerne der Geschicklichkeitsspiele gleich ist. Crokinole ist eine Klasse für sich und Klask die von WeyKick abgeschaute schnellere Variante, preisgünstiger, für den Massenmarkt produziert und transportabler.

An die haptische Qualität von WeyKick kommt Klask allerdings nicht ran, ist allerdings auch viermal günstiger. WeyKick ist für öffentliche Einrichtungen wie Jugendtreffs gebaut, weshalb es das auch in einer Variante mit Plexiglasscheibe gibt, in der keine Figuren oder der Ball verloren gehen kann. Für den Hausgebrauch reicht das normale WeyKick Stadion 7500 in heller Holzausführung für 194 Euro völlig aus. Vier Figuren mit Führungsmagneten und zwei Bälle sind mit dabei. Direkt beim Hersteller bestellt und deutschlandweit versandkostenfrei geliefert. Die habe ich auch und ist zudem in eine Eishockey-Variante umbaubar, die allerdings wesentlich mehr Handkoordination erfordert, da wir den Puck per Drehung mit der Schlägerfläche der Magnetfiguren treffen. Das erfordert Übung, weshalb ich das Magnet-Fußballspiel auch bevorzuge, weil es für schnellere Erfolgserlebnisse selbst bei Erstspielern sorgt.

Wer das volle Fußball-Erlebnis auch in der Optik haben möchte und sowieso kein Fan von Eishockey ist, der greift direkt zur Sonderausführung mit grünem Spielfeld. Als WeyKick Stadion 7500G für nur 4 Euro Aufpreis. Eine Investition fürs Spielerleben und darüber hinaus. Für Fans beider Sportarten fände ich es allerdings schöner, wenn der Hersteller Weyel eine stabile Plastikfolie mit dem Aufdruck aller Eishockey-Feldlinien zum Einlegen in das Fußballfeld anbieten würde. Gibt es leider aktuell nicht. Eventuell könnte dann auch für Eishockey auf das nötige Spezial-Gleitpuder verzichtet werden, das Ihr beim Umbau auf Fußball wieder aussagen und wegwischen müsst. Ich habe dazu mal bei Weyel angefragt als Anregung.

WeyKick wird zudem teilmontiert geliefert und bleibt danach üblicherweise zusammengeschraubt. Einzig die Torzähler sind gesteckt und die Standfüße aus Holz müssen nach dem Auspacken per beiliegende Schrauben fixiert werden. Ich kann mich selbst nicht an einen bedruckten Spielkarton erinnern und wenn, dann ist der derweil im Altpapier gelandet, weil ich das Spiel dauerhaft aufgebaut haben möchte und dafür der Karton zu klein ist. Meine Eigenrecherche bestätigt mir so einen bedruckten Produktkarton in den Abmessungen 78 x 48 x 5,5 cm. Für den Transport zum Spieletreff nutze ich deshalb die bekannte blaue Ikea-Tasche, die hat sich bei mir bewährt. Handtuch darüber zum Schutz vor Regentropfen und ab damit zur nächsten WM-Party. Ausreichend viele Werbepausen bietet Euch die aktuelle Weltmeisterschaft ja sowieso und auch von der Geräuschkulisse ist WeyKick im Genrevergleich noch im Rahmen – hört selbst rein.

Ich persönlich kann Euch WeyKick nur empfehlen. Aber wie bei allen Spielen dieser Grüße und Preisklasse solltet Ihr für Euch vorab prüfen, ob sich die Investition von knapp 200 Euro lohnt und dann auch regelmäßig bespielt wird. Dazu sollte es in Griffweite bereitstehen, zum Beispiel wie bei mir direkt aufm Spieleschrank platziert. Zudem ein schöner Blickfang.

Der konfrontative Bruder von Bomb Busters: Got Five!

Von: ravn
09. Juni 2026 um 18:15

Vorzeitig lösen oder weiterspielen? Nur einer von uns kann gewinnen. Die Spannung liegt knisternd in der Luft oder verflüchtigt sich, wenn eine Partie in ratlose Überlänge geht und jeder am Tisch nur noch auf den entscheidenden Hinweis wartet. Wer zu lange wartet und zudem nichts wagt, der hat hier allerdings keine Chance.

Die Spieleschachtel von Got Five! (nur echt mit dem Ausrufezeichen, das ich hier ab sofort weglasse, um den Lesefluss zu erhalten und meine Rechtschreibprüfung nicht verrückt zu machen) hat schon einen starken Aufforderungscharakter. Da lächeln mich fünf farbige Klötzchen mit ihren Glubschaugen verschmitzt an und scheinen fröhlich aus der Reihe tanzen zu wollen. Zwei bis vier Spieler dürfen mitmachen und in rund 15 Minuten ist schon wieder alles vorbei, sofern wir uns nicht tot grübeln und an unseren Deduktionskenntnissen verzweifeln. Aber dazu später mehr.

Der Autor Yoann Levet ist kein Unbekannter. Vor nun mehr 14 Jahren hat er den Ameisenbau-Optimierer Myrmes bei Ystari Games veröffentlicht und uns 2022 das Codeknacken per Turing Machine gelehrt. Dieses Jahr nun der Ausflug ins Genre der knuffigen Familienspiele bei Blue Orange und Asmodee. So harmlos leicht Got Five optisch daherkommt, ist es dann doch nicht. Im spielerischen Kern versuchen wir unsere fünf geheimen Zahlen auf haptisch schönen Plastiksteinchen zu erraten und das, bevor unsere lieben Mitspieler uns zuvor kommen.

Das Gemeine ist, dass alle außer mir selbst (ich wechsele mal geschickt in die Einzahl, um Euch nicht zu verwirren) meine vor mir aufgebaute Steinchenreihe kennen. Die wird vorab von denen sogar noch aufsteigend sortiert. Ich weiß also, dass mein rotes Steinchen eine kleinere Zahl als mein grünes Steinchen zeigt. Das sagt mir im Spielverlauf mehr aus, als ich zunächst vermute. Da es 60 Steinchen gibt und keines davon einen doppelten Wert von 1 bis 60 hat, kann ich nun alle mir zugewandten Mitspieler-Zahlen auf meinem abwischbaren Spielertableau abstreichen. Das halte ich versteckt hinter meinem Sichtschirm, der mir zudem den Spielablauf in Erinnerung hält.

Noch dazu die fünf für alle offenen Steinchen abgestrichen und schon wird mir hoffentlich klar, dass ich noch etliche andere Zahlen für mich ausschließen kann. Schließlich kenne ich ja meine aufsteigende Farbreihenfolge. Bin ich am Zug und das sind wir reihum, decke ich ein beliebiges Steinchen meiner favorisierten Farbe aus der Mitte auf und ergänze damit den Vorrat der offen liegenden Steinchen. So habe ich immer sechs zur Auswahl und eines davon darf ich durch Mitspielerhand in meine Steinchenreihe einordnen lassen. Wenn Ihr dazu noch einen entsprechenden aufsteigenden Soundeffekt macht und es von links nach rechts wandern lässt, bis es in meiner Spielleiste seinen Platz gefunden hat, dann und genau dann habt Ihr die Stimmung zwischen locker-leicht und konzentriert-grüblerisch getroffen. Alternativ stapel ich das ausgesuchte Steinchen auf eines meiner fünf eigenen Steinchen und lasse den Punktewert von 1 bis 3 vergleichen. Auch das gibt mir Hinweise, denn mein Spielertableau listet nicht nur die farbigen Steinchen auf, sondern auch deren Punktewert-Verteilung.

Auf diese Weise komme ich meiner Lösung immer näher und rufe schließlich „Hab die Fünf!“ aus. Da das jeder am Tisch jederzeit machen kann, ist die Anspannung spürbar, wie viel Zeit wir uns noch lassen können oder ob wir es doch wagen sollten. Allerdings haben wir nur einen einzigen Lösungsversuch, der bei manchen, wie bei mir selbst erlebt, eher zum Rateversuch wird. Nach nur drei Zügen war ich mir so felsenfest sicher, dass ich vorschnell und glücklich zugleich „Hab die Fünf!“ ausrief. Meine Mitspieler schauten mich nur verdutzt an und nachdem ich meine vermeintliche Zahlenreihe vorlas und nur ein einstimmiges Kopfschütteln sah, war ich es, der nun verdutzt zurückblickte. Hatte ich mich so vertan? Oh ja, wie sich später zeigte.

Falsche Rater scheiden zudem für den Rest der Spielrunde aus und dürfen nur noch zuschauen. Finde ich fair, weil verhindert, dass sich so manch vorschnell aus der Deckung wagt und einfach nur wild rät. Einen Ausgleich für alle, die nicht Startspieler sind, gibt es übrigens nicht. Aus Gründen der Fairness empfehle ich deshalb, die laufende Runde nach einem geglückten Lösungsversuch noch zu Ende zu spielen, sodass jeder gleich oft aktiver Spieler war. So könnt Ihr nachlegen und nicht nur deshalb verlieren, weil Ihr einen Zug weniger hattet. Das ist allerdings eine Hausregel, denn die offizielle Anleitung schweigt sich dazu auf ihren vier Seiten aus.

Nach unserer Erstpartie, die ein paar Züge später richtig von einer Mitspielerin gelöst wurde, ging es direkt in die Revanche. Und hier zeigte sich dann ein kleines Problem von Got Five. Denn wenn alle nicht auf ihre Lösung kommen, weil noch zu viele Möglichkeiten offen sind, kann so eine Partie in die Überlänge von weit über 15 Minuten gehen und dann trägt der Spannungsbogen für mich nicht mehr so recht, weil alle nur noch auf den einen entscheidenden Hinweis warten. Mit etwas Pech bei der Steinchenauswahl kann das schon mal länger dauern. Diese Bandbreite zwischen durchweg toller und potenziell lahmer Partie Richtung Spielende müsst Ihr hinnehmen können.

Das ist dann aber auch meine einzige Kritik an dem Spiel, das für mich durchaus der kleine konfrontative Bruder von Bomb Busters sein könnte. Völlig anderes Spiel, aber der Nervenkitzel ist durchaus vergleichbar und hier wie da geht es um verdeckte aber stets aufsteigende Zahlenreihen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber dann auch schon auf. Somit ist Got Five für mich eine einfachere und flotter gespielte Alternative, wenn wir mal nicht gemeinsam als Gruppe verlieren möchten. Bei Got Five hat es jeder von uns in der Hand, ob er gewinnt oder eben auch nicht. Und das Glück spielt ebenso mit, weil nicht jeder von jedem Zug gleich profitiert. Warum wir in der lokalisierten Version allerdings „Hab die Fünf!“ ausrufen, während selbst die Franzosen „Got Five!“ verkünden, das bleibt wohl ein Mysterium der Übersetzer. So oder so ist Got Five für mich eine Empfehlung des Brettspieljahrgangs 2026 – ein wahrlich schön-lockerer Logik- und Deduktionsspaß.

Kein gewöhnliches Alea Eurogame: Moon Colony Bloodbath

Von: ravn
08. Juni 2026 um 18:21

Alea-Spiele mit internationalem Titel sind spätestens seit The Druids of Edora keine Besonderheit mehr. Hier wurde sogar auf die Erklärspalte der Anleitung verzichtet und das zugrunde liegende Thema hätte ich eher nicht beim eher biederen Ravensberger Mutterhaus vermutet. Dahinter steht der Dominion-Erfinder, der hier ganz viel fernab sämtlicher Eurogame-Konventionen wagen kann – mit Erfolg.

Willkommen in der Mondkolonie. Genießt den schönen Ausblick auf die Erde, vergnügt Euch in traumhaften Mondstädten unter sicheren Kuppelbauten und werdet von fabelhaften Robotern umsorgt. Nur irgendetwas scheint hier nicht ganz zu stimmen, auch wenn es anfangs wie eine kommerzielle Utopie wirkt. Schön soll unsere Kolonie werden und dafür bauen wir die im Wettstreit mit unseren Mitspielern sorgsam auf. Krisensicher soll unsere Kolonie ebenso sein, dann alsbald häufen sich diverse Zwischenfälle bis zum absoluten Kollaps. Der Untergang ist nicht mehr aufzuhalten, nur noch so weit zu verzögern, bis es einen von uns zerreißt, weil eine Kolonie vollständig dezimiert wurde. Hoffentlich die eines Mitspielers, denn damit wahren wir uns die eigenen Chancen auf den Spielsieg. Denn einer verliert und läutet das Spielende ein, während der Spieler mit den meisten Mondkolonisten triumphieren darf.

Der Erfolgsautor Donald X. Vaccarino hat Moon Colony Bloodbath in Szene gesetzt und Franz Vohwinkel hat die Illustrationen und das grafische Design beigesteuert. Was sollte da schon schiefgehen? Von Verlagsseite mal so gar nichts, auch wenn der Lagerbestand knapp werden droht und das Spiel nicht mehr flächendeckend verfügbar ist. Nicht ohne Grund, denn das satirisch angehauchte Eurogame wurde zum Kennerspiel des Jahres 2026 nominiert und das erzeugt Aufmerksamkeit. Bei einigen erzeugt diese Nominierung auch ein Stirnrunzeln, denn das Thema ist für ein Kulturgut doch eher ungewöhnlich. Die Spiel des Jahres Jury begründet es hingegen so: „Ein redaktionell ausgezeichnet gearbeitetes Spiel, bei dem es keine Wartezeit gibt, weil alle gleichzeitig am Zug sind. Es birgt eine überraschende gesellschaftskritische Tiefe: Wir steuern sehenden Auges in den Abgrund und setzen ruchlos auf eigene Vorteile. Trotzdem stirbt die Hoffnung zuletzt.“

Dem stimme ich zu, wenn ich auch Kritik auf Detailebene habe, die sich in meinen zwei Mitspielpartien durchaus verfestigt hat. Wir spielen zwar zeitgleich, allerdings im Takt. Während bei den Arbeit-Aktionen durch den beiliegenden Aktionsmarker noch klar ist, ob und wer mit seiner Aktion fertig ist, kann bei Entwicklungen, Problemen, Ereignissen und Robotern so einiges aus dem Takt geraten. Denn dabei ist eben nicht klar, ob jeder schon seine Mondbevölkerung um 7 reduziert hat oder eben noch nicht, weil nicht nur Marker abgegeben werden müssen, sondern auch ein Gebäude abgerissen wird. Die einen am Tisch sind schon längst fertig und wollen flott weiterspielen und schon die nächste Karte des Stapels aufdecken, während die anderen Mitspieler noch für sich grübeln, ob zukünftig auf die Kartoffelfarm oder die Organbank verzichtet werden kann. Wie Ihr das für Euch regelt. müsst Ihr selbst finden, sei es durch einen „Daumen hoch“ oder einen Stapel-Aufdecker, der alle Spieler stets im Blick hat.

Die Markerverteilung in 1er und 5er finde ich eher unglücklich, denn seltenst bis nie müsst Ihr genau 5 Geld, Nahrung oder Bewohner abgeben und bekommt diese dazu. Stattdessen wechselt Ihr fröhlich hin und her und versucht, mit vielen Mitspielerfingern die verschütt gegangenen 1er-Marker zu finden. Mein Tipp: Macht zwei Marker-Häufchen pro Typ und trennt auch die 1er von den 5ern. So erspart Ihr Euch das teils nervige Herumgestochere nach Wechselmarkern.

Alles kein Beinbruch und auch keine wirklichen Stolpersteine für ein ansonsten vergnügliches Spiel mit ein wenig Schadenfreude, wenn es bei den Mitspielern mehr rumst und Ihr selbst mit einem blauen Auge davonkommt. So hatte ich in meiner letzten Partie in entspannter Fünferrunde und damit Vollbesetzung durch Kartenglück verursacht, die Chance ergriffen, alle meine Vorteilskarten in Folge in den gemeinsamen Nachziehkartenstapel spielen zu können. Dazu brauchte ich nur ein paar Äpfel im Vorrat und die Arbeiteraktion. Gewonnen habe ich damit doch nicht, bis zum Spielende allerdings immer recht wenig Geld, aber einen dicken Stapel von Karten auf der Hand, die ich nicht verbauen konnte.

Partien können eine scheinbare Schräglage bekommen, ein Garant für den eigenen Erfolg sind solche sich ergebenden Killer-Strategien aber keineswegs, wie selbst erlebt. Wie viel Glück steckt in dem Spiel und wie viel eigener Einfluss ist vorhanden oder werden wir doch nur amüsant gespielt? So oder so erzählt jede Partie ihre ganz eigene Geschichte per Kopfkino. Ihr müsst nur zuhören wollen. Ein wenig Faible fürs präsentierte Science-Fiction-Setting hilft dabei schon enorm.

Moon Colony Bloodbath kennt kaum Wartezeiten und ist zudem in 60 bis spätestens 90 Minuten dann auch wieder vorbei. In komprimierter Form erlebt Ihr den Aufstieg und Fall Eurer Mondkolonie. Mir sind die vielen Zufallsfaktoren dabei egal und eher ein spielerisches Mittel zur Abwechslung in den Partien. Mal läuft es eben gut, weil für einen passend und dann ist die eigene Spielweise so fragil, weil abhängig von der perfekten Kartenreihenfolge, dass es schlicht ein Risiko ist, so zu spielen. Gewiss kein Spiel für reine Eurogame-Optimierer, die alles im Griff und unter Kontrolle haben müssen. Der steigende Kontrollverlust gehört stattdessen mit zum Spielkonzept. Wer das mag, der erlebt hier eine vergnügliche Zeit. Wer nicht, für den gibt aus ausreichend Alternativen auf dem Brettspielmarkt.

So blutig das Spiel im Titel ist, so blutleer und scheinbar harmlos ist die grafische Gestaltung. Wie leicht hätte der Illustrator das Spielgeschehen mit Blutfontänen plastisch zu einem Horrorfilm werden lassen. Stattdessen wird die Gewalt, die Unfälle und der Zynismus dieser Mondkolonie erst auf den zweiten Blick und zwischen den Zeilen ersichtlich. Wer nicht genau hinschaut, kann dabei viele Details und Anspielungen übersehen und sich stattdessen wundern, wo denn bitteschön das versprochene Bad in Blut ist.

Moon Colony Bloodbath polarisiert und genau diese Ecken und Kanten des Spiels gefallen mir, sodass es für mich zur Kennerspiel-Empfehlung wird. Ein ebenso nominiertes Boss Fighters QR ist technisch spektakulärer und ein Rebirth ist sicherlich gefälliger im Spielablauf, aber Moon Colony Bloodbath sticht angenehm aus dem Spielejahrgang hervor. Solltet Ihr gespielt oder mindestens mitgespielt haben.

The Druids of Edora: Eurogame-Liebe erst im zweiten Anlauf

Von: ravn
28. Mai 2026 um 00:31

Es gibt so manche Spiele, die in einer Erstpartie mal so gar nicht zünden. Als langweilig und spannungsarm abgestempelt und mit vielen Fragezeichen auf meiner Stirn, weil Autor und betreuender Redakteur zu den ganz Großen in der Branche gehören. Zudem bei einem Verlag veröffentlicht, der den Qualitätsbegriff für Kennerspiele neu definiert hat in der Vergangenheit. Inzwischen weiß ich für mich, dass ich mich im Ersteindruck mächtig geirrt habe, obwohl wir alles richtig gespielt hatten.

Machen wir uns nichts vor, der Ruhm der Kennerspielmarke des Ravensburger Spieleverlags für anspruchsvolle Strategiespiele ist derweil verblichen und zehrt aus der nostalgisch verklärten Erinnerung. Im Jahr 1999 ging es mit RA und Chinatown los und spätestens mit Puerto Rico und Die Burgen von Burgund wurden zwei zeitlose Klassiker geboren. Alea stand für spielmechanische Qualität und ein Regelwerk, das nicht nur keine Fragen offen ließ, sondern auch die Randspalte mit der eingebauten Kurzregel in die Brettspielwelt einführte. Eine Randspalte gibt es bei The Druids of Edora weiterhin, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt, denn online bei Ravensburger ist die Anleitung nicht hinterlegt. Ein Unboxing-Video hat mir schließlich Gewissheit gegeben.

Was allerdings bei The Druids of Edora fehlt, ist das Vertrauen in den deutschsprachigen Markt. Die einzig verfügbare Auflage liegt in sechs Sprachen in einer Spieleschachtel vor. Das sind dann auch sechs entsprechend sprachige eigene Anleitungen und ein Beiheft, das hingegen alle Sprachen bündelt. Reicht mir meine Landessprache aus, habe ich eine ganze Menge an Papiermüll und ein unnötig dickes Beiheft, von dem ich eigentlich nur die erste Seite benötige. Deswegen muss das Spielmaterial auch sprachneutral sein und sich über Icons verständigen, die wir mit Anleitung und Beiheft auswendig lernen und in den ersten Partien dauernd nachschlagen müssen. Ich kann Euch deshalb nur empfehlen, eine der Kurzübersichten aus Spielerhand für jeden Mitspieler auszudrucken, um Euch das Herumreichen und Blättern zu ersparen. Alea-Qualität hatte ich anders in Erinnerung. Auch das hat mir meine Erstpartie verleidet.

Viel Kritik und doch soll es Eurogame-Liebe sein? Wie passt das zusammen? Ganz einfach, denn fernab einer Zweierpartie spielte sich The Druids of Edora angenehm interaktiv, weil so viel mehr auf dem Spielbrett los war. Zwar wird das Brett modular je nach Spielerzahl angepasst, aber im direkten Duell zu Zweit entpuppte sich das als ein freudloses Nebeneinander-Vorbei-Spielen. Dabei lebt der Spannungsbogen von dem Druck, dass die Mitspieler einem Dolmenwertungen und Kultplätze vor der Nase wegschnappen. So in meinen Folgepartien zu viert und danach zu dritt erlebt. Dabei haben wir ganz bewusst auf alle Regelvarianten verzichtet. Das anfängliche Würfelglück entscheidet, welche taktischen Wege es sich lohnt, einzuschlagen. Wer kaum bis wenig hohe Augenzahlen zur Verfügung hat, der wird einen Wettstreit um Kultplätze kaum gewinnen und auch in der Endwertung dort wenig mitzureden haben. Dafür braucht es weitaus weniger Aktionen, um Proviant zu besorgen, und auf der Wissensleiste per Aktionen voranzuschreiten ist auch nicht nötig. Der Fokus kann also gut und gerne auf all die Aktionen liegen, die unabhängig von den Augenzahlen sind.

Das ist auch die Besonderheit von The Druids of Edora, die für mich den eigentlichen Spielreiz im Sammelbecken der Punktesalat-Spiele ausmacht. Vor dem ersten Spielzug gilt es zu analysieren, was diesmal mit den Voraussetzungen des modularen Spielplans mit seinen eventuell verschlungenen oder gradlinigen Wegen möglich ist, wo sich Dolmen gut oder auch weniger gut verbinden lassen und wie die Auslage der eigenen Heilkräuter dabei helfen können. In einer Erstpartie kann das kaum jemand überblicken, weshalb ich Euch mindestens eine zweite Chance empfehle, denn mit dem Wissen, was alles möglich ist und was eben auch nicht, spielt sich The Druids of Edora ganz anders.

Allerdings ist die Herbstveröffentlichung 2025 vom Autor Stefan Feld auch ein Kennerspiel, das keine Spielfehler verzeiht und gnadenlos mit denjenigen ist, die im Proviantverbrauch falsch planen oder sich von den Mitspielern überraschen lassen, weil der sicher geglaubte Kultplatz zum Nachschub tanken plötzlich besetzt ist. Dann heißt es, zwangsweise eine Notaktion auszuführen, die einem im Spiel hält, aber einen erheblichen Tempoverlust bedeutet. Ich weiß, wovon ich schreibe.

Großspurig mit vielen hohen Augenzahlen als letzter Spieler in der Reihenfolge ins Spiel gestartet und ich wollte mal eben, mit wenigen Zügen zwei Dolmenpaare miteinander verbinden und auf dem Weg ein paar Feuerstellen für mich zu erzünden. Hätte auch alles geklappt, wenn ich mich nicht um ein Proviant in meiner Aktionskette verrechnet hätte. Als Aktion der Druiden-Schande hingenommen und am Ende reichte es doch mit Abstand zum Spielsieg. Ich hatte mich vollkommen auf meine hohen Würfel fokussiert, deshalb frühzeitig per Zauber mir das Heilkraut mit Proviantvorteil freigeschaltet und ansonsten meine Wissensleiste auf den maximal möglichen Multiplikator hochgetrieben. Für eigene Menhire und Stelen blieb da kaum Zeit. In der Schlusswertung der Kultplätze konnte ich so in Summe 17 Würfel, Stelen und Menhire erreichen, was mit 4 multipliziert mal eben 68 Punkte ergab. Dazu drei erfüllte Aufträge und 20 Punkte für die dreifach belegte linke Amuletthälfte. Zudem zog ich im Laufe der Partie über diverse Feuerstellen-Punkte fleißig voran. Da passte vieles einfach zusammen.

Im Rückblick habe ich Stefan Feld typisch nur ein Bruchteil der möglichen Aktionen durchgeführt. Für meine nächste mitgespielte Partie wird es sicher ganz anders laufen, weil die Voraussetzungen ganz anders sein werden. Auch genau das macht inzwischen für mich den Widerspielreiz von The Druids of Edora aus. Gerne wieder, auch weil es sich angenehm flott spielen lässt, ich meine Mitspieler im Blick haben sollte, aber vor allem meinen Fokus nicht aus den Augen verlieren sollte und sich das alles zu einem tollen Spannungsbogen formt. Leider steht sich The Druids of Edora redaktionell und von der Ausstattung selbst im Wege, besonders in der Erstpartie mit zu geringer Spieleranzahl. Wer sich trotzdem durchbeißen mag, erlebt eventuell auch so eine positive Überraschung wie ich selbst. Deshalb mein Tipp: Gebt The Druids of Edora nicht zu früh auf.

Dindex: Kläglich an der eigenen Regelerklärung gescheitert

Von: ravn
19. Mai 2026 um 17:47

Selbst Schuld und deshalb auch nur einen geringen Vorwurf an das kartengetriebene Politikspiel rund um unsere Demokratie, dem Geschacher um die Macht und ausgehandelte Ministerposter, während Oligarchen ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Die hiermit niedergeschriebene Historie meiner Erstpartie, bei der mal so alles schief lief.

Manche Geschichten kann ich mir einfach nur ausdenken, denn die schreiben das erlebte Leben eines Brettspielers viel eindrucksvoller. Aber so eindrucksvoll selbstverschuldet eine Neuheit in den eigenen Brettspielreihen einzuführen, nur um die Erklärung mitsamt viel zu kurzer Erstpartie an die Wand zu fahren, das war schon ein Erlebnis für sich. Eines, das ich am liebsten ganz schnell vergessen und aus den Köpfen meiner Mitspieler streichen möchte. Eben bevor sich der falsche Eindruck verfestigt, dass Dindex mal so gar nichts taugt. Denn das wäre hart ungerecht dem Spiel und dem Autor Lars-Michael Stock gegenüber.

Dabei habe ich in meiner Brettspieler-Historie mindestens eine dreistellige Zahl an Neuheiten erklärt und kenne damit auch die Hürden einer allerersten eigenen Erklärung. Die ist meist etwas ausufernd bis sprunghaft holprig, weil ich selbst noch nicht weiß, auf welche zu vermittelnden Details ich den Fokus legen sollte. Wenn dann die Spielanleitung nicht gerade von einer erfahrenen Redaktion, sondern von einem enthusiastischen Eigenverlags-Autor erstellt wurde und eher vor Herzblut anstatt von Übersichtlichkeit tropft, tja, dann sollte ich aus Erfahrung eigentlich besser vorbereitet sein. Zu meiner Verteidigung könnte ich anbringen, dass ich Dindex eher spontan vorgeschlagen und in letzter Minute selbst zum Spieletreff eingepackt habe.

Ebenso könnte ich als zu einfache Ausrede anführen, dass ich nicht der Einzige war, der das Spiel erstmalig dabei hatte. Eventuell hätte ich es mir lieber selbst nochmal nach meiner Demopartie auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund erklären lassen sollen. Einfach mal zurücklehnen und nicht in Selbstüberschätzung meinen, dass ich Dindex mal eben so, aus dem Ärmel geschüttelt, erklären kann. Dabei bin ich schon am Aufbau gescheitert, denn ich hatte schlicht verpennt, die ganzen Kartenstapel vorab mal ordentlich durchzumischen. Die waren nur oberflächlich unterschiedlich, wie ich die im Selbststudium zu Hause mal exemplarisch angeschaut hatte. Deshalb fiel es mir selbst nicht auf, dass die Aktionskarten fast komplett nach dem Demokratie-Index sortiert waren. Ebenso wie der obere Teil der Regierungsaufgaben, die arg einseitig waren.

In meiner zugelosten Rolle des oligarchischen Gegenspielers unserer Viererrunde mit zwei Spielern am Tisch, die bisher noch keinen Kontakt mit Dindex hatten und zwischen schulterzuckend und interessiert schwankten, hatte ich somit zu leichtes Spiel. Eben weil ich überwiegend passende Aktionskarten auf die Hand bekommen habe, während meine demokratischen Mitspieler kaum sinnvoll ihre Karten spielen konnten und deshalb vorwiegend in der Kernphase des Spiels diese tauschen mussten. Da wir zur Einführung nur ein kurzes Spiel angehen wollten, starteten wir schon im Extremismus, was mir in meiner Rolle zugutekam. Zudem bekam ich auch zufällig den weiteren Wähler zugelost, um ein bewusstes Ungleichgewicht zu Spielstart und damit die stärkste Partei an Wählerstimmen zu besitzen und in Folge mit der ersten Regierungsbildung beauftragt zu sein.

Blöd, dass ich dabei direkt zwei Details in der in Textblöcken strukturierten Anleitung übersah. So hatte ich vergessen, uns jeweils drei Stammwähler auszuteilen und die Anzahl der eigenen Handkarten richtete sich eben nicht nach den Dreiergruppen von Wählern, sondern nach den Stammwählern. So hatte ich eine Aktionskarte mehr auf der Hand, was aber fast schon egal war, da im ungemischten Aktionskartenstapel sowieso fast nur antidemokratische Karten oben lagen und ich der Einzige der Runde war, der überhaupt eine echte Motivation hatte, diese ausspielen zu wollen.

Für meine erste Koalition gab es mit zwei Mitspielern keine Überschneidung unserer Kernkompetenzen. Somit hatte ich zwei potenzielle Koalitionspartner zur Auswahl und konnte die Ämterverteilung entspannt zu meinen Gunsten entscheiden. Das Kanzleramt gehörte sowieso mir, die zwei passenden Ministerien ebenso, während ich, fast schon gönnerhaft gespielt, zwei Ministerien zum Koalitionspartner abgab. Damit wir zum Schein potenzielle Krisen möglichst gut bewältigen können. Das übrig gebliebene Ressort nahm ich dann zu mir, als mein ausgerufenes Recht als stärkste Partei.

Und spätestens hier hätte mir klar sein sollen, dass ich meinen Mitspieler die grundsätzlichen Spielmechaniken in ihren Auswirkungen und Bedeutungen noch gar nicht erklärt hatte. Schlechte Voraussetzungen für ein erstes Spiel, das durch eigene Erklärfehler im Aufbau und die windschiefe Kartenverteilung schon zu dieser Zeit noch für mich unwissend blöd gestartet war. Eine mehr als nur krumme und planlose Partie sollte die Folge sein und so kam es dann auch. Ich selbst konnte mit meiner passenden Kartenhand etliches bewirken, was vor allem zum eigenen Vorteil war. Meine Mitspieler machten fast gar nichts, außer darauf zu hoffen, endlich mal für sie bessere Karten zu tauschen. Zu sehr von meinen eigenen Plänen des Machtmissbrauchs berauscht, merkte ich gar nicht, dass die einzig gespielte Legislaturperiode viel zu einseitig war und ich selbst von meinem zu schnellen und vorzeitigen Spielsieg durch Sturz in die Oligarchie geblendet wurde. Klar, dass Dindex damit durchfallen musste, und ich muss mir die Schuld dafür geben.

Aus Fehlern möchte ich hingegen lernen und Euch ebenso ein paar Ratschläge an die Hand geben, was Ihr selbst in Eurer ersten Dindex-Partie beachten solltet:

  1. Erklärt das Spiel bitte nicht nach der Spielanleitung. Denn die ist mit 30 Seiten viel zu lang und bringt das eigentlich recht einfache Spielkonzept nur sehr ausufernd in zu große Textblöcken ins eigene Verständnis. Zum Nachschlagen von Regeldetails auch nicht wirklich geeignet, weil trotz farbiger Hervorhebungen die Textmengen zu unübersichtlich sind, um schnell überblickt zu werden. Entwickelt stattdessen in einer vorab für Euch simulierten Partie ein Gefühl für den Spielaufbau, den Spielablauf und was die eigentlichen Kernmechanismen sind.
  2. Die doppelseitige und nur einmalig beiliegende Kurzanleitung hilft Euch leider nur beim Spielaufbau, sofern Ihr die Schritt-für-Schritt wirklich befolgt. Dabei ebenso geschwätzig wie die Spielanleitung, wobei ich kurze und präzise Stichworte hier wie auch dort bevorzugen würde. Die Symbolsprache fehlt hier völlig, was das alles zur Textwüste werden lässt.
  3. Im Ablauf der Legislaturperioden auf der Rückseite der Kurzanleitung kommen die Regierungsaufgaben zu kurz. Dort wird nur grob von Aufgaben geschrieben, ohne klarzumachen, was der Unterschied zwischen Krisen und Probleme ist und welche Auswirkungen später ungelöste Krisen und Probleme haben. Mit einem „entfalten nun ihre Wirkung“ Wortlaut war mir das zu kurz als Erinnerungsstütze abgehandelt.
  4. Die Symbolübersicht ist nur einmal auf der Rückseite der Spielanleitung gedruckt. Dabei ist besonders für Erstspieler essenziell wichtig zu wissen, was die anfangs verwirrenden Schafe in Weiß und Braun und teils durchgestrichen bedeuten. Weil es nicht nur auf das Symbol an sich ankommt, sondern auch, wo diese Karten liegen – in der Spielmitte oder in der Spielerauslage.

Für die Punkte 2 bis 4 kann ich eigentlich nur empfehlen, auf eine alternative Kurzübersicht zurückzugreifen, die jedem Spieler zur Verfügung steht. Die beiliegenden vier Kurzübersichten sind schlicht nur eine Spielphasen-Übersicht ohne jegliche Erklärung, was dort passiert. Um den Hürden des Spieleinstiegs zu minimieren, sollte so eine alternative Kurzübersicht die wichtigsten Symbole beschreiben, den Rundenablauf und was dort in den einzelnen Spielphasen passiert. Das alles in stichpunktartiger und präzise formulierter Form. Ebenso sollten auf der Rückseite die Siegbedingungen der beiden Rollen, deren Möglichkeiten, Regierungspunkte zu sammeln und den Dindex zu verändern, aufgelistet sein. Was Stammwähler und Wähler in der eigenen Spielauslage unterscheidet und was die Systemgegner in der Tischmitte für den Dindex bedeuten, sollte ebenso dort kurz und knapp auf die regelmechanischen Details reduziert erwähnt werden.

Für meine kommende Partie weiß ich nun, dass ich Dindex leider nicht einfach so nebenbei erklären kann. Dazu fehlt mir die eigene Spielpraxis, um auf die Spielanleitung verzichten und nur mit der Kurzanleitung zurechtkommen. Also wird wohl ein wenig redaktionelle Eigenleistung gefordert sein, um eine Kurzübersicht für jeden Spieler zu erstellen. Ich stelle Euch die gerne hier dann zum Download zur Verfügung, nachdem ich die Nutzung der Grafiken mit dem Autor Lars-Michael Stock abgesprochen habe. Wenn Ihr bis dahin selbst Hand an Dindex angelegt habt, bin ich ebenso interessiert, wie Eure Kurzübersicht aussieht.

Und ja, vergesst bitte nicht, die ganzen Kartendecks vor der Partie intensiv zu mischen, weil ansonsten fällt das Spiel in sich zusammen. Das wäre arg schade, weil mir gefällt es weiterhin bestens. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, diesen Eindruck auch per Regelerklärung vermitteln zu können. Denn Dindex empfinde ich als zu wichtiges Spiel, um durch blöde Erklär- und Aufbaufehler als spielerisch verbrannt zu gelten. Im Zweifel gebt bitte Dindex eine zweite Chance und eine zweite Partie.

Thematisch abstrakte Eleganz: Beyond the Sun

Von: ravn
20. April 2026 um 23:43

Gute Spiele brauchen kein komplexes Regelwerk. Die besten Spiele begnügen sich mit der Essenz dessen, was Spielspaß ausmacht. Das Kennerspiel vom Autor Dennis K. Chan lässt uns zudem die Wahl, den Fortgang für alle Mitspieler am Tisch selbst zu gestalten, indem wir unseren Technologie-Baum der Aktionsmöglichkeiten gemeinsam gestalten. So ist jede Partie anders und immer wieder neu herausfordernd. Genau deshalb eines meiner absoluten Lieblingsspiele, das ich erst letztens in entspannter Dreierrunde erneut erleben konnte.

Beyond the Sun ist anders und auch deshalb besonders. Abgesehen vom schönen, wenn auch unaufgeregt illustrierten Cover aus der Feder von Franz Vohwinkel, wirkt dieses Kennerspiel im Science Fiction Setting eher bieder. Spätestens wenn der Spielplan mit seinen gräulich dominanten Einsetzfeldern auf dem Tisch liegt, stellt sich für mich nicht mehr die Frage, warum sich ein Meister seines Faches nur auf der Spieleschachtel austoben durfte. Denn wer Beyond the Sun schon mal gespielt hat, kennt die Antwort und lächelt wissend. Weil genau so muss es sein, denn alles mehr an Farbe und verschnörkelten Details wäre nur eine Ablenkung vom Wesentlichen. Deshalb braucht es für Erstspieler ein wenig Vertrauen und Überzeugungsarbeit, denn niedliche Tierillustrationen in flippigen Raumanzügen und ausmodellierte Holz-Meeple sucht Ihr hier vergebens – und das ist ganz genau gut so. Besser hätte es kaum sein können.

Beyond the Sun verlässt sich in seiner schon fast abstrakten Eleganz auf seine inneren spielmechanischen Werte. Wir haben nur einen einzigen Worker und werden im ganzen Spiel keinen einzigen mehr bekommen können. In unserem Zug wechseln wir das Einsatzfeld, führen dort die Aktion aus, produzieren anschließend eine von zwei Rohstoffsorten oder nutzen die dritte Option des kaum genutzten Rohstofftausches. Dabei haben wir Erz, Menschen und Raumschiffe. Mehr braucht es nicht. Dargestellt durch kleine schwarze Plastikbrocken oder einen W6-Würfel, der je nach oben liegenden Seite eine Lagerkiste, einen Menschen oder ein Raumschiff in Stärke 1 bis 4 darstellt. Dazu ein paar Holzscheiben mit universellem Sternaufdruck, Zahnrad- oder Pflanzensymbol. Reduzierter geht es kaum und genau deshalb spielt sich für mich Beyond the Sun so haptisch gradlinig schön.

Dabei ist jeder Partie völlig anders. Denn fernab der Basisaktionen und vier ausliegenden Forschungskarten der Stufe 1, die sich nur in der Anordnung von Partie zu Partie ändern, obliegt es an uns Spielern selbst, welche weitere Aktionen wir uns selbst und unseren lieben Mitspielern ermöglichen wollen. Dazu erforschen wir den Technologiebaum und brauchen dafür mindestens eine Arbeiter-Einsetz-Aktion und einen Menschen, der zum Wissenschaftler wird. Später wird noch Erz sowie mehr Personal für diese Forschungszwecke benötigt. Alles stets begrenzt und auf der Basis eines Wettlaufs um Punkte in diversen Kategorien, die am Spielende abgerechnet werden. Denn das Spielende läuten wir selbst ein, was uns erlaubt, bewusst epische lange Partien oder auch ebenso bewusst kurze Geschichten zu schreiben, wie wir die Zukunft der Galaxis im Wettstreit mit unseren Mitspielern formen. Und zwar so, dass wir am Ende mehr Punkte einfahren und das nach intensiv-flotten 120 Minuten.

Vier Forschungsrichtungen für neue Aktionen haben wir zur Auswahl. Eine davon spielt sich konfrontativ kriegerisch auf dem Weltraumspielplan um Mehrheiten, Kontrolle und Kolonien auf fremden Planeten. Eine andere lässt hingegen die Wirtschaft aufblühen und schafft neue Möglichkeiten seine Produktionseffizienz zu steigern. Wir haben es dabei in der Hand, welche Optionen wir ermöglichen und welche wir hingegen abwürgen. In meinen weit mehr als 15 Spielpartien habe ich eventuell noch nicht alle der 48 Technologiekarten aktiv im Spiel gesehen, besonders weil nicht garantiert ist, dass alle Technologiestufen überhaupt von uns erforscht und damit freigeschaltet werden. Den Rahmen geben wir vor und selbst wer sich selbst nicht an der Erforschung neuer Einsetz-Aktionskarten beteiligen mag, kann trotzdem gewinnen. Diese Freiheit macht Beyond the Sun so außergewöhnlich in seinen Handlungsspielräumen, die keinerlei Kettenzüge und Sonderregeln benötigen.

So hatte ich in meiner letzten Partie mit der Erweiterung „Leaders of the New Dawn“ voll auf Weltraum-Expansion gesetzt. Per zivilen Anführer hatte ich mir einen zusätzlichen Erzbonus verschafft, den ich per militärischen Anführer in aufgerüstete Raumschiffe investieren konnte, die zudem im Bau nicht an Raumwerften gebunden waren. Dazu passend hatten wir eine Errungenschaftskarte im Spiel, die eine 4er-Stärke an drei Standorten benötigte. So fokussierte ich mich zunächst auf den Bau neuer Raumschiffe, um mich damit auszubreiten und von den Bonuseffekten für Planetenkontrolle zu profitieren. Meine zwei Mitspieler gingen auf Forschung, sodass ich weniger Konkurrenz als erwartet auf dem Expansionsspielplan hatte. Am Ende hatte ich knapp die Nase vorn, musste aber mächtig aufs Tempo drücken, weil zwei Vierer-Technologien in Mitspielerbesitz sind schon arg mächtig. Ich selbst hatte nur die Technologiestufe 1 erforscht, für mehr blieb mir auch keine Zeit. Geht also doch. Dabei kam ich gar nicht dazu, die Sonderfähigkeiten meiner zugelosten Fraktion zu nutzen.

Immer wieder gerne. Beyond the Sun ist ein Spiel, ob mit oder ohne Erweiterung, ob in der lokalisierten Version von Strohmann Games oder im englischsprachigen Original bei Rio Grande Games, das ich immer und jederzeit spielen kann und mag. Ich kann gar nicht mehr nachzählen, wie oft ich es schon erklärt habe. Bisher ist es überall gut bis bestens angekommen. Dabei braucht es keinerlei optische Opulenz, denn die vielen kleinen Geschichten schreibt mein Kopfkino ganz von alleine. Dazu reicht mir schon ein kurzer Kartentitel auf den Forschungskarten. Mehr Firlefanz auf und um den Spielplan wäre zu viel gewesen. Deshalb Gratulation für diese perfekte Reduktion in Optik und Präsentation. Wie man es verschlimmbessern kann, weil die Essenz des Spiels in seiner Besonderheit nicht verstanden wurde, hat dann leider der inoffizielle Nachfolger Beyond the Horizon gezeigt und für mich grob versemmelt. Mehr ist nicht zwingend besser, besonders wenn das Handling von perfekt im Vorgänger zu fragwürdig wird.

Noch ein letztes Wort zur Erweiterung. Die empfinde ich als krass überteuert, es sei denn, Ihr seid Solospieler oder habt Euch noch nicht an den Experten-Fraktionen des Grundspiels satt gespielt. So bleiben davon für mich als spielerischer Mehrwert die Anführerkarten sowie die in der Spielbalance nachgebesserten Forschungskarten übrig. Für rund 28 Euro im Vergleich zu 60 Euro fürs Grundspiel nur was für absolute Fans. Für alle anderen reicht das Grundspiel locker die ersten 20 Partien aus. Und eigentlich könnte ich direkt wieder losspielen – nur sind gerade keine Mitspieler in überzeugbarer Nähe.

Skitter: Ehrlicher Rückblick auf meine Schnipp-Erfahrungen

Von: ravn
17. April 2026 um 00:57

Ich würde Euch gerne voller Euphorie von meinen bisher unzähligen Skitter-Spielpartien erzählen. Dabei kam es ganz anders als von mir erhofft, bis dieses außergewöhnliche Geschicklichkeitsspiel mit bewusst nicht vorhandener Einstiegshürde bei mir auf den Tisch kam. Der Weg dorthin war lang und auch irgendwie selbst verschuldet. Meine eigenen Erstpartien fernab diverser Messe-Veranstaltungen hatten dann ebenso ihren ganz eigenen Verlauf.

Es gibt ganz wenige Spiele, die möchte ich einfach mögen wollen. Genauso erging es mir bei der erfrischend einzigartigen analoge Schnippspiel-Konsole der grundsympathischen Skitter-Macher mit ihrem sympathisches Underdog-Charme. Die haben sich echt getraut, auf dem nicht gerade großen Markt der Geschicklichkeitsspiele im Großformat anzutreten. Ein Markt, der längst von den seriösen Vertretern ihres Genres wie Carrom, Crokinole und Weykick besetzt ist. Wer bitteschön braucht da noch ein weiteres Spiel jenseits der 100-Euro-Marke? Also einen Verkaufspreis, der signalisiert, dass das hier gewiss kein nur nettes Gimmick sein soll – schnell gespielt und genauso schnell wieder vergessen. Das hier will gespielt werden und zwar regelmäßig, damit sich der Kauf auch lohnend anfühlt.

Und genau hier fangen leider meine Luxusprobleme mit Skitter an. Nach der Vorbestellung, der mehrmals verschobenen Lieferung, der Ankunft eines beschädigten Exemplars und dem problemlosen Austausch auf der SPIEL 2025 in Essen, waren meine Erwartungen groß. Eventuell übergroß. Erwartungen, die sich nur in gespielten Partien einlösen ließen. Tja, und hier bin ich ganz ehrlich mit Euch. Skitter kam erst im April 2026 auf den Tisch. Für genau zwei Partien. Davor ergab sich bei mir schlicht nicht die Gelegenheit und auch nicht die rechte Motivation, dieses reine Zwei-Personen-Soiel einfach mal ausgiebig in der gespielten Praxis zu erleben. Entweder weil alle meine Spielrunden größer waren oder ich genau wusste, dass potenzielle Mitspieler mit Schnippspielen mal so gar nichts hätten anfangen können. Also habe ich mir Skitter für einen Moment aufbewahrt, der von Woche zu Woche einfach nicht kommen wollte.

Ich hatte Skitter sogar zur zehntägigen Brettspielfreizeit nach Bad Holzhausen mit. Zusätzlich zu meinem Crokinole-Board. Das wurde bespielt, aber für Skitter hat sich so recht niemand interessiert. Warum eigentlich nicht? Wohl, weil es ausreichend andere Spiele gab und ich Spielpartien von mir auch nicht forciert habe. Es gab eben ausreichend Alternativen. Mein Skitter wird mir schon nicht weglaufen, so dachte ich und redete es mir ein. Oder habe ich mich doch eher vor Skitter weggeduckt, weil ich befürchtete, dass es nicht meine erhofften Erwartungen erfüllen wird?

Im Oktober 2024 schrieb ich und da war die Auslieferung noch etliche Monate entfernt: „Im Gegensatz zu Crokinole, bei dem ich meist gezielt die Scheiben meines Mitspielers anvisiere, ziele ich bei Skitter stets auf die Farbfelder im Sektor des Gegners. Während sich meine Anspielziele bei Crokinole somit frei über die komplette Spielfläche verteilen und dementsprechend jeder Spielzug anders ist, bewegt sich Skitter in engere Grenzen. Es wird stets aus dem eigenen Halbkreis geskittet und das Ziel ist stets eines der drei magnetischen Farbfelder auf der anderen Spielbrettseite. Dort sammeln sich die eigenen Scheiben und sollten nur angedockt statt weggeschossen werden. Eine Herausforderung für sich, aber im Direktvergleich zu Crokinole scheint die Varianz der Spielzüge geringer. Ob das als Nachteil oder gar Vorteil zu werten ist, weil sich schneller Erfolge einstellen, kann ich mit meiner zu geringen Spielerfahrung von einer einzigen Messe-Partie noch nicht beurteilen.“

Derweil habe ich mir ein Herz genommen und meine ersten Skitter-Partien dann doch forciert. Einfach zum Spieletreff mitgenommen und bevor unsere Runde komplett war, es auf den Tisch gebracht. Was folgte, das waren gemischte Gefühle, die schwierig zu greifen sind. Euphorie war es nicht. Wirklicher Spielspaß eher auf wenige Schnipp-Aktionen begrenzt. Unsere Spielpartie nach den klassischen Originalegeln dauerte etwas länger, als ich zunächst dachte, da wir uns recht oft gegenseitig eine aufgebaute Base wieder zerstörten, bevor wir punkten konnten. Ab und zu kam dann auch Spannung auf. Immer dann, wenn Gefahr auf mehreren Farbfeldern drohte und die Herausforderung stieg, jetzt zwingend dagegenhalten zu müssen. In Summe ein ok bis gutes Erlebnis, nur eben ohne die Echtzeit-Action eines Klask oder der taktischen Tiefe eines Crokinole.

Dafür war allerdings der Spieleinstieg supereinfach und deshalb belohnend. Mit dem Zeigefinger schieben, das kann wohl jeder. Nach wenigen Spielzügen entwickelt sich auch ein Gefühl, wie unterschiedlich man mit seiner Impulskraft umgehen kann und was das dann auf dem Skitter-Board bewirkt. Damit ein klarer Punktsieg für Skitter gegen Crokinole. Denn Frustmomente habe ich bei Skitter keine miterlebt im Gegensatz zu Crokinole. Also das ideale Einsteiger-Geschicklichkeitsspiel für alle, die nicht erst groß trainieren wollen, bevor sich reproduzierbare Erfolgserlebnisse einstellen. Das gefällt mir an Skitter.

Die Varianz unserer Spielzüge war allerdings nicht wirklich groß. Entweder direkt aufs gegnerische Farbziel oder über Bande anvisiert. Dabei zeigte sich, dass das Skitter-Board nicht wirklich breit ist und somit zwischen den Kork-Bumpern und den Big-Skitts in der Minus-Mitte wenig Platz bleibt. Manch einer unserer Skitts blieb auch dort hängen, wenn wir zu viel wollten. Somit wirkt dieses Spielelement und hat Einfluss aufs Spiel. Auch das finde ich gut, weil damit gedankenloses Geschiebe ein Riegel vorgeschoben wird. Ein wenig Fingergeschicklichkeit gehört dann doch dazu, ohne aber Erstspieler zu überfordern. Ob mit mehr Spielerfahrung auch mehr unterschiedliche Spielzüge möglich sind, an die wir spontan noch nicht gedacht haben, weiß ich schlicht nicht. Dazu muss Skitter aber erst einmal öfters von mir gespielt werden. Bevorzugt in Runden, die sich potenziell ebenso dafür begeistern könnten.

Vom Spielmaterial habe ich nach dem Board-Austausch und mit dem Satz beklebter Ersatz-Scheiben keinerlei Probleme. Ersatz-Scheiben deshalb, weil mein Erstversuch des doppelseitigen Beklebens durch meine ungünstige Nachjustieren-Methode, ohne die eine Klebeseite zunächst antrocknen zu lassen, den Kleber über die Scheibenränder gedrückt hat und die sich dadurch schlicht klebrig anfühlten. Das hat sich über die Monate der Lagerung von alleine gelöst und war in meinen Spielpartien kein Thema mehr. Leider ist bei dem Board-Austausch der Klebebogen verloren gegangen, sodass mir die kleinen mittleren Klebepunkte fehlen. Aber bisher habe ich die nicht vermisst, auch weil ich noch keine der Varianten ausprobiert habe. Im Zweifel frage ich bei den Skitter-Machern einfach nach. Weil deren Kundenservice wirklich ausgezeichnet war.

Wie sieht nun meine Skitter-Zukunft aus? Direkt nach den Spielpartien, wobei die zweite dann gegen eine andere Mitspielerin war, die das allgemeine „ok“ bestätigte, aber ebenso nicht vom Hocker gerissen war, hatte ich den Verkauf meines Skitter-Exemplars in Betracht gezogen. Ich hatte mir eben mehr Spieleuphorie erhofft. Aber so ein Verkauf wäre arg vorschnell. Ich möchte und werde Skitter noch weitere Chancen geben, sich beweisen zu können. Weil ich möchte es gerne mehr mögen wollen, als es aktuell bei mir der Fall ist.

Somit ist meine Skitter-Zukunft in alle Richtungen offen und Euch empfehle ich deshalb, diese erfrischend einzigartige analoge Schnippspiel-Konsole am besten auf einer Spielemesse mal auszuprobieren. Zum Beispiel auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund am Stand F39. Oder Ihr fordert mich zu einer Spielpartie heraus – mit Vorabinfo bringe ich Skitter gerne zu den Treffs mit, auf denen ich so unterwegs bin von Holzbüttgen über Bottrop bis Bochum und Hemer, Iserlohn und Wetter.

SETI Insert: Von Zippbeuteln zur Spieleschachtel-Ordnung

Von: ravn
09. April 2026 um 22:48

Ordnung hilft, zumindest um eine Menge an kostbarer Brettspieltreff-Zeit einzusparen. Weil wer mag vor der erwarteten Partie noch umständlich lange mit dem Spielmaterial zu hantieren, um das Brettspiel spielfertig aufzubauen. Besonders bei komplexeren Kennenerspielen mit vielen Komponenten kann das arg zeitintensiv und mühsam werden. Zeit, die wir uns sparen können – dank passgenauer Inserts aus dem 3D-Drucker.

Für mein aktuelles Lieblingsspiel im gehobenen Eurogame-Bereich habe ich mir die Investition in ein Insert gegönnt. Während das Grundspiel von SETI mit Erweiterung Raumfahrtorganisationen rund 82 Euro in der lokalisierten Version von Heidelbär Games kostet, schlägt das kommerzielle 3D-Drucker-Insert von 3D-Inset mit 42 Euro extra zu Buche. Versandkosten kommen da noch dazu. Damit wurde das Gesamtpaket Search for Extraterrestrial Intelligence für mich um 50 Prozent teurer.

Ganz klar eine Luxus-Aufwertung, auf die ich gut hätte verzichten können, aber eben nicht gerne. Denn die bisherige Aufbauzeit, um all das Spielmaterial aus seinen Kartenschachteln und Zipp-Beutel auf den Tisch zu bringen, hat schon seine Zeit gebraucht. Keine Ahnung, wie lange, denn gestoppt habe ich diese Zeit nicht. Aber im direkten Vergleich miterlebt, wie einfacher und schneller es mit einem passgenauen Insert geht. Das wollte ich auch und deshalb habe ich mir das Plastik-Insert von 3D-Inset gegönnt.

3D-Inset ist und da zitiere ich einfach mal, weil es so gut passt, deren Selbstdarstellung: „Wir sind leidenschaftliche Brettspiel-Fans und haben es uns zur Aufgabe gemacht, dein Spielerlebnis noch besser zu machen. Unsere 3D-gedruckten Inserts, Organizer und Zubehörteile helfen dir, deine Brettspiele schneller aufzubauen, ordentlich zu verstauen und mit noch mehr Freude zu spielen.“ In Deutschland entworfen, produziert und verschickt. In nur wenigen Tagen nach meiner Online-Bestellung hatte ich das offiziell lizenzierte Zubehör für SETI bei mir zu Hause. Das ist das Firmenversprechen, weshalb ich eine bevorzugte Behandlung ausschließe, weil komplett privat bezahlt ohne Bezug zur brettspieltag.de-Webseite.

Warum ausgerechnet das 3D gedruckte Insert von 3D-Inset? Weil ich es bei einem Brettspiel-Kumpel im Einsatz gesehen habe und ich fast vollständig damit zufrieden war. Denn ich wollte ein Plastik-Insert, um das komplette Spiel mit Erweiterung mitsamt Kartenhüllen und ohne Kompromisse und Schachtelhub unterzubringen. Bisher war das nur möglich, in dem ich das Solo-Material in die Erweiterungsschachtel aussortiert hatte. Trotzdem blieb der Aufbauaufwand, besonders mit dem ganzen Material für die verschiedenen Aliens und den dreifach zu sortierenden Technologieplättchen.

Das war immer eine kleine wie fehleranfällige Fleißaufgabe vor dem Spiel. Der Technologieplättchen-Halter für 10 Euro hätte eventuell auch schon ausgereicht, zumal ich sowieso kein Solo-Spieler bin. Aber wenn schon, dann bitte alles. Und wenn ich hier bisher unwissend von Plastik geschrieben habe, dann ist das eigentlich ein zweifarbiges PLA (Polylactid) und das ist ein biologisch abbaubares Filament für 3D-Drucker, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke gewonnen wird. Wieder mal was gelernt.

Meine nur fast vollständige Zufriedenheit kommt daher, dass es leider jeweils nur einen Behälter für die Datenpakete sowie Credits und Energie-Plättchen gibt. Ich hätte gerne lieber zwei kleinere Schalen für beide Tischseiten gehabt, denn der Aufbau von SETI in Vollbesetzung ist schon arg raumgreifend und so hätte jeder die ständig benötigten Komponenten in Griffreichweite gehabt. So ganz ohne Extraschalen geht es dann leider doch nicht.

Da ich von der Stange gekauft habe, hätte ich stattdessen eventuell Sonderwünsche anbringen können. Habe ich aber nicht, weil war eine spontane Kaufentscheidung als ich die Rückmeldung vom Brettspiel-Kumpel bekam, dass das Insert nun auch für Kartenhüllen mit der Erweiterung passt. Das war zunächst ein Ausschlusskriterium für mich, wurde aber von 3D-Inset nachgebessert. Wer aktuell dort bestellt, bekommt die neueste Insert-Version, die auch mit Gamegenic gesleevte Karten in den Kartenhalter kompatibel ist. Ich selbst nutze noch meine Restposten von etwas dünneren Arcane Tinmen Kartenhüllen und habe somit noch etwas mehr Platz.

In Summe kann ich das SETI Insert nur empfehlen. Einzig fehlt mir noch ein ausgedrucktes Blatt, wie ich die kleinen Plastikschachtelchen alle wieder so zurück in die Spielepackung sortiere, sodass alles wieder passt. Stattdessen gibt es ein YouTube-Video, das Euch Schritt für Schritt dahin begleitet. Mit ein wenig Übung und Erinnerungsvermögen und notfalls ein Smartphone zur Hand geht es auch. Im Zweifel schaue ich einfach hier in meine eigene Auspack- und Aufbau-Bildergalerie. Passt dann schon und das bestens.

Die Reduktion aufs Wesentliche geht zunehmend verloren

Von: ravn
05. April 2026 um 17:41

Spielt Ihr schon oder kämpft Ihr Euch noch durch einen Wust von Spielregeln, welche die Basis sein sollen, um Euch den erhofften Spielspaß zu bieten? Regeldetails, die sich vor Euch auftürmen und erst einmal verstanden werden wollen, um in der gespielten Praxis auch umgesetzt werden zu können. Eine Selbstreflexion zwischen Anspruch und Wirklichkeit am Spieltisch.

Meine Erstpartie Pillars of Heracles hat es mir wieder klargemacht. Allerdings wäre es unfair von mir, meine erlebte Ernüchterung an einem Brettspiel festzumachen. Stattdessen zeigt sich für mich immer klarer ein Trend, den ich in früheren Phasen meines Brettspiellebens noch gerne mitgegangen bin, inzwischen aber mehr als überdrüssig bin. Denn erlebte Brettspielzeit in Gemeinschaft von netten Leuten, von Bekannten bis guten Freunden, ist mir wichtig und kostbar. Auch weil die weitaus seltener geworden ist. Termine zu koordinieren und sich als Spielrunde Zeit nehmen zu können, die schließlich zu einem Brettspieltreff führt, ist nicht so einfach. Klar, diverse offene Spieletreffs gibt es etliche, nur möchte ich inzwischen nicht mit irgendjemandem meine Freizeit verbringen, nur um Brettspiele spielen zu können. Anderes Thema, das ich an 1–2-und-3 anderen Stellen schon beleuchtet habe.

Wieder zurück zum Kernthema. Die Ausschweifung fand ich aber wichtig zu erwähnen, um klarzulegen, wie begrenzt mein Zeitrahmen meiner Brettspieltage wirklich ist. In dieser Zeit möchte ich gerne Spielfreude erleben. Das muss jetzt nicht zwingend ein flottes Partyspiel sein. Das kann auch gerne eine gewisse Komplexität und Herausforderung bieten. Nur bitte im erlebten Spiel und nicht durch die davor liegenden Regelhürden aufgebaut. Wenn die Relation von erforderlicher Regelvermittlung zur folgenden Spielzeit nicht mehr so passen will und in Summe eine Zeitgrenze überschreitet, die eigentlich nur einen einzigen Titel am Spieltag zulässt, dann sollte das schon ein ganz besonderes Spiel sein. Ein Spiel, bei dem ich mir gerne die Zeit nehme, sofern ich dann auch ausreichend vom Spielverlauf zurückbekomme.

Leider merke ich in letzter Zeit immer mehr, dass diverse Neuheiten auf den Markt drängen, die eine gewisse Komplexität als Selbstzweck zelebrieren und sich dabei gefallen. Da werden Spielmechaniken aufeinander getürmt, ineinander verschachtelt und mit ganz vielen Ausnahmen und Details gespickt, um irgendwie als Ganzes das zu ergeben, was sich der Autor ausgedacht hat. Ein Autor, der sich sicher jahrelang mit seinem Spiel beschäftigt hat und es in- wie auch auswendig kennt. Ich als Mitspieler oder auch Erklärer stehe nun aber vor der Hürde dieser Regeldichte, die es zu durchdringen und vermitteln und verstehen gilt, bevor wir als Spielrunde überhaupt spielen können. Regelerklärungen jenseits der Stundengrenze sind lkeine Ausnahme und einfach mal losspielen geht schlicht nicht, wenn nicht klar ist, wie ich dieses Regelwerk auf dem Spielbrett rein spielmechanisch umsetzen soll.

Dabei geht es mir gar nicht ums perfekte Spiel. Diesen Anspruch habe ich sowieso nicht an eine Erstpartie. Da probiere ich einfach mal gerne aus. Blöd nur, wenn mir das viele Spiele gar nicht ermöglichen, weil ich in ein Korsett von Bedingungen und Ablaufdetails gepresst werde, das ich durchdringen muss, um es regelkonform spielen zu können. Eine Komplexität, damit der Autor seine Wunschvorstellung von einem Spiel realisieren kann. Nicht elegant reduziert, sondern einfach mit weiteren Details zugeschüttet, damit das alles irgendwie passt. Für mich ist das kein gutes Spieldesign, sondern eines, das mir als Spieler die Last aufbürdet, ein erdachtes Regelkonstrukt umzusetzen, das die Philosophie von „mehr ist besser“ predigt.

Die Reduktion aufs Wesentliche geht zunehmend verloren, damit sich das Spiel im Segment des gehobenen Expertenlevels einordnen und dort glänzen kann. Nur ist Komplexität ein Qualitätsanspruch für sich? Ich verneine und möchte inzwischen lieber Spiele erleben, die mir für den Aufwand, der von mir als Mitspieler und Erklärer abverlangt wird, auch in der erlebten Spielpartie zurückzahlen. Wenn das nicht gegeben ist und sich das Spiel nur in seiner Komplexität der Komplexität wegen ausruht und gefällt, dann verzichte ich lieber. Blöd nur, dass es meist die eigene Erfahrung am Spieltisch braucht, um erkennen zu können, ob so ein Spiel gemeinsamen Spielspaß bringt oder doch nur wieder die Befolgung von Regeldetails.

Selbst erlebte Beispiele gefällig? Über meine Erfahrungen mit Pillars of Heracles habe ich ja schon ausführlich erzählt. Ein Galactic Cruise ordnet sich hier leider ebenso ein. Sieht toll aus, häuft aber einen Wust an Detailregeln an, um am spielerischen Ende dann doch arg wenig zu bieten. Wir sind eben Abteilungsleiter im Weltraumtourismus und optimieren die zu verkaufenden Flüge ins All, während andere die Abenteuer erleben. Für mich noch kein direkter Verkaufskandidat, weil ich es gerne mehr mögen möchte, als es mir eigentlichen Spielspaß bringt für den ganzen Aufwand und dem Zeitinvest in eine Spielpartie.

Ada’s Dream konnte ich auf der Brettspielfreizeit in Bad Holzhausen kennenlernen. Vom Thema hat es mich angesprochen, rund um den unerfüllten Traum von Ada Lovelace, eine funktionierende Rechenmaschine zu bauen und die verdiente Anerkennung dafür zu bekommen. Im Spiel bleibt von diesem Thema fast gar nichts übrig. Stattdessen habe ich für mich unnötig komplizierte Spielmechaniken erlebt, bei denen es am Ende nur darum geht, ein Raster mit Würfelwerten und dazwischenliegenden Rechenoperations-Plättchen zu füllen, um damit viele Punkte zu machen. Den ganzen Rest habe ich als Ballast empfunden, nur um mir diese Kernaufgabe möglichst schwer zu machen. Manche nennen es herausfordernd, für mich war das Optimierungsarbeit im Brettspielformat.

Ein gutes Gegenbeispiel ist für mich Mille Fiori von Reiner Knizia bei Schmidt Spiele erschienen und inzwischen verramscht, weil vom Markt nicht angenommen worden. Wir spielen zeitgleich und verdeckt unsere Aktionskarte aus und führen die anschließend reihum aus. Da wir unsere restlichen Handkarten weitergeben, kann ich je nach Sitzposition vorab einschätzen, was meine Konkurrenten am Spieltisch ausspielen könnten. Um sich so in eine Position zu spielen, in der wir möglichst von den Vorlagen profitieren und selbst diese vermeiden. Übersichtliche Regeln, obwohl es unterschiedliche Bereiche auf dem Spielbrett gibt, die auf ganz eigene Art für Siegpunkte sorgen und zeitgleich Siegpunktpotentiale für Folgezüge aufbauen. Direkte Interaktion, viele kleine Spannungsbögen und eine Fokussierung auf das Spiel selbst, anstatt auf die Regeln, die dazu nötig sind. Leider mit Unstimmigkeiten zwischen Autor und Verlag, welche Version veröffentlicht werden sollte. Zudem nur wirklich gut in Vollbesetzung, da das Spielgeschehen genau auf vier Spieler optimiert wurde und es keine offiziellen Anpassungen für andere Mitspielerzahlen gibt.

Klar ist der Direktvergleich zwischen einem Galactic Cruise und einem Mille Fiori arg hinkend. Das eine ist ein Expertenspiel mit einer BGG-Komplexität von 3,97 auf der 5er-Skala, das locker die 3-Stunden-Grenze für eine Spielpartie sprengt und sich vorab eine Stunde Zeit für die Regelerklärung mit Spielaufbau genommen hat. Das andere ein Familienspiel mit 2,17er-Komplexität, das sich locker in einer Stunde spielen lässt. In der Zeit würde eine Galactic Cruise Partie mit Erstspielern gerade mal eben anfangen. Nur im Direktvergleich gibt mir ein Mille Fiori weitaus mehr an Spielspaß zurück, was ich in dreifacher Zeit mit einem Galactic Cruise nicht erlebe und schon gar nicht in dreifacher Menge.

Genau deshalb weiß ich inzwischen für mich, dass ich in einer Phase meines Brettspielerlebens angekommen bin, in der ich herzlich gerne wieder zurück zu einfacheren Spielen gehen möchte, die mir eine angenehm empfundene Denktiefe in meiner Freizeit und vor allem direkten Spielspaß zurückzahlen. Sofern es keine seelenlosen Eurogame-Optimier-Automaten sind, bei denen ich Aufträge per Rohstofftausch erfülle und die zudem durch eine arg begrenzte Spielzuganzahl die Wichtigkeit jeder einzelnen Handlung betonen müssen, bin ich gerne dabei. Zum Glück ist der Brettspielmarkt so vielfältig, dass jeder seine bevorzugten Spiele auch finden kann. Und sei es ein Ada’s Dream. Hauptsache, Ihr habt in Euren Spielrunden Euren Spaß am Spiel und der erlebten Gemeinschaft.

Redaktioneller Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit Adobe Firefly generiert und zeigt somit keine realen Personen und auch keine reale Situation, wie auch an den Detailfehlern der KI noch zu erkennen ist.

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