2011 wird 7 Wonders Kennerspiel des
Jahres und entwickelt sich schnell zu einem modernen Klassiker. Fünf Jahre
später gewinnt 7 Wonders Duel den DuAli und zeigt eindrucksvoll, wie gut sich
das Grundprinzip auch auf zwei Personen zuschneiden lässt. Mit 7 Wonders
Architects, das 2022 eine Empfehlung zum Spiel des Jahres erhält, setzt sich
die Erfolgsgeschichte fort. Und nun? Nun versucht sich Antoine Bauza mit „7
Wonders Dice“ (Asmodee) an einer Umsetzung als Würfelspiel.
Würfel statt Karten
Der größte Unterschied zu den bekannten
Vorgängern ist schnell erklärt: Karten gibt es keine mehr. Stattdessen landen
Runde für Runde sechs Würfel im Forum, von denen wir einen wählen. Interaktion
entsteht hier nicht, wir haben stets alle die volle Auswahl. Zumindest sofern
wir diese bezahlen können. Denn je nach Position des Würfels entstehen Kosten.
Gleiches gilt für die Verwendung auf unserem Tableau, auf dem die Ergebnisse eingezeichnet
werden. Rohstoffe helfen, die Kosten niedrig zu halten. Und da diese, einmal
erworben, dauerhaft zur Verfügung stehen, bestehen die ersten Runden
üblicherweise aus dem Sammeln der entsprechenden Würfel. Erst im Anschluss rücken
die farbigen Sechsseiter in den Fokus, die uns auf dem Markt, der Agora oder
dem namensgebenden Weltwunder voranschreiten lassen.
Jetzt wird es bunt
Je nach Würfelfarbe und Symbol markieren
wir verschiedene Felder auf unseren Plan. Dabei bieten die roten Kasernen
Punkte, indem unser Angriff mit der Verteidigung der Nachbarn verglichen wird.
Am Markt können wir Geld oder Rohstoffe sammeln, die Akademie schaltet weitere
Würfel und damit Spieloptionen frei. Zudem können wir unpassende Würfel stets
zu Geld machen oder damit eine Stufe unseres Weltwunders voranschreiten. Neben
kleinen Boni winken dabei überall Punkte, die über den Sieg entscheiden, sobald
eine Spielerin drei der vier farbigen Bereiche abgeschlossen hat.
Fazit
7 Wonders Dice tritt in große Fußstapfen.
Und ich kann direkt sagen: Aus meiner Sicht ist es der bislang schwächste
Vertreter der Reihe. Dabei macht das Spiel Einiges richtig: Von Anfang an fühlt
sich Vieles vertraut an. Ressourcen, Handel, Wissenschaft… der direkte
Vergleich anhand militärischer Stärke… lila Gebäude, um zusätzlich zu punkten.
Wer die Vorgänger kennt, fühlt sich sofort heimisch. Zudem ist der Spielablauf
belohnend. Irgendwas kann ich eigentlich immer nutzen, gegenseitiges stören ist
sowieso nicht möglich.
Genau das ist aber auch das Problem.
Denn die Züge in 7 Wonders Dice fühlen sich überwiegend belanglos an. Im ersten
Spieldrittel ist die Reihenfolge der gewählten Würfel und markierten Felder
vielleicht noch relevant. Aber spätestens gegen Ende des Spiels ist der Ablauf
nur noch monoton und enorm gleichförmig. Da das Spiel erst endet, wenn drei der
vier Bereiche abgeschlossen sind, sind die Pläne gegen Ende sowieso
weitestgehend gefüllt. Die sehr spärlichen Wettrennelemente oder die
Möglichkeiten für Bonuspunkte über freischaltbare Würfel ändern daran wenig. In
der ersten Partie werden vielleicht noch leicht unterschiedliche Wege zum Ziel
gewählt, das ändert sich aber schnell. 7 Wonders Dice fehlt es schlicht an
Konkurrenz, an Reibungspunkten oder Spannungselementen.
Schach. Ich habe immer verloren. Jede einzelne Partie. Mein Bruder war nicht nur 13 Jahre älter als ich, er war auch Bundesligaspieler. Im Schach. Meine Bilanz gegen ihn werde ich niemals verbessern können. Wilhelm ist tot. Ein Spiel hat viele Erinnerungen aufgefrischt.
Boris Spasski gegen Bobby Fischer. Sowjetrusse gegen US-Amerikaner. Das Finale der Schachweltmeisterschaft elektrisiert im Jahr 1972 die Welt. Inmitten des Kalten Kriegs wird dieses Duell Stellvertreter des Klassenkampfs zweier Großmächte. Austragungsort: die isländische Hauptstadt Reykjavik. „Match Of The Century“ nennen Autor Paolo Mori und der Verlag Deep Print Games das Spiel, das dieses historische Duell neu inszeniert. Man muss kein Schach können, um es zu verstehen. Es ist ein taktisches Kartenspiel für – klar – zwei Personen. Eines, das mit den Ereignissen von damals spielt.
Ich bin in jenem Sommer noch kein Jahr alt. Wilhelm feiert am 15. Juli 1972 seinen 14. Geburtstag. Herausforderer Fischer liegt an diesem Tag schon 0:2 zurück. Zur zweiten Partie war der exzentrische Amerikaner gar nicht erst angetreten. Wie bekloppt, denke ich gut 50 Jahre später. Was Wilhelm damals davon hielt oder für wen er Sympathien hegte – ich weiß es nicht, kann nur vermuten. Wir haben nie über das Jahrhundert-Match gesprochen. Ich bin mir aber sicher, dass er das Finale verfolgt, die Partien analysiert hat. Wenn nicht 1972, dann auf jeden Fall später.
Bei „Match Of The Century“ symbolisieren Karten die Schachfiguren
In „Match Of The Century“ agiert eine Person als Spasski, die andere als Fischer. Der Wettkampf erstreckt sich über mehrere Partien. Sprich: Runden. Wer zuerst sechs Punkte hat, wird nicht Weltmeister, aber gewinnt immerhin dieses Duell. Abwechselnd agieren die Kontrahenten, um Karten auszuspielen. Karten, die Schachfiguren symbolisieren. Jeder hat sein eigenes Deck mit den 16 bekannten Figuren. Acht Bauern, jeweils zwei Türme, Läufer und Springer, eine Dame, ein König. Exakt wie beim Schach. Auf der oberen Hälfte einer Karte ist eine weiße Figur zu sehen, auf der anderen Hälfte, um 180 Grad gedreht, eine schwarze. Die erste Partie spielt Spasski mit Weiß, Fischer mit Schwarz. Entsprechend müssen die Karten auf der Hand gehalten werden.
Die Regeln des Schachspiels soll mein Vater meinem Bruder beigebracht haben. Eine Familienlegende besagt, er habe aufgehört mit Wilhelm zu spielen, als die Chancengleichheit aufgehoben war. Die habe ich nie erreicht. Als Wilhelm mir die Zugweisen erklärte, war er vermutlich schon Bundesligaspieler. Von 1980 bis 1997 ging er für den Delmenhorster SK ans Brett, danach noch kurz für den SK Neukölln, ehe er in einer tieferen Liga beim SC Kreuzberg eine neue Heimat fand. „Leidenschaft für dieses Spiel ist eine Konstante, die sein Leben seit seiner Jugend begleitet hat“, schreibt sein Freund Johannes in einer Gedenkschrift.
Ein kurzer Lebenslauf
Großmeister-Niveau bescheinigten ihm Weggefährten mal. Ich war zufrieden, wenn ich über mehr als 20 Züge bestehen konnte. Gelang mir selten. Im Gegenteil: Ich erinnere mich an eine sehr kurze Partie. Verloren nach vier Zügen. Das sogenannte Schäfermatt. Allzu viele Partien spielten wir jedoch nicht. Wilhelm zog früh aus. Marburg, Berlin, Oldenburg. Er studierte, wurde Sozialwissenschaftler. Heirat, Vater eines Sohnes, Scheidung. Dann – noch vor dem Mauerfall – wieder Berlin. Er wollte promovieren. Ich bewunderte ihn auch ohne Doktortitel. Ich genoss die wenige Zeit, die wir gemeinsam hatten. Wenn er auf Familienbesuch war, wenn ich ihn besuchte. Streit hatten wir nie. Sein Alltag blieb mir jedoch fremd. Zu groß der Altersunterschied, zu groß die Entfernungen.
Mein Bruder Wilhelm (links( nannte mich immer „Cowboy“. Wer hier wohl der Cowboy ist …?
Was ich wahrnahm: Seine Liebe für Schach. Mich begeisterte dieses Spiel zwar nicht, aber es übte einen Reiz aus. Immerhin so stark, dass ich Schach im Fernsehen guckte. In den Achtzigern gab es in den Dritten „Schach dem Großmeister“. Helmut Pfleger kommentierte. Beispielsweise Partien von Robert Hübner, Viktor Kortschnoi, Anatoli Karpow. Von jenem Karpow, der 1975 Weltmeister und damit Nachfolger von Bobby Fischer wurde. Kampflos übrigens. Fischer trat nicht an.
Schlagzeilen und Fachbegriffe auf den Karten von „Match Of The Century“
In Reykjavik anno 1972 besann sich Fischer. Oder wurde er zur Besinnung gebracht? Henry Kissinger, damals Sicherheitsberater von US-Präsident Richard Nixon, griff zum Telefonhörer, um den Herausforderer zur Fortsetzung des WM-Kampfes zu bewegen. Fischer gewann Partie drei. Sein erster Sieg überhaupt gegen Spasski. „Killerinstinkt“ schreit die Schlagzeile einer stilisierten Zeitungsseite, die in „Match Of The Century“ die Kartenhälfte des schwarzen Läufers Fischers illustriert. So wie diese geben viele Karten Einblicke in das wahrlich bizarre und an Merkwürdigkeiten reiche Duell des Jahrhunderts. Andere erklären Fachbegriffe.
Für das Spiel wichtig ist indes die Stärke einer jeden Karte. Die Werte bewegen sich zwischen 0 und 5. Schwacher König, starke Dame. Die Einteilung dazwischen richtet sich nach der Mächtigkeit der Figuren im echten Schach. Mit den Karten werden quasi Mini-Duelle geführt. Oder Angriffe, wie es in der Anleitung heißt. Eine Karte Spasski, eine Karte Fischer. Wer den höheren Wert in einem Angriffsabschnitt aufweist, gewinnt die hier vergebenen Vorteilspunkte. Einen, zwei, drei oder vier – je nach Abschnitt. Vier gibt es. Wer mindestens sechs Vorteilspunkte hat, entscheidet eine Partie – möglicherweise auch vorzeitig – für sich und punktet damit auch auf der Wettkampfleiste. Stilecht wird der aktuelle Stand darauf mit einem König abgetragen. Fischer-Blau gegen Spasski-Rot statt Weiß gegen Schwarz.
Psychospielchen bei „Match Of The Century“
Wer mit den weißen Figuren spielt, beginnt das erste Mini-Duell, startet das Taktieren, den Schlagabtausch. Weiß spielt die erste Karte in einen Abschnitt und gibt damit vor, wo der Kontrahent reagieren muss. Wie ich eine Partie angehe, erfordert durchaus differenzierte Überlegungen. Welche Figuren sind zugbereit? Bedeutet: Welche Karten habe ich auf der Hand? Welche mag mein Gegenüber haben? Zeige ich Stärke und platziere gleich die Dame im attraktivsten Segment? Biete ich ein Bauernopfer an, um im folgenden Angriff den Nachzug zu erhalten? Mitunter ein Psychospielchen. Zumal es clever sein kann, ein Mini-Duell zu verlieren. Zwar erhält mein Gegner dann Vorteilspunkte, aber ich darf den Effekt meiner unterlegenen Figur aktivieren. Je stärker die Figur, desto wirkungsvoller der Effekt.
In Island bediente sich Fischer auch fragwürdiger Methoden. Von den zahlreichen Eskapaden erzählt Schachjournalist André Schulz in dem lesenswerten Begleitheft, das dem Spiel beiliegt. Unter anderem davon, dass der Amerikaner das Marmorbrett wegen störender Lichtreflexion durch ein Holzbrett austauschen ließ. Die Holzoptik bestimmt somit auch „Match Of The Century“. Auch Wilhelm spielte auf Holz. Gehörte sich auch so, schließlich war unser Vater Tischlermeister. Das Verhalten Fischers dürfte meinem Bruder indes zuwider gewesen sein. Wilhelm galt als Verfechter von Fairness und vor allem Gerechtigkeit. Aus reiner Höflichkeit soll er Remisangebote angenommen haben, obwohl seine Stellung auf Sieg stand.
Der eine Weltmeister, der andere Berliner Meister
Im Jahrhundertmatch lag Bobby Fischer nach der sechsten Partie erstmals vorne: 3,5 zu 2,5. Die Führung gab er nicht mehr ab. Die 21. Partie brachte die Entscheidung. Spasski gab eine unterbrochene Partie per Telefonanruf auf. 12,5 zu 8,5 für den Amerikaner. Das erste Mal seit fast einem Vierteljahrhundert kam der Weltmeister nicht aus der Sowjetunion. Wilhelm wurde immerhin zweimal Berliner Meister. „Für ihn war Schach gleichzeitig Probierstein des Geistes und sportlicher Wettkampf, ästhetischer Genuss und eine große Herausforderung, den Dingen mit einer nahezu wissenschaftlichen Herangehensweise auf den Grund zu gehen“, schreibt Johannes über meinen Bruder.
Der Wunsch, den perfekten Zug zu finden, soll ihn in Wettkämpfen durchaus in Zeitnot gebracht haben. Ein Umstand, dessen Adaption einen auch bei „Match Of The Century“ ereilen kann. Zumindest fühlt es sich so an. Zeitmanagement beim Schach wird hier zum Kartenmanagement. Nutze ich die Möglichkeit, zwischen zwei Partien Karten abzuwerfen, um mehr nachziehen zu dürfen? Alle, die ich auf der Hand behalte, werden um 180 Grad gedreht. Aus weißen Figuren werden schwarze, aus schwarzen weiße. Auf einer Hälfte ist stets ein Bauer, auf der anderen eine der übrigen Figuren. Gebe ich eine Partie frühzeitig auf, um danach mit voller Kraft attackieren zu können? Um vielleicht auch nicht allzu viele Karten nachziehen zu müssen?
Die mentale Fitness bei „Match Of The Century“
Denn ist ein Deck durchgespielt und muss neu gemischt werden, verringert sich die mentale Fitness. Der entsprechende Wert steuert die Zahl der Handkarten. Das schränkt ein, kann aber auch den Vorteil bringen, die starken Karten häufiger auf die Hand zu bekommen. Ferner gibt die mentale Fitness vor, wie viele Bauernfiguren (nicht zu verwechseln mit den Bauern auf den Karten) ich in meinen Vorrat nehmen darf. Diese Bauern, die im Aussehen denen aus einem klassischen Schachspiel ähneln, kann ich nutzen, um die Stärke von Karten zu erhöhen. Bis zu zwei Bauern dürfen pro Karte aktiviert werden. Ein schöner taktischer Kniff, der beispielsweise auch einem Turm ermöglicht, eine Dame zu schlagen.
In Summe ist „Match Of The Century“ ein bemerkenswertes Spiel. In seiner taktischen Tiefe und wegen der liebevollen Einbettung des Themas. Vermutlich ist aber gerade Letzteres der Grund, warum es bislang nicht die verdiente Beachtung gefunden hat. Schachspieler spielen Schach. So war es zumindest bei Wilhelm. Er gab sich nicht mit dem zweitbesten Spiel zufrieden, es musste die Königin sein. Er analysierte, philosophierte und gab seine Leidenschaft als Jugendtrainer weiter. Seine Wohnung beherbergte eine der größten privaten Schachbuchsammlungen, die es in Deutschland zu seiner Zeit gab. Am 25. August 2010 starb mein Bruder. Einfach so. Sein Sohn Jaan stellte die rund 2000 Bücher dem SC Kreuzberg zur Verfügung, der sie seit 2018 zugänglich macht. In der nach meinem Bruder benannten Wilhelm-Schlemermeyer-Bibliothek.
Match Of The Century | Deep Print Games, Pegasus Spiele | Paolo Mori | 2 Personen | ab 10 Jahren | 30 bis 45 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)
Hinweis: Dieser Text ist zuerst in der „Spiel doch!“ erscheinen, Ausgabe 2/2024. Ich veröffentliche ihn hier ein weiteres Mal, weil er wohl mein persönlichster Text ist – und damit einfach auf meinem Blog erscheinen sollte. Ferner danke ich dem SC Kreuzberg für die Erlaubnis, das im Titelfoto einmontierte Porträt meines Bruders verwenden zu dürfen.
🎲 Fast Forward – Kurze Brettspiel Tests | Spielstil In dieser Fast-Forward-Folge von Spielstil erwarten euch kompakte Brettspiel-Besprechungen und Ersteindrücke zu gleich mehreren aktuellen und beliebten Brettspielen. Ideal für alle, die gerne spielen, sich schnell informieren möchten und neue Spiele für den nächsten Spieleabend suchen. Wir sprechen über Spielgefühl, Zugänglichkeit, Zielgruppe und Reiz jedes Brettspiels – ohne Umschweife, aber mit klarer Einordnung. Egal ob Kennerspiel, Familienspiel oder thematisches Spiel: Hier findet ihr Orientierung im Brettspiel-Dschungel. Mit dabei sind unter anderem Rising Cultures, Witness, Umami und Kilia – ergänzt durch weitere […]
Stell dir vor, die Sonne brennt unerbittlich auf deinen Nacken, während du durch den staubigen Hauptweg von Darkrock reitest. Dein Blick wandert zwischen der Bank, die prall gefüllt mit Gold ist, und dem Büro des Sheriffs, der stets ein Auge
Wiggles 3D hat mit diesem Spiel sicher einen schnellen und familientauglichen Boss Battler im Sinn gehabt. Konnten sie diesem Vorhaben gerecht werden und trotz einer übersichtlichen Mechanik und dem Anspruch einer gewisschen Niedlichkeit ein Spiel zaubern, dass die Zielgruppe ansprechen wird?
Auf der Spiel 2025 in Essen war es für die Lokalisierung in den deutschen Sprachraum eine der Neuheiten von Frosted Games. Als Promoter des Verlags habe ich bereits einige Mechaniken des Spiels vor Ort aufgeschnappt habe es auf der Messe selbst aber nicht vorgestellt. Während der Island-Tour der Bordgame Cruise habe ich es dann aber mehrmals erklärt und in der Zwischenzeit auch einige Male mit Freunden spielen können. Die Erfahrungen reichen somit für eine ausgiebige Bewertung des Titels – also los geht’s!
Spielprinzip
Jetzt gibt es auf die Futterluke!
Zu beginn sucht man sich eine der beiden im Grundspiel zur Verfügung stehenden Episoden aus. Der Titel ist, wie erwähnt, ein Boss Battler, gepaart mit einem Kartenmanagement. Hier wird während der einzelnen Spielzüge nichts an den verfügbaren Karten im Deck verändert, jedoch werden die Decks von Boss zu Boss um je zwei Karten erweitert, die ich mir aus einem verfügbaren Set für alle Spielenden in einer an Drafting erinnernden Mechanik aussuchen kann.
Die Episode gibt immer eine Anzahl von vier Bossen (sogenannten Bots) vor, die in vorgegebener Reihenfolge zu besiegen sind. Wenn jede spielende Person sich einen der vier Charaktere ausgesucht hat, kann die Prügelei beginnen.
Vier Bosse für jede Episode.
Kleiner Hinweis am Rande: Wenn man Solo spielt, wählt man trotzdem zwei Charaktere aus – es sei denn man hat die Minierweiterung GO99-0 (Ein Hundebegleiter), damit ist es möglich mit nur einem Charakter zu spielen.
Der Roboterhund steht im Solomodus gerne zur Seite, wenn man diese Erweiterung besitzt.
Jeder Charakter besitzt zwei blaue Ausrüstungskarten die im Charaktertableau zusammen mit der Charakterkarte abgelegt werden, zudem besitzt man bei Kampbeginn bereits stets drei Agro-Punkte. Die restlichen Karten werden gemischt und 5 davon auf die Hand gezogen. Auf dem Tableau gibt es noch eine Anzeige für Energie – diese wird von den Charakteren unterschiedlich durch die Spielkarten eingesetzt und kann auch wieder aufgeladen werden.
So beginnt Dein Charakter zu jedem Kampf.
Energie
Der gegnerische Boss zeigt auf der Rückseite der Bot-Tafel noch ggf. Sonderregeln die zu beachten sind. Ansonsten wird die Tafel ausgelegt und das Boss-Deck ungemischt in vorgegebener Reihenfolge bereit gelegt. Der Kampfwürfel und die Agro-Marker werden bereit gelegt.
Die Gegnerkarten bleiben stets in der vorgegebenen Reihenfolge.
Der erste Bot steht als Gegner bereit.
Ein Spielzug verläuft recht einfach. Zuerst zieht man die oberste Boss-Karte und weiß, was nach dem Spielerzug auf die Gruppe zukommt. Danach spielt die Person, die an der Reihe ist, drei Karten nacheinander aus. Es gibt grüne Reaktionskarten, die nur durch die Reaktionsbedingungen, die klar beschrieben sind, ausgelöst werden können. Die pinken Karten sind Aktionskarten, die alles mögliche beinhalten können. Die orangen Kampfkarten werden genutzt um Schaden an den Bot zu vergeben. Dabei ist zu beachten, das der beim Bot ausgelöste Schaden direkt auf unsere Agro Leiste kommt. Danach zieht man auf 5 Handkarten auf und löst die am Anfang gezogene Bot-Karte aus.
Gesamtauslage eines Spiels für zwei Personen (oder solo).
Die meisten karten haben oben links ein grünes Symbol, einige wenige sind dort aber rot. Diese roten kommen nicht auf den Ablagestapel, sondern werden sogenannt verbrannt und sind für diesesn Kampf aus dem Spiel.
Die Angriffe der Gegner sind stets sehr gefährlich und darum muss unbedingt auf die Reihenfolge der Bot-Aktionen geachtet werden. Wenn man ausversehen weitere Agro-Punkte durch die Bot-Karte zuerst verteilt und dann den Angriff der auf der Bot-Tafel aber vorher dran gewesen wäre, kann das Spiel schneller vorbei sein, als man denkt. Denn die Agro-Punkte stehen gleichzeitig für die Verletzlichkeit des Charakters in dem Moment: Je mahr Agro, desto leichter bin ich zu treffen. Und hier kommt die Crux: Wie der Name des Spiels sagt, sind unsere Helden mit nur einem Treffer besiegt. Wenn nur ein Charakter schaden erleidet, ist er damit überwältig und das Spiel für alle verloren. Immerhin kann man bei einem Treffer eine blaue Ausrüstung abwerfen um den Schaden zu vermeiden, aber davon habe ich auch nicht unendlich.
Belohnungen für besiegte Bots.
Gewonnen haben die Helden sofort, wenn der Bot besiegt wurde. Dagegen verloren ist das Spiel insteand, wenn ein Held besiegt wurde. Bei gewonnem Spiel geht man nach Verteilung der neu verdienten Karten zum nächsten Bot über. Sollte es verloren sein, darf man das Glück in einem erneuten Durchgang gegen den selben Boss neu herausfordern.
Unboxing
Kaum öffnet man die Schachtel kommt einem das große aber praktikable Inlay sofort optisch entgegen. Diese benötigt vielleicht mehr Luft als es nötig wäre, aber es kommt alles gut unter.
Die Spielkarten sind in Standardqualität aber schön kräftig bunt dargestellt. Die Schadens- bzw. Agro-Marker sehen gut aus und sind so geliefert unkaputtbar. Hervorzuheben sind in meinen Augen die eingetüteten Belohnungskarten für das besiegen der Gegner, so gibt es im ersten Spiel auf angenehme Weise einen Überraschungseffekt. Passt nur beim Aufreißen der Tüten auf, die sehen sonst schnell sehr unschön aus. Ich schneide die Tüten auf. So kann man die Karten nach dem Spiel wieder optisch hübsch zurücksetzen.
Ebenfalls angenehm sind die Spielerboards. Sie sind zwar nicht besonders hübsch gestaltet und sehen ein wenig billig zusammengebaut aus, aber sie sind sehr sinnvoll für das Spiel. Ich denke ein einfaches Double-Layer-Board wie man es heutzutage kennt, hätte den selben Zweck genauso gut erfüllen können und wäre vielleicht hübscher ausgefallen, aber das ist eigentlich keine Kritik wert.
Nicht hübsch, aber zweckmäßig
Optisch etwas billig, aber qualitativ ok.
In einem Video habe ich auch eine Review mit bewegten Bildern verfasst – den Link dazu findet unten am Ende dieses Berichts.
Bewertung
Das Spiel hat mir wirklich Spaß gemacht und es war schön mit anzusehen, wieviel Spaß die eigentliche Zielgruppe aber auch Kennerspieler damit in meinen Augen hatten. Was meine ich nun wieder mit Zielgruppe? Ich glaube man kann dieses Spiel irgendwo als Familienspiel, wohl etwas im gehobenen Maße, sehen.
Daher: Es macht Spaß, es ist kurzweilig und sieht putzig aus. Es gibt viele lustige Zusatzregeln für die einzelnen Bots und somit darf es für mich immer wieder gerne auf den Tisch. Allerdings bin ich vom Niveau nicht die Zielgruppe, da sind epischere Spiele dieses Genres eher mein Niveau, diese dauern aber auch verhältnismäßig viel länger. Aeon’s End oder sein intergalaktischer Nachfolger Astroknights, der zu Beginn 2026 erscheinen soll – um hier mal andere Boss-Battler aus dem Hause Frosted Games zu nennen, diese Titel berühren meine Spielerherz eher.
Dennoch, „One-Hit Heroes“ ist ein gutes Spiel und einen Blick wert, wenn man diese Art von Spiel mag und nicht von Regeln erschlagen werden möchte oder mal schnell einen Kampf rocken möchte ohne den gesamten Abend dafür planen zu müssen. Daher gibt es verdient den silbernen Rocker. Das heißt für mich so viel wie, ich mag es, spiele es jederzeit gerne wieder, brauche es aber nicht unbebingt in meiner eigenen Sammlung.
Für weitere Informationen zu unserer Bewertung klickt oben rechts auf den gleichnamigen Reiter.
Review im Video
Auf unserem YouTube Kanal hab ich auch bereits ein Videos zu dem Spiel publiziert.
Bannerbild von Soraia Sofia Geraldes auf Pixabay. Was passt besser als ein Bildnis von Gerald. Ich finde dieses Bild sehr gut gelungen.
Hinweis: Das Spiel ist eine Leihgabe von Frosted Games als Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt alleine meine persönliche Meinung wider.
Meistens entsteht ein neues Spiel aus einer Mechanik heraus und bekommt später, durch Redaktion und Verlag, ein Thema. Manchmal passt dann das Thema, manchmal wirkt es beliebig und aufgesetzt. Bei Rock Hard: 1977 ist das ganz anders.
Jumbo, 2024 Autor: Marcus Carleson 2–10 Spieler:innen, ab 16 Jahre, 30 Minuten
Musik verbindet, weckt Erinnerungen und sorgt fast automatisch für gute Laune. Genau darauf baut dieses Spiel auf. Ihr bewegt euch thematisch mitten in eine fröhliche Karaoke- und Tanzflächenatmosphäre, in der bekannte Songs, spontane Mitsingmomente und kollektives Rätselraten im Mittelpunkt stehen. Statt klassischem Musikquiz oder reinem Bingo verbindet dieses Spiel beide Welten und schafft damit einen Rahmen, der sofort zugänglich ist. Die Stimmung ist locker, laut und gesellig, oft begleitet von Gelächter, Diskussionen über Erscheinungsjahre und dem einen Ohrwurm, der den ganzen Abend bleibt. Besonders reizvoll ist dabei, dass musikalisches Vorwissen hilft, aber nicht zwingend nötig ist. Auch wer einfach nur Spaß an Musik und gemeinsamen Momenten hat, fühlt sich hier schnell abgeholt.
Zu Beginn wird die zentrale Discokugel vorbereitet, was beim ersten Mal etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Danach läuft der Ablauf angenehm flüssig. Eine:r dreht die Kugel, die dann eine der Kategorien anzeigt. Mal müsst ihr das Jahrzehnt kennen, mal den Interpreten. Der zweiseitige Spielplan hat dabei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. Gespielt wird dann wie beim klassischen „Hitster“. Songs werden über eine App abgespielt, meist in kurzen Sequenzen, und ihr entscheidet gemeinsam oder gegeneinander, wie gut ihr die Titel erkennt und richtig zuordnet. Die Verbindung zum Bingo entsteht durch das Abstreichen passender Felder, während ihr versucht, Reihen oder bestimmte Muster zu vervollständigen. Entscheidungen sind schnell getroffen, Downtime entsteht praktisch nicht und jede Runde fühlt sich leicht anders an, abhängig davon, wer gerade musikalisch glänzt oder überrascht wird. Schön ist, dass sich dieses Spiel problemlos mit Karten aus anderen Sets kombinieren lässt, wodurch sich Abwechslung und Schwierigkeitsgrad flexibel an eure Runde anpassen lassen.
Als Partyspiel überzeugt „Hitster: Music Bingo“ vor allem durch seine perfekte Spieldauer. Eine Partie zieht sich nicht, sondern endet genau dann, wenn die Energie am Tisch ihren Höhepunkt erreicht. Die Interaktion ist hoch, weil ihr ständig reagiert, mitratet und euch gegenseitig kommentiert. Positiv fällt auch die Materialqualität auf, die stabil wirkt und dem häufigen Einsatz standhält. Optisch ist alles klar gestaltet und gut lesbar. Weniger gelungen ist, dass keine gedruckte Spielregel beiliegt, was gerade für Neulinge irritierend sein kann, auch wenn die Online-Regel schnell gefunden ist. Die App ist zentral für das Erlebnis, zeigt aktuell aber noch kleinere Schwächen, etwa wenn einzelne Modi nicht zuverlässig die vorgesehenen Musikausschnitte abspielen. Das kann den Spielfluss kurz stören, wird aber durch den allgemeinen Spaßfaktor meist aufgefangen. Insgesamt eignet sich dieses Spiel hervorragend für Familienrunden, Freundeskreise und Partys, weniger jedoch für Gruppen, die strategische Tiefe suchen. Wenn ihr Musik liebt, unkomplizierte Unterhaltung schätzt und gerne gemeinsam lacht, bekommt ihr hier ein sehr rundes Gesamtpaket.
Ich habe die Zahlen aus meiner Übersicht der deutschsprachigen und der großen internationalen englischsprachigen Brettspiel-Youtube-Kanäle mal wieder aktualisiert. Wer sich dafür interessiert, der findet sie hier: https://natokh.wordpress.com/youtube-kanale-zum-thema-brettspiele
NACHTRÄGE
Ich sammele hier Kanäle, die bis jetzt noch nicht in der Liste sind, die sich aber bei mir gemeldet haben, mir von Dritten mitgeteilt wurden oder auf die ich selbst noch aufmerksam wurde.
its_thms, 714 Abonnenten, 154 Videos, 376.201 Views (hat sich am 03.01. bei mir gemeldet)
Brettspielfieber, 593 Abonnenten, 82 Videos, 35.168 Views (04.01.) Kaum zu glauben, dass ich Sam bisher vergessen hatte, obwohl ich immer mal wieder Videos auf seinem Kanal schaue. Zuletzt erst House of Fado vor ein paar Tagen. Auf diese Versäumnis wurde ich netterweise auch hingewiesen.
Game on, 600 Abonennten, 53 Videos, 180.542 Views (04.01.)
Brettspiel Buben, 239 Abonennten, 112 Videos, 61.478 Views Hier hat sich Patrick alias Panatzu_Gaming am 04.01. bei mir gemeldet, der vorher einen eigenen Kanal hatte, dort aber nichts mehr macht.
Brettspielrunde, 53 Abonennten, 44 Videos, 1.874 Views (hat sich am 05.01. gemeldet)
BoardGameBros, 1.340 Abonennten, 609 Videos, 297.972 Views (haben sich am 08.01. gemeldet)
Auf die folgenden Kanäle wurde ich dankenswerterweise von Kronhorst (aus dem Unknowns-Forum) aufmerksam gemacht, da sie sich noch nicht in meiner Liste befanden:
Beim Kanal Boardgame-Maker konnte ich mittlerweile, danke eines Tipps von Geekpunkt, „herausfinden“, dass die ungewöhnlich vielen Views auf ein einziges Short zurückgehen, mit dem der Kanal die Crowdfunding-Kampagne zu seinem Spiel „Jurrasic Crisis“ auf Gamefound bewirbt (mehr als 140k Views). Die Videos des Kanals beschäftigen sich übrigens alle mit dem Spiel und der Entwicklung desselben. Offensichtlich ist in naher Zukunft hier eine Gamefound-Kampagne geplant. Durch die Vorschauseite dort sind dann wohl viele auf den Kanal aufmerksam geworden.
Ich habe die Zahlen aus meiner Übersicht der deutschsprachigen und der großen internationalen englischsprachigen Brettspiel-Youtube-Kanäle mal wieder aktualisiert. Wer sich dafür interessiert, der findet sie hier: https://natokh.wordpress.com/youtube-kanale-zum-thema-brettspiele
NACHTRÄGE
Ich sammele hier Kanäle, die bis jetzt noch nicht in der Liste sind, die sich aber bei mir gemeldet haben, mir von Dritten mitgeteilt wurden oder auf die ich selbst noch aufmerksam wurde.
its_thms, 714 Abonnenten, 154 Videos, 376.201 Views (hat sich am 03.01. bei mir gemeldet)
Brettspielfieber, 593 Abonnenten, 82 Videos, 35.168 Views (04.01.) Kaum zu glauben, dass ich Sam bisher vergessen hatte, obwohl ich immer mal wieder Videos auf seinem Kanal schaue. Zuletzt erst House of Fado vor ein paar Tagen. Auf diese Versäumnis wurde ich netterweise auch hingewiesen.
Game on, 600 Abonennten, 53 Videos, 180.542 Views (04.01.)
Brettspiel Buben, 239 Abonennten, 112 Videos, 61.478 Views Hier hat sich Patrick alias Panatzu_Gaming am 04.01. bei mir gemeldet, der vorher einen eigenen Kanal hatte, dort aber nichts mehr macht.
Brettspielrunde, 53 Abonennten, 44 Videos, 1.874 Views (hat sich am 05.01. gemeldet)
BoardGameBros, 1.340 Abonennten, 609 Videos, 297.972 Views (haben sich am 08.01. gemeldet)
Auf die folgenden Kanäle wurde ich dankenswerterweise von Kronhorst (aus dem Unknowns-Forum) aufmerksam gemacht, da sie sich noch nicht in meiner Liste befanden:
Beim Kanal Boardgame-Maker konnte ich mittlerweile, danke eines Tipps von Geekpunkt, „herausfinden“, dass die ungewöhnlich vielen Views auf ein einziges Short zurückgehen, mit dem der Kanal die Crowdfunding-Kampagne zu seinem Spiel „Jurrasic Crisis“ auf Gamefound bewirbt (mehr als 140k Views). Die Videos des Kanals beschäftigen sich übrigens alle mit dem Spiel und der Entwicklung desselben. Offensichtlich ist in naher Zukunft hier eine Gamefound-Kampagne geplant. Durch die Vorschauseite dort sind dann wohl viele auf den Kanal aufmerksam geworden.
Die Spiele Trends 2026 – Ende Januar 2026 fand in Nürnberg die 75. Spielwarenmesse statt. Auf einer riesigen Ausstellungsfläche wurden Spielwaren aller Art präsentiert. Vom Holzspielzeug, über Plüschtiere, Brettspiele, Outdoor Spielsachen bis zu Karnevalskostümen gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Gemeinsam mit dem Spieletastisch*-Team war ich vor Ort und konnte uns eingängig über […]
Es ist die klassische Szene aus Krimis und Spionagefilmen: Sekunden vor der Explosion schneidet der Held ein Kabel durch und entschärft damit die Bombe. Und genau das machen wir auch bei “Bomb Busters”, dem Spiel des Jahres 2025 von Autor Hisashi Hayashi. Jedoch: Es gibt sehr viele Kabel. Ja, man kann schon von einem Kabeldurcheinander sprechen. Nur wenn wir gemeinsam Ordnung schaffen und von den ungefährlichen blauen Kabeln eines nach dem anderen durchtrennen, erkennen wir irgendwann, welches Kabel rot ist, welches für die sofortige Detonation sorgen würde, welches wir isolieren und damit letztlich sichern müssen.
Deduktionsaufgabe ohne Alphaspieler
Auf dem Weg dorthin braucht es einen wachen Verstand. Und zwar bei allen. Im Gegensatz zu so manch anderem kooperativen Spiel gibt es bei dieser Deduktionsaufgabe keinen Alphaspieler. Niemanden, der den anderen sagt, was zu tun ist. Die Informationen über die Kabel sind so verteilt, dass niemand den kompletten Überblick hat. Der Weg zum Erfolg bedingt logische Folgerungen und eine nonverbale Kommunikation. Ein Fest für alle, die gerne mit Scharfsinn Rätsel lösen.
Werkzeuge können bei „Bomb Busters“ freigeschaltet werden.
Die Kabel werden durch kleine Pappplättchen simuliert. Die blauen haben Zahlen von 1 bis 12. Jede Zahl gibt es viermal. Sie werden – inklusive des gefährlichen Kabels – verdeckt gemischt und gleichmäßig an alle verteilt. Auf einem Plättchenhalter, pardon: Kabelhalter, sortiert jeder seine Zahlen der Größe nach. So, dass die Mitspieler nur die Rückseite sehen können. Was wir lediglich über die Verteilung bei den anderen wissen: Die kleinen Zahlen stehen links, die großen rechts. Und irgendjemand hat das rote Kabel mit einer Dezimalzahl. 1,5 etwa. Oder 7,5. Oder 11,5. Passend eingereiht.
Wie wie „Bomb Busters“ gewinnen
Ehe das rote Kabel nun jedoch entschärft werden kann, müssen alle anderen Kabel durchgeschnitten werden. Bedeutet: Ich muss Pärchen finden. Zwei gleiche Zahlen. Ein Plättchen bei mir, eins bei einem Mitspieler. Ich muss exakt auf das Plättchen zeigen, das ich als Gegenstück zu meiner genannten Zahl ansehe. Mündliche Hinweise der Mitspieler sind untersagt. Was mir bei „Bomb Busters“ hilft: Jede Person darf zu Beginn genau ein Kabel mit der korrekten Zahl markieren. Und ich habe Werkzeug zur Verfügung, das ich einmalig einsetzen darf. Ein Werkzeug, das mich auf zwei Kabel zeigen lässt, von denen nur eines richtig sein muss. Andere können im Laufe einer Partie freigeschaltet werden.
Diese Hilfen sorgen dafür, dass die Aufgabenerfüllung an Schwung aufnimmt und nicht nur zu blindem Raten nötigt. Als nützlich erweist sich auch die Regel, nur auf Zahlen tippen zu dürfen, die ich selbst habe. Allein das gibt allen anderen den Hinweis, dass ich ja mindestens ein Kabel dieser Zahl haben muss. Tippe ich dennoch auf ein falsches Kabel, kennzeichnet der Eigentümer dieses Plättchen mit der korrekten Zahl. Solche Fehler dürfen wir uns jedoch nicht allzu oft erlauben. Ist es einer zu viel, dann explodiert die Bombe.
Autor Hisashi Hayashi (links) während der Preisverleihung Spiel des Jahres 2025.
Ist ein Pärchen gefunden, legen wir die Plättchen offen so vor die Kabelhalter, dass deren ursprüngliche Position ersichtlich bleibt. Sie bleiben als dauerhafte Hinweise erhalten. Die verbliebenen Plättchen auf dem Kabelhalter gleichen damit immer stärker einer Zahnreihe mit Lücken. Wobei nicht selten der Fall eintritt, sich von außen nach innen zu arbeiten. Einsen und Zwölfen müssen ja an den Rändern stehen, wenn ich sie denn habe.
Aber bitte bei „Bomb Busters“ nicht der Idee verfallen, die Zahlen könnten gleichverteilt sein. Mitunter kommt es vor, dass ich alle vier Plättchen einer Nummer habe. Dann darf ich sie gesammelt vor den Halter legen. Denn ein Pärchen mit einem Plättchen einer anderen Person ließe sich ja nicht finden. Analog darf ich vorgehen, wenn ein Pärchen schon gefunden wurde und ich die beiden restlichen habe. Einfache Züge. Mitunter braucht es eben auch etwas Glück.
66 Mission bei „Bomb Busters“
Allein schon wegen der zufälligen Verteilung der Kabel läuft keine Partie „Bomb Busters“ so ab wie eine andere. Hinzukommt, dass die bisherige Erklärung längst nicht alle Finessen des Spiels abbildet. Es gibt beispielsweise noch gelbe Kabel, die alle eine Eins hinter dem Komma haben. Etwa 3,1 oder 9,1. Von diesen gibt es keine identischen, sondern es müssen schlichtweg gelbe Paare gefunden werden. Zudem beinhaltet die Schachtel 66 Missionen. In verschlossenen Packungen sind noch zusätzliches Material und ergänzende Regeln verborgen. Darin ist so viel Stoff, dass einem gar nicht langweilig werden kann mit dem Spiel. Großartig!
Ferner macht es in jeder Besetzung Spaß. Zu zweit agiert jeder mit zwei Kabelhaltern. Ich habe zwar die doppelte Menge an Information, muss aber beide Kabelhaltern getrennt von einander betrachten, also auch jeweils getrennt voneinander die Plättchen sortieren. Da für diese Konstellation die jeweilige Aufgabe angepasst wird, wird es auch nicht zu einfach. Wobei so manche Plättchenverteilung schon schnell den Weg ebnen kann. Zu fünft ist es dann eben etwas kniffliger. Deshalb dürfen wir uns als Quintett mehr Fehler erlauben. So skaliert „Bomb Busters“ eben entsprechend der Zahl der Mitspieler.
Als gelungen darf auch der Einstieg bezeichnet werden. Um das Spiel kennenzulernen, gleichen die ersten Missionen einem Tutorial mit vereinfachten Herausforderungen. Wie gut das funktioniert, habe ich erst kürzlich wieder erlebt. Bei einer Veranstaltung in der Stadtbibliothek, in der ich den Teilnehmern das Spiel des Jahres vorgestellt habe. Und da passierte das:
Mein schönstes Erlebnis mit „Bomb Busters“
An einem Tisch saßen bereits zwei ältere Damen, als ich ankam. Wie sich bald herausstellte, hatten sie sich im Datum geirrt. Eigentlich hatten sie einen Abend mit den Meller Landfrauen verbringen wollen, doch der Termin sollte erst eine Woche später stattfinden. Nun, sie ließen sich nicht abschrecken, hörten sich an, was ich zum Verein Spiel des Jahres und zur Geschichte des Preises zu erzählen hatten. Und sie blieben auch dann noch sitzen – um ihre erste Partie „Bomb Busters“ anzugehen. Zunächst nur mit Zahlen von eins bis sechs, später dann mit allen Plättchen. Es wurden mindestens fünf Partien. „Boah, nun raucht mir ganz schön der Kopf“, sagte die eine. Und die andere strahlte: „Das hat Spaß gemacht!“
Und mit dieser schönen Anekdote schließe ich dann auch den Text über ein wirklich herausragendes Spiel!
Bomb Busters | Pegasus Spiele | Hisashi Hayashi | 2 bis 5 Spieler | ab 10 Jahren | 20 bis 40 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★★★★★ (herausragend)
Ich schreibe nicht nur selbst, sondern konsumiere auch gerne und viel Brettspiel-Content von anderen. In dieser Rubrik findest du meine persönliche monatliche Medienschau, in der ich aus meiner Sicht besonders gelungene und/oder relevante Beiträge des vergangenen Monats würdige.Habe ich etwas übersehen oder hast du Vorschläge für den nächsten Monat? Bitte schreib mir gerne – zum Beispiel bei…
Liebe Lesenden! Willkommen zurück in den fantastischen Geschichten Arydias!
Vorab noch eine wichtige Information: Da es sich um einen Spielbericht handelt, wird es im folgenden Tagebucheintrag natürlich heftige Spoiler geben! Wenn Ihr selbst noch vorhabt das Spiel zu erleben und Euch den Spaß nicht verderben wollt, dann hört hier und jetzt auf zu lesen! Ich habe Euch hiermit gewarnt! Alle, die jetzt bleiben möchten, egal ob aus reiner Neugierde oder wider besseren Wissens, wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Erleben meiner Geschichte!
Zuletzt bestanden wir den Kampf gegen die Kobolde in der Fortruine am Nordufer der Insel im zweiten Kampf wieder überraschend knapp aber erfolgreich. Nach dem kräftezehrenden Kampf war eine weitere erholsame Nacht nötig um danach die Insel mit vollen Kräften wieder erfolgreich erforschen zu können.
In Daneburg gerieten wir in einen Gerichtsprozess zu einem Mordfall und wurden prompt als Ermittler eingesetzt. Nach dem Forschen und Lösen immer verworrenerer Spuren konnte der wahre Mörder ermittelt und am Ende durch uns gefasst werden. Die Welt war am Ende ein etwas besserer Ort und wir erhielten unseren mittlerweile neunten Squill. In Daneburg übernachteten wir ein weiteres mal und träumten von neuen Abenteuern.
Schatzsuche in Harle Springs
Es war ein sonniger Tag, die Vögel zwitscherten und bei offenem Fenster im Deneburg-In wach. Es war jedenfalls mal komfortabler und angenehmer als das dauernde Zeltlager in der Exilantengilde. Vor kurzem hatten wir die Schatzkarte des Halblingbanditen Irkey erneut ergattert und siehe da, die Zeichnung darauf glich dem unweit entfernten Harle Springs. Dieses nur einen Katzensprung entfernte Abenteuer sollten wir uns besser nicht entgehen lassen!
Die Schatzkarte zeigt sehr exakt die Umgebung von Harle Springs (Feld J5). Es gibt von Daneburg keine direkt Verbindung (das sieht man auch immer an dem Zaun auf solchen Platten).
Hier trafen wir auf eine seltsame Lagune mit riesigen, aber wunderschönen Seerosenblättern nahe des Ufers. Die Umgebung strotzte vor Leben. Überall flogen Insekten, sprangen Frösche und kletterten Eidechsen umher. Auf einem Blatt befand sich wirklich und wahrhaftig eine kleine Hütte. Näher betrachtet befand sich darin eine kleine Fee, die erst genervt war, dass wir so in ihr zuhause glotzten und sogar erst ungläubig in ihrem Heim umherwühlten. Nachdem der Ärger aber langsam wich bat sie uns ihr das entrissene Zauberschwert ihrer Großmutter wieder zu besorgen. Wir stimmten zu, ohne zu wissen, wo es sich nun aufhalten würde.
Danach gingen wir abseits des Gewässers in eine Höhle und stießen auf zwei sehr große Eidechsen, die unseren Besuch überhaupt nicht zu schätzen wussten und lieber allein geblieben wären. Zumindest lies ihr nach unserem Betreten folgender Angriff keine andere Schlussfolgerung zu.
Die Echsen ließen ein schleimiges sekret ab, dass leider Löcher in meine Kleidung ätzte.
Mir als Nahkämpfer setzten die ätzenden Sekrete der Echsen leider sehr zu oder viel mehr, meine Rüstung löste sich langsam auf. Dennoch hätten wir es alleine geschafft. Aber wir hatten noch Brek, einen jungen Halbelfenkrieger, der uns als Belohnung seit einer kleinen Quest in Form eine Kampkarte begleitet, die zufällig gezogen wird. Wenn sie auftaucht würfelt man und er fügte bislang immer einen geringen schaden zu. Nun würfelten wir so hoch, dass die unten stehende Karte folgte.
Brek verfiel in einen Blutrausch und hätte so eine riesige Hilfe gegen jeden überstarken Gegner bieten können. Hier schlug er mit brachialer Gewalt beinahe unnötig in die Luft.
Sein Angriff besiegte zwar instant die eine Echse, leider musste die oben stehende Karte gedreht werden und so wurde Brek durch das sterbende Monster in einen heroischen Tot gebissen und musste den Kampfkartenstapel so unrühmlich verlassen.
Die Höhle führte in eine weitere Höhle und auf eine offene ebene, auf der weitere zwei Echsen, wie die beiden zuvor und eine viel größere, rote Echse gegen uns antraten. Dieser Kampf war beinahe unser Ende.
Nachdem die beiden Minions des roten Bosses besiegt waren, bewegten wir uns taktisch zurück, da die Kreatur uns nebeneinanderstehend gleichzeitig hätte angreifen können.
Ich als Nahkämpfer musste immer wieder zusammengeflickt werden und erlag immer wieder beinahe den Verletzungen doch am Ende besiegten wir auch diesen Gegner und gewannen den Kampf. Meine Rüstung hing jedoch nur noch in Fetzen herab und musste baldigst repariert werden.
Eine der letzten Szenen der Kreatur, bevor sie endgültig besiegt wurde.
Der Schatz von Irkey Karte war überraschend nichtssagend. Ein weißer uns sehr enttäuschender Stein am Seeufer. Aber in einer Welt wie Arydia ist nichts ohne Bedeutung. Mal sehen, wie uns der Fund weiterbringen wird.
Eine fette Schleimspur
Ganz am Anfang und als kleine Nebenquest wirkend, sogar unerwähnt geblieben, war ein Kampf gegen einen Schleim. Es ging um ein Dorf auf der ersten Insel, in dem eine Hochzeit stattgefunden hatte und die Ehefrau sich plötzlich in einen kriechenden Schleim verwandelte. Besiegt floh das Wesen aus dem Dorf und wurde nicht mehr gesehen. Ich dachte sogar, es gehörte zu einem Spielfehler, da wir dem Wesen mit zu hohem Level in einem Wegeereignis begegneten. Die damalige Geschichte wurde damit leider Opfer unserer Korrekturen um wieder auf den korrekten Weg zurück zu finden und wurde nicht erwähnt.
Mir ist ein leider eigenes Bild vor lauter Spannung entgangen! Dies ist von BGG, zeigt eine frühere Version des Gegners aber stellt bildlich dar, wir großartig designed die Miniaturen von Arydia oft sind.
Allerdings trafen wir in einem Dorf nordöstlich der Uplands auf eine akribisch putzende Frau. Ihr Haus war sogar so aufgeräumt und sauber, dass man vom Boden hätte essen können. Die Nachbarin vermisste ihre Ziehharmonika und beschuldigte nun diese Putzfee des Diebstahls. Wir fanden das Musikinstrument sogar bei Ihr und in ihrer Wut verlor sie die Kontrolle und verwandelte sich in einen ebensolchen Schleim, wie die damalige Braut.
Ich vermute, dass es eine eigene Rasse als Mensch getarnt handelt, die mit ihren Spliens und seltsamen Verhalten auffallen. Sie floh aus dem Dorf und nach kurzer Verfolgung stellten wir sie zum Kampf und besiegten sie. Die Welt war damit von einer weiteren Schleimspur befreit.
Eine große Welt
Ich habe mal alle drei Inselkarten nebeneinander ausgelegt. Das werde ich zukünftig auch immer für Sascha und mich am Spieltisch so machen, da es eine gute Gesamtansicht bietet. Klar verstehe ich, dass es am Anfang nicht mehr als sie eine der drei Karten gibt, um den Überraschungsmoment zu generieren, wenn die Spielenden bemerken, dass das Spiel viel größer ist, als gedacht. Aber nun, da wir es wissen, sollte man die Karte besser stets als eine sehen.
Die „Puzzelstücke“ der Weltkarte passen zusammen. Wir haben noch viel zu entdecken!
Doch nun gehen Echsenmann und Kätzchen erstmal schlafen und träumen von neuen Abenteuern! Sascha und ich sind jedenfalls bereits sehr gespannt, wie es weiter geht! Schade, dass wir erst am 18.01. den nächsten Termin finden konnten! Aber es geht voran und ich werde hier, wie immer, wieder berichten.
Wenn ich mir schon die Arbeit mache, jedes Jahr einen eigenen kleinen Brettspielkalender zu gestalten, dann kann ich diese Arbeit auch teilen. Deswegen nun der Januar 2026 meines privaten Brettspielkalenders: Das Bild konntet ihr so auch schon in meinem Beitrag zu ORLEANS: DIE PEST finden.
Das neue Jahr hat begonnen. Und gerne können wir uns mal mehr auf die erlebte Geschichte besinnen. Wenn die leider nachvollziehbaren Vergleiche mit den 1920/30er Jahre nerven, dann gerne noch etwas weiter zurück gehen. Deswegen habe ich nun ein Zitat von im Angebot, der schon vor über 2.000 Jahren Wahres gesprochen hat. Lasst euch trotz […]
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Gefühlt hat 2025 gerade erst angefangen, und „schwupps“, es ist vorbei. Liegt es am Älterwerden? Oder daran, dass so viel passiert ist? Neuwahl, Trump – aber eben auch in der Brettspielwelt.Meinen Blog bespiele ich nun seit gut eineinhalb Jahren voll. Ich befinde mich also noch in der „Kleinkindphase“ und lerne stetig dazu. Das spiegelt sich auch in den Beiträgen und der Struktur des Blogs wider.
REBIRTH: Dass jedoch ausgerechnet alten Burgen und Kathedralen eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau Schottlands angedichtet wird, kommt mir so widersinnig vor, als wollte jemand der Klimakatastrophe tatsächlich mit rückwärtsgewandter Wirtschafts-, Verkehrs- und Energiepolitik begegnen. Oh wait ...
Cannes, Berlin, Assen, Lucca – im Jahr 2025 habe ich nicht nur an der Spiel-des-Jahres-Zeremonie teilgenommen, sondern war auch bei den drei wichtigsten Jury-Awards außerhalb Deutschlands dabei. Der As d’Or wurde bereits im Februar an der Côte d’Azur vergeben. Im Herbst war ich bei der Verleihung des Nederlandse Spellenprijs in Assen und des Gioco dell’Anno in Lucca. Zudem habe ich die Gelegenheit genutzt, mir die länderspezifischen Spielekulturen anzuschauen. Meine Eindrücke habe ich in einem Artikel für die spielbox aufgeschrieben, der in der aktuellen Ausgabe erschienen ist, ein Bericht aus Cannes war bereits in der spielbox Nr. 2 zu lesen.
Diskussion mit Cynthia Reberac (As d’Or) und Fabio Cambiaghi (Lucca Games Awards). Neben dem Sofa: Die Dolmetscherinnen sowie die Moderatoren Massimiliano Calimera und Matteo Boca.
Im Rahmen der Lucca Comics & Games wurde auf einem Panel über einen Vergleich der Spieleawards in Europa diskutiert. „Ich habe zwei Hüte auf“, sagte Cynthia Reberac. Sie leitet sowohl das Festival des Jeux in Cannes als auch die Jury des As d’Or – Jeu de l’Année, nimmt jedoch nicht an den Entscheidungen über die Spiele teil. Ein solche feste Verbindung zwischen dem Spiel des Jahres und der Spielemesse in Essen kennen wir nicht, allerdings gab es in den Anfangsjahren wichtige Berührungspunkte. Jürgen Herz, Mitbegründer der Jury und aus Essen stammend, trug maßgeblich dazu bei, dass die erste Preisverleihung 1979 in der Volkshochschule (VHS) der Ruhrgebietsstadt stattfinden konnte. Als 1983 die erste Spielemesse stattfinden sollte, die als Lesertreffen der im Vorwärts-Verlagshaus erscheinenden spielbox geplant war, trat er mit dem Vorschlag an den Chefredakteur heran, auch dieses Event in der Essener VHS durchzuführen, und knüpfte mit Erfolg die nötigen Verbindungen.
Mit Giorgia Moroni, Presidente der Jury Gioco dell’Anno, Vieri Masseini, Stefano De Carolis und Samuele Tabellini. De Carolis von Giochi Uniti ist der italienische Verleger des Hans-im-Glück-Spiels Botanicus, dessen Autoren Masseini und Tabellini sind. Botanicus ist das Siegerspiel beim Gioco dell’Anno und in der Kennerspielkategorie des Nederlandse Spellenprijs.
In Italien ist der Gioco dell’Anno Teil der Lucca Comics & Games und ähnelt somit der Situation in Cannes, wie Fabio Cambiaghi in der Panel-Diskussion erzählte. Ein Unterschied ist, dass die italienische Jury mit Giordana Moroni eine eigene Vorsitzende hat und diese Tätigkeit nicht in Personalunion von der Messeleitung ausgeübt wird. Fabio Cambiaghi ist Vorsitzender der Jury der ebenfalls zu den Lucca Games Awards zählenden Auszeichnung für den Board Game Designer of the Year (und deren Jury ich als internationaler Vertreter angehöre).
Das große Zelt der Lucca Games ist der größte Ausstellungsbereich des bedeutendsten popkulturellen Festivals Italiens. 2025 wurden auf der Lucca Comic & Games 280.000 zahlende Besucherinnen und Besucher gezählt.
Die französischen und italienischen Preisverleihungen finden jeweils im Rahmen einer festlichen Galaveranstaltung statt und sind fester Bestandteil des Festivals des Jeux beziehungsweise der Lucca Comics & Games. Beim Spellenprijs findet die Award-Zeremonie hingegen an wechselnden Orten in der niederländischen Provinz statt, zuletzt im Spielzeugmuseum in Terschuur und in der Spellenwereld in Assen. Das war aber nicht immer so, wie mir der Jury-Vorsitzende Niek Ederveen erzählte. Bis zur Corona-Pandemie wurde der Preis am Vorabend des Spellenspektakel vergeben, der großen niederländischen Spielemesse. Das war jedoch nicht besonders festlich, da zeitgleich an den Nachbarständen noch der Aufbau stattfand. Durch die vier Wochen früher terminierte Preisverleihung hätten die Verlage nun die Möglichkeit, sich vorzubereiten und die Siegerspiele auf der Utrechter Spielemesse angemessen zu präsentieren, so Ederveen.
Eine Ausstellung am Rande der Preisverleihung im Café und Museum Spellenwereld in Assen: 25 Jahre Nederlandse Spellenprijs.
Um den niederländischen Spielepreis zu finanzieren, erhebt die Jury von den Verlagen einen freiwilligen Beitrag von 125 Euro bei einer Teilnahme an der Preisverleihung und erhält Freiexemplare aller neun nominierten Spiele. Diese werden dann im Rahmen einer Lotterie auf dem Spellenspektakel in der Messe Utrecht verlost. Dort betreibt die Jury einen großen Stand, der ihr kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.
Niek Ederveen, Vorsitzender der Jury des Nederlandse Spellenprijs, verlost die nominierten Spiele auf dem Spellenspektakel in Utrecht.
Der Nederlandse Spellenprijs wurde diesem Jahr 25 Jahre alt. Ursprünglich war der Preis eine Internetumfrage, für die eine Jury zuvor eine Auswahlliste zusammenstellte. Als der Bekanntheitsgrad des Preises größer wurde, begannen einzelne Verlage, gezielt zur Teilnahme zu mobilisieren. Da es zudem möglich war, mehrfach abzustimmen, litt die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses. Erwin Broens war von Anfang an dabei und hat mitgeholfen, den Award auf ein Jurymodell umzustellen. Er erinnert sich noch gut daran, wie er sich damals während der Spiel in Essen mit deutschen Jurymitgliedern traf, um sich über die Arbeitsweise auszutauschen. Essen, die Hauptstadt des Brettspiels, liegt kaum mehr als 60 Kilometer hinter der Grenze. „Wir haben die Spiele immer schon auf Deutsch gespielt, bevor sie in den Niederlanden erschienen sind“, erinnert sich Erwin Broens.
Das Spellenspektakel im Jaarbeurs Utrecht ist mit 33.000 Besucherinnen und Besuchern die größte Spielemesse in Benelux.
Für den Gioco dell’Anno, der sich bei seiner Gründung ebenfalls am deutschen Vorbild orientierte, gilt Ähnliches. Zwar gibt es auch italienische Spiele von namhaften inländischen Verlage wie Cranio Creations, dV Games, GateOnGames oder Horrible Guild. Es dominieren jedoch die lokalisierten Spiele aus dem Ausland. „Sehr oft wurden einige Titel bereits vor ihrer Veröffentlichung in Italien in englischer oder deutscher Ausgabe getestet, da viele unserer Jurymitglieder an Veranstaltungen wie der Messe in Essen teilnehmen“, sagt Giordana Moroni, die Vorsitzende der italienischen Jury. Gleichwohl sei es wichtig, auch die italienische Ausgabe zu spielen, denn „die Lokalisierung ist ein wichtiger Faktor im Bewertungsprozess“.
Frecciarossa, Eurostar, ICE, NS Intercity, ÖBB Nightjet, TGV inOui: Zwischen dem Ruhrgebiet und den europäischen Spielemessen und Preisverleihungen habe ich 2025 Tausende Bahnkilometer gesammelt.
Wer über das Spellenspektakel in Utrecht läuft, sieht, dass der dortige Spielemarkt noch stärker als in Deutschland, Frankreich oder Italien von lokalisierten Titeln dominiert wird, die zuvor bei ausländischen Verlagen erschienen sind. Niederländische Eigenproduktionen findet man nur selten. Wenn man die multinationalen Verlage Asmodee, Goliath und Jumbo außer Acht lässt, ist 999 Games der bedeutendste Aussteller der Messe in Utrecht. Niki Plijnaar ist bei dem Verlag als „Head of Procurement“ für den Erwerb und die Entwicklung der lokalisierten Spiele zuständig und hat deshalb Kontakte in viele Länder, etwa auch zu Giochi Uniti, dem für Lokalisierungen wichtigsten Verlag in Italien. Es ist für die beteiligten Verlage oft von Vorteil, wenn man sich abspricht und die einzelnen Länderausgaben gleichzeitig produziert werden, auch wenn die Märkte überall unterschiedlich funktionieren. In den Niederlanden ist das Brettspiel in der Gesellschaft vergleichsweise breit verankert. Das sei in Italien nicht der Fall, sagt Plijnaar. Da ein Teil ihrer Familie dort lebt, weiß sie: „In Italien findet das Leben im Freien statt.“
Mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der niederländischer und italienischer Spielekultur sowie über die Preisverleihungen in Assen und Lucca könnt ihr in der spielbox Nr. 7 Dezember 2025–Januar 2026 nachlesen. » spielbox