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The 30s auf Gamefound: Lovecraft-Koop aus einer Hand

25. Mai 2026 um 08:40
The 30s auf Gamefound: Lovecraft-Koop aus einer Hand

Auf Gamefound sucht das italienische Ein-Personen-Studio Darkkena seit dem 25. Mai 2026 nach Unterstützung für „The 30s", ein kooperatives Lovecraft-Horrorspiel für eine bis zwei Personen. Mit einem Finanzierungsziel von 4.800 Euro, einem score-getriebenen Tournament-Format und einer überwiegend bildbasierten Kampagne ist das Projekt sehenswert, lässt für deutsche Käuferinnen und Käufer aber zentrale Fragen offen.

Kurz erklärt: The 30s ist ein kooperatives Lovecraft-Horrorspiel für eine bis zwei Personen, das das italienische Solo-Studio Darkkena vom 25. Mai bis 26. Juni 2026 auf Gamefound mit einem Ziel von 4.800 Euro finanziert.

Eckdaten

FeldWert
TitelThe 30s
CreatorDarkkena (Rechtsperson: Roberto Lombardo)
Lead Designerin der Kampagne nicht separat namentlich genannt
Spielerzahl1 (Solo) oder 2 (kooperativ)
Spielzeit15 Minuten (Score-getriebenes Tournament-Format laut Regelheft)
Alterab 10 Jahren
MechanikenKarten-Erkundung, modulare Raum-Tiles, Set-Sammeln, Ressourcen-Management (Health und Sanity), Firefight, Tournament-Scoring
Setting1930er Jahre, Lovecraft-Universum, altes Haus
Kampagnenziel4.800 EUR
Stand am Tag 11.731,76 EUR von 29 Unterstützenden, rund 36 Prozent
Laufzeit25.05.2026 bis 26.06.2026
Auslieferungin der Kampagne öffentlich nicht datiert
BGG-Eintragzum Recherchezeitpunkt nicht auffindbar
Kampagnen-URLgamefound.com/darkkena/the-30s

Worum es geht

Laut Kampagne übernehmen ein oder zwei Spielende die Rolle von Ermittlern, die ein altes Haus betreten, um ein verschwundenes Mädchen zu finden. Das Setting orientiert sich an H. P. Lovecraft, die Inszenierung an klassischem 1930er-Jahre-Horror. Jede Entscheidung erhöht den psychischen Druck, der laut Kurzbeschreibung sowohl auf die Sanity als auch auf die Health der Figuren wirkt. Die Räume des Hauses werden modular ausgelegt, sodass jede Partie eine andere Anordnung anbietet.

Mechanik: Wie The 30s am Tisch funktioniert

Nach dem Live-Gang stellte das Regelheft die wichtigsten mechanischen Lücken zur Verfügung. Die Kampagne selbst hält sich auf der Tag-Ebene („cards", „exploration", „survival", „narrative", „cooperative"), das Manual zeigt ein konkreteres Bild.

Spielziel: The 30s ist ein score-getriebenes Tournament-Format. Wer das Haus durchsucht, sammelt Karten-Sets und löst Bonus-Aktionen aus; am Ende werden Punkte verglichen. Das ist näher an einem kompakten Punkt-Spiel als an einer durchgehenden Story-Kampagne.

Modulare Räume: Das Haus besteht aus quadratischen Raum-Tiles (im Manual unter anderem Living Room, Bedroom, Bathroom, Studio, Dressing Room, Attic und Children Room). Jeder Raum trägt drei nummerierte Suchstellen (1, 2, 3) und zeigt mit Symbolen, ob beim Betreten ein Item liegt oder eine Bedrohung wartet. Die Räume werden zur Partie zufällig angeordnet, nur die zentrale Halle bleibt fixiert.

Zwei Ressourcen: Spielende verwalten parallel Health-Tokens und Sanity-Tokens. Item-Karten können beide Werte gezielt verschieben, etwa „Astral Knowledge" (plus 2 Health, minus 2 Sanity). Permanente Effekte sind möglich, etwa „The Drawing" reduziert Sanity-Verlust gegen Monster dauerhaft um 1.

Item-Karten: Während der Erkundung gefundene Karten teilen sich in verbrauchbare und permanente Effekte. Holy Water gibt 2 zusätzlichen Schaden im Firefight, Strongbox tauscht ein Wunsch-Item gegen je 1 Sanity- und Health-Punkt, The Mirror erlaubt einen Blick auf die nächste Event-Karte und ihren Discard, The Map repositioniert einen bereits erkundeten Raum (Halle ausgenommen).

Event-Karten: Zwischen den Zügen ziehen Bedrohungen ein, etwa „Darkness". Durch Items wie The Mirror lassen sie sich vorzeitig verwerfen.

Firefight: Begegnungen mit Kreaturen werden im Kampf aufgelöst; das Tournament-Sheet vergibt einen ausdrücklichen Bonus, wenn die Spielenden „eine Kreatur mit dem ersten Schuss erlegen" (5 Punkte).

Endwertung: Gefundene Sets aus Cthulhu-Karte, Hinweis-Karten und Charakter-Karten bringen 10 (Paar), 20 (Trio), 35 (Quartett) oder 50 Punkte (Vollsatz). Nicht verbrauchte Spezial-Karten geben je 2 Punkte. Der erwähnte Erst-Schuss-Bonus kommt obendrauf.

Wer auf Regel-Ebene wissen will, was passiert, kommt also nicht mehr auf reine Tag-Lektüre an. Trotzdem bleibt die Kampagne selbst beim Schweigen, das Manual ist eigene Lektüre.

Solo gegen Koop

Die Kampagne wirbt explizit mit „A solo or 2-player cooperative experience". Das Regelheft bestätigt: Die Grundmechanik ist identisch, der Unterschied liegt im Score-Schlüssel. Solo-Spielende setzen Sets gegen die Punkte-Schwellen 10, 20, 35 und 50; das Tournament-Sheet im Koop-Modus listet eine zweite, niedrigere Punktespalte (5, 10, 17, 25) zusätzlich zur Solo-Reihe.

Beides spielt sich also als der gleiche Tile-Crawler, der Koop verteilt die Erfolgsmessung über zwei Profile. Wie genau die Doppelpunktung am Tisch wirkt, ob jede Person eine eigene Score-Linie hat oder eine geteilt wird und eine pro Charakter erhalten bleibt, wird im Sheet selbst nicht ausführlich erläutert.

Wer sich primär für Solo interessiert, bekommt also ein eigenes Score-Profil, kein eigens designtes Solo-Szenario. Bei 1-bis-2-Personen-Spielen ist das ein üblicher, aber kein zwingender Ansatz: Solo-erprobte Backer bekommen damit keinen reinen Solo-Modus, sondern das gleiche Spiel mit angepassten Punktegrenzen.

Die 15-Minuten-Frage

Die in den Kampagnen-Metadaten genannten 15 Minuten wirken zunächst unplausibel für einen Lovecraft-Tile-Crawler. Mit der Regelheft-Lektüre wird die Zahl nachvollziehbarer: The 30s ist als kompakte Punkt-Session angelegt, mit klaren Score-Stufen und ohne narrativen Bogen über eine ganze Kampagne. Ein einzelner Durchgang durch das modular ausgelegte Haus, gesammelte Set-Karten, ein einziger Firefight, dann Endwertung. Wer Lovecraft-Story-Bögen in MoM-Tradition erwartet, sollte umrechnen: The 30s liegt deutlich kürzer und ist ausdrücklich auf Wiederholung mit Score-Verbesserung angelegt.

Aufbauzeit, Regel-Link-Lektüre und das thematische Eintauchen bleiben am Tisch zu kalkulieren; die reine Spielzeit pro Durchgang von 15 Minuten ist nach Regellage realistisch.

Stretch Goals: Inhalt, Regel, Digital

Stretch Goals sind Zusatz-Inhalte, die ein Creator freischaltet, sobald die Kampagne bestimmte Funding-Schwellen erreicht. Bei einem Stand von rund 36 Prozent am ersten Tag liegen die vier angekündigten Goals von The 30s noch deutlich vor dem Spiel. Sie sortieren sich in zwei Kategorien:

  • Inhalt und Regel (5.000 EUR „Red Fog Rule", 7.000 EUR „Ashcroft Character", 12.000 EUR „Special Room Tile"): eine neue Regelvariante, ein neuer spielbarer Ermittler, fünf zusätzliche Raum-Tiles. Diese Goals würden das Spiel inhaltlich oder regelseitig erweitern.
  • Digital (6.000 EUR „STL Files"): STL-Dateien (3D-Druck-Vorlagen) der Miniaturen zum Selbstdruck. Das ist kein Komponenten-Upgrade am physischen Spiel, sondern ein digitaler Bonus für Backer mit eigenem 3D-Drucker.

Reine Komponenten-Aufwertungen (Foil-Karten, Holz statt Pappe, Premium-Boxen) sind unter den angekündigten Goals nicht zu finden. Bei 36 Prozent am Tag 1 ist allerdings selbst das erste Stretch Goal noch nicht in Reichweite, der Kampagne fehlt ein klares Polster für die Schwellenwerte ab 5.000 EUR.

Pledge-Stufen

Die Kampagne bietet sechs Stufen, davon fünf für Privatkunden (alle Backer-Preise sind Frühunterstützer-Konditionen):

  • Print & Play, 5 EUR Early Bird, regulär 8 EUR: rein digitales Spiel zum Selbstausdrucken inklusive Regel-Links in Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Mechanisch identisch zur physischen Version. Print & Play bedeutet: alle Spieldateien werden als PDF geliefert, gedruckt wird zu Hause.
  • The 30s game, 24 EUR First Backers / 27 EUR Early / 33 EUR regulär: physisches Grundspiel mit gedrucktem englischen Regelheft. Deutsches Regelheft nur als digitaler Link.
  • The 30s mit 10 Resin-Miniaturen, 48 EUR First Backers / 53 EUR Early / 58 EUR regulär: physisches Spiel plus zehn Resin-Miniaturen. Englisches Regelheft gedruckt, deutsches Regelheft nur digital. Mechanisch identisch zum Grundspiel, der Mehrwert ist ausschließlich Tisch-Optik.
  • The 30s FULL SET, 79 EUR, regulär 85 EUR: Vollausstattung mit elf Resin-Miniaturen, einer 60 mal 60 cm großen Stoff-Spielmatte und einem gedruckten Regelheft in der gewählten Sprache (Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch oder Polnisch). Einzige Stufe mit gedrucktem deutschen Regelheft.
  • Wiederverkäufer-Bundle, 75 EUR: drei Grundspiele ohne Miniaturen, ausdrücklich nicht für Privatkunden.

Spielmechanisch unterscheiden sich die Stufen nicht. Wer das Spiel inhaltlich kennenlernen will, kommt mit 5 EUR Print & Play an die kompletten Regeln. Wer Resin-Miniaturen schätzt, zahlt rund 50 Euro Aufpreis für die Optik am Tisch. Wer auf Deutsch am Tisch spielen möchte, landet beim FULL SET.

Was deutsche Käufer wissen sollten

Das ist die zentrale Einschränkung dieser Kampagne für die DACH-Region: Ein gedrucktes deutsches Regelheft liegt ausschließlich der FULL-SET-Stufe für 79 EUR bei. In allen günstigeren Stufen ist die deutsche Regel nur als digitaler Link enthalten, der laut Darkkena teilweise erst zwei bis drei Monate nach Kampagnenende verfügbar sein soll. Einen DACH-Lokalisierungspartner (etwa Pegasus Spiele, Frosted Games oder Asmodee) führen die abgefragten Kampagnen-Metadaten und Reward-Beschreibungen nicht; gegebenenfalls am Seitenende oder in späteren Kampagnen-Updates auf einen Partnerhinweis prüfen.

Inhaltlich ist die Altersfreigabe „ab 10 Jahren" eine Faustzahl: Lovecraft-Horror, das Motiv des verschwundenen Mädchens und die zweigleisige Sanity-Health-Mechanik sind für jüngere Spielende und besonders sensible Familien keine sichere Empfehlung. Eltern sollten vor dem Pledge das Erklärvideo durchsehen.

Die Auslieferungstermine sind in den Kampagnen-Metadaten nicht datiert. Versandkosten in die DACH-Region werden ebenfalls nicht öffentlich aufgeführt. Beides sollte vor einem Pledge in den Kampagnen-Updates oder per Nachfrage beim Creator geklärt werden.

Lohnt sich The 30s für DACH-Käufer?

The 30s ist eine kleine Solo-Creator-Kampagne mit großem Genre-Erbe. Wer Lovecraft-Koop am Tisch sucht, hat in der DACH-Region eine etablierte Auswahl mit klar unterschiedlichen Profilen: Arkham Horror LCG ist ein kampagnengetriebenes Living-Card-Game mit Deck-Bau, Villen des Wahnsinns in zweiter Edition setzt auf eine App und tile-basierte Story-Erkundung, Cthulhu: Death May Die ist ein würfel- und kartenlastiger Action-Koop. The 30s positioniert sich klar daneben: ein kompakter, score-getriebener Tile-Crawler mit Set-Sammeln, zwei Ressourcen und einer einzelnen kurzen Sitzung pro Partie. Replay-Anreiz speist sich aus der zufälligen Raum-Anordnung, dem variierenden Karten-Pool und der Score-Optimierung, nicht aus einem Kampagnen-Bogen. Weitere Lovecraft-Brettspiele auf Würfelreich liefern Vergleichspunkte für die Genre-Einordnung.

Hinzu kommt: Roberto Lombardo beziehungsweise Darkkena tritt mit The 30s zum ersten öffentlich auffindbaren Brettspielprojekt an, weder Crowdfunding-Datenbanken noch BoardGameGeek führen ein vorhergehendes veröffentlichtes Spiel. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber bei einem Solo-Creator ohne datierte Auslieferung der erste Backer-Filter. Konkrete Szenariozahlen oder ein verbindender Kampagnenplot sind im Regelheft ebenfalls nicht angelegt; die Spielarchitektur setzt auf wiederholbares Tournament-Format statt Story-Bogen.

Wer den Print-and-Play-Preis von 5 EUR riskieren möchte, kann das Spiel ohne große Investition kennenlernen; wer die deutsche Vollausstattung am Tisch will, zahlt 79 EUR und nimmt offene Fragen zu Auslieferung und Versand mit.

36 Prozent Funding am ersten Tag sind ein solider Start, aber kein Selbstläufer für die Stretch Goals. Beobachten lohnt sich, blind pledgen sollten DACH-Käufer eher nicht. Weitere Gamefound-Kampagnen und laufende Crowdfunding-Vorstellungen auf Würfelreich liefern die nächste Vergleichsrunde.

Update 2026-05-25: Darkkena hat nach Veröffentlichung dieses Artikels das vollständige Regelheft zur Verfügung gestellt. Die Mechanik-Abschnitte und die 15-Minuten-Einordnung sind entsprechend aktualisiert.

Cysmic

Von: Björn
23. Mai 2026 um 09:00

Nach uns das Vakuum

Du stehst am Rande eines Waldes, das Licht bricht sich durch die Kronen der Bäume und ein paar arglose Nagetiere klettern die Rinde entlang stets auf der Suche nach der nächsten Nuss und einem lauschigen Plätzchen. Plötzlich ein immer stärkeres Rasseln der Äste. Ein Reh flüchtet in Panik, doch der grünbedeckte Boden reißt auf. Alles bebt, und der Riss entwickelt sich zu einem gewaltigen Spalt, der das Reh samt Umgebung verschluckt.

Willkommen auf Kepler-62e, deinem Heimatplaneten. Schön hier. Also, bis gerade eben.


Steckbrief

SpielCysmic
VerlagStar Reach Games
Veröffentlichung2026
IdeeJason Blake
IllustrationJason BlakeSzymek Dmitruk
Rating (BGG)8,9 (Stand Mai 2026)
Komplexität (BGG)3,19 (Kennerspiel)
SpielweiseKooperativ, Kompetitiv, Solo
MechanikenHand Management, Multi-Use Cards, Events, Variable Player Powers

Spielprinzip

Tja, so oder so ähnlich muss es den armen Tropfen auf diesem Planeten mit dem klangvollen Namen ergehen. Die Welt steht kurz vor dem Kollaps, und die allerletzte Überlebenschance besteht darin, eine Arche in Form eines Raumschiffs zusammenzuzimmern, um als Erster den Abflug machen zu können. Tschüss, Weltuntergang!

Also worum geht es hier eigentlich? Erstmal in Kurzform. Du entsendest Gesandte, um Einfluss in den verschiedenen Habitaten zu sammeln (Stichwort: aggressive PR), schickst Minenarbeiter auf die Loriumfelder, um diese wertvolle Ressource zu schürfen, oder hetzt Soldaten in Kämpfe. Deren Ziel? Gegnerische Truppen gefangen zu nehmen, um diese später als Druckmittel gegen Baupläne einzutauschen. Exquisit! Denn das Wissen um die sechs lebensrettenden Module der Arche ist leider unter all den Fraktionen aufgeteilt. Je nach Spielerzahl hältst du nur ein bis drei dieser begehrten Pläne in Deinen Händen. Den Rest musst du von den anderen abluchsen. Das wars mit der ehemals netten Nachbarschaft. Also alle Teile sammeln, bauen und Abflug! Und jetzt nochmal im Detail.

Alle übernehmen die Kontrolle über eine der 27 (!) Fraktionen, jede mit eigenen asymmetrischen Startressourcen und Fähigkeiten. Auf den Fraktionen ist eine Mindestspielerzahl angegeben, und es empfiehlt sich wärmstens, sich auch daran zu halten, denn ansonsten könnten Sie zu stark oder zu schwach sein. Du platzierst Deine Startrampe (in der dein glorreiches Fluchtauto, die Arche, zusammengebaut wird) zusammen mit Deinen Starteinheiten auf einem der 6 Terraintypen. Das Spielfeld ist rund und in der Mitte thront die noch aktuelle Hauptstadt des Planeten: Colony City.

Da das Brett einen runden Planeten darstellt, kannst Du Dich im Pac-Man-Style von den Rändern direkt auf die anderen Seiten bewegen. Das solltest Du Dir gut hinter die Ohren schreiben, denn man vergisst es leicht, obwohl es die planetare Reiseplanung erheblich erleichtert. Dadurch ist plötzlich nämlich alles näher dran als du denkst.

Runder Planet auf einem runden Spielbrett. Die Startrampen stehen bereit für den Bau der Arche.

Und dann geht’s los! Noch ist der Planet am Stück, alle Hexfelder ruhen friedlich an Ort und Stelle, und in den ersten Zügen passiert scheinbar gar nicht so viel. Doch wer die Express-Methoden nutzt, um schneller an sein Ziel zu kommen, fördert nicht nur mehr Ressourcen zutage, sondern beschleunigt auch den Zerfall des Planeten. Am Ende zählt nur das Überleben.

Der Aktionsmechanismus ist extrem clever gelöst. Du hältst 10 Aktionskarten auf der Hand und spielst pro Zyklus (der aus 5 Runden besteht) jeweils eine Karte. Der Clou: Du musst Dich in jeder Runde auch dazu zwingen, eine Karte herzlos zu verbrennen. Sprich, sie für den Rest dieser 5 Runden ins Nirvana zu schicken. Vorausplanung ist also King, denn Deine spontane Reaktionsfähigkeit schrumpft von Runde zu Runde wie ein zu heiß gewaschener Wollpullover. Aktionskarten gibt es für Einheiten und als Taktikkarten. Jede Einheitengattung hat ihre eigene Karte, mit der sie aktiviert wird. Ohne Karte? Keine Bewegung. Faules Pack! Die Taktikkarten sind hingegen Dein Werkzeugkasten, um Kämpfe abzuhandeln, Cyber-Angriffe vom Stapel zu lassen oder Truppen aufzuwerten. Du siehst also die Entscheidung, welche der 5 Karten du feierlich opferst, treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Neben der Hauptaktion finden sich auf den Karten auch noch farbige Symbole, die du als sekundäre Aktion nutzen kannst. Dein Playerboard verrät dir, wofür du welches Symbol gebrauchen kannst. Dabei werden die Aktionen von Runde zu Runde netterweise ein bisschen stärker.

Das Playerboard mit allen möglichen Zusatzaktionen die von Spalte zu Spalte variieren. Oberhalb wird immer eine Aktionskarte gespielt und eine Aktionskarte „verbrannt“ darunter gelegt.

Einfluss und Lorium-Abbau

Zu Beginn versuchst Du erst einmal, Einfluss zu sammeln. Mehr Einfluss bedeutet, dass Du mehr Einheiten gleichzeitig rekrutieren kannst (mehr Kanonenfutter!). Wie sammelt man Einfluss? Du schickst deine Gesandten in die menschlichen Habitate, um dort eine astreine Propagandashow abzuziehen. Die Habitate haben einen Wert von 1 bis 3. Du hisst einfach dein Banner auf dem Dach und erhöhst deine Einflussleiste um den entsprechenden Wert. Die zentrale Hauptstadt in der Mitte lässt sich übrigens auch bequatschen und bringt satte 5 Einflusspunkte. Aber die Gefahr, dass ein Gegner dir diesen lukrativen Posten klaut, ist extrem hoch. Denn niemand, absolut niemand, gönnt dir so viel Macht.

Dann brauchst du natürlich auch noch Lorium. Die absolute Super-Ressource, um deine Einheiten aufzuwerten und die Arche-Module zusammenzuschrauben. Diesen Knochenjob erledigen deine Minenarbeiter. Leider sind die Typen schnarchlangsam, weshalb Du sie schnellstmöglich zu Harvestern aufwerten möchtest. Diese Ungetüme rödeln Dir das Lorium schneller in die Kammer, als ein Eichhörnchen auf Espresso Nüsse verstecken kann. Ja gut, sie verursachen dabei dummerweise zusätzliche Erdbeben, die den Planeten der völligen Zerstörung ein gutes Stück näherbringen… aber hey, es geht schließlich darum, schneller wegzukommen als die Nachbarn! Also pfeif auf den Umweltschutz. Nach uns die Sintflut (oder das Vakuum)!

Wenn der Planet Risse bekommt

Wie erwähnt, verursachen die aufgewerteten Einheiten (wie die Harvester) bei ihrer Nutzung ein Beben. Das bedeutet, Du schiebst den Marker auf dem sogenannten „Cysmographen“ um 1 nach oben. Erreicht der Marker das Ende der Skala, rumst es und ein Riss entsteht! Dafür wühlst Du blind in einem Säckchen nach einem Riss-Token und schaust, wo der Planet dieses Mal aufplatzt. Das ist herrlich zufällig und sehr glückslastig. Auf der Vorderseite steht, welche der 6 Regionen betroffen ist, und auf der Rückseite, welche Reihe in das ewige Nichts stürzt. Alle Hexfelder in dieser Reihe werden gnadenlos entfernt. Befinden sich Einheiten oder Gebäude darauf? Tja, Pech gehabt, die werden direkt mit in den intergalaktischen Abgrund gerissen! Nur wenige Einheiten, wie die Minenarbeiter und die Arche selbst, verfügen über ein Frühwarnsystem und dürfen noch panisch zur Seite hechten und auch andere Einheiten im gleichen Feld zur Flucht verhelfen. Alle anderen machen den Abflug – leider ohne Raumschiff. Der erste Riss lässt meist noch etwas auf sich warten, aber die Abstände werden immer kürzer, bis schließlich jedes noch so kleine Beben den Planeten weiter zerreißt. Der Druck zu verschwinden, steigt ins Unermessliche, und irgendwann wird es dir völlig egal sein, ob deine Aktion ein Beben auslöst oder nicht. Hauptsache, Dein Taxi ins All wird fertig! In einer meiner Partien hatte fast jedes Riss-Token den guten Bill als Ziel. Wenn das Pech einem so hold ist, kann das verständlicherweise sehr frustrierend sein. Damit muss man schon leben können.

Zerstörte Felder hinterlassen entweder einen völlig unpassierbaren Abgrund oder ein begehbares verwüstetes Feld. Auf verwüsteten Feldern werden Relikte platziert, die mächtige Zusatzfähigkeiten verleihen. Jede Einheit kann diese einfach im Vorbeigehen einsammeln und du kannst maximal 2 davon gleichzeitig nutzen.

Die untere Seite des Planeten ist bereits völlig weggebrochen. Die Zeit rennt.

Der Bau der Arche

Aber was genau musst du eigentlich tun, um dieses Wunderwerk der Technik fertigzustellen, fragst du Dich? Zu Beginn hast du (je nach Spielerzahl) nur 1 bis 3 Baupläne. Diese sind nach Spielerfarben sortiert. Spielt man nicht mit voller Besetzung, sind die Pläne der fehlenden Farben entweder automatisch vorhanden oder (für die Hardcore-Gamer, die länger spielen wollen) auf die aktiven Spieler aufgeteilt. Fakt ist, du kannst ein Modul nur bauen, wenn du auch den verdammten Plan dafür hast! Es gibt primär zwei Wege, an das geistige Eigentum Deiner Mitspieler zu kommen.

Gefangennahme: Du nimmst im Kampf gegnerische Einheiten gefangen und tauschst sie später per Aktion großmütig gegen einen Bauplan aus dem Besitz deines Opfers ein.

Cyber-Angriff: Wenn Deine Truppen um die gegnerische Arche herumlungern und gerade nicht in eine Schlägerei verwickelt sind, können bis zu drei Einheiten hacken, was das Zeug hält. Sowohl Kämpfe als auch Cyber-Angriffe werden elegant mit Würfeln ausgetragen.

Hast Du Dir endlich einen Bauplan ergattert, drehst Du stolz den Marker der entsprechenden Farbe auf Deinem Tableau um und Zack – grünes Licht für den Bau!

Den eigentlichen Bauzauber vollführst Du dann in jeder Runde mit dem grauen Sekundäraktionssymbol. Das kostet Dich Lorium und Einfluss (irgendwer muss den Handwerkern ja sagen, dass sie gut sind). Alternativ kannst du auch die Arche-Aktionskarte zücken, um Module zu bauen. In dem Fall sparst du dir sogar die Einflusskosten. Ist das Modul fertig, steckst du die schicke Miniatur in Deine Startrampe und freust Dich wie ein Schnitzel darüber, dass das Teil magnetisch mit einem befriedigenden Klack einfach hält.

Der rettende Knopf und das liebe Gewissen

Wenn es dann endlich so weit ist, du den Planeten nach Strich und Faden ausgebeutet, deine Mitspieler ordentlich drangsaliert hast und deine Arche startklar in der Sonne glänzt, drückst du am Ende Deiner Runde den großen, roten Startknopf. Aber halt! Hast du nicht alle deine Einheiten rechtzeitig in die Arche evakuiert, klopft plötzlich dein Gewissen an. Du musst einen Würfel werfen, der bestimmt, wie viele Leute du eiskalt zurücklassen darfst. Liegt das Würfelergebnis unter der Zahl deiner noch auf dem Feld befindlichen Einheiten, meldet sich die Moral. Du bringst es nicht übers Herz, den Knopf zu drücken, und musst es in der nächsten Runde noch mal versuchen (Drama!). Der Gewissens-Würfel ist offiziell eine optionale Regel, aber ich finde er gehört zum sadistischen Spielgefühl einfach dazu! Auch dieser Moment, wo alle anderen Spieler noch weiter auf ihren eigenen Sieg hoffen können.

Eine weitere großartige, optionale Regel ist das „Mini-Legacy“-System. Wenn ein Spieler sich erfolgreich in den Orbit verabschiedet, aber noch eigenes Fußvolk auf dem zerbröselnden Planeten zurückgelassen hat, werden diese armen Seelen notiert und stehen ihm oder ihr in der nächsten Partie nicht mehr zur Verfügung. Eine ziemlich geniale Idee, um dem Sieger beim nächsten Mal ein kleines moralisches und spielerisches Handicap aufzudrücken.

Weitere Spielmodi

Wem das alles noch nicht reicht: Neben dem Standardmodus bietet das Spiel auch einen Euro-Modus, der das fiese Interagieren in spätere Runden verschiebt. Hier erarbeitet man sich die Module brav und gesittet durch das Erfüllen von Missionen und erst später durch Keule auf Kopf.

Für die Pazifisten unter uns gibt es sogar einen kooperativen Modus! Hier erhält jeder Spieler speziell zugeschnittene Aktionskarten, und die Habitate wimmeln nur so vor unschuldigen Zivilisten, die wir gemeinsam in eine zentrale Arche eskortieren müssen.

Und falls das an Varianz immer noch nicht reicht, kannst Du mit dem Material von Cysmic glatt noch eine alternative Version von Schach spielen. Das ist kein Witz. Auf der Rückseite des Boards ist ein echtes Schachbrett aufgedruckt. Gespielt wird dieses Weltraumschach dann stilecht mit Würfeln und Karten.


Unboxing

Mal ganz abgesehen davon, dass diese Box ein komplettes Ikea-Kallax-Fach hermetisch versiegelt, ist das Teil ist auch von innen ein absoluter Brecher! Die Box ist hervorragend konzipiert, und die ganzen Trays sind wundervoll durchdacht. Vermutlich das Beste, was die Tiefziehteil-Industrie jemals hervorgebracht hat. Jeder Spieler bekommt ein eigenes Tray, in dem sein gesamtes Material untergebracht ist, und auch der Rest wird perfekt sortiert. Ich hätte mir höchstens noch ein paar kleine Stege gewünscht, um die Etagen besser voneinander zu trennen und die Trays leichter einzeln herausheben zu können. Aber ich fürchte die paar Millimeter waren einfach nicht mehr übrig. Das Spiel gibt es ausschließlich in dieser einen Standardausführung, aber diese „Standardausführung“ ist Deluxe seine Mudda.

In den Trays schlummern detaillierte Miniaturen, hochwertige Karten (die übrigens auch gesleeved problemlos in die Einsätze passen!), Metall- und Kunststoffmarker sowie Hexfelder mit einer cleveren kleinen Nut, um sie leichter vom Feld hebeln zu können. Dazu kommen 3D-Berge für die epische Optik. Das Spielbrett ist magnetisch, sodass sich der Rahmen für die Hexfelder einfach zusammenklicken lässt, und auch die Arche ist (wie erwähnt) magnetisiert. Autor Jason hat hier absolut sein Herzblut vergossen und wollte sein Baby in der bestmöglichen Version in die Welt entlassen. Mission erfüllt, würde ich sagen. Das alles gab es damals zum Preis von 199 $. Mit Steuern und Versand landete ich am Ende bei rund 242 €. Zugegeben, das ist eine ordentliche Stange Geld, die den Geldbeutel zum Weinen bringt. Aber für das, was man hier an Gegenwert bekommt, ist es im Vergleich zu anderen überkandidelten Crowdfunding-Projekten ein absoluter Schnapper.

Kleiner Fun Fact am Rande: Ursprünglich war das Spiel in vielen kleinen Modulen und Erweiterungen geplant. Diese typische „Boxenschlacht“, die man von anderen Projekten kennt. Doch am Ende merkte man, dass es auch aus Kostensicht sinnvoller war, einfach direkt ein dickes „All-In“-Paket rauszuhauen. Den Backern der kleineren Varianten wurde ein Upgrade oder ein Refund angeboten. Ich persönlich bin ein riesiger Fan dieses Ansatzes! Erstens eliminiert es dieses furchtbar nervige FOMO (Fear of Missing Out). Du hast am Ende einfach das komplette Spiel vor Dir liegen und musst nicht stundenlang vorm Bildschirm schwitzen und abwägen, welches Paket nun das richtige ist. Man sagt einfach: „Ja, bin dabei!“ oder „Nee, ist nix für mich.“ Zweitens ist es für den Vertrieb schlichtweg viel einfacher und billiger, wenn alle exakt denselben Karton bekommen. Wenn man sich anschaut, wie oft es bei anderen Titeln mit zig Erweiterungsmöglichkeiten zu fehlerhaften Lieferungen kommt, ist das hier eine echte Wohltat.


Bewertung

Ich bin vielleicht etwas voreingenommen, da ich mit der Übersetzung auch sehr involviert bin, aber Cysmic ist trotzdem ein fantastisches Spiel und eines, das einem den Glauben an Crowdfunding zurückgibt. Ich glaube die Wertung von aktuell 8.9 auf BGG unterstreicht das nochmal. Hier hat ein Mensch einfach 9 Jahre seines Lebens damit verbracht, im stillen Kämmerlein zu tüfteln, um der Welt sein Meisterwerk zu präsentieren. Und das Beste daran ist das sich die 9 Jahre tatsächlich gelohnt haben. Es ist am Ende in gutes Spiel dabei herausgekommen und das ist ja bei aller Liebe und Herzblut nicht immer selbstverständlich. Manchmal sind Entwickler ja auch viel zu verbohrt in ihrer Vision. Durch die aberwitzige Menge an Spielmodi ist Cysmic so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau auf dem Spieltisch: Koop, PvP, Euro und Schach. Klingt wie ein Fiebertraum, funktioniert aber alles. Aktuell ist das Spiel in Europa komplett ausverkauft, doch eine zweite Kampagne inklusive Reprints ist geplant.

Auch nach mehreren Partien fühl ich immer noch diesen Zerfall des Planeten und welch ein spaßiges Spielelement das doch ist. Also wer mit Chaos und Zufall leben kann wird hier definitiv glücklich und alle anderen sollten sich das Spiel trotzdem mal anschauen.

Wie wir bewerten haben wir euch hier aufgeschrieben.

Eine deutsche Version?

Mich hat das Spiel jedenfalls so vom Hocker gehauen, dass ich mich mit vier anderen ambitionierten Fans zusammengeschlossen habe, um eine deutsche Version auf die Beine zu stellen. Was eigentlich nur als kleine Fan-Übersetzung gestartet ist, eskalierte völlig und endete in 5 Monaten hochprofessioneller Arbeit an einer vollständig übersetzten Fassung dieses Mammut-Spiels. Wir reden hier von 60 Seiten prall gefülltem Regelwerk, über 400 Karten, Hexfeldern und Spielhilfen. Wir hatten das große Glück, vom Autor persönlich unterstützt zu werden und Zugriff auf alle Originaldaten zu haben. Das war eine enorme Hilfe.

Ganz nebenbei haben wir dabei auch noch ein paar Fehlerchen der englischen Version ausgebügelt und einige schwammige Regeln weiter verdeutlicht. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen. Leider liegt es nun am Erfolg der zweiten Kampagne, ob es dieses deutsche Wunderwerk jemals offiziell geben wird. Eine komplette deutsche Retail-Fassung ist aktuell zwar sehr unrealistisch, aber ein deutsches „Upgrade Pack“ (das zumindest alle Karten und die Anleitung enthält) könnte tatsächlich Realität werden. Drücken wir die Daumen! Also wenn du nun Interesse an dem Spiel hast, lass doch hier schonmal ein follow für die neue Kampagne da. An dieser Stelle meinen Dank für diese glorreiche Zusammenarbeit und Erlebnisses an Jason, Günter, Şenel und Thomas.

Konzertmitschnitte

Zwei Spieler und ihere Einheiten sitzen sich im gegenseitig im Nacken.

(c) Copyright StarReachGames

Grafik(en) und Bild(er) von analog rockt

Bannerbild von analog rockt.

Bausteine: Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Dindex: Kläglich an der eigenen Regelerklärung gescheitert

Von: ravn
19. Mai 2026 um 17:47

Selbst Schuld und deshalb auch nur einen geringen Vorwurf an das kartengetriebene Politikspiel rund um unsere Demokratie, dem Geschacher um die Macht und ausgehandelte Ministerposter, während Oligarchen ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Die hiermit niedergeschriebene Historie meiner Erstpartie, bei der mal so alles schief lief.

Manche Geschichten kann ich mir einfach nur ausdenken, denn die schreiben das erlebte Leben eines Brettspielers viel eindrucksvoller. Aber so eindrucksvoll selbstverschuldet eine Neuheit in den eigenen Brettspielreihen einzuführen, nur um die Erklärung mitsamt viel zu kurzer Erstpartie an die Wand zu fahren, das war schon ein Erlebnis für sich. Eines, das ich am liebsten ganz schnell vergessen und aus den Köpfen meiner Mitspieler streichen möchte. Eben bevor sich der falsche Eindruck verfestigt, dass Dindex mal so gar nichts taugt. Denn das wäre hart ungerecht dem Spiel und dem Autor Lars-Michael Stock gegenüber.

Dabei habe ich in meiner Brettspieler-Historie mindestens eine dreistellige Zahl an Neuheiten erklärt und kenne damit auch die Hürden einer allerersten eigenen Erklärung. Die ist meist etwas ausufernd bis sprunghaft holprig, weil ich selbst noch nicht weiß, auf welche zu vermittelnden Details ich den Fokus legen sollte. Wenn dann die Spielanleitung nicht gerade von einer erfahrenen Redaktion, sondern von einem enthusiastischen Eigenverlags-Autor erstellt wurde und eher vor Herzblut anstatt von Übersichtlichkeit tropft, tja, dann sollte ich aus Erfahrung eigentlich besser vorbereitet sein. Zu meiner Verteidigung könnte ich anbringen, dass ich Dindex eher spontan vorgeschlagen und in letzter Minute selbst zum Spieletreff eingepackt habe.

Ebenso könnte ich als zu einfache Ausrede anführen, dass ich nicht der Einzige war, der das Spiel erstmalig dabei hatte. Eventuell hätte ich es mir lieber selbst nochmal nach meiner Demopartie auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund erklären lassen sollen. Einfach mal zurücklehnen und nicht in Selbstüberschätzung meinen, dass ich Dindex mal eben so, aus dem Ärmel geschüttelt, erklären kann. Dabei bin ich schon am Aufbau gescheitert, denn ich hatte schlicht verpennt, die ganzen Kartenstapel vorab mal ordentlich durchzumischen. Die waren nur oberflächlich unterschiedlich, wie ich die im Selbststudium zu Hause mal exemplarisch angeschaut hatte. Deshalb fiel es mir selbst nicht auf, dass die Aktionskarten fast komplett nach dem Demokratie-Index sortiert waren. Ebenso wie der obere Teil der Regierungsaufgaben, die arg einseitig waren.

In meiner zugelosten Rolle des oligarchischen Gegenspielers unserer Viererrunde mit zwei Spielern am Tisch, die bisher noch keinen Kontakt mit Dindex hatten und zwischen schulterzuckend und interessiert schwankten, hatte ich somit zu leichtes Spiel. Eben weil ich überwiegend passende Aktionskarten auf die Hand bekommen habe, während meine demokratischen Mitspieler kaum sinnvoll ihre Karten spielen konnten und deshalb vorwiegend in der Kernphase des Spiels diese tauschen mussten. Da wir zur Einführung nur ein kurzes Spiel angehen wollten, starteten wir schon im Extremismus, was mir in meiner Rolle zugutekam. Zudem bekam ich auch zufällig den weiteren Wähler zugelost, um ein bewusstes Ungleichgewicht zu Spielstart und damit die stärkste Partei an Wählerstimmen zu besitzen und in Folge mit der ersten Regierungsbildung beauftragt zu sein.

Blöd, dass ich dabei direkt zwei Details in der in Textblöcken strukturierten Anleitung übersah. So hatte ich vergessen, uns jeweils drei Stammwähler auszuteilen und die Anzahl der eigenen Handkarten richtete sich eben nicht nach den Dreiergruppen von Wählern, sondern nach den Stammwählern. So hatte ich eine Aktionskarte mehr auf der Hand, was aber fast schon egal war, da im ungemischten Aktionskartenstapel sowieso fast nur antidemokratische Karten oben lagen und ich der Einzige der Runde war, der überhaupt eine echte Motivation hatte, diese ausspielen zu wollen.

Für meine erste Koalition gab es mit zwei Mitspielern keine Überschneidung unserer Kernkompetenzen. Somit hatte ich zwei potenzielle Koalitionspartner zur Auswahl und konnte die Ämterverteilung entspannt zu meinen Gunsten entscheiden. Das Kanzleramt gehörte sowieso mir, die zwei passenden Ministerien ebenso, während ich, fast schon gönnerhaft gespielt, zwei Ministerien zum Koalitionspartner abgab. Damit wir zum Schein potenzielle Krisen möglichst gut bewältigen können. Das übrig gebliebene Ressort nahm ich dann zu mir, als mein ausgerufenes Recht als stärkste Partei.

Und spätestens hier hätte mir klar sein sollen, dass ich meinen Mitspieler die grundsätzlichen Spielmechaniken in ihren Auswirkungen und Bedeutungen noch gar nicht erklärt hatte. Schlechte Voraussetzungen für ein erstes Spiel, das durch eigene Erklärfehler im Aufbau und die windschiefe Kartenverteilung schon zu dieser Zeit noch für mich unwissend blöd gestartet war. Eine mehr als nur krumme und planlose Partie sollte die Folge sein und so kam es dann auch. Ich selbst konnte mit meiner passenden Kartenhand etliches bewirken, was vor allem zum eigenen Vorteil war. Meine Mitspieler machten fast gar nichts, außer darauf zu hoffen, endlich mal für sie bessere Karten zu tauschen. Zu sehr von meinen eigenen Plänen des Machtmissbrauchs berauscht, merkte ich gar nicht, dass die einzig gespielte Legislaturperiode viel zu einseitig war und ich selbst von meinem zu schnellen und vorzeitigen Spielsieg durch Sturz in die Oligarchie geblendet wurde. Klar, dass Dindex damit durchfallen musste, und ich muss mir die Schuld dafür geben.

Aus Fehlern möchte ich hingegen lernen und Euch ebenso ein paar Ratschläge an die Hand geben, was Ihr selbst in Eurer ersten Dindex-Partie beachten solltet:

  1. Erklärt das Spiel bitte nicht nach der Spielanleitung. Denn die ist mit 30 Seiten viel zu lang und bringt das eigentlich recht einfache Spielkonzept nur sehr ausufernd in zu große Textblöcken ins eigene Verständnis. Zum Nachschlagen von Regeldetails auch nicht wirklich geeignet, weil trotz farbiger Hervorhebungen die Textmengen zu unübersichtlich sind, um schnell überblickt zu werden. Entwickelt stattdessen in einer vorab für Euch simulierten Partie ein Gefühl für den Spielaufbau, den Spielablauf und was die eigentlichen Kernmechanismen sind.
  2. Die doppelseitige und nur einmalig beiliegende Kurzanleitung hilft Euch leider nur beim Spielaufbau, sofern Ihr die Schritt-für-Schritt wirklich befolgt. Dabei ebenso geschwätzig wie die Spielanleitung, wobei ich kurze und präzise Stichworte hier wie auch dort bevorzugen würde. Die Symbolsprache fehlt hier völlig, was das alles zur Textwüste werden lässt.
  3. Im Ablauf der Legislaturperioden auf der Rückseite der Kurzanleitung kommen die Regierungsaufgaben zu kurz. Dort wird nur grob von Aufgaben geschrieben, ohne klarzumachen, was der Unterschied zwischen Krisen und Probleme ist und welche Auswirkungen später ungelöste Krisen und Probleme haben. Mit einem „entfalten nun ihre Wirkung“ Wortlaut war mir das zu kurz als Erinnerungsstütze abgehandelt.
  4. Die Symbolübersicht ist nur einmal auf der Rückseite der Spielanleitung gedruckt. Dabei ist besonders für Erstspieler essenziell wichtig zu wissen, was die anfangs verwirrenden Schafe in Weiß und Braun und teils durchgestrichen bedeuten. Weil es nicht nur auf das Symbol an sich ankommt, sondern auch, wo diese Karten liegen – in der Spielmitte oder in der Spielerauslage.

Für die Punkte 2 bis 4 kann ich eigentlich nur empfehlen, auf eine alternative Kurzübersicht zurückzugreifen, die jedem Spieler zur Verfügung steht. Die beiliegenden vier Kurzübersichten sind schlicht nur eine Spielphasen-Übersicht ohne jegliche Erklärung, was dort passiert. Um den Hürden des Spieleinstiegs zu minimieren, sollte so eine alternative Kurzübersicht die wichtigsten Symbole beschreiben, den Rundenablauf und was dort in den einzelnen Spielphasen passiert. Das alles in stichpunktartiger und präzise formulierter Form. Ebenso sollten auf der Rückseite die Siegbedingungen der beiden Rollen, deren Möglichkeiten, Regierungspunkte zu sammeln und den Dindex zu verändern, aufgelistet sein. Was Stammwähler und Wähler in der eigenen Spielauslage unterscheidet und was die Systemgegner in der Tischmitte für den Dindex bedeuten, sollte ebenso dort kurz und knapp auf die regelmechanischen Details reduziert erwähnt werden.

Für meine kommende Partie weiß ich nun, dass ich Dindex leider nicht einfach so nebenbei erklären kann. Dazu fehlt mir die eigene Spielpraxis, um auf die Spielanleitung verzichten und nur mit der Kurzanleitung zurechtkommen. Also wird wohl ein wenig redaktionelle Eigenleistung gefordert sein, um eine Kurzübersicht für jeden Spieler zu erstellen. Ich stelle Euch die gerne hier dann zum Download zur Verfügung, nachdem ich die Nutzung der Grafiken mit dem Autor Lars-Michael Stock abgesprochen habe. Wenn Ihr bis dahin selbst Hand an Dindex angelegt habt, bin ich ebenso interessiert, wie Eure Kurzübersicht aussieht.

Und ja, vergesst bitte nicht, die ganzen Kartendecks vor der Partie intensiv zu mischen, weil ansonsten fällt das Spiel in sich zusammen. Das wäre arg schade, weil mir gefällt es weiterhin bestens. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, diesen Eindruck auch per Regelerklärung vermitteln zu können. Denn Dindex empfinde ich als zu wichtiges Spiel, um durch blöde Erklär- und Aufbaufehler als spielerisch verbrannt zu gelten. Im Zweifel gebt bitte Dindex eine zweite Chance und eine zweite Partie.

„Labyrinth: Chronicles": Ravensburger und Awaken Realms bringen Koop-Neuauflage im September für 149 Euro

19. Mai 2026 um 14:38
„Labyrinth: Chronicles": Ravensburger und Awaken Realms bringen Koop-Neuauflage im September für 149 Euro

Ravensburger und Awaken Realms haben den Handelsstart für „Labyrinth: Chronicles" auf September 2026 datiert; die unverbindliche Preisempfehlung liegt laut Pressemeldung des Ravensburger-Newsrooms bei 149,00 Euro. Das kooperative Kampagnenspiel ist die Jubiläumsneuinterpretation des 1986 erschienenen Familien-Klassikers „Das verrückte Labyrinth" — über die Erstankündigung der Jubiläumsneuinterpretation hatten wir bereits im Februar 2025 berichtet — und stammt aus einer Gamefound-Kampagne, die Ravensburger zufolge über 12.000 Unterstützer mobilisiert hat. Als Designer nennt der Verlag Max J. Kobbert, den Schöpfer des Originals, sowie Jan Truchanowicz für Awaken Realms.

Vom Schiebepuzzle zum Koop-Kampagnenspiel

Wer das Original kennt, erkennt die Grundzutat sofort: Reihum schiebt eine Person eine überzählige Gangkarte in den Spielplan, wodurch sich Korridore verschieben und neue Wege entstehen — oder versperrt werden. Diesen Schiebemechanismus übernimmt „Chronicles" laut Spielbeschreibung auf BoardGameGeek, koppelt ihn aber an einen kooperativen Spielmodus. Statt um die Wette Schätze einzusammeln, organisieren zwei bis vier Spielende gemeinsam die Versorgung eines Feendorfs und müssen den im Labyrinth lauernden Kobolden zuvorkommen.

Dazu kommt ein fortlaufendes Kampagnenformat. Die Verlagsbeschreibung spricht von Dorfwiederaufbau, neuen Fähigkeiten und neuen Charakteren über mehrere Partien hinweg. Vom Format her bedeutet das mehrere zusammenhängende Spielabende mit Fortschritt — eine „Legacy"-Mechanik mit zerstörbaren oder permanent veränderten Komponenten kommuniziert der Verlag dabei nicht. Eine Auflistung einzelner Kapitelinhalte gibt es in der jetzt veröffentlichten Pressemeldung ebenfalls nicht; Awaken Realms hält die konkreten Kampagnen-Beats bislang zurück.

3D-Spielplan: physische Mauern statt Pappe

Das visuelle Hauptverkaufsargument sitzt auf dem Tisch: Statt eines flachen Pappspielplans liefert „Labyrinth: Chronicles" einen 3D-Aufbau mit physischen Mauerelementen. Die Pressemeldung nennt diesen Aufbau als zentrales Komponentenmerkmal, ohne genauere Materialangaben. Das passt zum Profil von Awaken Realms, deren Titel „Nemesis", „This War of Mine: The Board Game" und „ISS Vanguard" für komponentenintensive Produktionen bekannt sind. Mechanisch bewegt sich „Labyrinth: Chronicles" allerdings deutlich unter diesen Heavy-Koop-Titeln (BGG-Komplexitätswerte um 3,3–3,5) — die Komponenten-DNA des Studios trifft hier auf ein Familienspiel-Plus-Format. Für Käufer:innen, die den Klassiker im 30-Euro-Segment im Regal haben, ist das ein deutlicher Sprung nach oben — in Bauumfang ebenso wie im Preis.

Spielerzahl, Alter, Spieldauer — und die offene Solo-Frage

Die Pressemeldung listet zwei bis vier Spielende und eine Altersempfehlung ab neun Jahren. Der BoardGameGeek-Eintrag setzt das Mindestalter mit acht Jahren ein Jahr niedriger an; wer das Spiel für jüngere Mitspielende plant, sollte sich an Ravensburgers offizieller Freigabe orientieren. Eine Spieldauer kommuniziert der Verlag in der Pressemeldung nicht — laut BoardGameGeek liegt eine Partie zwischen 20 und 60 Minuten. Diese Spannweite stammt aus früher Community-Schätzung; Kampagnen-Sessions mit Dorf-Wiederaufbau und neuen Charakteren dürften eher am oberen Rand liegen.

Auch beim Solo-Modus schweigt Ravensburger. „Labyrinth: Chronicles" wird offiziell als Titel für zwei bis vier Spielende beworben; ein dedizierter Einzelspieler-Modus ist nicht Teil der Verlagskommunikation. Die BoardGameGeek-Community deutet in ihrer Spieleranzahl-Umfrage an, dass sich der Titel solo spielen lässt — die Stichprobe ist allerdings klein und kein Verlagsversprechen. Solist:innen sollten vor dem Kauf prüfen, ob ihnen das Steuern mehrerer Charaktere im kooperativen Modus genügt.

Für die Illustrationen verantwortet Awaken Realms ein vierköpfiges Team um Jakub Dzikowski, Patryk Jędraszek, Ewa Labak und Pamela Łuniewska. BGG schätzt die Komplexität auf 1,80 von 5 ein — das liegt im Familienspiel-Plus-Bereich (zum Vergleich: Carcassonne 1,92, Catan 2,32) und damit unterhalb der klassischen Kennerspiel-Schwelle. Mit Blick auf die Kampagnen-Schichten (Dorfwiederaufbau, neue Fähigkeiten, Charakter-Persistenz) könnte der Wert in der Praxis allerdings eher die Untergrenze als der Median sein, und die BGG-Stichprobe ist für einen September-Titel noch dünn.

Für die Illustrationen verantwortet Awaken Realms ein vierköpfiges Team um Jakub Dzikowski, Patryk Jędraszek, Ewa Labak und Pamela Łuniewska.

Crowdfunding-Erbe: Gamefound-Kampagne und 149 € UVP

Die Gamefound-Kampagne hatten wir im Februar 2026 ausführlich begleitet; sie ist abgeschlossen und laut Pressemeldung mit über 12.000 Unterstützern unterzeichnet. Eine öffentlich nachvollziehbare Auflistung der erreichten Stretch Goals — insbesondere die Trennung zwischen Mechanik-Inhalten wie Zusatzszenarien oder neuen Charakteren auf der einen und Komponenten-Upgrades wie Miniaturen oder Spielmatten auf der anderen Seite — kommuniziert Ravensburger in der jetzt veröffentlichten Pressemeldung nicht; die Gamefound-Kampagnenseite ist zum Redaktionsschluss nicht öffentlich abrufbar. Wer in der Gamefound-Phase nicht dabei war und auf bestimmte Stretch-Goal-Inhalte hofft, sollte die Verpackung im Handel prüfen — bei Awaken-Realms-Titeln unterscheiden sich Crowdfunding- und Retail-Editionen häufig in Komponenten- und Miniaturen-Umfang.

Mit 149 Euro UVP ordnet sich „Labyrinth: Chronicles" deutlich über den rund 30 Euro für den klassischen Familienkracher ein, bleibt aber im üblichen Preissegment für Awaken-Realms-Boxen. Das klassische „Das verrückte Labyrinth" ersetzt die Neuauflage dabei nicht — sie zielt auf einen anderen Abend: längeres Commitment, kooperatives Kampagnenformat statt klassische Sammelpartie. Eine spielerische Einordnung dieses Aufschlags ist ohne Hands-on nicht zu leisten — wir kommen im September darauf zurück.

Herr der Ringe: Schicksal der Gemeinschaft – Leacocks Koop-Saga

19. Mai 2026 um 10:49
Herr der Ringe: Schicksal der Gemeinschaft – Leacocks Koop-Saga

Matt Leacocks Tolkien-Koop ist zurück in der BGG-Hotness: Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft (Originaltitel The Lord of the Rings: Fate of the Fellowship) klettert nach den jüngsten Mittelerde-Ankündigungen wieder nach oben. Das Spiel erschien 2025 bei Z-Man Games, wird also nicht durch eine Neuauflage, sondern durch frisches Interesse rund um Asmodees Tolkien-Lizenz angeschoben.

Worum geht's?

Jede:r Spielende übernimmt zwei Figuren aus dem Umfeld der Gefährten und unterstützt Frodo auf seinem Weg zum Schicksalsberg. Schauplätze, Ereignisse und Gegner wechseln über 24 Szenarien hinweg, dazu kommen 14 Ereignisse und 13 spielbare Charaktere. Mechanisch verbindet Leacock vertraute Pandemic-DNA – Aktionspunkte, Kartenhand-Management, Würfelkonflikte – mit Set-Collection-Elementen und einer „Hoffnung"-Spur, die das Spielende bestimmt: Wer den Ring vor Frodos Verzweiflung ins Feuer wirft, gewinnt. Ein Solomodus ist enthalten.

Schnellfakten

  • Designer: Matt Leacock (Pandemic, Forbidden Island)
  • Illustration: Jared Blando, Cory Godbey
  • Verlag: Z-Man Games (Asmodee-Imprint)
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spielerzahl: 1–5 (auf BGG bestens zu dritt)
  • Spielzeit: 60–150 Minuten
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Mechaniken: Kooperativ, Aktionspunkte, Würfeln, Handmanagement, Set Collection, variable Spielerfähigkeiten, Solo
  • BGG-Bewertung: 8,33 bei rund 8.900 Stimmen, BGG-Rang 87, Thematic-Rang 22 (Stand: Mai 2026)

DACH-Relevanz

Der deutsche Titel Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft ist bei BoardGameGeek bereits hinterlegt; die Veröffentlichung erfolgt über die Asmodee-Schiene mit Z-Man Games. Vor dem Hintergrund der jüngsten Partner-Ankündigungen rund um Asmodees Mittelerde-Lizenz dürfte das Spiel im deutschsprachigen Handel zusätzlichen Schub bekommen.

Unsere Einschätzung

Mit einem BGG-Rang in den Top 100 und einer Bewertung jenseits der 8,3 ist Schicksal der Gemeinschaft kein flüchtiges Hotness-Phänomen, sondern ein bestätigtes Koop-Schwergewicht. Wer auf erzählerische Pandemic-Verwandte steht und mit 60 bis 150 Minuten Spielzeit kein Problem hat, sollte das Spiel auf dem Schirm haben – gerade jetzt, wo Asmodee die Mittelerde-Pipeline öffnet.

Quelle: BoardGameGeek – The Lord of the Rings: Fate of the Fellowship

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VANEA: Guardians of the Eldertree – Forgotten Tales startet Relaunch-Kampagne auf Gamefound

13. Mai 2026 um 15:49
VANEA: Guardians of the Eldertree – Forgotten Tales startet Relaunch-Kampagne auf Gamefound

VANEA: Guardians of the Eldertree ist seit dem 12. Mai 2026 als Relaunch-Kampagne auf Gamefound finanzierbar. Der Düsseldorfer Verlag Forgotten Tales um Florian Molzahn sammelt bis zum 1. Juni 2026 für sein kooperatives Fantasy-Brettspiel mit Tower-Defense-, Erkundungs- und Würfelmechaniken. Das Finanzierungsziel liegt bei 59.000 Euro, am Starttag stehen rund 6.000 Euro von 32 Unterstützenden zu Buche. Das Spiel ist für eine bis vier Personen ab zehn Jahren ausgelegt, eine Partie dauert rund 90 Minuten.

Spielprinzip: Wächter, Elementarmagie und ein verseuchter Wald

Schauplatz von VANEA ist der Elderforest, eine märchenhafte Welt rund um einen mystischen Baum. Als Wächter verteidigst du den Elder Tree gegen Monster, Bosse und die sich ausbreitende „Darkmoon Rot". Im Spielverlauf erkundest du den Wald, sammelst sechs verschiedene Elementarorbs, um die zugehörigen Mächte zu meistern, und schmiedest aus Erzen mächtige Ausrüstung. Magische Orbs schalten neue Fähigkeiten frei, dazu kommt ein elementarer Begleiter pro Wächter.

Das Spiel unterstützt drei Modi: kooperativ gegen das Spiel, kompetitiv gegeneinander oder im Team. Forgotten Tales betont eine hohe Wiederspielbarkeit durch unterschiedliche Wächter, prozedural variierende Monsterjagden und freischaltbare Karten.

VANEA: Guardians of the Eldertree – Forgotten Tales startet Relaunch-Kampagne auf Gamefound
Die Erweiterung „Earth Phoenix" ist ab dem Gameplay-Pledge enthalten. Bildquelle: Forgotten Tales / Gamefound

VANEA-Pledges, Erweiterung und Stretch Goals im Überblick

Die Gamefound-Kampagne bietet vier Hauptstufen mit unterschiedlichem Materialumfang:

PledgeKampagnenpreisUVPUmfang
Core Game69 €85 €Grundspiel mit Pappstandees
Gameplay94 €115 €Core Game plus Erweiterung „Earth Phoenix"
Gameplay deluxe134 €180 €Gameplay plus 65 Premium-Acrylstandees, 200 Holztokens und 42 3D-Edelsteine
VANEA All-in189 €270 €Gameplay deluxe plus Miniaturen-Box mit Wächter- und Elementarbegleiter-Figuren sowie vier Twin-Bases
VANEA: Guardians of the Eldertree – Forgotten Tales startet Relaunch-Kampagne auf Gamefound
Das All-in-Pledge enthält alle Premium-Komponenten inklusive Miniaturen-Box. Bildquelle: Forgotten Tales / Gamefound

Wer einzelne Bestandteile separat hinzufügen will, findet im Pledge-Manager die üblichen Add-ons, darunter den Elder-Tree-Miniature inklusive vier Portalen für 25 Euro und Sprachpakete für Französisch oder Spanisch.

Bei den Stretch Goals greift Forgotten Tales auf eine Treppe ab 70.000 Euro zurück. Geplant sind unter anderem ein neues Loot-Monster per Community-Voting, zusätzliche Elder-Tree- und Fusionskarten, zwei neue Event-Felder mit x2-Effekt sowie eine neue Region ab 150.000 Euro. Ein Double-Layer-Upgrade für den Gameround- und Rot-Tracker schaltet sich bei 130.000 Euro frei. Die Kampagne auf Gamefound läuft noch knapp drei Wochen.

2gether: Kooperative Beutejagd mit Rot-Blau-Maske

Von: ravn
13. Mai 2026 um 00:12

Der kryptische Spieletitel ist dem Umstand der internationalen Version geschuldet. Schwamm drüber, denn dahinter versteckt sich ein kommunikatives Echtzeitspiel im thematischen Gewand eines gemeinsamen Raubzuges. Wären da nur nicht die Laser-Sensoren, die nur jeder Zweite von uns sieht. Auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund kennengelernt und aufgrund seiner Originalität direkt ins Spielerherz geschlossen.

Niemand hat etwas von einem chronologischen Rückblick auf die Spiel DOCH! 2026 in Dortmund erzählt. Ich schon mal gar nicht und deshalb war der Messestand von Piatnik auch meine allererste Station am Freitagmorgen der Veranstaltung in der Westfalenhalle 4 mit dem angenehmen Tageslicht, das für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Eigentlich wollte ich dort ein ganz anderes Spiel erkunden, denn als alter Wortspielfreund hatte ich „Wort im Wort“ auf meinem Zettel. Allerdings wusste ich nicht, dass es sich dabei um eine neue Memory-Variante handelt, die Wortpaare ineinander schachtelt, also Eier-Feier, Lasche-Flasche und Ohr-Rohr. Ok, also diese Kennenlern-Session geschenkt und spontan das ausprobiert, was dort auf dem Tisch lag. Fix und kompetent erklärt und im Audio-Mitschnitt für Euch festgehalten – Ton ab dafür:

Diese Rot-Blau-Masken von 2gether sind schon der Hingucker, wenn wir die auf unserer Nase umgeschnallt haben. Leider dürfen offiziell nur zwei Spieler zusammen antreten. Das grenzt es für mich ein, wann ich dieses ansonsten familientaugliche Spiel der Autoren Arthur Anguilla, Antonin Boccara und Jules Messaud auf den Tisch bekommen könnte. Ich bin da mehr in größeren Spielrunden unterwegs. Aber als Einstieg oder Absacker, wenn die Meute noch nicht eingetrudelt ist oder vorab von dannen zieht, lässt sich der 20-Minuten-Happen gut einschieben. Zumal es dank der Missionsstruktur auch beliebig verlängert werden kann. Ansonsten wechselt Ihr Euch einfach ab, denn schon das Zuschauen mit vollem Durchblick aufs Spielgeschehen macht Laune.

Vier verschiedene Level mit ihren doppelseitigen Raumkarten sind im Spiel und wer es herausfordernder mag, der dreht das Versteck um und sorgt für eine gesteigerte Herausforderung. Anfangs sind wir noch im Herrenhaus unterwegs, bevor wir uns ins Casino wagen und über das Museum uns die Raumstation als Betätigungsort unserer Beutezüge vornehmen. Mit diesen insgesamt acht Spielplänen ist somit Abwechslung garantiert. Mir hat es gefallen, was ich da angespielt habe. Für rund 25 Euro im Handel und auch deshalb eine Empfehlung, wenn Ihr die ungewöhnliche Kombination 2er-Spiele, Zeitdruck, Kooperation und Kommunikation zu schätzen wisst.

Take Time: Mehr als ein Fest und eine Falle für Alphaspieler?

Von: ravn
04. Mai 2026 um 19:13

Das kooperative Kartenablege-Spiel aus dem Hause Libellud wird seit Monaten als mächtiger Spiel des Jahres Kandidat gehandelt. Ich selbst habe den Titel auf der letztjährigen SPIEL in Essen verpasst, danach war der ausverkauft und nun hatte ich auf dem SpieleWahnsinn in Herne endlich die Anspielchance. Denn einen Blindkauf in diesem doch speziellen Genre wollte ich dann doch nicht wagen. Leider bin ich fast so ratlos wie zuvor.

Meine Ausgangsfragen sind eigentlich ganz einfach: Taugt Take Time als Spiel für meine diversen Spielrunden? Macht es gemeinsam Spaß, sodass es wiederholt auf den Tisch kommt? Kann ich es mit unterschiedlichen Mitspielern weiterspielen oder benötige ich doch eher eine feste Gruppe, die sich den aufsteigenden Herausforderungen stellt? Finden Neueinsteiger auch in komplexeren Aufgaben ins Spiel, ohne dabei zum Bremsklotz oder gar Sündenbock zu werden? Meine Erstpartie auf dem SpieleWahnsinn 2026 in Herne sollte mir die Antworten dazu liefern. Der Spieleinstieg war denkbar einfach, weil bestens durch unsere Erklärerin vor Ort vermittelt und hier per Audio-Mitschritt festgehalten:

Die allererste von 40 Aufgaben der der Autoren Alexi Piovesan und Julien Prothièreaus lag vor uns aus. Zukunftsmusik waren hingegen die restlichen 39 Herausforderungen, die aufgeteilt in zehn Kapiteln, jeweils einen neuen Umschlag mit geheimnisvollem Inhalt mitbringen. Und ganz am Ende winkt noch ein „Zeitsprung“-Bonusumschlag, der das Spielgeschehen verlängern soll. Aber wir hatten erstmal genug mit Aufgabe 1 zu tun. Mal eben die zwölf verteilten Karten rund um die Uhr auslegen, sodass am Ende aufsteigende Zahlenwerte dort stehen und zwei kleine Sonderregeln beachtet sind, das sollte doch ein Kinderspiel werden. So dachten wir hochmütig. In der Auflösungsphase kam nach der zweiten aufgedeckten Karte schon die gemeinsame Niederlage für uns. Also doch nicht so einfach und deshalb gleich noch mal probiert. Diesmal klappte es besser und ich zumindest fühlte durchaus den Nervenkitzel, verdeckte Karten abzulegen, ohne sich in dieser Phase gegenseitig absprechen zu können.

Es geht also um Vertrauen untereinander und das Vertrauen darauf, dass jeder von uns weiß, was er zu tun und zu unterlassen hat. Dazu gibt es extra eine taktische Vorbesprechung, nachdem verdeckt zwölf Karten unter uns ausgeteilt worden sind. Blöd, dass die Hälfte des Kartenstapels beiseite gelegt wird und wir mal so gar keine Ahnung haben, welche Zahlenverteilung wir bei uns und bei unseren Mitspielern vorfinden werden. Einzig wissen wir anhand der Kartenrückseite, ob wir schwarze oder weiße Karten bekommen haben. Bei drei weißen Karten in unserer entspannten Viererrunde war mir somit klar, dass ich zwingend drei unterschiedliche Werte haben werde. Hilft das? Keine Ahnung, aber wir haben zumindest in Herausforderung 1 noch beliebig Zeit, das gemeinsam zu diskutieren. Und genau da sind wir eventuell bei dem Knackpunkt des ganzen Spiels angekommen.

Denn diese taktische Vorbesprechung zu Beginn einer Herausforderung entlarvt Mitspieler, die gerne den Takt vorgeben oder schlicht gemeinsame Pläne entwickeln. Eigentlich sollte an diesem Punkt des Spiels eine Diskussion entstehen, wie die kommende Aufgabe bewältigt werden könnte. Schließlich wollen wir kooperativ gewinnen und da ist der beste Plan, der von allen bevorzugte Plan. Aber wer sich überhaupt und wie intensiv daran beteiligen mag, liegt an den Mitspielenden selbst. Alphaspieler wird hierbei Tür und Tor geöffnet, sofern die späteren Herausforderungen die Planungsphase nicht weiter einschränken. Wer sich als Ideengeber oder nur Befehlsempfänger versteht, muss die Spielrunde unter sich ausmachen. Manch einem liegt die eine oder die andere Rolle auch mehr. Solange sich alle damit zurechtfinden können, ist doch alles gut. Und wenn nicht, liegt es dann an dem Spiel mit seinem kooperativen Charakter oder an Einzelnen, die kooperieren mit bestimmen verwechseln?

Somit steht und fällt Take Time mit der Spielrunde. Haben alle am Tisch den gleichen Ehrgeiz, sich in die Herausforderung reinzudenken? Ein einziger Spieler reicht aus, der das alles nicht recht verstanden hat oder auch nur weniger Lust verspürt, mitzuplanen und im späteren Ausspielen auch mitzudenken, um die Herausforderung für alle scheitern zu lassen. Spielrunden, die hier Schuldzuweisungen verteilen, sind wohl ebenso die falsche Zielgruppe wie solche, die sich nur Schulter zuckend anschauen und den eigentlichen Spielreiz in Take Time nicht sehen.

Wir in unserer Viererrunde hatten im zweiten Anlauf diese allererste und einfachste Aufgabe gelöst. Ich fand das durchaus spannend, schloss mich in unserer Nachbesprechung aber der Mehrheitsmeinung an, dass im direkten Vergleich Bomb Busters doch besser und gehaltvoller wäre. Den potenziellen Kauf hatte ich zu dem Zeitpunkt abgeschrieben. Nur wollte mich Take Time in den kommenden Stunden nicht so recht loslassen. Da hat irgendwas an meinem Spielernerv genagt, der mir zuflüsterte, dass dieses kooperative Kartenablege-Spiel noch mindestens eine weitere Chance verdient hätte. Und genau deshalb bin ich nun auf der Suche nach dem besten Angebot für Take Time, obwohl vorab so vieles dagegen sprach. Spricht das doch für einen potenziellen Spiel des Jahres Kandidaten?

Take Time

26. April 2026 um 13:13
Spiele über Zeit haben ja oft ein Problem: Entweder sie fühlen sich gar nicht danach an, oder sie werden schnell stressig. Take Time (Alexi Piovesan & Julien Prothière / Libellud) geht einen anderen Weg. Hier wird Zeit nicht gemessen, sondern gemeinsam gebaut. Klingt erstmal ein bisschen seltsam, ist aber im Kern ein kooperatives Kartenspiel mit ziemlich klarer Idee. Und wie so oft bei kooperativen Spielen gilt: Reden hilft. Also wird es natürlich verboten.
 
 
 
 
 
 
Die Uhr ist kaputt  
Uns geht die Zeit aus… im wahrsten Sinne des Wortes. Denn zu Beginn einer Partie Take Time liegt zwar eine Uhr vor uns, allerdings fehlen die Zahlen. Hier kommen wir ins Spiel. Denn kooperativ müssen sechs Felder mit Zahlen gefüllt werden. Dafür stehen uns stets 12 Karten zur Verfügung, die zufällig aus einem Stapel weißer und schwarzer Karten und Werten von 1 bis 12 gezogen werden. Nacheinander legen wir eine Karte an ein Uhrensegment an, üblicherweise verdeckt, vereinzelt auch offen. Liegen alle Karten, wird geprüft, ob wir die Aufgabe erfüllt haben. Was das genau bedeutet, das ändert sich von Uhr zu Uhr. Anfänglich müssen die Summen der einzelnen Segmente aufsteigen oder an einem Segment muss eine bestimmte Zahl an Karten liegen. Schnell darf der Höchstwert einzelner Felder 24 nicht übersteigen, kniffligere Aufgaben folgen.
 
 
Zeit für neue Probleme 
Apropos kniffligere Aufgaben. Take Time geht über insgesamt 40 Level, verpackt in zehn Umschläge. Ständig werden neue Konzepte eingeführt, die Aufgaben unterscheiden sich spürbar voneinander. Und damit wir auch später noch eine Chance haben, dürfen wir uns vor Beginn der Partie absprechen. Prinzipiell kann hier jede beliebige Strategie vereinbart werden. Auf das Feld nur Einser und Zweier… hier spielt nur wer viele hohe Karten hat und das Feld da hinten, da kommt einfach alles darauf was übrig ist. Sobald die Partie beginnt, ist allerdings Stille angesagt… und wir merken schnell, dass selbst die beste Absprache an den Karten scheitern kann. Doch auch dafür hat Take Time einen Ausgleich. Denn nach einer verlorenen Runde dürfen wir im Folgeversuch eine weitere Karte offen spielen. So schaffen wir es irgendwann dann eben doch, auch die späteren Umschläge zu öffnen. 
 
 
Fazit 
Das Prinzip, mit eingeschränkter Kommunikation gemeinsam eine Aufgabe zu lösen, ist alles andere als neu. Und so erinnert Take Time an ähnliche Vertreter vergangener Jahre, bietet aber durchaus neue Ideen. Die beliebig umfangreiche Absprache im Vorfeld etwa, ändert die Herangehensweise spürbar. Wesentliche Schritte finden bereits vor der ersten Karte statt. Gleichzeitig bleiben genug Unwägbarkeiten, damit auch die Partien selbst ihren Reiz entfalten. Stets hofft man, die Mitspielenden mögen verstehen, warum man genau diese Karte offen spielt – und ist irritiert, wenn die Sitznachbarin an dieser Stelle eine verdeckte Karte ablegt. Wie bei vielen Spielen dieser Art ist es unerlässlich, sich langsam heranzutasten und einen gemeinsamen Weg zu finden. Die Vielzahl immer anspruchsvollerer Missionen sowie der kleine Ausgleich bei Niederlagen bieten dafür einen passenden Rahmen. Jeder Umschlag bringt neue Herausforderungen, während die Regeln erst nach dem Öffnen erklärt werden und so den Einstieg erleichtern. 
 
Dennoch kommt es bei Take Time nicht nur auf Verständnis oder Taktik an. Gerade die späteren Missionen erfordern oft auch eine gute Portion Glück. Denn selbst der beste Plan scheitert, wenn die falschen Karten auf der Hand sind. Während man anfangs noch taktisch nachjustiert, werden spätere Level oft so lange wiederholt, bis es passt – was sich nicht immer befriedigend anfühlt. Gerade wenn die Karten überhaupt nicht passen wollen, kann Frust entstehen. Entsprechend konnten mich nicht alle Level überzeugen. Das schmälert den Gesamteindruck, dennoch gefällt Take Time und ich nehme mir gerne Zeit für eine weitere Partie.
 

 

Deckers – Eingedeckt und reingehackt (Rezension)

24. April 2026 um 09:00

Hacktivismus für Planungsnerds. Das kooperative Expert*innenspiel Deckers lockt mit vielen durchdachten Mechaniken und vielen unterschiedlichen Szenarien. Als einer von maximal vier Hacking-begabten Decker*innen kämpfen wir gegen supermassive Computer, die die Menschheit unterdrücken wollen. Auf Spielende wartet ein komplexes Deckbuilding-Spiel mit Area-Control-Elementen.

Dieser Beitrag wurde von Maximilian Lentes geschrieben

Wyrmhunt – Würfel und wilde Neunziger-Vibes (Vorschau)

22. April 2026 um 15:18

Wyrmhunt von Woodpecker Games will das Gefühl klassischer Neunziger-Rollenspiele auf den Spieltisch bringen. Kooperativ, mit Pixelart und einer Würfelmechanik, die uns in unserer Anspielsession nicht mehr losgelassen hat. Wir konnten eine frühe Version mit dem Designer spielen und erzählen, warum es uns in Erinnerung bleibt.

Dieser Beitrag wurde von Tim Billen geschrieben

Deckers

Von: Krys
12. April 2026 um 19:52

Deckers ist ein kooperatives Cyberpunkspiel für ein bis vier Personen. Die Spieler übernehmen die Rolle sogenannter Decker, die sich in ein digitales Netzwerk einklinken, um einen übermächtigen Supermassiven Computer zu sabotieren. Das Spiel ist klar als anspruchsvolles Expertenspiel angelegt. Thematisch

The post Deckers first appeared on Spiele-Akademie.de.

Dragon Eclipse

Von: Bill
11. April 2026 um 08:00

Ich muss sagen, ich habe eine schier endlose wirkende Odyssee des Wartens auf dieses Spiel hinter mir (Horst und Björn können mein Klagelied wahrscheinlich mittlerweile auswendig mitsingen), als hätte ich auf die Sonnenfinsternis durch die Zwillingsmonde selbst gewartet – was natürlich eine Anspielung auf das Namensgebende Ereignis des Spiels ist. Dieses erreichte mich mehr als ein Jahr nach Erscheinen der englischen Version und damit fast ein viertel Jahr nach Beginn der deutschen Auslieferung. Daher lautet nun die Frage: Kann es mich noch immer überzeugen? Konnte es das überhaupt von Anfang an? Kann es meine Erwartungen erfüllen, wenn ich dafür auf einen Einstieg in das Magic-System verzichtet habe und man einen Pokémon-Ableger erwartet? Schauen wir uns mal meine Ersteindrücke an!


Steckbrief

SpielDragon Eclipse
VerlagAwaken Realms
Veröffentlichung2025
IdeeAndrzej Betkiewicz, Kamil ‚Sanex‘ Ciesla, Wojciech Frelich
IllustrationBozena Cadzyriska, Lukasz Cywinski, +8 mehr
Rating (BGG)8,4 (ca. 1.300 Ratings)
Komplexität (BGG)Kennerspiel
SpielweiseKooperativ oder Solo (wohl der Spielkern), Kompetitiv
MechanikenDeckbuilding, kartenbasiertes Kampfsystem, Mystlingfähigkeiten ausprobieren

Eindruck von der Bühne

Die Welt wurde niedlich gezeichnet und wird narrativ ebenso süß dargestellt. Man stellt einen der vielen Bändiger von Kreaturen dar, die in etwa der Welt von Pokémon entspringen könnten. Bei dem Hauptspiel handelt sich im Kampagnenmodus den man alleine spielt mit der Möglichkeit kooperativ zu zweit im Kampf gegen andere Kreaturen, sogenannte Mystlinge anzutreten. Wobei die zum Teil fluffig-niedlich illustrierten Gegner gegen ein Spieler-Duo natürlich um einiges stärker sind. Allerdings bemerkt man an allen Ecken und Enden, dass die Welt eigentlich für nur einen Bändiger geschrieben wurde, gehen die Texte doch immer nur auf eine Person ein. Ich stelle es mir aber auch beinhart vor, einen romanlangen Text zu schreiben der sowohl per Du wie auch im Plural funktioniert ohne dabei seltsam gestellt zu wirken. Also Schwamm drüber, das ist schon in Ordnung. Mit dieser kleinen Einschränkung kann man sich doch arrangieren.

In der Kampagne ist man also wie angedeutet sehr viel Text ausgeliefert. Ich mag das persönlich gerne, aber man muss sich klar darüber sein, dass die zum Teil sehr langen Passagen einen Großteil der Spielzeit ausmachen. Immer wieder kommt man auf wirklich schön gestaltete Kartenelemente mit Verweisen in das Skript, zum Untersuchen des Standortes und lösen von kleineren Rätselelementen. Kleine Talentproben tauchen immer mal wieder auf. Sie folgen dabei stets einem mechanisch recht einfachen Muster, ohne Bezug auf irgendwelche Eigenschaften, die man auch einfach nicht besitzt. Es handelt sich dabei eher um ein Push-Your-Luck-Element, das man mit der Ausrüstung gelegentlich beeinflussen können.

Caerberg, unsere niedliche Heimatstadt – der erste Ort. Hier beginnt das Spiel

Das Mechanisch wichtigste Elemente, welches den Kern des Spiels ausmacht, ist jedoch die Arena. In der Geschichte treffen wir dabei immer auf verängstigte oder ihr Revier verteidigende Mystlinge, welche dann gegen unsere gebändigte Lieblingskreatur antreten muss. Der Kampf folgt dabei einem recht einfachen Kartenmechanismus: Man hat stets drei Karten auf der Hand und zieht am Anfang der Runde eine Karte und nimmt Kraftpunkte, welche in genügender Anzahl z.B. die Sonderfähigkeiten unseres Schützlings auslösen können. Danach spielt man eine Karte aus. Diese haben eine große Menge an unterschiedlichen Effekten. Wer Spiele wie Pokémon oder Magic kennt, wird sich hier recht schnell wiederfinden. Es gibt bislang stets drei mögliche Enden eines solchen Kampfes: man verliert, man gewinnt oder das Wesen kann gebändigt werden. Letzteres will man natürlich erreichen, da so die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Mystlinge vergrößert wird.

Die Kartenauslage einer spielenden Person.

Wie bei Awaken Realms wohl üblich, wird das Spiel mit einer übergroßen Box und weiteren Spielmodi ausgeliefert. Es gibt den reinen PvP-Arenamodus, in dem zwei Spieler jeweils eine der bislang freigestalteten Kreaturen gegeneinander antreten lassen. Hierbei fühlt man sich den genannten Trading-Card-Spielen wohl am Nächsten. Dazu kommt noch ein Rouge-Lite-Modus, hier muss man alleine einem Pfad folgen und so vielen Kämpfe wie möglich siegreich hinter sich bringen, wie man kann.


Groupie auf Tour

Die Geschichte erscheint eher generisch ist aber gut geschrieben. Es wird wohl nicht sehr episch sondern beschreibt eher den Weg durch die Welt um einen Mystling nach dem anderen freizuschalten und dabei dessen Fähigkeiten kennenzulernen. Daran wird sich wohl kaum etwas ändern, zumindest gehe ich nicht davon aus. Aber es regt meine Neugier ausreichend an um es wieder und wieder spielen zu wollen, besonders, da es das Spielinteresse meine jüngeren Tochter wieder aktiviert hat, was mich doch sehr glücklich macht. Die Arenakämpfe benötigen ausreichend Taktik um Spannung am Tisch zu erzeugen. Eine ausführlichere Rezension wird wahrscheinlich aber nicht folgen. Ich habe oben bereits fast alles zur Mechanik gesagt und alles weitere birgt nur eine Gefahr von Spoilern der Geschichte.

Kurzfazit: Das Spiel gefällt meiner Tochter und mir tatsächlich gut und wird weitergespielt. Der Nachfolger, ein eigenständiges Spiel mit neuer Story aber der selben Mechanik wurde auf Gamefound bereits von mir unterstützt.


Konzertmitschnitte

Sich vergrößernde Weltkarte
Spielerauslage
Unsere beiden Haudegen
Kampfpanorama
Der Emberling gegen das Firple
Gegnerkarten
Caerberg – Startumgebung

Hintergrundbild by Awaken Realms

Disney Lorcana: Luminari Chroniken: Überfall auf den Palast

Von: Andreas
08. April 2026 um 00:30


Was passiert, wenn ein klassisches 1v1-TCG plötzlich kooperativ wird?

Palace Heist liefert darauf eine überraschend klare Antwort – und fühlt sich dabei deutlich mehr nach eigenständigem Spielerlebnis an als nach bloßem Zusatzmodus.

Ein Bosskampf im Lorcana-Gewand

Im Kern bleibt alles vertraut: Ink generieren, Charaktere ausspielen, Lore sammeln. Doch anstelle eines menschlichen Gegners übernimmt hier Jafar die Rolle des Widersachers – gesteuert durch ein automatisiertes Deck. Das funktioniert erstaunlich rund. Jafar baut Druck auf, entwickelt sein Board und sorgt konstant für Bedrohung, ohne dass sich das Spiel „mechanisch“ anfühlt.

Das Herzstück ist dabei die Hexwell Crown. Sie generiert Lore – allerdings nur für den Spieler, der sie kontrolliert. Genau daraus entsteht das zentrale Spannungsfeld: Ein permanentes Tauziehen um die Krone. Wer sie hält, kommt dem Sieg näher. Wer sie verliert, gerät sofort unter Druck. Das sorgt für ein sehr klares Zielgefühl und verleiht dem Spiel fast schon die Dramaturgie eines Bosskampfes.


Plötzlich ein Teamspiel

Der größte Unterschied zum klassischen Lorcana zeigt sich im Spielgefühl: Ihr spielt gemeinsam. Und das überraschend harmonisch. Züge greifen ineinander, Synergien entstehen ganz automatisch und Entscheidungen werden oft im Team getroffen. Das nimmt dem Spiel die typische „Du gegen mich“-Schärfe und ersetzt sie durch ein gemeinsames Taktieren. Interessant ist dabei, dass sich Lorcana plötzlich zugänglicher anfühlt. Gerade für Gruppen, die sonst vielleicht Berührungsängste mit kompetitiven TCGs haben, öffnet sich hier eine neue Tür. Gleichzeitig bleibt genug Tiefe erhalten, damit erfahrene Spieler weiterhin optimieren, planen und kombinieren können.

Zwischen Kontrolle und Chaos

Trotz des kooperativen Ansatzes bleibt Palace Heist ein echtes Lorcana-Erlebnis – inklusive Varianz. Je nachdem, welche Karten Jafar zieht, kann das Spiel schnell kippen. Mal wirkt alles kontrollierbar, mal eskaliert die Situation plötzlich. Das sorgt für Spannung, kann aber auch frustrieren, wenn eine Partie gefühlt „aus dem Nichts“ verloren geht. Gleichzeitig passt genau dieses Element erstaunlich gut zum TCG-Charakter des Spiels. Wer Lorcana kennt, wird sich hier sofort zuhause fühlen.

Produktion und Einstieg

Die Box selbst hinterlässt einen sehr wertigen Eindruck. Spielbrett, Mechaniken und vorbereitete Decks vermitteln das Gefühl eines vollständigen Spiels. Auspacken, aufbauen, loslegen – das funktioniert. Ganz ohne Einschränkung ist das aber nicht: Palace Heist erklärt die grundlegenden Lorcana-Regeln nicht. Wer komplett neu einsteigt, muss sich diese vorher aneignen. Für erfahrene Spieler ist das kein Thema, für Einsteiger kann es eine kleine Hürde sein.

Fazit

Palace Heist ist kein simpler Zusatz – es ist eine spannende Erweiterung der Lorcana-DNA. Das Spiel schafft es, aus einem kompetitiven Kartenspiel ein kooperatives Erlebnis zu formen, ohne dabei an Identität zu verlieren. Es spielt sich anders, fühlt sich aber trotzdem vertraut an. Und genau darin liegt die große Stärke: Lorcana funktioniert hier nicht trotz des kooperativen Ansatzes – sondern gerade deswegen. Für Fans ist das ein Pflichtkauf. Für alle anderen vielleicht der interessanteste Zugang, den Lorcana bisher geboten hat.
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Disney Lorcana: Luminari Chroniken: Überfall auf den Palast
Erschienen bei Ravensburger
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 45 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Ravensburger)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision

Sword & Sorcery

Von: Horst
28. März 2026 um 08:00

Der Pen-and-Paper Killer?

Als ich merkte, dass es immer schwerer wird eine Rollenspiel-Gruppe für Dungeons & Dragons oder ähnliche Systeme zu finden beziehungsweise die Zeit für Vor- und Nachbearbeitungen zu knapp wird und irgendwie auch kaum eine Kampagne zu einem würdigen Abschluss gelangt, musste etwas Neues her. Das war für mich die Zeit als ich Descent – Die zweite Edition gekauft habe. Da musste ich schnell erkennen, dass die Vorbereitungszeit, die man vorher alleine gemacht hat, nun gemeinsam damit verbringt komplizierte Landschaften aufzubauen und komplexe Regeln zu erläutern. Außerdem gab es in meiner Edition noch den einen Overlord gegen den Rest. Während im Rollenspiel die spielleitende Person für einen unvergesslichen Abend sorgt, ging es bei Descent um Sieg oder Niederlage der Heldengruppe oder des Overloards. Dann kam die Rückbesinnung auf die Kindheit und Hero Quest ist wieder eingezogen. Einfach und schnell sollte es sein. Einfach ein bisschen Dungeon Crawler Feeling. Hero Quest bleibt zwar für mich persönlich ein Kultspiel, aber es ist doch arg in die Jahre gekommen und sehr weit weg von dem Rollenspiel-Gedanken. Durch die App-Unterstützung können wir wenigstens auf der selben heroischen Tischseite sitzen.

Ich spiele dann mal einen Barbaren.

Timo ist derweil wieder komplett auf dem Pen-and-Paper-Trip und ich kann den Wunsch gut nachvollziehen. Ich könnte eine ewige Debatte mit mir selbst führen, was so viel besser (und was so viel schlechter) beim Rollenspiel im Vergleich zum Brettspiel ist. Auf jeden Fall nährt der Wunsch nach einem guten Ersatz immer noch mein Herz. Gloomhaven habe ich ausgelassen, Frosthaven spiele ich dank Bill. Aber das epische Spiel ist eben wieder auch ein Commitment auf lange Zeit. Schließlich war es Timo, der Sword & Sorcery mit leuchtenden Kinderaugen an den Spieltisch angeschleppt hat. Und eines kann ich vorweg sagen, so viel Licht und Schatten, Freude und Leid hab ich lange nicht mehr bei nur einem Brettspiel erlebt.

Steckbrief

SpielSword & Sorcery: Die alten Chroniken
VerlagAsmodee (Ares Games)
Veröffentlichung2021
IdeeSimone Romano, Nunzio Surace
IllustrationMario Barbati, Fabrizio Fiorentino und weitere
Rating (BGG)8.3
Komplexität (BGG)4.31 (Expertenspiel)
SpielweiseKooperativ
MechanikenDungeon Crawler, Rollenspiel-like (Würfel, Charakter-Leveln,…)

Spielprinzip

Unsere Charaktere sind Geistergestalten und erwachen inmitten ihrer Welt ohne Erinnerung und ohne ihre besonderen Fähigkeiten. Später erfahren wir, dass wir einst große Krieger und Kriegerinnen waren und uns nichts so schnell aufhalten konnte. Nun als frisch geschlüpfte Ex-Geister können wir froh sein, dass wir passende Kleidung und Waffen unser eigen nennen dürfen. Mit den zusätzlichen Erweiterungen können wir darüber hinaus noch Freund- und Liebschaften untereinander auswürfeln. Rein regelmechanisch können wir uns dann besser unterstützen. Ansonsten spielt sich der Akt der Libido primär in den Gedanken der Mitspielenden ab, da dies auf nüchternes Würfelgeklappere reduziert wird.

Dungeon von oben. Jedes Setting ist komplett anders.

Die Hintergrundgeschichte weist auf eine böse Elfen-Königin hin, die das gesamte Unterreich in ihren Händen hält und das nötige Feingefühl im Umgang mit ihren Untergegeben (oder gar uns) vermissen lässt. Die ambitionierte Rettung der Unterwelt geht über elf Szenarien, von denen je nach Absprung nicht alle, aber mindestens neun gespielt werden.

Grundsätzlich bewegt sich die Gruppe über eine Landkarte in der Untergrundwelt von Abenteuer zu Abenteuer. Manchmal werden diese mit einem Besuch in einer Stadt unterbrochen. Hier lässt sich das eroberte Geld in Ausrüstung stecken, neues Geld erspielen, ein bisschen Hintergrundstory einsammeln oder auch einen Vorteil für das nächste Abenteuer erarbeiten. Die Städte lockern das Gemetzel etwas auf, fühlen sich für mich oft nach langweiligen Zeitfressern an. Das wäre in der Regel nicht so schlimm, wenn nicht schon ein Szenario mindestens drei Stunden Zeit in Anspruch nehmen würde. In unseren Szenarien haben wir meist über fünf Stunden gespielt. 5-Minute Dungeon ist das nicht gerade. Da ist dann eine eingeschobene Stadt nach einer so langen Partie oftmals ermüdend.

Aber der Reihe nach. Diese epische Spiel bedarf einer ausführlicheren Erläuterung. Beginnen wir also im …

… Dungeon

Würfel und Gruppen-Erfahrungspunkte.

Denn darum geht es in den Abenteuern. In einem Kampagnenheft wie es auch aus Frosthaven bekannt ist, beschreibt einen Startaufbau. Dazu werden meist nur ein paar der sehr schön illustrierten Plättchen auf den Tisch gelegt und ein zweiter Stapel zur Seite parat gelegt. In der Aufbauanleitung werden auch Monsterchips platziert. Die werden bei Sichtlinie umgedreht und zeigen an, wie viele und welche Art Monster erscheinen können. Aus einem eigens für das Abenteuer aufgebauten Monsterdeck werden diese dann gezogen. Durch die zufällig platzierten Monsterchips ist jedes Erleben immer wieder anders. Ähnlich verhält es sich mit Schatztokens und dazugehörigem Deck. Der vermeintliche Wiederspielwert bezieht sich dabei nicht nur auf ein theoretisches Irgendwann-spiele-ich-das-nochmal, sondern — und das ist gelungen — auch bereits bei einem gescheiterten Versuch. Das ist schon mal ein dicker Pluspunkt für S&S.

Werfen wir einen tieferen Blick in das Gewölbe. Die großen Dungeon-Plättchen kommen in der Regel nur bei einem bestimmten Abenteuer ins Spiel, da sie auf das Szenario angepasst illustriert sind. Es gibt also nicht wie in anderen Vertretern einen dichten Einheitsbrei und viel Phantasie, dass ein See auch ein Eismeer sein könnte. Die kleineren Teile sind oftmals Lückenteile. In den Szenarien geht es dabei recht kreativ zu. So muss beispielsweise auch mal eine Brücke zwischen den Plättchen durch eine kleine Quest „gebaut“ (aka freigespielt) werden oder es kann ein optionaler Geheimgang entdeckt werden, der eine Abkürzung mit anderen Platten gebaut ergibt.

Sword & Sorcery kommt komplett ohne App aus. Die Abenteuer sind trotzdem sehr unterschiedlich und abwechslungsreich im Aufbau. Übrigens lassen sich alle Quests auch ohne Kampagne spielen. Dafür gibt es immer eine kleine Anleitung, welche Gegenstände oder Fähigkeiten die Gruppe haben sollte.

Helden und Steigerung

Apropos Gruppe. Neben dem Dungeon sind die Charaktere natürlich das Zweitwichtigste. In der Grundbox Die antiken Chroniken sind vier Charaktere dabei, die zusammen eine klassische Party bilden. Wir haben die meisten Szenarien zu dritt bestritten und bestanden aus so etwas wie ein Krieger, Klerikerin und Waldläuferin. Spannend ist noch, dass sich die gesamte Gruppe für eine Gesinnung, wie aus Dungeons & Dragons bekannt, einigen muss. Die Gesinnung sorgt nicht nur für unterschiedliche Charakterentwicklung, Nutzbarkeit von Gegenständen und Ausgangsfähigkeiten, sondern einige Entscheidungen und Abläufe in den Szenarien sind abhängig von der Gesinnung. Manchmal ist dadurch der Weg vorgeben oder es wird anstrengender mit einer bestimmten Gesinnung. Wir haben die chaotische Truppe genommen. Bei einigen Entscheidungen oder Prüfungen, waren wir am Überlegen, ob das eine gute Idee für den Start war.

Heldenhaftes Tableau. Links Ausrüstung. Rechts Effekte, die sich mit der Zeit wieder aktivieren.

Innerhalb der Kämpfe gibt es Seelenränge, die wir als Gruppe bekommen. Diese lassen sich ausgeben, um bei einzelnen Charakteren einen Stufenanstieg durchzuführen. Der wird dann auch sofort ausgelöst, was manchmal auch bitter nötig ist. Beim Stufenanstieg werden Charakter-individuell die Lebenspunkte, Anzahl Aktionen und möglicherweise Anzahl an Talenten und Fähigkeiten freigeschaltet. Die beiden zuletzt genannten Verbesserungen werden wieder durch Karten symbolisiert, die ab dann genutzt werden können. Während die Talente aus einem gemeinsamen Pool stammen, sind die Fähigkeiten abhängig von der Klasse und der gewählten Gesinnung. Mein chaotischer Krieger entwickelte sich immer mehr zum wahren Monsterschreck, der bei etwas Würfelglück die Wände mit einem Angriff rot einfärben konnte.

Der Charaktertod ist Teil unserer Geistergeschichte. Wir sterben nicht, sondern werden als Geister wieder-„geboren“ und müssen zu einem Altar im Dungeon, um wieder unsere irdische Hülle anzunehmen. Dabei verlieren wir allerdings eine Charakterstufe. Ja, richtig gelesen. Eine ganze Charakterstufe. In dem Grundspiel kann man sich nur bis Stufe vier hocharbeiten und in einem Abenteuer bin ich drei mal hintereinander gestorben. Da kommt Frust auf. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir taktisch schlecht gespielt hatten, Fortuna zu oft Pause gemacht hat oder die Level wirklich Bein hart sind. Gegen Ende unseres Ausflugs in die Unterwelt haben wir dann einmal handgewedelt, dass wir keine Stufen verlieren (offizielle Regel zur Erleichterung). Da war dann mein Charakter so stark, dass ich überall die Wände mit dem Blut der Monster bestrichen habe.

Monster

Monster!

Fast enttäuschend wenig unterschiedliche Figuren sind in der Box enthalten und bereits nach wenigen Abenteuern hat man alle mal auf der Spielfläche gehabt. Aber die haben es trotzdem in sich. Zum Monster mit seinem ganzen Areal an Spezialeigenschaften können noch zusätzliche Karten gezogen werden, die dann noch mal die extra Würze in der blutroten Sauce werden. Es machte auch Spaß, dass man bei steigender Kampagnenerfahrung die Monster von ihren Grundangriffen her immer besser kannte und schon klar war, welches als erstes angegriffen wird.

Die Monster kommen mit einer eigenen Spielkarte, die die Regeln erläutert. Daher die Regel, dass die Person, die ein Monster aufdeckt oder als erstes sieht, die Karte bekommt und nun das Monster zu verwalten hat. Das ist eine sehr ratsame Regel, da es viele Effekte und Dinge zu berücksichtigen gibt.

Mehr Monster! Verschiedene Farben, verschiedene Stufen.

Wer auf so eine Art von Management überhaupt nicht steht, hat es schwer bei S&S. Für die Rollenspielenden unter uns werden die Monster deutlich vielschichtiger als bei stumpferen Umsetzungen. Auch wenn ich mittlerweile deutlich tiefer in Frosthaven eingetaucht bin, ist die Monstertiefe bei S&S deutlich höher.

Story

Zu Beginn ist die Story noch etwas konfus. Liegt vielleicht auch an der Genre-untypischen Verdrehung, dass die Elfen mal nicht die Lieben sind. Die Story ist grundsätzlich gut, ist aber stereotypisch in Gut und Böse unterteilt. Was ich persönlich gut fand, dass der aktuelle Fortschritt in der Geschichte sich in den Missionen widerspiegelt. So hatten wir Mission, wo wir einem Nicht-Spielercharakter Begleitschutz gebend, mal Gegenstände durch den Dungeon schleppen, während wir angegriffen waren.

Leider ist auch die eigentliche Story der Helden und Heldinnen eher unrepräsentiert. Wir erwachen als Geister und waren früher einmal krasse Charaktere? Warum ist das so? Was war die Hintergrundgeschichte vom Krieger? Warum konnten wir zu Geistern werden? Es wird zwar aufgelöst, aber da wäre meiner Meinung mehr drin gewesen.

Bewertung

Sword & Sorcery ist ein wahres Heavy Metal Rockfestival. Fantasy-Gemetzel in bester D&D Manier. Unsere Charaktere sind stereotypische Archetypen, die einzelnen Abenteuer in ihrer Länge nicht hinter einer Rollenspiel-Session verstecken. Fluch und Segen zu gleich. Innerhalb eines Abenteuers gibt es keine Speicheroption. Dafür sind die Abenteuer sehr unterschiedlich in ihrer Missionsvielfalt gestaltet. Selbst ein reines Überlebensszenario kann auf einmal spannend werden, wenn man in einer Arena landet und plötzlich vor der Wahl steht einen NSC vor dem tobenden Publikum zu töten oder zu verschonen. Für genügend Twists wird gesorgt.

Wir sind eingesperrt (beziehungsweise ausgesperrt).

Genauso abwechslungsreich sind auch die Dungeonaufbauten. Das liegt insbesondere an dem fast verschwenderischen Gebrauch der Dungeon-Platten. Gerade die großen sind nur für ein besonderes Abenteuer gedacht. Durch die stimmige Illustration kommt tolle Stimmung auf.

Wo Schwert ist, ist auch Zauber würde mein Krieger sagen. Oder allgemeiner formuliert wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Charaktertod und erneute Wiedergeburt als Geist ist Teil des Spielkonzeptes. Leider verliert der Charakter dadurch eine Stufe — mit allen Konsequenzen. Dadurch wird es leichter gleich wieder zu sterben. Wer möchte, kann dies zumindest mit einer offiziellen Regelerleichterung umgehen. Tatsächlich hat diese Erfahrung das Spiel für uns unterschiedlich getrübt. Dem einen hat die Herausforderung gefallen und es als Ansporn für bessere Taktik und Zusammenarbeit gesehen, während es auf der anderen Seite des Spieltisches zu traurigem Kopfschütteln geführt hat.

Ferner ist es genauso unbefriedigend, dass man in einem Abenteuer reichlich Geld gescheffelt hat und damit ein Rüstung oder Waffe aufbessern kann. Leider gilt dies nur für ein Abenteuer. Gewöhnt euch also nicht allzu lange an den Glanz der neuen Rüstung. Rüstungen ist ein gutes Stichwort: gute Rüstungen geben mehr Verteidigungswürfel. In der Praxis hilft es kaum, um kleinen Schaden zu verhindern. Man darf nämlich nie alle Würfel würfeln, sondern gegen jeden potentiellen Schaden immer nur einen. Damit gibt es kaum Gelegenheit das Würfelglück mit mehr Würfel auszugleichen. Viele kleine Gegner mit mehr Schaden sind damit oft tödlicher als nur ein einzelner großer Mob.

Am Ende muss dann noch die Spielzeit eines Szenarios betrachtet werden. Durch das taktische Stellungsspiel, viel Symbolik und den Spezialfähigkeiten der Monster dauert ein Szenario einfach lang. Die erprobten Rollenspielenden lächeln nur Müde bei Spielzeiten von vier Stunden plus und hocken das nach Feierabend bis ein Uhr morgens locker ab. Die Brettspielenden überlegen sich dafür ein Wochenende in weiter Ferne einzuplanen.

Am Ende bleiben bei mir zwei silberne Schwerter übrig. Wer für Dungeons im wahrsten Sinne des Wortes gern durch die Hölle … äh… Höhlen … geht, lange Spielzeiten kein Abbruch darstellen und darüber hinaus auch mit dem Heldentot zu leben gelernt hat (okay der war schlecht), findet in Sword & Sorcery einen neuen Endboss.

Ich freue mich schon, wenn wir es in auf dem Teburu-Brett noch ein weiteres Mal antesten werden.


(c) Copyright Asmodee
Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Bildergalerie

Cozy Stickerville

15. März 2026 um 09:05
Siegpunkte sammeln, Gegner besiegen, die Ziellinie zuerst erreichen… kurz: Gewinnen. Fast alle Spiele lassen sich schlussendlich auf dieses Ziel reduzieren, selbst kooperative Spiele sind nur selten eine Ausnahme. Aber es gibt sie. Jene Spiele, die das Spielen, das Erleben selbst in den Vordergrund stellen. Bei Cozy Stickerville (Corey Konieczka / Unexpected Games) wird nicht optimiert, nicht konkurriert und schon gar nicht gewonnen. Stattdessen klebt man Sticker, erlebt Geschichten und erfreut sich am Erblühen des gemeinsamen Dorfes. 
 
 
 
 
 
 
 
Ein leeres Dorf und ein Stapel Karten
Trotz des idyllischen Settings beginnt Cozy Stickerville direkt mit einem handfesten Skandal. Unser Vater ist mit unseren bisherigen Lebensleistungen nicht zufrieden, schmeißt uns raus und vermacht uns nur ein armseliges Stück Land mit viel Grünfläche, einem Fluss und ein paar Büschen: Den Spielplan. Zehn Jahre (Partien) haben wir nun Zeit, dort ein blühendes Dorf zu errichten. Dabei läuft jedes dieser Jahre nach dem gleichen Schema. Über mehrere Runden ziehen wir Ereigniskarten, die Situationen in unserem Dorf beschreiben. Von unerwarteten Besuchern über Katastrophen bis hin zu erfreulichen Wendungen ist hier alles vertreten. Häufig geht das Ereignis mit neuen Gebäuden, Einwohnern oder Dekoration einher. Hier kommen die Sticker ins Spiel, die auf den Plan geklebt werden und unsere anfängliche leere Landschaft vor unseren Augen erblühen lassen. Doch die Sticker beglücken nicht nur das Auge, sie bieten im Anschluss auch Optionen.
 
 
Alles blüht und gedeiht
Nach jeder Ereigniskarte dürfen wir eine Aktion ausführen. Von Anfang an sammeln wir Nahrung, fällen Holz, sprechen mit Einwohnern oder gehen den Geheimnissen verschiedener Orte nach. Fast immer geht dies mit dem Lesen eines Abschnittes im umfangreichen Storyheft und nicht selten mit weiteren Entscheidungen einher. Schnell merken wir, dass es unmöglich ist, alles zu entdecken. Das Dorf wächst rasant, Schwerpunkte müssen gesetzt werden. Minispiele und kleinere Rätsel heischen zusätzlich um Aufmerksamkeit. Dabei bedeutet jede Aktion, jedes gebaute Gebäude einen Verzicht an anderer Stelle. Und unser quengeliger Vater lässt es sich natürlich nicht nehmen, unsere Leistungen zu bewerten. Umso erfreulicher ist es, dass Cozy Stickerville einen zweiten Durchlauf ausdrücklich ermöglicht. Einfach den Plan wenden und ein neues, unbeflecktes Stück Natur entdecken. Und diesmal wird unser Dorf bestimmt noch beeindruckender.
 
Fazit
Cozy Stickerville ist ein ruhiges, entschleunigtes Spiel, das bewusst auf klassische Spielziele verzichtet. Es lebt von Atmosphäre, von Gesprächen und von dem Gefühl, gemeinsam etwas Bleibendes zu erschaffen. Die Einwohner wachsen einem schnell ans Herz, und nicht selten ertappt man sich dabei, größere Ziele zugunsten des Happy Ends einzelner Figuren zu vernachlässigen. In Cozy Stickerville muss man Freude daran haben, ohne Eile zu spielen und Entscheidungen unabhängig vom Ergebnis zu erleben. Wer sich ganz auf die Geschichte und die Entwicklung des Dorfes einlassen kann, der findet hier ein ganz besonderes Erlebnis.
 
Wer dagegen eine echte Herausforderung, Wettbewerb oder strategische Tiefe sucht, wird bei Cozy Stickerville nicht glücklich. Die Zahl der Entscheidungen ist begrenzt und nimmt gerade im zweiten Durchgang noch einmal deutlich ab, der entsprechend nicht viel mehr als ein Bonus ist. Auch die Geschichte selbst hakt hier und da. Je nach Reihenfolge, in der man die Events angeht, kann es durchaus kleinere Logikbrüche geben. All das ändert aber wenig am sehr positiven Gesamteindruck. Cozy Stickerville ist perfekt, um nach einem hektischen Tag gemütlich und in positiver Atmosphäre zu entspannen. Ein Spiel, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
 

Flash Point: Legacy of the Flame – Ein Hausbrand, eine Rettung und keine Zeit zu verlieren

09. März 2026 um 10:15

Der Alarm geht ein. Sirenen heulen. Ein Gebäude steht in Flammen – und jede Entscheidung zählt. Willkommen bei unserer Preview zu Flash Point: Legacy of Flame, dem Legacy-Brettspiel zum kooperativen Feuerwehr-Klassiker Flash Point: Flammendes Inferno. In diesem Video sprechen Christian und Robert über ihre ersten Einsätze: Gemeinsam haben sie die Tutorial-Missionen und Episode 1 gespielt und berichten von ihren Eindrücken aus der neuen Kampagne. Was erwartet euch im Spiel? Funktioniert der Story-Fortschritt in einem eigentlich taktischen Feuerwehrspiel? Und vor allem: Macht es Lust auf die nächsten Episoden? Wir sprechen über […]

Flash Point: Legacy of the Flame – Ein Hausbrand, eine Rettung und keine Zeit zu verlieren

Astro Knights

Von: Bill
07. März 2026 um 08:00

Wie Aon’s End – aber doch anders

Keine untergegangene Menschheit oder ein Verstecken dessen letzer Überlebender in einer trotlosen unterirdischen Stadt. Wir sind noch nicht einmal Zauberer! Und doch betitelt sich dieses intergalaktische Spiel auf der Kartonrückseite als den offiziellen Nachfolger des epischen Aeon’s End mit neuer Thematik. Es soll ein schneller Schlagabtausch mit eleganteren Mechaniken sein, ohne sich dabei vom Vorgänger zu weit zu entfernen. Konnte das den Designern gelingen? Ich werde das in meiner Bewertung des Spiels selbst ebenfalls beleuchten.


Steckbrief

SpielAstro Knights
VerlagFrosted Games (Indie Bords & Cards)
Veröffentlichung2026 (Englisch: 2023)
IdeeNick Little (I), Will Sobel
IllustrationGong Studios
Rating (BGG)7,8
Komplexität (BGG)Kennerspiel
SpielweiseKooperativ, (True) Solo
MechanikenDeckbuilding, Boss battle

Spielprinzip

Das Ziel des Spiels ist für Kenner des magischen Vorgängers hinlänglich bekannt und beinahe ausnahmslos gleich: Der Sieg wird erreicht indem der Boss vernichtet, gegrillt oder auch weggeblasen wird, also seine Lebenspunkte auf 0 gesenkt werden. Verloren ist es, wenn der Heimatplanet zerstört wird, alle Astro Knights erschöpft sind oder der Kartenstapel des Bosses zu oft durchgespielt wurde, was im Normalfall drei Durchläufe bedeutet. Hier ist der erste Unterschied der beiden Titel zu erkennen: Beim Vorgänger gewannen die Spielenden, wenn der Nemisis (hier Boss) keine Karten mehr hatte. Aber ganz ehrlich: Auf diese Weise Aeon’s End zu gewinnen war so erfolgsversprechend wie der Versuch eine gekochte Nudel in die Wand zu nageln. Zudem hätte ein solcher Sieg den Beigeschmack, dass wir es ja anders nicht zu lösen in der Lage waren!

Am Anfang wird gemeinsam der zu besiegende Boss festgelegt und nach seinen eigenen Regeln aufgebaut. Im Vergleich zum vorherigen Spiel ist eine Mischung von allgemeinen Karten und eigenen Bosskarten hier nicht notwendig, auch gibt es keine Kartenlevel. Dies wurde insgesamt einfacher gelöst: Jeder Boss hat sein ganz eigenes Deck und jedes Mal wenn es durchgespielt ist, steigt dieser einen Level auf und das selbe Deck wird gemischt und für einen neuen Durchgang bereit gelegt. Das macht den Spielaufbau geschmeidiger und konserviert die Kräfte jedes Bosses als seine ganz eigenen ohne ständig, Kampf für Kampf, immer wieder die selbe Plörre verdünnt mit ein wenig Eigengeschmack des jeweiligen Nemesis schlürfen zu müssen. Gleich geblieben ist, dass jeder Boss eigene Spiezialregeln besitzt und mittels Lebenspunkterad seine verbleibende Lebenskraft anzeigt.

Bossauslage von Furion – Zur Auswahl gibt es drei weitere, z.T. sehr unterschiedliche Bosse

Im Gegensatz zu der einen und einzigen Stadt Gravehold aus dem alten Titel gibt es in diesem Spiel unterschiedliche Heimatplaneten. Einer davon wird von dem ausgesuchten Boss in seiner Existenz bedroht, was den Bewohnern und uns Astro Knights natürlich so gar nicht gefällt! Der Planet gibt seine Lebenspunkte und eine eigene Fähigkeit an, welche durch die Kräfte der Spielenden immer wieder ausgelöst werden kann.

Auswahl von möglichen Heimatplaneten

Der letzte Schritt vor Spielbeginn ist die Model-Show der wählbaren Charaktere. Oder anders: jede teilnehmende Person sucht sich einen Astro Knight aus, liest ggf. dessen Hintergrund und nimmt sich die Starthand- und Deckkarten sowie einen Zahlenmarker für die Festlegung der Spielerreihenfolge. Die durch Aeon’s End bekannten Risse sucht man hier vergebens. Dafür hat man gut übersichtlich drei Anzeiger: Lebenspunkte, Kraft und Slots. Unter dem Portrait ist die Sonderfähigkeit zu finden, die mit voll aufgeladener Kraft ausgelöst werden kann. Die genannten Slots stellen hier eines der Elemente dar, die das Spiel deutlich verschlanken und schneller werden lassen. Für die eine einzige Zahlung von nur 3 Energiepunkten lässt sich ein Slot sehr einfach freischalten. Das lange öffnen der Risse zum anheften der Zaubersprüche entfällt damit beinahe vollkommen. Analog zu diesen magischen Rissen im älteren Spiel darf man hier mit jedem freigeschalteten Slot eine Waffe für den Angriff bereitlegen. Angriffe werden wie gewohnt am Rundenbeginn ausgeführt. Wie beim Vorgänger werden die Waffen in diesem Spiel, ganz wie die Zauber früher, in der laufenden Runde ausgelegt und im Normalfall in am Beginn der folgenden Runde ausgelöst.

Mögliche Auslage der Spieler während einer frühen Phase der Partie. Auf der Rückseite der Heldin findet man die Hintergrundgeschichte und eine Auflistung der Startkarten.

Die Handkarten jedes Spielers bestehen aus den bereits genannten Waffen sowie Energiekernen und Technologien. Die Knarren zieht man gefühlt sozusagen aus dem Halfter und lässt sich an dem Erzfeind oder seinen Minions mal so für alles aus, was am Tag bereits schief gelaufen sein könnte. Die Energiekerne werden im Normalfall benötigt um weitere Karten aus dem Markt in der Tischmitte kaufen und auf den eigenen Ablagestapel legen zu können. Wenn es Abweichungen oder zusätzliche Regeln zum einfachen Normium (Teil der Startkarten) gibt, wird das auf den Karten erläutert. Technologien werden alte Hasen als die Artefakte aus dem Vorgänger wiedererkennen. Diese haben sehr unterschiedliche Funktionen und sollten einzeln gelesen werden.

Der interstellare Markt stellt ebenfalls eine große Änderung zu Aeon’s End dar. Dort wurden an dieser Stelle 9 Karten gewählt oder zufällig bestimmt. 3 Kristalle (in Astro Knights Energiekerne), 2 Artefakte (hier Technologien) und 4 Zauber (hier Waffen). Von jedem gab es einen Stapel und somit 9 Stapel mit jeweils gleichen, unveränderbaren Karten. Ich musste das zum Vergleich an dieser Stelle nochmal erklären, da Astro Knights ziemlich davon abweicht und doch genügend Ähnlichkeit aufweist, um das Prinzip beizubehalten. Hier gibt es nur 6 Stapel (2 Energiekerne, 1 Technologie und 3 Waffen) doch diese bestehen aus unterschiedlichen, jedoch in einer überschaubaren Menge von Karten (und von jeder sind 2 Kopien enthalten). Die Zugehörigkeit der einzelnen Karten zu einem Stapel ist durch jeweils eigene Symbole unten links zu erkennen um diese nach dem Spiel leichter voneinander trennen zu können. Kaufen kann man diese mit der Anzahl in der laufenden Runde ausgespielten Energiekerne, bzw. durch deren Gesamtwert an Energie. Der Markt wirkt damit erstmal unvorhersehbar und beliebig. Es hat sich allerdings in jedem meiner Spiele bisher nicht nachteilig dargestellt, da die Karten oft genug durch den Kauf von anderen Spielenden rotieren. Sollte es doch dazu führen, dass eine bestimmte Karte im eigenen Deck keinen Sinn macht, gibt es eine neue Regel: Man darf die Kosten wie üblich bezahlen, aber anstatt den Kauf dann wie normalerweise auf den eigenen Ablagestapel zu legen wird der Effekt sofort und nur einmalig ausgeführt, was ggf. taktisch interessant sein kann. Die Karte wird danach unter den Stapel gelegt und ist somit für andere Spieler nicht verloren.

Die Marktauslage mit allen sechs Kartenstapeln

Energie kann ebenfalls genutzt werden um die eigene Kraft mit jeweils 2 Energie zu erhöhen und damit das persönliche Talent zu aktivieren. Zusätzlich kann man damit die Kraft der gewählten Heimatwelt erhöhen, um ihre Fähigkeit zu entfachen. Diese können spielentscheidend sein und sollten lieber nicht verachtet werden!

Die Zugreihenfolge wird auch in Astro Knights durch ein Kartendeck bestimmt. Das Reihenfolgedeck besteht immer aus zwei Boss-Karten und je nach Anzahl der Spieler unterschiedliche Zahlenkarten. Gut durchmischt kommt es stets zu einer anderen vor dem Kartenziehen unbekannte Spielerreihenfolge. Ist dieser Sapel leer, wird er neu gemischt. Im eigenen Spielzug folgt man immer dem gleichen Rundenablauf: Schießen, Aktionen ausüben und Karten nachziehen. Sollte das Deck dabei leer sein, wird der Ablagestapel nicht gemischt, sonder aufgenommen, auf die Rückseite gedreht und als neues Deck bereit gelegt. Man kann damit also in gewisser Weise planen, wann mit welchen Karten zu rechnen ist.

Auswahl der Reihenfolgekarten bei zwei Spielern

Unboxing

Das Schachtelformat ist überraschend klein ausgefallen. Doch passen hier die Karten mit ihren nützlichen Trennern, die praktischen Schachteln für das jeweils zugehörige Boss-Material, das zusätzliche Spielmaterial und die Tableaus gut hinein. Die Materialqualität ist als Standard ohne Besonderheiten zu bezeichnen, also keinen Linenfinisch in den Karten oder ähnliches.

Die Bosse kommen mit ihrem Material in eigenen Boxen daher, eine angenehme Idee.

Die Spieler- und Bosstableaus fallenrecht dünn aus. Da sie aber den Spielverlauf über nur ausliegen kann man das ohne weiteres als ausreichend ansehen. Es scheint preislich dem heutigen Standard zu entsprechen und dennoch hätte ich mir für gut 50 € doch etwas mehr Materialqualität gewünscht. Spieltechnisch hat das zwar keine Auswirkungen, aber es fühlt sich für die Preisklasse doch irgendwie zu billig an.


Bewertung

Man muss es klar sagen: Astro Knights wirkt grafisch irgendwie zu niedlich um mit seinem großen Bruder Aeon’s End mithalten zu können. Obwohl es doch einen ähnlichen Zeichenstil aufweist wirkt das ältere Spiel gegen dieses düster und trostlos. Außerdem kann ich mich nicht erwehren bei dem Namen und den Illustrationen die Melodie von Captain Future in meinem Kopf abspielen zu lassen. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, ich mag das Feeling sogar! Ich will damit nur ausdrücken, dass es insgesamt familientauglicher wirkt.

Tatsächlich ist es in vielen der oben genannten Punkte gestreamlinter als der ältere Titel. Und obwohl es damit auch zugänglicher für Einsteiger ist, kann man es nicht als belanglos einfach bezeichnen. Es mag uns Vielspielern und bestimmt vor allem den Kennern von Aeon’s End beinahe einfacher vorkommen als ein typisches Kennerspiel, aber wenn wir mal ganz ehrlich sind wäre es für ein Familienspiel doch zu komplex.

Früher habe ich Aeon’s End einen hohen Stellenwert gegeben und es gerne auf den Tisch gebracht. Das würde ich jetzt aber nur noch tun, wenn ich Bock auf ein langes Spiel habe, dass in allen Belangen nichts besser macht als sein Nachfolger. Dieser gefällt mir nun um Längen besser, obwohl ich ein Fantasy-Setting normalerweise dem Schience-Fiction vorziehen würde. Es läuft schneller ab und bringt dennoch alle Vorzüge der Spielmechaniken, die Aeon’s End für mich immer so besonders gemacht hat: Toll durchdachtes Deckbuilding, Reihenfolgekarten und beim Nachziehen das Deck nicht zu mischen. Ich liebe diese Ideen einfach!

Während der Vorgänger nun in meiner persönlichen Wertung nach unten weichen muss und nur noch maimal Bronze für mich, hat Astro Knights dessen verlorenen Status damit übernommen. Es gehört in meinen Schrank und wird stets gerne wieder gespielt, womit es für mich Gold erreicht.

Wie wir bewerten haben wir euch hier aufgeschrieben.


(c) Copyright Frosted Games

Grafik(en) und Bild(er) von analog rockt

Bild von Thomas Budach auf Pixabay. Begründung für die Bildauswahl damit es keine rechtlichen Probleme gibt ausformulieren.

Bausteine: Das Spiel ist ein Rezensionsexemplar. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Auf Brettspielfreizeit: 10 Tage Spiele-Seminar mit Vollpension

Von: ravn
05. März 2026 um 23:25

Die einen nennen es Freizeitvergnügen und die anderen ordnen es für sich als Bildungsurlaub ein. Die erlebte Realität liegt individuell dazwischen. Gemeinsam ist auf jeden Fall, eine um ein Wochenende verlängerte Woche im Kreise von lieben Menschen, Bekannten und Freunden, die zu Mitspielern werden. Das sind 10 Tage voller Begegnungen am Spieltisch und in den nötigen Essenspausen dazwischen. Und Erholung sollte dabei auch nicht zu kurz kommen.

Die Seminarveranstaltung im beschaulichen Bad Holzhausen steht dieses Frühjahr unter dem offiziellen Motto „Miteinander statt gegeneinander – Wege zur Verständigung und Konfliktlösung im generationenübergreifenden Kontext.“ Dabei verbindet das Seminar methodisch erfahrungsbasierte und aktivierende Ansätze mit ausgewählten spielerischen Elementen, um Austausch, Kooperation und gemeinsames Lernen im generationenübergreifenden Kontext zu fördern. Gewiss keine Übertreibung, weil genau das erhoffe ich mir persönlich dort. Eventuell nicht in so hochgestochenen Worten gekleidet, aber den Kern der Sache trifft es.

Am Spielbrett geht es um Begegnungen, die nur miteinander statt gegeneinander zum Erfolg führen können. Da gilt es zunächst, gemeinsam eine Schnittmenge zu finden, um aus einer Auswahl an über 250+ Seminarobjekten etwas zu finden, was mindestens eine gute Zeit verspricht. Wobei es auch nicht schadet, mal über seinen Schatten zu springen, die eigene Komfortzone zu verlassen und etwas Neues zu wagen.

Verständigung treffen wir bei Spielmechanismen mit diplomatischem bis kooperativem Ansatz. Konfliktlösungen sehe ich eher im konfrontativen Spiel, bei dem es durchaus im Laufe der Partie gerne hart zu Sache gehen darf, sofern wir uns am Ende die Hände schütteln können und keinen Groll ins Danach tragen. Durch die vielschichtige Altersstruktur der Seminarteilnehmer ergibt sich der generationsübergreifende Kontext von ganz alleine, wenn die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander treffen und miteinander auskommen müssen. Zumindest für begrenzte Zeit. Wobei es dann auch eine Erfahrung für sich ist, dass ich nicht zwingend mit jedem besten Freund sein muss.

Den Lernfaktor sehe ich zudem auf mehreren Ebenen. Einmal im Miteinander selbst, in den diversen sozialen Kontakten, auch bei unterschiedlichen Ansichten, Meinungen und Spielweisen sich gegenseitig zu respektieren in den erlebten Eigenheiten, von denen ich mich keineswegs ausnehme. Aber ebenso in der Vielfalt der Seminarobjekte, die teilweise mehr einer Simulation als einem Spiel zum reinen Spaß ähneln. So kann ein Limit von Spielworxx uns eindrucksvoll bis beängstigend die Grenzen des Wachstums ausweisen, wobei ein Wroth auf einer ganz anderen Ebene zeigt, wohin Konflikte um Gebiete führen und wie sich Sieger dabei formen. Das moderne Brettspiel ist soviel mehr, darf aber ebenso gerne reiner Zeitvertreib sein.

Zehn Tage Raum und Gelegenheit sind da schon ein Marathon, der ebenso bewusste Atempausen der Ruhe und der gewählten Isolation braucht – zumindest für mich. Genau deshalb habe ich auch meine Wanderschuhe und Nordic Walking Stöcke dabei, um mich noch vor dem Frühstück im Morgengrauen mal so richtig auszupowern. Um dann bereit für den Seminartag zu sein.

Ich freue mich darauf. Die Taschen sind gepackt. Die Dieselpreise für einen Moment verdrängt, ebenso wie die restliche Welt fernab der temporären Idylle Bad Holzhausen. Ein Ort und Zeitraum, der zeigt, dass es miteinander statt gegeneinander auch anders geht. Die Rückkehr in die raue Wirklichkeit und fordernde Arbeitswelt wird schon schwierig genug sein. Bis dahin stehen aber noch 10 Tage in entspannter Vollpension-Seminar-Umgebung an. Bis dahin. Mal sehen, ob ich mich von vor Ort hier melde. Und wenn doch nicht, dann bleibt Brettspieltag.de treu und gönnt mir die Sendepause. Über 320 Beiträge gibt es derweil hier für Euch zu entdecken.

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