❌

Normale Ansicht

Excursions: Galactic Cruise bekommt leichteren Ableger

28. Oktober 2026 um 08:08
Excursions: Galactic Cruise bekommt leichteren Ableger

Die Kickstarter-Kampagne zu Excursions, dem neuen Ableger im Galactic-Cruise-Universum, endet in zwei Tagen, am 30.10.2026 um 22 Uhr UTC. Bei unserem Check am 28.10.2026 steht sie bei 536.992 von 30.000 US-Dollar, also 1.789,97 Prozent, bei 4.863 Unterstützenden. Designer ist erneut Ben Rosset, bekannt unter anderem für Between Two Cities (Stonemaier Games) und The Search for Planet X, Illustrator Ian O'Toole, Verlag Kinson Key Games. Kurz erwähnt hatten wir die Kampagne bereits in der Crowdfunding-Wochenschau KW 42, die Rekordsumme und das nahende Ende sind jetzt ein eigener Anlass.

Leichter als das Original, aber nicht leicht

Excursions ist laut BGG ein eigenständiges Spiel im selben Universum wie Galactic Cruise, keine Erweiterung. Der Vergleich der BGG-Eckdaten stützt die Einordnung als leichteren Ableger: Regelgewicht 3,17 statt 3,98, Spielzeit 60 bis 90 statt 90 bis 150 Minuten, Alter ab 10 statt ab 14, dazu laut BGG ein variabler Spielaufbau für Wiederspielwert. Mechanisch verzichtet Excursions auf die Worker-Placement-Basis des Originals: Die aktive Person wählt eine von sieben Aktionen rund um eine rotierende Raumstation, danach führen laut Verlagsbeschreibung alle Spielenden gemeinsam dieselbe Aktion aus, nur die aktive Person bekommt zusätzlich einen Bonus, dessen Stärke mit der Stationsdrehung wechselt. Konkurrenz um einzelne Stationsplätze entsteht dabei also nicht, eher ein geteilter Rhythmus mit wechselndem Vorteil. „Leichter“ heißt hier allerdings nur leichter im Vergleich, mit Regelgewicht 3,17 von 5 bleibt Excursions ein Spiel für geübte Vielspielerrunden, kein Absacker-Filler.

Solo-Modus noch in der Entwicklung

Zum Solo-Modus findet sich in der Kampagnenbeschreibung selbst wenig, eine Vorschau von Opinionated Gamers ordnet ihn aber ein: Der Automa steckt demnach noch in der finalen Entwicklung, in der getesteten Prototyp-Version dauert eine Solopartie 35 bis 45 Minuten, geplant sind sechs unterschiedliche Automa-Gegner mit je eigenem Spielstil und Schwierigkeitsgrad, einer auf der Rückseite jedes Spielertableaus. Zum genauen Ablauf der Automa-Karten sagt die Vorschau nichts.

Excursions: Galactic Cruise bekommt leichteren Ableger

Eckdaten zu Excursions

  • Spielerzahl: 1 bis 6, beste Besetzung laut BGG-Community 3 bis 4
  • Spielzeit: 60 bis 90 Minuten
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Regelgewicht: 3,17 von 5 (laut BGG, Galactic Cruise zum Vergleich 3,98)
  • Designer: Ben Rosset, Illustration: Ian O'Toole
  • Verlag: Kinson Key Games
  • Plattform: Kickstarter, Laufzeit bis 30.10.2026, 22 Uhr UTC
  • Kampagnenstand: 536.992 von 30.000 US-Dollar, 1.789,97 Prozent, 4.863 Unterstützende (Stand: 28.10.2026)
  • Lieferdatum: August 2027 (Hauptpledges), September 2027 (Handelspledge)

Galactic Cruise kommt gerade erst auf Deutsch

Für deutsche Leser kommt die Kampagne zu einem interessanten Zeitpunkt: Galactic Cruise selbst, das auf dem Deutschen Spielepreis 2026 bereits Platz 3 belegte, erscheint laut PD-Verlag voraussichtlich im vierten Quartal 2026 auf Deutsch, der Preis liegt bei mehreren Händlern zwischen 116 und 140 Euro. Ob und wann Excursions selbst eine deutsche Ausgabe bekommt, sagt die Kickstarter-Seite bislang nicht. Zur eigenen Kickstarter-Kampagne von Galactic Cruise lässt sich dagegen schon mehr sagen: Fast 8.100 Unterstützende finanzierten sie mit rund 808.000 US-Dollar, die Auslieferung lief ab Anfang 2025 nach Region gestaffelt, laut mehreren Shipping-Updates des Verlags ohne größere öffentlich bekannte Komplikationen.

Pledges und eine große Sammelstufe

Die regulären Pledges reichen von der „Retail Edition“ für 39 US-Dollar über die „Deluxe Edition“ für 59 US-Dollar, laut Pledge-Beschreibung nicht für den regulären Handel vorgesehen, bis zum „ALL-IN“-Pledge für 129 US-Dollar mit drei noch unbekannten „Secret Items“. Ob und zu welchem Preis die „Retail Edition“ später tatsächlich im Handel steht, nennt die Kampagne nicht, der Name allein ist dafür kein Beleg. Für Fans, die gleich beide Spiele wollen, bündelt „The Galactic Collection“ für 349 US-Dollar zusätzlich das Hauptspiel Galactic Cruise samt mehreren Erweiterungen. Mehrere teure Sammlerstufen bis 699 US-Dollar sind laut unserem Check bereits ausverkauft. Die Add-ons zielen fast ausschließlich auf bestehende Galactic-Cruise-Fans: diverse Erweiterungen, Sleeves und Komponenten-Upgrades für das Hauptspiel, teils ebenfalls nicht mehr verfügbar.

Lohnt sich das?

Für Vielspieler, die Galactic Cruise mit seinen 90 bis 150 Minuten und Regelgewicht 3,98 zu sperrig fanden, aber das Universum mögen, ist Excursions ein naheliegender, spürbar kompakterer Einstieg, auch wenn „leichter“ hier relativ zu verstehen ist. Mit nur noch zwei Tagen Restlaufzeit bleibt kaum Zeit für eine fundierte Kaufentscheidung, wer jetzt noch pledgt, verlässt sich vor allem auf Designer-Pedigree und die bislang unauffällige Lieferbilanz des Verlags bei Galactic Cruise, nicht auf eine eigene Bewertung von Excursions selbst.

Crowdfunding-Wochenschau KW 42: Nemesis Legacy

12. Oktober 2026 um 10:15
Crowdfunding-Wochenschau KW 42: Nemesis Legacy

Kalenderwoche 42 steht im Zeichen eines einzelnen Ausreißers: Nemesis: Legacy von Awaken Realms ist mit über fünf Millionen Euro die mit Abstand größte Kampagne der letzten Monate. Daneben haben zwei kleinere, aber ebenfalls deutlich überfinanzierte Projekte am selben Tag gestartet. Für die Spieleschmiede hat sich auch in dieser Woche kein neuer Brettspiel-Kandidat gefunden, der die Aufnahmekriterien dieser Ausgabe erfüllt.

Nemesis: Legacy

Crowdfunding-Wochenschau KW 42: Nemesis Legacy

Mit Nemesis: Legacy bringt Awaken Realms die erste durchgehende Kampagne für die Nemesis-Reihe. Das Kampagnen- und Legacy-System stammt von Rob Daviau und Jaime Barriga, die Grundregeln bauen auf Adam Kwapińskis Nemesis: Retaliation auf. Die Überlebenden kämpfen in miteinander verknüpften Szenarien gegen die Intruder, Entscheidungen und Materialveränderungen wirken dauerhaft über die gesamte Kampagne hinweg. Gespielt wird von ein bis fünf Personen bei 120 bis 180 Minuten.

Ob ein eigener Solo-Modus existiert, nennt BGG nicht ausdrücklich. Die Vorgängertitel der Reihe sind bei Asmodee auf Deutsch erschienen, zur Sprachversion von Nemesis: Legacy selbst äußert sich die Kampagnenseite bislang nicht.

Die Gamefound-Kampagne startete am 6. Oktober 2026 und war laut Zeitstempel bereits nach 54 Sekunden durchfinanziert. Stand 12.10.2026 steht sie bei rund 5.202.000 Euro und 10.404 Prozent des Ziels von 50.000 Euro, getragen von fast 15.000 Unterstützenden. Der günstigste Einstieg ist die Core Pledge Standard Edition für 89 Euro, einen Auslieferungstermin nennt die Kampagnenseite nicht. Nemesis: Legacy läuft noch bis zum 27. Oktober 2026.

Excursions

Crowdfunding-Wochenschau KW 42: Nemesis Legacy

Mit Excursions erweitert Kinson Key Games das Worker-Placement-Universum von Galactic Cruise um einen eigenständigen, zugänglicheren Ableger von Designer Ben Rosset mit Illustrationen von Ian O'Toole. Als Cruise Director wählt die aktive Person eine von sieben Aktionen an einer drehbaren Raumstation, die alle gleichzeitig ausführen, während nur sie selbst einen zusätzlichen Bonus erhält. Gespielt wird von ein bis sechs Personen bei 60 bis 90 Minuten, ein Solo-Modus ist laut BGG vorgesehen. In Deutschland soll das Spiel laut Brettspielbox beim PD-Verlag erscheinen.

Die Kickstarter-Kampagne startete am 6. Oktober 2026 und steht, Stand 12.10.2026, bei rund 376.000 US-Dollar und 1255 Prozent des Ziels von 30.000 US-Dollar, getragen von über 3200 Unterstützenden. Die reguläre Handelsausgabe kostet 39 US-Dollar, die Deluxe-Edition 59 US-Dollar, geschätzte Auslieferung ist für beide August 2027. Excursions läuft noch bis zum 30. Oktober 2026.

Bride of Spooktacular

Crowdfunding-Wochenschau KW 42: Nemesis Legacy

Mit Bride of Spooktacular erweitert Level 99 Games das eigene Horrorspiel Spooktacular von Designer D. Brad Talton Jr. um zehn neue Filmmonster, ohne neue Spielpläne oder sonstige Änderungen am Grundspiel. BGG führt den Titel als reine Erweiterung ohne eigene Spielpläne, vermutlich bleibt das Grundspiel Spooktacular damit für die Erweiterung erforderlich. Gespielt wird von ein bis fünf Personen bei etwa 40 Minuten, ein Solo-Modus ist laut BGG vorgesehen.

Eine deutsche Sprachversion nennt die Kampagnenseite nicht, BGG listet bislang nur eine englische Edition.

Die Gamefound-Kampagne startete am 6. Oktober 2026 und steht, Stand 12.10.2026, bei rund 207.000 US-Dollar und 415 Prozent des Ziels von 50.000 US-Dollar, getragen von über 2500 Unterstützenden. Der günstigste Einstieg in die neuen Inhalte kostet 40 US-Dollar, einen Auslieferungstermin nennt die Kampagnenseite nicht. Bride of Spooktacular läuft noch bis zum 29. Oktober 2026.

Beyond the Horizon

Von: Horst
14. Februar 2026 um 08:00

Der Vorgänger Beyond the Sun wird gern lächelnd als Excel – Das Brettspiel bezeichnet. Das liegt vorwiegend an der Mechanik, die hauptsächlich aus zu erklimmenden Techtrees besteht und zum anderen aus dem sehr nüchternen Spieltableau. In der weißen Farbe und Schlichtheit hätte es auch von dem ehemaligen Apple-Designer Jony Ive sein können. Spielerisch ist sich die Brettspiel-Community größtenteils einig, dass es mit einer Boardgamegeek-Bewertung von 7.9 zu den guten Spielen gehört. Anfang des Jahres war ich überrascht, dass es einen Nachfolger mit dem Titel Beyond the Horizon gibt. Die Bewertungen sind nicht so hoch, aber die Spielmechaniken wirkten nahezu identisch und doch nicht. Ich war neugierig und habe den Rest der Band eingeladen, sich in den Proberaum zu begeben und mal zu testen, ob es hier etwas zu rocken gibt.


Steckbrief

(c) PD Verlag
SpielBeyond the Horizon
VerlagPD Games
Veröffentlichung2024
IdeeDennis K. Chan, Adam Hill, Ben Pinchback, Matt Riddle
IllustrationAgnieszka Dabrowiecka, Klemens Franz
Rating (BGG)7.1
Komplexität (BGG)3.43 (Kennerspiel)
SpielweiseKompetitiv
MechanikenTechnologiebaum, Civilization, Aufbauspiel, Area Control

Spielprinzip

In Beyond the Horizon gibt es keinen großen Flavourtext, worum es geht. Wir haben ein großes Spielbrett vor uns liegen. Auf diesem ist ein Technologiebaum abgebildet, der von links nach rechts durchgearbeitet werden kann. Je schneller ihr auf dem Baum voran wandert, desto mehr neue Aktionen könnt ihr euch freischalten und bekommt neben Soforteffekten auch als Erster eine Persönlichkeitskarte einer historischen Person (Attila, Einstein …). Der Technologiebaum ist in vier Epochen (Spalten) aufgeteilt. Unterhalb dessen findet ihr die anfänglich verfügbaren vier Basisaktionen und noch weitere vier Aktionen, die ihr euch durch Errungenschaften frei spielen müsst.

Die ersten beiden Spalten des Technologiebaums (Level I und Level II)

Dann gibt es noch eine zu Beginn kleine Siedlung mit einer Startkarte pro Person. Diese Siedlung lässt sich zu einer immer größeren Landschaft aufbauen. Neben Soforteffekten gibt es vorrangig mächtige Einmaleffekte oder -Aktionen und eine ganze Menge Sieg-Punkte zu ergattern. Meist in der Form, dass ihr diese mittels Aktion ausbaut. Dafür müsst ihr unter anderem auch Bevölkerungssteine auf der Landschaft platzieren und auf unbebaute Plättchen bewegen.

Eure Siedlung (oben) und bereits zwei aufgedeckte neue Felder.

Zu guter Letzt (naja fast) habt ihr noch ein Spieltableau. Zum Spielbeginn ist es mit den bereits genannten Bevölkerungssteinen vollgestopft und dazu kommen noch kleine Würfel. Diese könnt ihr entweder auf die Landschaften legen oder oberhalb des Spieltableaus auf einer kleinen Sieg-Punktleiste verewigen.

Herzstück eures Spiels: das Tableau freispielen.

Wie passt nun alles zusammen? Ihr müsst erst einmal versuchen, Bevölkerungssteine auf eurem Tableau von der passiven auf die aktive Seite zu bekommen (mittels Aktion). Dann könnt ihr diese entweder nutzen, um damit neue Technologien auf dem zentralen Board zu besetzen oder diese als Siedler oder Soldaten auf der Landschaft zu platzieren. Mit den Technologien schaltet ihr, wie zuvor besprochen, neue und vor allem verbesserte Aktionen frei. Wie neue Siedler/Soldaten erhalten und den gleichzeitig bewegen (was sonst bis zu drei Aktionen sein können). Gerade die Soforteffekte auf den Technologien benötigt ihr, um euere kleinen Würfel auf die Sieg-Punktleiste zu bewegen. Es gibt am Ende eurer Aktion nämlich auch noch eine Einkommensphase. Dort bekommt ihr neue Bevölkerungssteine oder Geld in Abhängigkeit der bereits wegplatzierten Würfel.

Geld? Ja, das braucht ihr auch. Manche Aktionen kosten nämlich Geld. Außerdem dürfen gerade Basisaktionen nur von einer gewissen Anzahl Personen frei besetzt werden. Die letzten müssen dafür bezahlen.

Das ganze Spiel ist ausgelegt auf optimierte Züge. Das gelingt nicht immer und viel zu selten. Aber plötzlich wird der eigene Spielzug zu einem belohnenden Kettenzug. Eben eine neue Technologie freigeschaltet und dafür etwas bekommen, das sich gleich auf der Landschaft einsetzen lässt und man zum Beispiel dadurch eine zusätzliche Basisaktion durchführen kann. Damit lässt sich eventuell eine neue Technologie besetzen und man erhält die Möglichkeit, Würfel vom Tableau zu nehmen. Dadurch gibt es neue Sonderfähigkeiten. Euch qualmt das Gehirn vom Lesen? Dann spielt es erst einmal! Hier werden die Gehirnwindungen wirklich beansprucht und gefordert. Klingt nach harter Arbeit? Das Spiel wächst mit! Zu Beginn stehen nur vier Aktionen zur Verfügung. Am Ende sind es dann meist an die zwanzig Aktionsfelder, zwischen denen ihr wählen könnt.

Ein Ende gibt es auch. Zum Beginn werden drei zufällige Zielkarten ausgelegt. Das kann so etwas sein, wie erforsche zehn Technologien oder habe drei Bevölkerungssteine mit einer gewissen Wertigkeit auf drei verschiedenen Landschaftsplättchen. Dabei kann jedes Ziel von allen Spielenden noch erfüllt werden.

Beyond the Sun versus Horizon

Der Vorgänger spielt im Universum und statt sich langsam aufbauender Landschaft gibt es ein zusätzliches Spielbrett mit Planeten und deren verbundenen Flugbahnen. Die Planeten können besetzt und Gegenspielende können mit Mehrheiten verdrängt werden. Hier findet deutlich mehr Area Control statt und das Spiel ist deutlich mehr auf den Konflikt ausgelegt. Wenn es gerade ganz mies läuft, verliert man gerade eine wichtige Mehrheit für die Produktionsphase und hat keine guten Aktionsmöglichkeiten auf dem Hauptspielbrett.

Eure gewählten „Charaktere“ bringen eine kleine Asymmetrie dazu.

Bei the Sun hatte ich bei meiner Erstpartie auch einmal komplett festgefahren und musste eine Not-Aktion durchführen, um wieder ins Spiel zu kommen. Ich weiß nicht mehr, wie ich in die Position gekommen bin, aber gefühlt – aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich es nun weiß – konnte mir das nicht mehr in the Horizon passieren.

Ansonsten sind die Spielmechaniken so ähnlich, dass man kaum einen Unterschied merkt. Im Detail sind es dann schon einige, allerdings kenne ich die Erweiterung auch nicht und bin mir daher unsicher, ob bereits etwas dazu gekommen ist.

Zusammenfassend würde ich die Unterschiede auf zwei Punkte reduzieren:

  • Weltraum vs. Civilisationsaufbau
  • Kompetitives Area-Control vs. Semi-kooperatives Bebauen von Plättchen

Unboxing

Die Farbgestaltung wirkt gerade im Vergleich zu dem Vorgänger etwas altbacken. Es werden primär Erdtöne verwendet, die aber insgesamt eher blass wirken. Dadurch wirkt das Spiel wie ein älteres Semester. Trist geht es auch im Inneren weiter. Pappgraue Wände und fehlende Sortierhilfe sorgen für anhaltende Unordnung in der Schachtel. Zum Glück lässt sich das Spiel gut und schnell aufbauen und auch die Menge an zu unterscheidenden Teilen hält sich in Grenzen. Auf den gängigen 3d-Druckportalen gibt es allerhand Abhilfe gegen diesen Umstand.

Eine Menge Material ist dabei.

Was wirklich störend ist, ist eher das Material in Form der Bevölkerungssteine. Diese sind zwar aus Holz und tadellos, aber auf denen müssen diese kleinen Siedel- respektive Soldatenplättchen abgelegt werden. Ich würde behaupten, dass ich relativ schlanke Finger habe und über ein feinmechanisches Geschick verfüge, aber selbst für mich ist es eine Herausforderung. Wird es beim Besiedeln auf den Landschaftsplättchen etwas dichter, kommt man unweigerlich gegen die kleinen Plättchen und schubst diese von den Bevölkerungssteinen. Da die auch noch zwei-seitig unterschiedlich bedruckt sind, stellte sich oft die Frage „was lag gerade oben“? Aber auch dafür gibt es für den heimischen Drucker kleine Aufsetzkronen. Es ist aber schon sehr nervig, wenn man mehr mit dem Drucken verbringt als mit dem eigentlichen Spiel.

Das Regelwerk ist verständlich aufgebaut und recht kurz. Es lässt aber keine Fragen mehr offen und ist vielen Beispielen versehen. Die Regeln als solche sind auch recht eingängig. Die Symbolik ist nach der ersten Runde relativ klar.


Bewertung

Beyond the Horizon steht in direkter Konkurrenz zu dem Vorgänger Beyond the Sun. Ich kenne Menschen, die hassen Weltraum-Settings und welche, die primär auf Weltraum-Settings stehen. Die können getrost auf das ein oder andere Spiel zugreifen – je nach Vorliebe. Das also auch direkt vorweg: Es braucht nur ein Spiel in der Sammlung. Aber braucht es auch ein Spiel in der Sammlung?

Man sagt den Spielen ja etwas nach, dass sie dem Charme einer Excel-Tabelle gleichkommen. Mit dem komplett schlichten Design von Beyond the Sun war das definitiv noch so. Auch wenn der Look des neuen Spiels eher antiquiert wirkt, ist es deutlich farbenfroher als der Vorgänger. Die Spielmechaniken sprechen aber für sich. Es handelt sich um ein gutes und schön verzahntes Spiel im gehobenen Kennerniveau oder auch eingängiges Expertenspiel. Der Spielaufbau bietet genügend Variabilität – sowohl auf dem Spielbrett als auch bei den leicht asymmetrischen Tableaus der Spielenden. Man verspürt kaum Downtime, weil man ohnehin immer etwas zu planen und zu überlegen hat. Dabei kann es vorkommen, dass eine Person im Vorfeld eine Aktion wegnimmt, aber das ist dann meist Zufall statt Absicht. Auf der Landkarte sieht das schon anders aus. Hier ist etwas Konkurrenzdenken am Start und man nimmt sich schon mal das ein oder andere Plättchen mit dem Bau einer Siedlung oder einer Stadt weg.

Sofortboni und später Siegpunkte. Die Leiste muss unbedingt bespielt werden.

Mit etwas Planung lassen sich auch ein paar geile Kettenzüge durchführen. Das führt sich immer sehr belohnend an, ist aber ähnlich selten wie bei den Burgen von Burgund. Das klappt im Spielverlauf vielleicht zwei- bis maximal viermal richtig gut.

Jede Runde des Spiels löst bei mir einen interessanten Effekt aus: nach einer Partie raucht mir vornehmlich der Kopf. Es ist schön gewesen, eine Runde gespielt zu haben. Am nächsten Tag grübelt man über das Spiel oder sogar über die Partie nach. Was hätte man besser machen können? Was wäre, wenn? Interessanterweise ging es mir bei der letzten Partie nicht alleine so.

Nachdem Beyond the Sun bei Strohmann Games nicht mehr erhältlich ist, freue ich mich umso mehr, dass der Nachfolger beim PD Verlag erhältlich ist. Bin froh, es nun in meiner Sammlung zu haben und hoffentlich noch viele Male auf den Tisch bringen zu können.

Mir gefällt das kaum wahrnehmbare Area Control deutlich besser als im Vorgänger und daher vergebe ich direkt Gold in der Endwertung.

Björns Meinung

Ich kenne weder den Vorgänger noch habe ich bisher mehr als eine Partie gespielt, aber insgesamt war ich positiv überrascht. Da ich eher zur „Non-Space-Fraktion“ gehöre und bei Raumschiffen grundsätzlich an Flugangst denke, liegt Beyond the Horizon aber auf jeden Fall eher in meinem Orbit.

Besonders gut gefallen hat mir diese heilige Dreifaltigkeit der Aktionsbereiche: das eigene Tableau, das Forschungsbrett und die sich stetig entwickelnde Weltkarte. Überall gibt es etwas zu tun, aber trotzdem bleibt alles angenehm übersichtlich. Fast wie eine Expedition mit To-do-Liste.

Wie schon im Artikel erwähnt, steht sich das Spiel aber manchmal selbst im Weg. Das Design der Figuren ist hübsch, aber so sinnvoll wie Wanderschuhe mit Absatz, und das Platzieren der Plättchen darauf wirkt etwas fummelig. Auch bei den Tokens kam ich gelegentlich durcheinander – die sehen sich stellenweise so ähnlich, dass ich mich fühlte, als würde ich verschiedene Sandkörner sortieren.

Ich kann das Spiel noch nicht endgültig einordnen, dafür brauche ich definitiv noch eine weitere Partie. Aber immerhin: Ich will noch eine weitere Partie. Und das ist doch schonmal ein gutes Zeichen, oder? Beyond the Horizon hat schon etwas dieses kleine Entdeckerfeuer in mir entfacht.


(c) Copyright PD-Verlag

Icons von Icons8

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel habe ich vergünstigt erworben. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


❌